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Leselupe.de > Kurzprosa
Bestia ex Eisbaeris
Eingestellt am 01. 02. 2012 01:23


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Verboholiker
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Bestia ex Eisbaeris

Ein mächtiger Eisbär streunte ziellos und nach Nahrung suchend in den Weiten des polaren Eises umher. Schon vor Tagen hatte er die gezielte Suche nach fressbaren Objekten aufgegeben, denn es war ihm bewusst geworden, dass er das feste Land, den Rückweg, da er einen zu weiten Weg auf das Eis gewagt hatte, nicht mehr hätte antreten können.
Je weiter er sich hinauswagte, manchmal auf den immer dünner und spärlicher gesät werdenden Eisschollen, manchmal auf bleichen Flächen gehend, desto größer, desto nahrhafter müsste die Beute sein, um letztlich sein Überleben und seine Rückkehr zum Festland zu ermöglichen.
In einigen Eislöchern versuchte der Bär Fische zu fangen, jedoch konnte er sie mit seinen breiten Tatzen nicht fassen. Die Fische wanden sich zu schnell, sie flüchteten stets.
Als er mit seinen kräftigen Pranken auf einer größeren Eisfläche fischte, jedoch nur eiskaltes Wasser förderte, bemerkte er, dass ein paar Meter weiter weg eine kleine Robbe auf dem Eis stand und seine Bemühungen, einen Fisch zu ergattern, aufmerksam beobachtete.

„Warum steckst Du Deine Arme in dieses Loch hinein?“,
sagte sie freundlich und mit warmer Stimme. Der Bär, der seine volle Konzentration auf das Herumrudern in dem Eisloch gelegt hatte, schreckte etwas zusammen, nahm die Beute, die kleine Robbe, die direkt vor seiner Schnauze stand, wahr, erkannte aber schnell, dass dieses kleine Wesen, das diese völlig plausible Frage gestellt hatte, über wichtige Informationen verfügen könnte, um ihn letztlich auf einen glücklicheren Weg – eventuell den Heimweg – zu führen.
Schnell begriff er, dass hinter diesem schmackhaften Menü, welches normalerweise nur Knack- und Sterbegeräusche von sich gäbe, eine gewisse -- Sympathie steht. Er beschloss, die Robbe nicht zu essen. Der Bär sagte:
„Ich möchte gerne wieder nach Hause gehen, um meine Bärin und meine Kinder zu besuchen. Mir fehlt jedoch die Kraft, da ich schon lange nicht mehr gegessen habe.“
Die Robbe sagt darauf: „Was Du übergangen hast, habe ich unterschwommen. In diesem wüsten Eisloch bin ich gerade aufgetaucht. In meiner Verirrung suchte ich Fische unter dem Eis, aber ich habe nur verschreckte Schwärme gefunden. Anscheinend wissen sie, dass wir sie benötigen. Alle sind nun fort. Gib´s auf, Bär, gib´s auf.“
Der Bär sanft: „Du kannst es nicht sein, den ich essen müsste, um nach Hause zu gehen.“ Er setzte sich auf das Eis und wartete.

Nach einigen Tagen, in denen sich die kleine Robbe ihrer Fettschichten annahm, starb der Eisbär ab. Sie schwamm an den Kadaver des Eisbären heran, öffnete mit ihren spitzen Zähnen dessen lederne, fellige Haut, um an das Fleisch desselben zu gelangen.
Ordentlich satt gefressen, zufrieden lächelnd, schwamm sie nun zu ihrer Familie auf das Festland.

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Moony
Guest
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Hallo Verboholiker,

bereits im ersten Absatz reiĂźt's den Kritiker wiederholt hin und her ob der Ungereimtheiten:

quote:
Bestia ex Eisbaeris
Falls das Latein sein und ein "eisbaer, ~baeris" existieren sollte: "ex" regiert den Ablativ, und der endete wenn, dann auf -i.

Aber das ist nicht so schlimm wie die Tatsache, dass das arme Vieh offenbar gar nicht so recht weiß, was es will. Wer nach Nahrung sucht, hat ein Ziel; dass man anders als "gezielt" nach Nahrung sucht, ist auch für Großsäuger wie den Eisbären nicht vorstellbar. Einem Raubtier zuzutrauen, Hunger und angeborener Jagdtrieb wären durch die Vorausschau auf einen Rückweg hintanzustellen, geht eigentlich gar nicht und müsste jedenfalls schlüssig begründet werden.

Warum sagst du nicht mit einem einzigen Satz: "Ein großer Eisbär hatte sich auf der Suche nach Beute im immer dünner werdenden Polareis verlaufen und war dabei, sich aufzugeben, als ..."

Abgesehen davon, dass Bären niemals im Meer fischen (das geht nur in Lachsflüssen, wo ein paar Tausend Lachse gleichzeitig vor lauter Geschlechtstrieb nicht mehr wissen, was ein Grizzly ist und ihm direkt ins Maul schwimmen): Robben stehen nicht, an Land liegen Robben oder robben. Dass ein Eisbär vor einer kleinen Robbe erschrickt, ist kaum glaublich. Zu einem "Menue" wird ein Robbenkörper per se nicht, denn dazu fehlte es an der Vor- und der Nachspeise. So ein Tier wird bestenfalls zur "Mahlzeit", die der Bär nicht "isst", sondern frisst.

Leider efährt der Leser nicht, warum der Bär die Robbe nicht augenblicklich gefressen hat. Es wäre doch das vernünftigste gewesen; ihr Geschmarre, sie habe sich unter dem Eis verirrt (hihi, das tun Robben nie) und sie sei nicht in der Lage gewesen, von den offenbar zahlreich vorhandenen Fischen (der Bär hat doch in ihnen herumgerührt!) ein paar zu erwischen, klingt so wenig glaubhaft, dass der Bär schon ein sehr dummer Bär gewesen sein muss. Vielleicht war er schon im Delirium? Anders wird nicht erklärlich, dass er der Robbe gestattete, ihr Hüftgold selbst zu verstoffwechseln, statt ihr dabei nach Kräften behilflich zu sein.

Falls in dem etwas wirren, recht umständlich geschiebenen Text so etwas wie ein Gleichnis oder eine Moral verborgen sein sollte, so erschließen sie sich dem Leser nicht. Er bleibt am Ende ratlos zurück, weiß er doch, dass der Kauapparat einer Robbe an der Decke eines ausgewachsenen Eisbären scheitern würde, passte so ein Koloss wirklich in deren Beuteschema. Aber das tut er ja nicht, wie wir alle wissen.

Eine gute Fabel lebt wesentlich davon, dass Charakter und Verhalten der Tiere erhalten bleiben; die Ăśbertragung dieser Muster auf Menschen macht den eigentlichen Witz aus und gibt die Pointe, ohne die alles nichts ist. NatĂĽrlich kann man dabei persiflieren, aber auch da gilt: eine gute Persiflage ist als solche erkennbar. Leider ist aber auch dies hier nicht der Fall.

lg


Moony



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Gernot Jennerwein
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Einmal ist in einem Buch ĂĽber Raubtiere geschrieben worden:
"Der Eisbär ist das einzige säugende Raubtier, das gezielt dem Menschen nachstellt."
Der Satz müsste eigentlich lauten: Der Mensch stellt für den Eisbären eine potenziell geeignete Beute dar.
Aber auch mit "gezielt" weiĂź man, was gemeint ist.

Man könnte in Betracht ziehen, der liebe Verboholiker meinte mit seinem "gezielt", dass der Eisbär nicht mehr nach potenziellen Beutetieren suchte, weil er am Ende seiner Kräfte war. Schlüssig wird`s dann aber nur mit dem Zusatz, dass er auf einen Kadaver hoffte.

GrĂĽĂźe
Gernot




__________________
der Sibirier

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Verboholiker
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Hallo, Kritiker,

zunächst ist es sehr schön, dass sich so viele Leser dafür interessieren und auch (längere und gehaltvolle) Kommentare dazu abgeben.
So, was das Latein-Problem angeht: „Bestia ex Eisbaeris“ ist natürlich eine Überschrift für ein… nun ja, sollen wir es *Kunstwerk* nennen? Die grammatikalischen Fragen könnten sich also natürlich stellen, sie müssen es aber nicht. Für meine Verhältnisse sind sie nur nebensächlich.
Dunkel, sehr dunkel erinnere ich mich an meinen Latein-Unterricht. Ich habe es ge… nun, beides eigentlich. „Eisbär“ nenne ich mal Nomen, sei es M oder f, das ist egal, und katapultiere es in die lateinische Deklination. Im Prinzip ist es dann auch egal, in welche Deklination genau es fällt, da es dort eigentlich nicht hin gehört. Da es auf –is endet, bleiben aber nicht mehr viele Möglichkeiten, da ja, wie schon gesagt, die Präposition „ex“, den Ablativ verlangt. Wie wäre s denn mit dem Ablativ plural? Allegorisch betrachtet würde das sogar einen gewissen Sinn ergeben, es muss ja nicht nur um einen Eisbären oder eine Robbe gehen. Mal ganz nebenbei: Was wäre hier wohl los, hätte ich einen Pinguin oder ein Erdmännchen genommen? (Siehe unten)
Ein weiterer Punkt ist wohl die ökologische Plausibilität, die hier bezweifelt wird. Aber da kann ich Euch beruhigen. Sie spielt nämlich keine Rolle. Es ist egal, ob Eisbären mit Pranken fischen, es ist gleich, ob Robben sich derart weit unter dem Eis bewegen. Robben können ja auch nicht sprechen. Oder irgendwelchen Eisbären das Fell aufritzen.

@Moony:

Hi!
Es ist wohl eine Art Fabel, glaube ich. Der Text ist schon ein paar Jahre alt, was eine gewisse Distanz zwischen mir und der Geschichte schafft. Aber was ist denn eine „gute“ Fabel? Und muss denn eine von Dir beschriebene Pointe überhaupt vorhanden sein? Wünscht sich das jemand, der solch eine Geschichte liest und Robbe und Eisbär direkt zuordnen und auf irgendwelche Menschen übertragen kann, ohne eine gewisse Spannung zu erleben? Ich finde es auch ganz spannend, diese Ratlosigkeit zu verursachen. Ich finde, Plausibilität, Realität, - Durchschaubarkeit… müssen nicht sein. Da kann man sich andere, trivialere Dinge antun. Versuche es doch mal zu deuten, wobei Du die Punkte, die Du bemängelst, einfach weglässt.

@ Gernot Jennerwein

Sei gegruschelt!
Zitat: „Schlüssig wird`s dann aber nur mit dem Zusatz, dass er auf einen Kadaver hoffte.“
Also: Was Dein Buch sagt. Der Eisbär sucht nicht *gezielt* nach Menschen, denn sie kommen in seinem Habitat nur höchst selten vor. Und sie schützen sich meistens durch Gewehre etc. Bei einem solch mächtigen Raubtier kann man nicht davon sprechen, dass es „gezielt“ irgendwas tut. Prinzipiell ist es so, dass man (vielen!) Raubtieren einfach irgendwas Lebendiges vorsetzen kann. Falls in ihrem Lebensraum, und seien sie nur zu Versuchszwecken eingesetzt, Grauhaardackel vorkommen würden, würden sie diese auch „gezielt“ jagen, also jagt das Viech alles, was lecker riecht, egal, ob Mensch oder Tier. Aber das ist, wenn Du den gesamten Post liest, relativ egal. Das Zitat habe ich eingebracht, da Eisbären keine Kadaver fressen. Sie würden ordentlich Magenprobleme bekommen.

So, ich danke fĂĽr alle Kommentare und hoffe, dass sich noch einige (Lateiner?) einfinden werden.

GruĂź,

Verboholiker

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Gernot Jennerwein
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quote:
Das Zitat habe ich eingebracht, da Eisbären keine Kadaver fressen. Sie würden ordentlich Magenprobleme bekommen.
Da irrst du, lieber Verboholiker.
Wenn ein toter Walfisch, der schon ordentlich ranzig riecht, in ein Büchtlein gespült wird, dann riechen die Feinschmecker den Gestank kilometerweit. Jeder Eisbär geht dem feinen Düftchen nach, aber so schnell, dass die Eiskristalle hinter ihm aufwirbeln, und es ist dann keine Seltenheit, dass man nicht nur einen Bären, sondern gar zwei oder drei und mehr auf dem Büffet herumtanzen sieht, mit vollem Munde, wohlbemerkt.

Einen GutenmorgengruĂź

Gernot
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der Sibirier

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Moony
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Lieber Verboholiker,

als immer noch wohlwollender Kritiker sag ich Dir, dass auch auch dem Gebiet der Fabel ein Text nur dann "zündet", wenn er Hintergründe erahnen lässt. Es ist da wie in der Musik: Wer nur herumkratzt auf der Geige und immer wieder nur neue Patzer produziert, tut sich schwer, diese als gekonnte und beabsichtige "Verfremdungen" zu verkaufen. Er kann bestenfalls einen ebenso ahnungslosen Zuhörer im Saale halten - der Rest des Publikums hält sich die Ohren zu und flieht.

Und das geht schon bei der Überschrift los. Wenn in Anlehnung an den Begriff "Deus ex machina" sinngemäß "Das Vieh im Eisbären" gemeint gewesen sein sollte (was sonst?), hättest Du "bestia in urso" schreiben müssen. Dann wär's (für einen Spezialisten) villeicht verständlich gewesen. So aber ist es nichts.

Selbstverständich kannst Du, unbeirrt von allen wohlmeinenden Ratschlägen, deine Bären weiterhin ziellos nach Zielen suchen lassen und die Robben daneben stellen. Ich fürchte nur, dass Du dann als Autor bald so einsam sein wirst wie Deine ungeschickt gezeichneten Protagonisten. Und das wäre doch schade, finde ich.

lg

Moony

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