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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Betrachtung
Eingestellt am 24. 07. 2002 07:27


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para_dalis
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Registriert: Jul 2002

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Betrachtung

Sie fĂŒhlte sich verschlissen wie ein altes MöbelstĂŒck.

Wie ein Lattenzaun, ein enger, mit Verstrebungen, die wohl nur von einem besonders durchgeknallten Architekten entworfen sein konnten, einem Architekten, der wider sĂ€mtliche Regeln handelte, einem Architekten, der selbst die Gesetze der Schwerkraft zu ĂŒberlisten versuchte. Von einem Architekten, der die Menschen los schickte, um sie zu sich selbst finden zu lassen.
Manchmal dachte sie, der Architekt sei ein ewig hungriger Reisender, hungrig nach Leben.
Jedes Wort ist schon geschrieben, jede Geste schon getan, jedes GefĂŒhl gelebt. Nur auf die Zusammenstellung kommt es an, versuchte sie dem Architekten mitzuteilen.
Wie war das doch gleich mit der Harmonik? Der Darstellung von Intervall und Proportion? Der Raumdimension?
Sie fĂŒhlte sich verschlissen wie ein altes MöbelstĂŒck.

Ihre MĂ€nner wĂ€hlte sie passend zur aufgezogenen BettwĂ€sche. Zur Zeit mochte sie blau. Vielleicht auch tĂŒrkis, die Farbe seiner Augen wechselte im Spiel der GefĂŒhle. Der Mensch im Schwingungsfeld. Faithless war nicht nur Musik, in der sich ihre Körper bewegten, es war Musik, in die sie sich hĂŒllten, in der sie versanken, in völliger Übereinstimmung der KlĂ€nge.
Sie fĂŒhlte sich verschlissen wie ein altes MöbelstĂŒck.
Ein MöbelstĂŒck, das immer wieder gern benutzt wird. Das den Raum beherrscht. Das dennoch wie zufĂ€llig an der ihm zugedachten Stelle platziert wirkt. Eines, nachdem man ewig sucht und das, wenn man es gefunden hat, zur SelbstverstĂ€ndlichkeit wird. Eines, das die Töne der Leidenschaft und den Schweiss der Lust in sich aufgenommen trĂ€gt. Ein MöbelstĂŒck eben.
Einheit von Ton und Zahl, Sein und Wert, Welt und Seele.
Monochords.
Sie fĂŒhlte sich wie ein verschlissenes MöbelstĂŒck.
Der Architekt ging in seinem Vortrag weiter, entwickelte eine Ernsthaftigkeit, die in krassem Gegensatz zu seinem Hunger nach Leben stand. Auf den ersten Blick.
Bei genauerem Zuhören wurden die Gemeinsamkeiten, die Übereinstimmungen deutlich, der Hunger nach Leben. Wohn- Lebens- Beziehungswelt. Hunger nach Leben. Der Raum. Ein mit Dingen gefĂŒlltes GefĂ€ĂŸ?
Sie fĂŒhlte sich wie ein verschlissenes MöbelstĂŒck.

Was vom Ende ĂŒbrig blieb? Ein rotes Haar auf blauem Grund.
Fantasie zu den Akten gelegt.

(c)heike hultsch


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