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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Besiegt
Eingestellt am 08. 08. 2007 15:40


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Anysa
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Besiegt

Besiegt (wieder ĂŒberarbeitet)

Ich stehe vor dieser Wand und weiß nicht, wie ich hinauf kommen soll. In den BĂŒchern wurde der Via ferrata delle Trincee als schwieriger Klettersteig beschrieben. Obwohl ich schon einige Klettersteige in den Dolomiten absolviert hatte, sehe ich hier keine Chance. Die senkrechte, trittarme Wand, bestehend aus Lavagestein, welches eher untypisch fĂŒr diese Gegend ist, zeigt mir meine Grenzen auf.
Den steilen Weg bis zum Einstieg fĂŒr diesen Klettersteig habe ich noch gut gemeistert. Es waren nicht viele Höhenmeter zu bewĂ€ltigen. Mein Freund hatte mich zeitig geweckt, um frĂŒh am Klettersteig zu sein. Mit vielen anderen Wanderern sind wir hinauf zum Einstieg gelaufen.
WĂ€hrend sich alle umziehen und die KlettersteigausrĂŒstung anlegen, stehe ich wie erstarrt vor der Wand.
FurchteinflĂ¶ĂŸend ragt der glatte Fels senkrecht vor mir auf. Schwarz wie die Nacht im Schatten der aufgehenden Sonne.
Meine spontane Reaktion bei diesem Anblick: Nein, das mach ich nicht! Das Herz schlĂ€gt mir plötzlich bis zum Hals und peitscht mein Blut durch die Adern. Ein dumpfer Druck legt sich auf meinen Kopf und bereitet mir Schmerzen. Ich schwitze aus allen Poren trotz der morgendlichen KĂŒhle. Meine Haare kleben bereits nass an meinem Kopf und da habe ich noch nicht einmal den Helm aufgesetzt.
Sirko, mein Freund, beginnt bereits damit, die AusrĂŒstung aus dem Rucksack zu holen. Er hat offensichtlich keine Probleme mit dem Trincee Klettersteig. Er schaut kurz hoch und sieht mich mit weit aufgerissenen Augen stehen.
„Was ist los?“, will er wissen.
„Ich glaube, ich schaff das nicht!“, antworte ich ihm leise.
Er schaut mich weiter an, blickt dann zum Klettersteig. „Komm, versuch es wenigstens.“
Mein Herz schlÀgt immer noch in einem hektischen Takt. Ich beobachte, wie sich die anderen Wanderer umziehen und die ersten zum Drahtseil gehen. Es ist ein junges PÀrchen, das sich mit den Karabinern zur Sicherung in das Drahtseil einklinkt. Die Frau geht vor mit schnellen und sicheren Schritten.
Vielleicht ist der Klettersteig gar nicht so schwierig, keimt ein wenig Hoffnung in mir auf.
Ich versuche ruhig durchzuatmen und meinen Puls zu normalisieren. Alles halb so schlimm, rede ich mir ein.
Die Finger der Kletterin finden auf der glatten Wand nicht immer den nötigen Halt. Suchend fĂ€hrt sie mit der Hand ĂŒber das Lavagestein, bis sie eine griffige Stelle gefunden hat. Ihre Augen suchen nun eine gĂŒnstige Stelle fĂŒr ihren Fuß. Ein kleiner Vorsprung bietet genĂŒgend Platz. Sie holt etwas Schwung, zieht sich mit dem linken Arm vor und legt ihren Fuß auf dem Vorsprung ab. Der rechte Fuß baumelt ziellos vor der Wand. Mit der freien Hand holt sie ihre Karabiner nach und hĂ€ngt sie einen nach dem anderen um. Mit einem Karabiner ist sie immer am Drahtseil gesichert, sofern dieses in der Verankerung ist.
Routiniert geht sie Schritt fĂŒr Schritt weiter bis sie zu einer besonders schwierigen Stelle kommt. Sie hĂ€lt kurz inne um eine Lösung zu finden. Der nĂ€chste kleine Vorsprung ist nicht weit entfernt, doch ist genau darĂŒber ein Bolzen in den Felsen eingebracht. Das kann Probleme geben. Als sie den nĂ€chsten Schritt macht, bewahrheitet sich meine BefĂŒrchtung. Der Bolzen ist so ungĂŒnstig angebracht, dass ihr Knie keinen Platz findet. So kann sie sich nicht aufrichten und muss diesen Schritt wieder rĂŒckgĂ€ngig machen. Mit ihren Augen sucht sie die Wand nach weiteren Möglichkeiten ab.
Der Bolzen liegt sehr weit oben, doch sieht die Frau keinen anderen Weg. Sie beugt sich sehr weit vor und hÀngt die Karabiner mit ausgestrecktem Arm bereits um. So können diese sie nicht hindern und sie muss sie nicht umstÀndlich nachholen.
Mit einem Kreuzschritt hebt sie ihr linkes Bein und positioniert ihren anderen Fuß auf den kleinen Vorsprung. Nun hĂ€ngt sie mit der linken KörperhĂ€lfte in der Luft und beginnt ihr Bein hin und her zu schwingen. Sie beugt sich nach hinten, holt viel Schwung, lĂ€sst das Drahtseil los und springt.
FĂŒr kurze Zeit ist sie schwerelos und fliegt durch die Luft. In diesem Moment hĂ€ngt ihr Leben hĂ€ngt an einem einzigen Seil. Trifft sie ihr Ziel nicht, wird sie abstĂŒrzen und muss dann auf die StabilitĂ€t ihres Gurtes vertrauen.
Voller Anspannung beobachte ich ihren Flug. Wird sie es schaffen oder stĂŒrzt sie ab und fĂ€llt in die Seile? Wird der Gurt halten oder wird er reißen, wie es schon einmal bei einem Kletterer passiert ist? Mein Herz scheint stehen zubleiben. Die Sekunden dehnen sich zu einer Ewigkeit.
Mit ihrer Hand bekommt sie das Drahtseil wieder zu fassen, kann ihren Flug stabilisieren. Ihr Fuß trifft den Bolzen, sie zieht sich am Seil hoch und hat wieder sicheren Halt. Mit der freien Hand wischt sie sich den Schweiß von der Stirn und atmet tief durch. Geschafft!
Aber nicht nur sie kann wieder atmen. Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich die Luft angehalten hatte. Nun atme ich erleichtert wieder aus und lege die Hand auf mein Herz. Ja, es schlĂ€gt noch. Die anderen Wanderer haben das Schauspiel ebenfalls gebannt verfolgt und unterhalten sich jetzt erleichtert ĂŒber dieses riskante Manöver. Ob ich das so gut meistern kann, wage ich doch sehr zu bezweifeln.
Die SchlĂŒsselstelle ist also geschafft. Hier wird eindeutig die Spreu vom Weizen getrennt.
Als die junge Frau dieses hinter sich gebracht hat, folgt ihr der Mann. Er hat weit mehr Schwierigkeiten mit dem Klettersteig. Bereits am Anfang klettert er nicht so elegant an der Wand entlang wie seine Frau. Sehr langsam kommt er voran und steht schließlich vor der SchlĂŒsselstelle. Zuerst versucht er dem Beispiel der Frau zu folgen. Viele Minuten vergehen, in denen er immer wieder Schwung holt und dann doch den Versuch abbricht. Er setzt seinen Fuß auf den winzigen Vorsprung unterhalb des Bolzens und zieht sich hoch. Wahrscheinlich wĂŒrde ich diesem Beispiel eher folgen, da es weniger riskant ist.
Wie seine Frau vor ihm kann er sich nicht aufrichten. In gebĂŒckter Stellung sucht er mit dem anderen Fuß den nĂ€chsten Halt und kann schließlich seiner Fußspitze etwas StĂŒtze bieten. WĂ€re die Situation nicht so gefĂ€hrlich, könnte ich mich köstlich ĂŒber diesen Anblick amĂŒsieren. Im halben Spagat versucht er das Drahtseil zu umschließen. Die Fingerspitzen erreichen es immer wieder, doch er braucht lange, bis er es endlich umfassen kann. Der Bolzen blockiert sein Knie und muss sich bereits schmerzhaft hineinbohren. Ich habe das GefĂŒhl, als ob auch mein Knie schmerzen wĂŒrde und reibe es unbewusst.
Mit einem Arm will er sich aus der misslichen Lage ziehen, doch wird er daran gehindert. Jetzt zeigt sich, warum seine Frau die Karabiner vorher umgehangen hat. Das Seil ist schließlich nicht meterlang und so hĂ€ngt es vor der Verankerung fest und zerrt an ihm.
Er muss sich nun tief hinab beugen und verliert beinahe den Halt.
Ein Schreckensschrei entfĂ€hrt mir und ich halte mir die Hand vor den Mund. Ich hatte ihn bereits stĂŒrzen sehen. Zittrig hĂ€ngt er einen Karabiner nach dem anderen um. Erst jetzt kann er sich mit einem Arm und reiner Muskelkraft hinauf ziehen. Unbeholfen sucht er den nĂ€chsten Halt. Mit einem Bein stehend schmiegt er sich eng an die Felswand. Viele Minuten verstreichen, bevor er dem Klettersteig weiter folgt.
Seine Frau ist wĂ€hrenddessen auf einem grasbewachsenen Plateau angelangt und blickt kurz zu ihm herunter. Sehr zittrig kann er zu ihr aufschließen. Doch ist sie bereits weiter unterwegs, er folgt im langsamen Tempo.
Zweifelnd blicke ich Sirko an. Dieser hat aufgehört, seine AusrĂŒstung anzuziehen. Er merkt, dass ich nicht gewillt bin.
„Setz dich hin, wir beobachten einfach die Leute. Vielleicht gewinnst du dann mehr Mut“, will er mich beruhigen. Noch rechnet er damit, dass ich den Steig begehen werde. Bisher habe ich auch vor nichts zurĂŒck geschreckt.
Ein großer Stein, wo unsere RucksĂ€cke angelehnt sind, bietet uns genĂŒgend Platz. Kurz nehme ich den Blick von der Kletterwand und schaue mich um.
Die Aussicht auf die Dolomiten ist ĂŒberwĂ€ltigend. Die aufgehende Sonne streichelt sanft die Bergspitzen. Der morgendliche Dunst steigt langsam auf. Doch kann ich dieses Panorama nicht genießen. Die Angst sitzt mir mit ihrer kalten Hand im Nacken. Ich kann mir nicht erklĂ€ren, woher dieses GefĂŒhl kommt. Ich habe noch nicht einmal den Felsen berĂŒhrt.
Sirko redet ruhig auf mich ein. Doch seine Worte finden kein Gehör bei mir.
Mein Blick wird immer wieder zum Klettersteig gelenkt, obwohl ich eigentlich das Panorama der Dolomiten genießen möchte um so wieder zur Ruhe zu kommen. Bisher ist nichts passiert am Klettersteig, keiner ist abgestĂŒrzt.
Angespannt beobachte ich ein weiteres Paar, das geduldig auf seine Chance wartet. Oberstes Gebot bei Klettersteige ist immer, genĂŒgend Abstand zum Vordermann zu lassen. Denn wenn dieser stĂŒrzt reißt er bei zu geringen Zwischenraum den Nachfolger mit.
Dieses Mal steigt der Mann zuerst auf. Er kĂ€mpft sich bis zur SchlĂŒsselstelle vor. Offensichtlich hat er sich das PĂ€rchen vor ihm genau angeschaut. Er geht die SchlĂŒsselstelle genauso wie die Frau an und springt kurzerhand auf den Bolzen.
FĂŒr ihn scheint es weniger Probleme zu geben. Sehr gut fĂŒr meine Nerven, mein Herzschlag beruhigt sich ein wenig.
Etwas wackelig bleibt er auf dem Bolzen stehen und ruft seiner Partnerin etwas zu. Ich stehe zu weit weg, um es verstehen zu können. Die Frau folgt ihm nach einigem Zögern. Sie hat bereits mit den ersten Schritten ihre Probleme. Die kleinen FelsvorsprĂŒnge, gerade so groß dass die Fußspitze des Schuhs Platz hat, bieten ihr nicht genug Raum. Fahrig versucht sie, die Karabiner umzuhĂ€ngen. Aber die VerschlĂŒsse wollen in ihren zittrigen HĂ€nden nicht recht aufgehen.
„Bleib ruhig, MĂ€dchen“, flĂŒstere ich leise und schreibe in Gedanken auch mir diese Anweisung zu.
Sie steht seit einer Minute auf derselben ungĂŒnstigen Stelle, die sehr kraftraubend ist. Sie hĂ€tte sich vorher umhĂ€ngen sollen, ein Fehler, den viele Klettersteiggeher machen. So kostet es sie viel Kraft und Nerven, die Karabiner vor die Verankerung zu bringen. Ich frage mich, wie sie die schwierige SchlĂŒsselstelle schaffen will.
Als sie nach mehreren Versuchen einen Halt am glatten Gestein findet, will sie sich ungelenk hinauf ziehen, aber ihr Fuß rutscht ab. Durch die Wucht des Sturzes kann sie das Drahtseil nicht mehr halten und fĂ€llt in die Seile. Sie schlĂ€gt gegen den Felsen und taumelt am Seil. WĂ€re sie nicht so gut gesichert gewesen, hĂ€tte ihr das bereits das Leben kosten können.
Mir bleibt der Schreckensschrei in der Kehle stecken und ich springe auf. Mein Herz macht einen gewaltigen Sprung, bleibt kurz stehen und schlĂ€gt dann hart und schnell gegen meinen Brustkorb. Mit der Hand halte ich mir vor Schrecken den Mund zu. Mein Blut scheint mit Lichtgeschwindigkeit durch meine Adern zu rasen. Mir ist heiß und kalt zu gleich. Die Beine werden wackelig, die HĂ€nde beginnen zu schwitzen und ich bekomme ĂŒberall GĂ€nsehaut. Sirko sagt etwas zu mir, doch nehme ich meine Umwelt nicht mehr wahr. Ich sehe nur noch die Frau an der Wand hĂ€ngen und kann ihre Panik sehr gut nachvollziehen. Bereits jetzt spĂŒre ich die aufkommende Panik in mir.
Ihr Partner hat den Sturz gesehen und beginnt gleich mit dem Abstieg. Derweil versucht sie nach dem Drahtseil zu greifen. Sie braucht mehrere AnlĂ€ufe. Es ist zu sehen, dass sie in Panik gerĂ€t, leises Schluchzen ist zu hören. Als sie es endlich zu fassen bekommt, will sie sich hoch ziehen, um einen Felsvorsprung zu erreichen. Es will ihr aber nicht gelingen. Ich denke mir, warum stĂŒtzt sie sich nicht mit den Beinen ab? Aber wenn man in Panik ist, denkt man nicht mehr logisch.
Diesen Hinweis gibt ihr offensichtlich ihr Partner. Nach ein paar Worten von ihm tut sie genau dies und kann sich so retten. Sie beginnt mit dem Abstieg. Der Schock sitzt so tief, dass sie die einfachsten Schritte nicht richtig macht und immer wieder ausrutscht.
Am Boden angekommen klinkt sie sich aus und entfernt sich ein paar Schritte vom Via ferrata delle Trincee. Sie setzt sich auf den Boden und nimmt den Helm ab. Ihr Gesicht vergrÀbt sie in den HÀnden und fÀngt an, bitterlich zu weinen. Ihr Partner kommt an ihre Seite, nimmt sie in den Arm und redet beruhigend auf sie ein.
“Um Gottes Willen, das ist ja lebensgefĂ€hrlich!“, sage ich zu Sirko. Dieser zuckt nur mit den Schultern.
„Sie ist es nicht richtig angegangen, etwas unbeholfen vielleicht. Und außerdem hat ihr Gurt sie doch gehalten, oder?“
Ich kann darauf nichts antworten. Wie soll ich ihm sagen, das ich den Klettersteig nicht gehen will? Um etwas Zeit zu gewinnen beobachte ich die nÀchsten Klettersteiggeher.
Ein weiteres Team versucht sich am Trincee Klettersteig, doch auch hier scheitert die Frau. Das Schauspiel der vorherigen Kletterin wiederholt sich. Der Mann klettert aber weiter, wĂ€hrend die Frau nicht den Klettersteig begeht sondern den Felsen zu Fuß umrundet.
Jetzt ist fĂŒr mich eindeutig klar, dass ich es nicht versuchen werde.
Dies sage ich meinem Freund, der einfach nur nickt. „Du willst es nicht wenigstens versuchen?“, will er mich ĂŒberreden. Mir ist mittlerweile nur noch schlecht und ich fĂŒhle mich ganz elendig. Ich schĂŒttele nur den Kopf.
Sirko will das GefĂŒhl fĂŒr diesen Klettersteig bekommen und beginnt, natĂŒrlich gut gesichert, mit dem Anstieg. Mittlerweile sind neue Wanderer hinzugekommen. Sie schauen mich an, wie ich einsam auf meinem Felsen sitze. Sie werden wissen, dass ich vor lauter Angst den Steig nicht gehe. Es ist mir peinlich und ich schaue schnell wieder auf die Wand. Mir wĂ€re lieber gewesen, Sirko wĂ€re mit mir gleich weggegangen. Ich will diesen Ort nur noch verlassen.
Ich sitze auf meine Stein und beobachte Sirko beim Klettern. Er kommt gut voran und findet seine Trittmöglichkeiten. Doch an der SchlĂŒsselstelle ist auch fĂŒr ihn Schluss. Er kehrt wieder um und meint anschließend: „Es ist wirklich nicht einfach. Besonders an der einen Stelle wird es sehr haarig. Ich wĂŒrde es aber wahrscheinlich schaffen. Doch wenn ich ĂŒber die SchlĂŒsselstelle hinaus wĂ€re, wĂŒrde ich nicht mehr umkehren und du wĂ€rst allein.“ Er schaut mich wartend an. Ich schĂŒttle nur den Kopf.
Wir entscheiden uns, den Klettersteig nicht zu absolvieren, sondern eine Wanderung daraus zu machen. Sirko lĂ€sst sich zwar nichts anmerken, doch spĂŒre ich, dass er enttĂ€uscht ist. Wortlos packt er die KlettersteigausrĂŒstung wieder zusammen. Sein Gesicht spricht BĂ€nde, er ist einfach nur enttĂ€uscht. Aber Angst ist nun mal keine gute Voraussetzung fĂŒr das Klettern.
Zwar ist mir jetzt leichter ums Herz, mein Blutdruck normalisiert sich wieder. Doch habe ich noch nie aufgegeben, egal wie weit der Weg, wie schwierig der Aufstieg oder der Klettersteig war. Aber hier bin ich gescheitert, das erste Mal besiegt worden.
Als wir dann schließlich dem Bindelweg folgen, zergrĂŒble ich mir das Hirn ĂŒber mein Versagen. Vielleicht hĂ€tte ich es doch versuchen sollen? Gut, es hatten viele Kletterer ihre Schwierigkeiten mit dem Steig und einige haben auch aufgegeben. Aber einen Versuch wĂ€re es wert gewesen. Immer wieder schießt mir diese Frage durch den Kopf und ich kann mich gar nicht auf die Wanderung und die wunderschöne Natur der Dolomiten konzentrieren.
NÀchstes Jahr, das schwör ich mir, werde ich es erneut versuchen und dann werde ich es schaffen!

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Orangekagebo
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quote:
In den BĂŒcher war der Via ferrata delle Trincee

Vielleicht: In den BĂŒchern wurde der Via ferrata delle Trincee als ... beschrieben.

quote:
Den Anstieg bis zum Einstieg

Vielleicht: Den Weg bis zum Einstieg, oder: Den Aufstieg bis hierher habe ich ...

quote:
Als ich diese sehe, ist meine erste Reaktion: Nein, das mach ich nicht!

Vielleicht: Meine erste Reaktion: Nein, das mache ich nicht!


quote:
FurchteinflĂ¶ĂŸend ragt sie vor mir auf, schwarz wie die Nacht liegt sie im Schatten der aufgehenden Sonne

Vielleicht: FurchteinflĂ¶ĂŸend ragt die Wand vor mir auf. Schwarz wie die Nacht im Schatten der aufgehenden Sonne.

quote:
Das Herz schlÀgt mir bis zum Hals. Mein Blut rauscht mit ungeahnter Geschwindigkeit durch meine Adern.

Vielleicht: Mein Herz schlÀgt bis zum Hals, peitscht das Blut durch die Adern ...

quote:
Obwohl es kĂŒhl ist an diesem Morgen, schwitze ich aus allen Poren.

Vielleicht: Ich schwitze aus allen Poren trotz der MorgenkĂŒhle.


Du mĂŒsstest das Erlebnis mehr passieren lassen! Was Du schreibst, ist Deine Sicht der Ereignisse. Schreibe sie so, dass sie tatsĂ€chlich gerade passieren.
(z.B. Ihre Armkraft lĂ€sst aber nach und sie stĂŒrzt. Zum GlĂŒck hatte sie sich gesichert und fĂ€llt so in die Seile. Schmerzhaft schlĂ€gt sie gegen den Felsen. Mit zittrigen Armen kann sie sich am Seil hochziehen und beginnt den Abstieg.)

Hier braucht der Leser keine Fantasie. Woher weiss der Autor, dass ihre Armkraft nachlÀsst. Auch, dass des schmerzhaft ist? Das kann der Autor nur vermuten.

Besser: Sie schlÀgt gegen den Felsen, taumelt im Seil. Ein Griff nach dem Seil, zittrig und ungelenk ...

So baust Du bessere Spannung auf.

Nur Beispiele und nur meine Sichtweise (als Vorschlag).

LG, Orangekagebo

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Rumpelsstilzchen
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Jetzt hast Du Dich im Detailgeröll verstiegen.

Jeder Tritt löst eine Wortlawine, wie das prasselt auf dem Helm! Da unten liegt die Spannung, zerschmettert und begraben.
Und bitte, steig' doch wieder in den engen Kamin Deiner eigenen Sicht, denn von innen schaute es sich interessanter heraus.

Hat ĂŒber den Fels gestrichen und ist in den Berg entwichen
__________________
Ich glaube
an das Gesetz
der kritischen Masse

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Anysa
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Hallo Rumpelsstilzchen,

deine Kritik hast du ja in schöne Worte gefaßt.
So wie ich dich verstehe, habe ich wirklich zuviel geschrieben und es ist einfach nur Mist.
War der erste Text besser? Doch da fehlten noch einige Details.
Habe ich es zu ausfĂŒhrlich geschrieben, das es langatmig geworden ist?
Wenn ich etwas auslasse, passt es wieder nicht.
Werde vielleicht versuchen, es noch einmal zu ĂŒberabreiten.

LG
Anysa

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Rumpelsstilzchen
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Pah, Details!

Willst Du eine Kletterfibel schreiben oder DEIN Empfinden wiedergeben?

In der ersten Fassung (schade, dass sie nicht mehr nachzulesen ist, vielleicht magst Du sie als Kommentar einstellen?) war Zittern und Beben wie im richtigen Leben. Weil nicht das bloße Geschehen im Fokus stand, sondern seine Reflektion in Deiner bewegten Protagonistenseele. Ich jedenfalls lese genau deshalb hier Kurzgeschichten statt Bergwachtprotokolle oder AlpenfĂŒhrer.

Sprang in die Kluft und machte sich klamm

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Anysa
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Hallo Rumpelsstilzchen,

offensichtlich ist die Geschichte deutlich schwerer, als ich dachte. Vielleicht sollte ich sie nicht mal schnell im BĂŒro schreiben.
Wollte die Geschichte schon lange nieder schreiben, habe aber immer eine Blockade gehabt. Stelle nun das Original noch einmal ein, aber ohne das ich die ersten Fehler korrigiert habe.
Mir rennt die Zeit weg, da die Trincee immer nĂ€her rĂŒckt.

Diese Fassung wird dir aber noch weniger gefallen, Sorry.

LG
Anysa

Besiegt

Ich stehe vor dieser Wand und weiß nicht, wie ich hinauf kommen soll. In den BĂŒcher war der Via ferrata delle Trincee als schwieriger Klettersteig beschrieben. Obwohl ich schon einige Klettersteige in den Dolomiten geschafft hatte, sehe ich hier keine Chance. Die senkrechte, trittarme Wand, bestehend aus Lavagestein (eher untypisch fĂŒr diese Gegend) zeigt mir meine Grenzen auf.
Den Anstieg bis zum Einstieg fĂŒr diesen Klettersteig habe ich noch gut gemeistert. Es waren nicht viel Höhenmeter. Mein Freund hat mich extra zeitig aus dem Bett geholt, um frĂŒh am Klettersteig zu sein. Mit vielen anderen Wanderern sind wir hinauf zum Einstieg gelaufen. WĂ€hrend diese sich umziehen und die KlettersteigausrĂŒstung anlegen, stehe ich wie erstarrt vor der Wand.
Als ich diese sehe, ist meine erste Reaktion: Nein, das mach ich nicht! FurchteinflĂ¶ĂŸend ragt sie vor mir auf, schwarz wie die Nacht liegt sie im Schatten der aufgehenden Sonne. Das Herz schlĂ€gt mir bis zum Hals. Mein Blut rauscht mit ungeahnter Geschwindigkeit durch meine Adern. Obwohl es kĂŒhl ist an diesem Morgen, schwitze ich aus allen Poren. Meine Haare kleben bereits nass an meinem Kopf und da habe ich noch nicht einmal den Helm aufgesetzt.
Sirko, mein Freund, beginnt bereits damit, die AusrĂŒstung aus dem Rucksack zu holen. Er hat offensichtlich keine Probleme mit dem Trincee Klettersteig. Er schaut kurz hoch und sieht mich mit weit aufgerissen Augen stehen.
„Was ist los?“, will er wissen. „Ich glaube, ich schaff das nicht!“, antworte ich ihm leise.
Er schaut mich an, blickt dann zum Klettersteig. „Komm, versuch es wenigstens.“
Mein Herz schlÀgt immer noch wie wild. Ich beobachte, wie sich die anderen Wanderer umziehen und die ersten zum Drahtseil gehen. Es ist ein junges PÀrchen, das sich mit den Karabinern zur Sicherung in das Drahtseil einklinken. Die Frau geht vor mit schnellen und sicheren Schritten. Ihre Finger finden auf der glatten Wand nicht immer den nötigen halt, so dass sie oft umgreifen muss und sich einen anderen Weg sucht.
Eine Stelle bereitet ihr besondere Schwierigkeiten. UnschlĂŒssig hĂ€ngt sie in der Wand, sucht nach Griffen und versucht, mit ihrem linken Fuß einen Halt zu bekommen.
Ich denke mir, das schafft sie nicht. Doch da tĂ€usche ich mich. Sie macht einen weit ausholenden Schritt und hat die schwierige SchlĂŒsselstelle geschafft. Als sie dieses hinter sich gebracht hat, folgt ihr der Mann. Dieser hat weit mehr Schwierigkeiten mit dem Klettersteig. Sehr langsam kommt er zu der SchlĂŒsselstelle und braucht lange, bis er diese bewĂ€ltigt hat. Einmal kommt er ins rutschen und zieht sich mit viel Kraft und MĂŒhe nach oben. Seine Frau ist wĂ€hrenddessen auf einem gras bewachsenem Plateau angelangt und wartet auf ihren Partner. Sehr zittrig kann er zu ihr aufschließen. Doch ist sie bereits weiter unterwegs, er folgt im langsamen Tempo.
Zweifelnd blick ich Sirko an. Dieser hat aufgehört, seine AusrĂŒstung anzuziehen. Er merkt, dass ich nicht will.
„Setz dich hin, wir beobachten einfach die Leute. Vielleicht gewinnst du dann mehr Mut“, will er mich beruhigen. Wir machen es uns auf einem Stein gemĂŒtlich. Die Aussicht auf die Dolomiten ist ĂŒberwĂ€ltigend. Doch kann ich dieses Panorama nicht genießen. Die Angst sitzt mir mit ihrer kalten Hand im Nacken. Ich kann mir nicht erklĂ€ren, woher dieses GefĂŒhl kommt. Ich habe noch nicht einmal den Felsen berĂŒhrt.
Still beobachten wir ein weiteres PĂ€rchen. Dieses Mal steigt der Mann vor. Er kĂ€mpft sich bis zur SchlĂŒsselstelle vor und schafft diese auch nur mit viel MĂŒhe und Armkraft. Seine Partnerin folgt ihm, scheitert aber bereits am Anfang. Immer wieder versucht sie, ĂŒber eine bestimmte Stell hinaus zu kommen, ohne Erfolg.
Und dann passiert es. Sie kommt ins rutschen, findet keinen Halt an der glatten Wand und versucht sich noch am Drahtseil festzuhalten. Ihre Armkraft lĂ€sst aber nach und sie stĂŒrzt. Zum GlĂŒck hatte sie sich gesichert und fĂ€llt so in die Seile. Schmerzhaft schlĂ€gt sie gegen den Felsen. Mit zittrigen Armen kann sie sich am Seil hochziehen und beginnt den Abstieg. Der Schock sitzt tief und sie rutscht immer wieder aus.
Ihr Partner kehrt um und ist bald an ihrer Seite. Am Boden angekommen klinkt sie sich aus, geht ein paar Schritte weg und setzt sich hin.
Mir ist das Herz in die Hose gerutscht, als ich das dramatische Schauspiel gesehen habe. Ein weiteres PÀrchen versucht sich am Trincee Klettersteig, doch auch hier scheitert die Frau. Der Mann geht aber weiter, wÀhrend die Frau nicht den Klettersteig geht sondern den Felsen umrundet.
Jetzt ist fĂŒr mich eindeutig klar, das ich es nicht versuchen werde.
Sirko will wenigstens das GefĂŒhl fĂŒr diesen Klettersteig haben und beginnt, natĂŒrlich gut gesichert, mit dem Anstieg. Doch an der SchlĂŒsselstelle ist auch fĂŒr ihn Schluss. Er kehrt wieder um und meinte, das es wirklich rutschig ist und sehr schwierig. Wir entscheiden uns, den Klettersteig nicht zu absolvieren, sondern eine Wanderung daraus zu machen.
Zwar ist mir jetzt leichter ums Herz, mein Blutdruck normalisiert sich wieder. Doch habe ich noch nie aufgegeben, egal wie weit der Weg, wie schwierig der Aufstieg oder der Klettersteig war. Aber hier bin ich gescheitert, das erste Mal besiegt.
Als wir dann schließlich dem Bindelweg folgen, zergrĂŒble ich mir das Hirn ĂŒber mein Versagen. Vielleicht hĂ€tte ich es doch versuchen sollen? Immer wieder schießt mir diese Frage durch den Kopf und ich kann mich gar nicht auf die Wanderung und die wunderschöne Natur der Dolomiten konzentrieren.
NÀchstes Jahr, das schwör ich mir, werde ich es erneut versuchen und nicht scheitern!

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