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Leselupe.de > Kurzprosa
Bestimmt nicht
Eingestellt am 19. 07. 2005 12:59


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Alpha
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Bestimmt nicht

Schwerlich dr√ľckte sich der Abend auf die Stadt. Es war der Abend alter Tage, und er schien ihr unertr√§glich.

„Ich bin nicht heim gekommen“. Sie machte eine Pause, w√§hrend sie die Gardine beiseite schob und hinunter auf die stark befahrene Stra√üe blickte. Wie lange hatte sie immer an ihrem Fenster gesessen und die Autos beobachtet, hatte versucht alle Nummernschilder zu erkennen und sich gefragt, welche Stadt es sein k√∂nnte, wenn ein ihr unbekanntes darunter war. Was aber selten vorkam.
„Ich m√∂chte nur ein paar Kleinigkeiten holen“.
„Kleinigkeiten?“
Sie lie√ü die Gardine vom Zeigefinger rutschen und wandte sich ihrer Mutter zu. „Ja. Nichts Besonderes.“ „Aber zum Abendessen bleibst du doch?“ „Ich wei√ü nicht, ich habe eigentlich keinen Hunger und ...“, sie stand regungslos und schien an irgendeinem Gedanken h√§ngen geblieben zu sein.
„Ich wei√ü nicht. Nein, ich denke nicht.“
„Ach komm, wenn du schon mal hier bist. ... Wie bist du eigentlich hier? Mit dem Zug?“ „Nein, mit dem Auto.“ „Ich denke, das ist kaputt?“ „Ist es auch. Ich habe ein neues. Ist kaum besser, aber es f√§hrt noch.“ „Welches ist es denn?“ Ihre Mutter schaute aus dem Fenster und musterte die Wagen am Stra√üenrand. „Der alte Ford da, der silberne.“ „Oh. Ok.“

Sie hatte nicht mit zu Abend gegessen, aber sie war geblieben. Wenn man erst mal im Sumpf der Vergangenheit stand, war ist nicht leicht, wieder hinaus zu steigen. Doch sie genoss die Unterhaltung mit ihrer Mutter, obgleich es Belangloses war, Alltägliches.
„Was hast du denn jetzt noch eingepackt?“ „Ach. Ein paar Fotoalben.“ „Ah.“ Ihre Mutter nickte und brummte wissend in sich hinein. „Du meinst das eine Bild.“ , f√ľgte sie hinzu und sah ihre Vermutung im Schweigen ihrer Tochter best√§tigt.
„Ich denke“, fuhr sie z√∂gerlich fort und nippte am Wein, „du wolltest dieses Bild nie wieder ansehen?“ „Werde ich auch nicht. Es ist doch noch immer eingepackt.“ „Wozu brauchst du es dann?“
„Falls ich es einmal vergessen sollte.“ „Das verstehe ich nicht. Wieso solltest du es vergessen?“ „Weil ich mich immer weniger erinnere. Es wird alles immer blasser, und irgendwann werde ich nicht mehr wissen, wie es aussah.“ „Aber, wolltest du nicht genau das?“ „Ja schon, aber ... Ich m√∂chte einfach nur wissen, dass ich es habe. Dass ich es ansehen kann, wenn ich wollte. Ich tue es bestimmt nicht.“
Nachdenklich musterte sie ihre Tochter. „Du hast dich gar nicht ver√§ndert, ich verstehe dich immer noch nicht.“ F√ľr einen Moment war es still, bevor sie beide in Gel√§chter ausbrachen.

„Danke Mom, es war ein netter Abend.“ „Ach Liebling, du wei√üt, du bist immer willkommen.“ Sie nahm ihre Tochter in den Arm und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Hast du die √Ąpfel auch nicht vergessen?“ „Nein Mom, ich hab sie hier“ versicherte sie und deutete bezeugend auf die Beulen ihres Rucksacks. „Ja, ok. Dann machs gut, und - meld dich mal wieder, ja?“ „Tu ich. Machs gut.“
Wehm√ľtig blickte sie ihrer Tochter nach, bis nur noch ihre Schritte im Treppenhaus zu h√∂ren waren. Dann schloss sich die Haust√ľr.

Es war lange her gewesen, seit ihre Tochter sie das letzte Mal besucht hatte. Es war alles so ungl√ľcklich gelaufen, wie gern h√§tte sie ihr geholfen, wenn es ihr m√∂glich gewesen w√§re. Noch am n√§chsten Morgen lie√üen sie die Gedanken nicht los.
Sie stellte das Radio an und begann R√ľhrei zu machen. Wenn die Wettervorhersage vielversprechend sei, w√ľrde sie einen sch√∂nen Tag im Park verbringen.

‚ ... der LKW-Fahrer ist leicht verletzt, f√ľr die Fahrerin des Ford kam jede Hilfe zu sp√§t. Die Ursachen sind noch ungekl√§rt.’
Entsetzt lies sie das Ei fallen. Das Bild.
__________________
"Widme dich dem Klang meiner Kehle, wenn sie bricht; Es soll das letzte sein, was ich zu sagen habe" aus Wolf

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Alexander Rahm
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