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Leselupe.de > Humor und Satire
Betteln & Hausieren
Eingestellt am 29. 10. 2000 20:09


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Yossarian
Hobbydichter
Registriert: Oct 2000

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Karl blickte sich ratlos um. Hier stand er nun, sein Fahrrad hatte einen Platten und das behagliche Zuhause war kilometerweit entfernt. Am Himmel standen dunkle Wolken, und der dreiundsiebzigj├Ąhrige Mann bef├╝rchtete einen dicken Regenschauer. Mit Handys hatte er sich nie anfreunden k├Ânnen, also blieb nur in einer Wohnung nachzufragen, um von seiner Frau mit dem Auto abgeholt zu werden. >Wir kaufen nichts<, war die knappe Antwort bei seinem ersten Versuch. Ein Missverst├Ąndnis, das kann mal vorkommen, r├Ąumte der alte Herr ein. Mit zurechtger├╝ckter Krawatte und glattgestrichenen Anzug versuchte er es bei den Nachbarsleuten. Er klingelte und z├Âgerlich wurde die T├╝r von einer Frau mittleren Alters einen kleinen Spalt ge├Âffnet. >Guten Tag gn├Ądige Frau. Ich m├Âchte mich zun├Ąchst f├╝r diese kurze St├Ârung entschuldigen<, begann Karl und machte dabei eine elegante Verbeugung. >Ich spreche nicht mit Fremden<, kam sogleich die vernichtende Erwiderung. Ein wenig verwirrt betrachtete er sich absch├Ątzend im T├╝rfenster, konnte aber nichts verwerfliches entdecken. Beim n├Ąchsten Haus hatte er mehr Gl├╝ck, es gelang ihm sein Anliegen vorzutragen, doch leider besa├č man kein Telefon. Wie sich herausstellen sollte, war auch in allen weiteren Haushalten das Telefon entweder gerade defekt oder nicht vorhanden. Manche behaupteten nicht einmal von einer solchen Einrichtung geh├Ârt zu haben. Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und die Erscheinung des bemitleidenswerten Rentners lies allm├Ąhlich zu w├╝nschen ├╝brig. Zunehmend wurde er mit wilden Fl├╝chen, Hundegebell oder Drohungen die Polizei anzurufen verjagt, dabei w├Ąre er f├╝r letzteres sogar dankbar gewesen. Bei den meisten Leuten kam er gar nicht zu Wort, viele trugen nur ihren eigenen Kummer vor, beschwerten sich ├╝ber Hausiere und anderes Gesindel und meinten, dass ja auch immer unheimlichere Gestalten herumlaufen w├╝rden. Karl ertrug all dies im str├Âmenden Dauerregen und falls es ihm doch mal gelang sein eigenes Leid kundzutun, wurde ihm zwar Verst├Ąndnis und Beileid entgegengebracht, aber aufgrund des fehlenden Telefons blieb auch bei diesen hilfsbereiten Leuten jede Hilfe aus. Einige andere waren zuf├Ąllig gerade viel zu besch├Ąftigt und wieder andere missverstanden den Verzweifelten v├Âllig. Sie rieten zum Kauf eines eigenen Telefons, oder waren der Ansicht sie k├Ânnten schlie├člich nichts f├╝r die Lage des Rentners. Ohnehin k├Ânnten sie auch nicht jeden Dahergelaufenen die Telefongespr├Ąche bezahlen, da sie schlie├člich schon mehr als genug f├╝rs rote Kreuz spenden w├╝rden. Nach Stunden des vergeblichen und entmutigenden Fragens, hatte sich scheinbar Jemand ein Herz gefasst und die Polizei gerufen. Karl wurde wegen Betteln und Hausieren aufs Polizeirevier gebracht und bis tief in die Nacht verh├Ârt.

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

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Hallo Yossarian,
auch wenn die Formulierung abgedroschen klingt: Mir hat die Geschichte gefallen. Es ist vielleicht ein bisschen viel auf einmal, was dem guten Karl da an Menschenfreundlichkeit begegnet. Aber er vereint in seinem Erlebnis eben halt nur die Summe all der vielen ├Ąhnlichen und t├Ąglich sich wiederholenden Begebenheiten vergleichbarer Art. Den Schlu├č fand ich besonders originell. Alles in allem, eine gute Satire.
Sch├Ân auch, wie sich das Erz├Ąhltempo mit dem Handlungsablauf steigert. Liest sich gut. Nur eine Bitte h├Ątte ich. F├╝ge doch an geeigneter Stelle die entsprechenden Abs├Ątze ein. Mal will ja wenigstens mal zwischendurch Luft holen.

Gru├č Ralph
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Yossarian
Hobbydichter
Registriert: Oct 2000

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Es mag zwar ziemlich unglaubw├╝rdig klingen, aber die Geschichte ist an einer wahren Begebenheit orientiert, die mir mein Opa erz├Ąhlt hat.
Manche Stellen sind nat├╝rlich ein "wenig" grotesk geschildert, aber gerade die Sache mit den nicht vorhandenen Telefonen stimmt wirklich.

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