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Leselupe.de > Horror und Psycho
Besessen
Eingestellt am 17. 03. 2005 21:29


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nemo
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Besessen

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Ein Tag wie jeder andere.
Elektrosmog schwebt unsichtbar durch die BĂŒrorĂ€umlichkeiten, wĂ€hrend ich völlig ĂŒbermĂŒdet vor dem Kopierer stehe und meine Augen sich beim Surren jeder einzelnen Kopie ein wenig mehr schließen. Ich weiß gar nicht, warum ich so fertig bin. Ich war gestern um zehn im Bett, fĂŒhle mich aber, als hĂ€tte ich die ganze Nacht durchgemacht.
Doch die Partyzeiten sind schon lange vorbei. Das Alter fordert seinen Tribut.
Spießer. Warmduscher. Anfang vierzig und im sozialen Abseits.
Der Kopierer verstummt und ich zwinge meine Augenlider sich zu öffnen. Neonlicht, hart und kalt, kratzt an meinen NetzhĂ€uten. Ich schwebe zu meinem Platz. Nehme die Umgebung, die Kollegen, die Telefone, das Leben nur noch durch einen Schleier aus MĂŒdigkeit und Desinteresse wahr. Mein Arbeitsplatz, zwei Quadratmeter Frust und Motivationslosigkeit umgeben von TrennwĂ€nden, umgeben von einem GroßraumbĂŒro, umgeben von Desillusion. Zwei Quadratmeter AnonymitĂ€t in der Masse.
Das Telefon klingelt, schrill. Ich nehme ab, lege auf. Keine Lust auf schönen guten Tag, wie kann ich ihnen helfen?
Ich öffne meinen Aktenkoffer, habe Hunger.
Irgendetwas liegt dort in einem weißen Tuch eingerollt.
Ich greife danach, hebe es hoch und eine Pistole poltert zu Boden.
Erschrocken hebe ich sie auf, schmeiße sie hastig in den Koffer zurĂŒck und schaue mich um.
Keiner beachtet mich. Wie ĂŒblich.
Woher kommt die Waffe?
DĂ€mon
Wer hat sie in meinen Koffer gesteckt?
Erlaubt sich jemand einen schlechten Scherz mit mir?
Wieder schaue ich mich um, in leere und ausdrucklose Gesichter.
Plötzlich steht mein Chef vor mir. Haare nach hinten gegelt, schicker Anzug, ernster Blick.
Was ist jetzt mit der Bachmann Akte?
Immer noch nicht fertig?
Wie sehen sie eigentlich aus?
Haben sie heute Nacht nicht geschlafen?
Sie sollten mal ihren Lebensstil ĂŒberdenken. Sie sind nicht mehr in dem Alter, in dem man sich, mir nichts, dir nichts, die NĂ€chte um die Ohren haut.
In zwei Stunden will ich die Akte auf meinem Tisch.
Haben sie das verstanden?
DĂ€mon
Haben sie das verstanden?
Ich verstehe und nicke. Resigniert. WĂŒtend.
Anfang vierzig und feige.
Ich schlurfe auf die Toilette, uriniere, wasche mir die HĂ€nde und erblicke ein fremdes Gesicht im Spiegel.
DĂ€mon
Rote ledrige Haut. Gelbe stechende Augen. Ein boshaftes LÀcheln, das zwei beindruckende FangzÀhne offenbart.
Du weißt, was du zu tun hast.
DĂ€mon
Ich weiß es.
Bestimmten Schrittes gehe ich zurĂŒck zu meinem Arbeitsplatz und hole das Tuch samt Inhalt aus meinem Koffer.
Mittagszeit. Die tĂ€gliche Wanderung beginnt. AufzugtĂŒren öffnen und schließen sich.
Ich klopfe an der BĂŒrotĂŒre meines Chefs, lasse mich nicht bitten und trete ein.
Er schaut mich verdutzt an, wĂ€hrend ich die TĂŒr hinter mir schließe.
Er fÀngt sich. Haben sie die Akte Bachmann fertig?
Besser noch, sage ich und greife in das Tuch hinein.
Kalter Stahl, schwer und tödlich.
Das Tuch schwebt in Zeitlupe zum Boden und ich entsichere die Waffe, richte sie auf meinen Chef.
DĂ€mon
Entsetzen zeichnet sich in seinem aalglatten Gesicht ab. Er stammelt etwas.
Ich drĂŒcke ab.
Die Kugel prallt in seine Schulter.
Mein Chef wird fast vom Stuhl gerissen und stĂ¶ĂŸt einen kreischenden Schmerzensschrei aus.
Es ĂŒberkommt mich ein wohliger Schauer.
Erneut drĂŒcke ich ab und verteile sein Gehirn auf die Panoramascheibe seines BĂŒros.
Die galleartige rosa Masse rutscht langsam zu Boden und trĂŒbt die schöne Aussicht auf die Stadt.

Ich verlasse das BĂŒro und alle Blicke richten sich auf mich. Die Allgemeinheit sieht meine Waffe. Panik bricht aus. Die SekretĂ€rin des Chefs, mein beliebtester Gedankengast bei einsamen Klositzungen, starrt mich mit offenem Mund an, wĂ€hrend ihre Augen sich langsam mit TrĂ€nen fĂŒllen. Die Kugel durchbohrt ihre Bauchdecke und auf ihrem BlĂŒmchenkleid erblĂŒht ein ganzer Strauß roter Rosen.
DĂ€mon
Den schmierigen Typen vom Verkauf erwische ich im vollem Lauf und reiße ihm die rechte GesichtshĂ€lfte weg. Ideales Aussehen fĂŒr Kundebesuche.
Schreie ĂŒbertönen das fortwĂ€hrende Klingeln der Telefone.
DĂ€mon
Der Vertriebsleiter bricht zu Boden, als ich ihm die Kniescheibe wegschieße.
Blut. Jede menge Blut.
DĂ€mon
Ein Wimmern, hinter einer der TrennwÀnde.
Dort kauert der EDV-Wichser, der meinen Internetzugang gesperrt hat.
Ich
DĂ€mon
lÀchle
lÀchelt.
Ein Schuss.
Die Kugel tritt in seinem linken Auge ein und wieder gibt es Hirngulasch.
Gelassen, als wĂ€re ich beim Einkaufbummel, schlendere ich durch die, inzwischen menschenleeren, BĂŒrorĂ€ume meines Arbeitgebers.
Ich gehe zurĂŒck auf die Toilette und blicke in die fremden Augen.
DĂ€mon
Das hast du schön gemacht.
FĂŒhlt sich gut an, oder?
Ich nicke.
DÀmon lÀchelt.
Wir sehen uns, sagt er und verschwindet.
Die TĂŒre wird aufgerissen und zwei Sicherheitsleute zielen mit ihren Pistolen auf mich.
Doch der Lauf meiner Waffe ruht bereits auf meiner SchlÀfe.
DĂ€mon

__________________
:nemo

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MDSpinoza
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1. Es sind noch reichlich FlĂŒchtigkeitsfehler in der Geschichte.

2. Seit ĂŒber 100 Jahren wird in (Gebrauchs-) Schußwaffen kein Schwarzpulver mehr verwendet. Das gibt es nur noch fĂŒr Vorderlader und einige seltene obsolete Kaliber. Heutige Pulver werden auf Nitrocellulosebasis hergestellt.
__________________
Lieber ein verfĂŒhrter Verbraucher als ein verbrauchter VerfĂŒhrer...

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Black
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Hi Nemo,

es darf auf keinen Fall Spinozas Kommentar als einziger stehenbleiben, deshalb weg von der Logik und hin zur Story :
sehr beeindruckend ebendiese! ZunĂ€chst die Alltagsszene, wie sie hundertfach in deutschen BĂŒros abgehen dĂŒrfte, dann plötzlich Einblendungen des Wortes DĂ€mon.Hier kann man bestenfalls ahnen, was kommt.Man wird durch diese "Schlaglichter" in die Geschichte gezogen und will den DĂ€mon kennenlernen - was auch zu GenĂŒge passiert.
Der Rosenstrauß auf dem BlĂŒmchenkleid erinnert mich an King,ansonsten abwechslungsreiche Szenerie,in der so ziemlich alles an Mensch durchlöchert wird, was man sich vorstellen kann. Gelungene Geschichte, freue mich auf weitere !

Gruß,
B.
__________________
tomorrow never knows

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MDSpinoza
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Die Story als solche finde ich gut. Ich finde es nur absolut abtörnend, wenn eklatante sachliche Fehler das wohlige Gruseln vermiesen. Auch Grauen hat Logik!
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nemo
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Hallo und vielen Dank fĂŒr die Kritik.
Ich habe die Sache mit dem Schwarzpulver mal rausgenommen.
Ich gebe zu meine Kentnisse in diesem Bereich sind ziemlich
rudimentÀr und Hollywoodlastig.

Danke und Gruss / nemo

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:nemo

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Michael Schmidt
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Hallo nemo,

mitreißende Geschichte. Allerdings auch sehr eindimensional. Ist er denn so ausschließlich von seinem DĂ€mon gefangen?

Bis bald,
Michael
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Der ErnstFall Michael Schmidt

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