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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Besessen
Eingestellt am 14. 06. 2015 01:08


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Xuscha
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2015

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Erschrocken fuhr James aus dem Schlaf hoch und setzte sich schwei├čgebadet auf. Der Mond h├╝llte sein Zimmer in einen hellen Grauton und erleuchtete ihn schwach, und dennoch genug, sodass er sich im Spiegel gegen├╝ber erkennen konnte. Er wirkte kraftlos. Seine Unterarme auf die Oberschenkel gelegt, betrachtete er seine zerzausten Haare, die an seiner Stirn klebten. Sein Oberk├Ârper bewegte sich schwer auf und ab und er wirkte ersch├Âpft.
Es war nur ein AlbtraumÔÇŽ Er lachte leise. Das nur war mehr als unpassend, denn seine Tr├Ąume entsprachen immer der Realit├Ąt.
James dachte durchgehend an seine Mutter, der er nicht helfen konnte. Jahrelang verfolgten ihn nun schon diese Tr├Ąume, die er verzweifelt abzusch├╝tteln versuchte, doch vergeblich.
Ihre leblosen Augen, welche ihn anklagend anstarrten, w├╝rden ihn nun f├╝r den Rest seines Lebens verfolgenÔÇŽ und das zurecht.
Er allein war Schuld an ihrem Tod. James glaubte ihr nicht, als sie ihn verzweifelt darum bat, die Schule fr├╝her zu verlassen. Sie erkl├Ąrte, es ginge ihr mal wieder nicht gut und somit dachte er, sie w├╝rde erneut simulieren. James lag falsch.
Monate vergingen und ihn plagten jede Sekunde nie endende Schuldgef├╝hle. Irgendwann begannen die Lehrer, keine R├╝cksicht mehr auf seine Probleme zu nehmen und behandelten ihn wie jeden anderen auch. Doch James war nicht wie die anderen.
Er war ein Ausgesto├čener. Andere Sch├╝ler machten sich lustig ├╝ber ihn und gestalteten sein Leben noch schwerer, als es ohnehin schon war. F├╝r sie war es ein Witz, ihm seine Sachen zu entwenden und sie an allen m├Âglichen Orten zu verstecken, an denen es weitere Erniedrigungen gab. Das M├Ądchenklo war ein sehr beliebter Ort, James\' Sachen zu verstecken. Die Lehrer bem├╝hten sich zwar, all die Attacken zu verhindern, doch sie konnten nicht an allen Orten sein, um ihn zu besch├╝tzen. Im Endeffekt war er allein und auf sich gestellt.
Sein rechtes Augenlid begann zu zucken. Er hasste es, denn es kam unvorbereitet und konnte nicht kontrolliert werden. Es war der Stress, den seine Tr├Ąume, seine Mitsch├╝ler und sein Vater, der ihn bereits seit seiner Kindheit als Entt├Ąuschung betrachtete, hervorriefen.
Ein WunschÔÇŽ nein, mehr ein Drang breitete sich durch seinen K├Ârper aus und hinterlie├č eine innere Unruhe, die James nicht b├Ąndigen konnte. Und mit der Unruhe kam die Stimme erneut hervor, die ihm wie sooft dazu riet, sich der Gier hinzugeben und sich nicht dagegen zu wehren.
James stie├č einen heftigen Schrei aus und schleuderte sein Kissen gegen den Spiegel.
Sein Herz begann zu rasen und das Blut pulsierte stark durch seine Adern. Seine Atmung beschleunigte sich und panisch ├╝berlegte er, wie er diesem Drang nur widerstehen konnte, wozu er jedoch bisher nie f├Ąhig war.
Er wollte sich nicht der Manie hingeben, doch sein Verlangen danach war zu stark und er zu unbeherrscht.
Sein Spiegelbild zog eine h├Ąssliche Grimasse und grinste ihn an. In ihm ert├Ânte diese Stimme, die ihn jederzeit verfolgte, und ihn stets verf├╝hrerisch dazu verlocken wollte, loszulassen.
James rang mit sich und k├Ąmpfte gegen den Eindringling an, der ihn schon so oft heimsuchte und gewaltsam ├╝berkam.
Es war wie ein Parasit, der sich hinterh├Ąltig in den K├Ârper schlich und ihm seine Kontrolle raubte. Eine Besessenheit, die dazu bestimmt war, sich ewig in James\' Kopf festzusetzen.
Schon etliche Male krallte sie sich mit aller Kraft an ihn und James war unf├Ąhig sie abzusch├╝tteln. Er war nicht stark genug und besa├č nicht den Mut, sich anderen anzuvertrauen.
Sein Herz raste immer schneller und ein Druck bildete sich in seinen Armen aus. Er war nerv├Âs. Das letzte Mal erschien sein Verlangen vor zwei Tagen. Seitdem kehrte die innere Unruhe St├╝ck f├╝r St├╝ck zur├╝ck und mit ihr der Drang.
Erneut lockte ihn die Stimme im Inneren sich ihr hinzugeben und versuchte, James davon zu ├╝berzeugen, dass es ihm gut t├Ąte und einen Moment begann James\' Widerstand sich zur├╝ckzuziehen. Sein Verstand benebelte sich und durch sein Verlangen fragte er sich, warum er sich wehrte. Er besa├č nichts, wof├╝r es sich zu k├Ąmpfen lohnte und er hatte niemanden, der sich um ihn sorgen w├╝rde. Warum also dagegen ank├Ąmpfen?
Zitternd trat er zu seinem Schreibtisch, ├Âffnete die oberste Schublade und betrachtete mit heftig schlagendem Herzen und schwitzenden H├Ąnden die gro├če Ansammlung an B├╝roklammern, Rei├čn├Ągeln, Scheren sowie Rasierklingen. Allein vom Anblick entspannte sich James, doch es reichte nicht aus, um sich zu beruhigen.
Erregt griff seine Hand nach einer noch nicht verwendeten Rasierklinge. Die innere Stimme redete ihm w├Ąhrenddessen weiter zu, dass es richtig sei und er sich besser f├╝hlen w├╝rde.
Sie hatte Recht. Immer.
Sie wusste, was gut f├╝r ihn war, sie kannte die L├Âsung, um seine Leiden zu vermindern und James begann ihr wieder zu vertrauen. Er lie├č sich von der Stimme ├╝berzeugen, dass der Schmerz sein Elend endg├╝ltig verjagen w├╝rde. Er wusste, dass die Bem├╝hungen zuvor seine Qual nur f├╝r einen kurzen Augenblick verscheucht hatten, und dennoch klammerte er sich verzweifelt an die Hoffnung, der k├Ârperliche Schmerz w├╝rde seine seelischen Leiden irgendwann beenden.
James lie├č sich auf sein Bett nieder und starrte auf seinen linken Arm, welcher von den alten Narben gezeichnet war. Er hatte schon etliche Kratzer ausgehalten und w├╝rde es auch weiterhin durchstehen.
Unruhig setzte er die Klinge an. Seine innere Stimme ermutigte ihn weiterhin dazu und erkl├Ąrte, es sei der einzige Weg, um f├╝r einen Moment zu fl├╝chten, doch irgendwo, tief verborgen in James, wusste er, dass es nicht helfen w├╝rde und es nichts gab, dass die Besessenheit besiegen konnteÔÇŽ

__________________
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DocSchneider
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