Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92255
Momentan online:
272 Gäste und 10 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Bergwanderung II
Eingestellt am 21. 07. 2003 19:02


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Loepe
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jun 2003

Werke: 2
Kommentare: 6
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Loepe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Bergwanderung II

Ich war tief gesunken.

Ein bisschen so, wie man in einen tiefen Sessel sinkt.

In einen solchen wie den, in den ich mich gerade sinken lasse und den ich zuvor von benutzten Kleidungsst├╝cken befreit habe, die nach kaltem Rauch und Dornkaat miefen.

Ich ├╝berlege nur kurz, ob ich eine Paracetamol nehmen soll.
Nachdem ich sicher bin, dass ich diese wieder erbrechen werde, entscheide ich mich die Kopfschmerzen zu ertragen.

Vor mir auf einem Doppelbett liegt so eine Art Frau. HabÔÇÖ ich mit ihr die letzte Nacht verbracht? Hoffend, dass dies nicht der Fall ist, bef├╝rchte ich jedoch das ├Ąu├čerste.

Im wieder einigerma├čen n├╝chternen aber doch noch ziemlich verkaterten Zustand ist es eigentlich Zeit, mich auf den Socken nach drau├čen zu schleichen, um diese merkw├╝rdig unangenehme Situation schnell hinter mich zu bringen.

Wegen meines desolaten Zustandes entscheide ich mich aber den eingenommenen Platz erst einmal als die momentan bessere Alternative zu betrachten.

Irgendwie um meinen K├Ârper aus der Verspanntheit herauszuholen, falte ich meine H├Ąnde hinter dem Kopf zusammen, strecke mich ein wenig, lehne mich dann zur├╝ck und lasse von dem drehbaren Sessel aus meinen Blick durch das Zimmer gleiten, der dann unvermittelt stehen bleibt, als er ein Bild einf├Ąngt, dass mich an der Wand gleich rechts neben mir gefangen nimmt.

Ein Junge erinnert mich sehr nachdr├╝cklich und unvermittelt an meine Kindheit.

Ein Junge, der bei sommerlichem Wetter eine Bergwanderung zelebriert, mit dem gewissen L├Ącheln im Gesicht, den mit einer Feder geschm├╝ckten Tirolerhut auf dem Kopf, den Wanderstab in der linken Hand, und den Verschluss eines auf dem R├╝cken befindlichen Trinksackes in der rechten Hand, mit der ├╝ppigen Bergwiese unter seinen nackten F├╝├čen, die ihn wohlig warm mit positiver Energie zu durchstr├Âmen scheint.

Nicht, dass ich je eine Bergwanderung gemacht h├Ątte, oder bewusst mit einen Tirolerhut herum gelaufen w├Ąre. So etwas kenne ich nur aus alten Heimatfilmen. Und einen Wanderstab besitze ich allenfalls in Form eines orthop├Ądischen Hilfsmittels.

Aber ich habe mir einen Vater gew├╝nscht. Und zwar konkret einen solchen, der mit mir wenigstens einmal im Leben eine Bergwanderung macht.

Ich wei├č auch gar nicht mehr, warum es unbedingt eine Bergwanderung sein musste, aber es war so. Da ich meinen Vater jedoch nie kennen lernen durfte, wurde auch aus dieser Bergwanderung nichts.

Pl├Âtzlich kommt jedoch so eine Art Leben in das Doppelbett. Ich sehe, wie sich ein K├Ârper aus der v├Âllig verdrehten Bettw├Ąsche herauswindet und ein irgendwie schwarzhaariger Kopf sich mir zuwendet, ganz langsam.

Als das Gesicht von der Seite her immer konkretere Formen annimmt, erkenne ich mit einem Entsetzen, dass mir das Blut in den Adern gefrieren l├Ąsst, eine Fratze auf mich zukommen, die der Teufel nicht perfekter h├Ątte kreieren k├Ânnen.

Trotzdem ist das Gesicht, bis auf die roten, stechenden Augen, kaum zu erkennen, ist das, was man gemeinhin f├╝r das Antlitz halten w├╝rde, von riesigen Aknenarben durchdrungen.

Ich versuche mich aus dem Sessel zu erheben, mein K├Ârper will mir jedoch nicht gehorchen, gerade so als ob das Entsetzen noch zu steigern w├Ąre. Ich klebe wie gel├Ąhmt im Sessel, w├Ąhrend die Ekelerregende ganz langsam auf mich zukommt und mich zu verschlingen droht. V├Âllig nackt versucht sie mich zum Erbrechen zu verleiten.

Irgendwo zwischen Panik und Ohnmacht, die Hitze des stinkenden Atems im Nacken wie einen hei├čen Luftzug sp├╝rend, mehr in Zeitlupe und v├Âllig kraftlos gelingt es mir irgendwie, die Wohnungst├╝r zu erreichen.

Ich bekomme die T├╝r ge├Âffnet und finde mich wenig sp├Ąter auf der Stra├če wieder. Wie ich die vier Stockwerke herunter gekommen bin bleibt mir ein R├Ątsel.

Warmer Sommerregen klatscht auf dampfenden Asphalt. Und mitten in der von Leere und diffusem Stra├čenlicht durchdrungenen Nacht kann ich mich endlich erbrechen.

Loepe
__________________
Nur Tr├Ąumer erreichen die Sterne!

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!