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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Bert is(s)t andersrum.
Eingestellt am 29. 06. 2002 15:00


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pleistoneun
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Kaum einer der anderen G├Ąste des Spezialit├Ątenrestaurants sah noch verwundert zu Bert r├╝ber, als er sein Ges├Ą├č entbl├Â├čte, um sich gierig in seine Vorspeise zu setzen.
Suppe mit wenig Einlage hatte er wieder mal bestellt.
Bert nahm sein Schicksal, wie er es nehmen musste, denn Mutter Natur hatte ihm einen gar arg b├Âsen Streich gespielt.
Nicht, dass man es ihm ├Ąu├čerlich sofort angesehen h├Ątte, nein, er sah aus wie jeder andere Mensch. Doch in seinem Inneren spielten sich seltsame Dinge ab.
Leider verlief bei Bert die Verdauung r├╝ckw├Ąrts, was f├╝r ihn das Leben nicht immer leicht machte.
Sein Dickdarm fungierte als Speiser├Âhre, sein D├╝nndarm war wie ein 12 Meter langer d├╝nner Magen, sein Magen hatte die Funktion seines eigentlichen D├╝nndarms ├╝bernommen und den Rest kann man sich denken.
Ungl├╝cklicher Weise kam noch der Umstand dazu, das die Geschmacksnerven richtig angebracht waren. So schmeckte er zwar nicht, was er zu sich nahm, aber um so intensiver, was er…….

F├╝r Bert hatte auch Zahnhygiene eine ganz andere Bedeutung gewonnen. "Wie gut, dass beinahe in jeder Toilette eine Zahnb├╝rste gr├Â├čeren Formates beigestellt ist", dachte Bert in Kindheitstagen und putzte sich nach jedem Stuhlgang artig die Z├Ąhne. Er dachte, jeder mache das so, bis er ├╝ber die Wahrheit aufgekl├Ąrt wurde.
Er hat jetzt immer seine eigene Zahnb├╝rste dabei.

Immer noch im Spezialit├Ątenrestaurant bestellte Bert als Hauptspeise die frittierten Mehlw├╝rmer. Diese mundeten im Abgang ganz besonders. Naja, nur Bert konnte das beurteilen. Vorsichtig nahm er einen nach dem anderen Mehlwurm zwischen die Pobacken und kaute. Zu knusprig durften sie nicht gebraten werden, da er leicht schwer h├Ąmorrhoidenempfindlich war.

Doch zur├╝ck zu Berts Alltag.
Nicht nur Durchfall war f├╝r ihn unangenehmer als f├╝r jeden anderen, auch Verstopfung bedeuteten f├╝r ihn starke Qualen. Die Lunge und das Herz gerieten durch den ├╝bervollen Darm unter Druck und kurzatmig, knapp vorm Kammerflimmern applizierte er oftmals gerade noch rechtzeitig ein Abf├╝hrmittel oral oder rektal, je nachdem, wie man es anatomisch betrachten m├Âchte. Also in den eigentlichen Mund, um gleich darauf Haupts voran in die Sch├╝ssel zu ….?

Die Seitenverkehrtheit f├╝hrte nicht unoft zu Verwirrungen, da f├╝r ihn Medikamentenbeipackzettel nur ungen├╝gend ausgestellt waren. Wo sollen die Dinger nochmals rein? Am besten halfen ihm die Z├Ąpfchen, welche laut Apothekerin zwar nicht zum Lutschen gedacht waren, aber ein selten gutes Geschmackserlebnis auf den so wenig verw├Âhnten Gaumen von Bert zauberten.

Wie gerne w├Ąre Bert doch wie alle anderen. Der Wunsch lie├č ihn zum Bulimiekranken werden. Er genoss es, nach einem ausgiebigen Mahl den Finger zwischen den Ges├Ą├čh├Ąlften verschwinden zu lassen, um hernach kotzend auf der Klosch├╝ssel zu sitzen wie andere Menschen auch. Darauf folgten wieder Fressorgien und so weiter.

Auch diesmal im Restaurant lie├č sich Bert noch die Kirsche der Nachspeisentorte zwischen den Backen zergehen, stie├č kurz auf und spuckte den Kirschkern, wenn man das ├╝berhaupt spucken nennen konnte, in den daf├╝r vorgesehenen Napf. Das Aufsto├čen leistete er sich hin und wieder, denn die Winde anderer Art konnte er sich in Gesellschaft doch nicht erlauben.
Bert zog sich die Hose wieder ├╝ber, schnallte den G├╝rtel enger (durch die Bulimie war er schon etwas d├╝nn geworden), um seine Freundin k├╝ssend das Spezialit├Ątenrestaurant zu verlassen.
Mahlzeit


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