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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Bewerber um ihr Fleisch
Eingestellt am 02. 07. 2007 17:31


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Hedwig Storch
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2005

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Der 90-jährige Balthasar sieht sich als Toter und hat einen größeren Goldschatz in Weinfässern seines Kellers versteckt. Der 50-jährige Sohn Arthur, der als Geschäftsmann immer Geld braucht, kommt für Balthasar als Erbe nicht in Betracht. Der 20-jährige Enkel André soll erben. Schließlich denkt der Greis um und vererbt das Gold Stephanie, der 18-jährigen Verlobten Andrés. Was wird das junge Liebespaar mit dem Berg Goldes anstellen?
Diese Gesellschaftssatire ist polyglott. Neben dem Deutschen dominieren französische Einsprengsel. Der Roman kann gelesen werden als deutliche Zeitkritik, also, sagen wir ruhig, als Gesellschaftsroman, als Krimi oder auch als Liebesgeschichte.
Gesellschaftsroman: Auf dem Empfang, den Impresario Arthur in seinem Hause gibt, soll vornehmlich Geld ergattert werden für den Bau eines Opernhauses. Bevor der Empfang sich auflöst, will Arthur, der Existenzkämpfer im Erwerbsleben, die Schecks einsammeln.
Kriminalroman: Meisterdieb Poulailler mit dem höflich harten Kavaliersgesicht, der eleganteste Mann dieses weitläufigen Empfanges von Kunst und Finanz, versucht, die anwesende Crème de la Crème um ihre Wertsachen zu erleichtern. Bandit Nolus, eigentlich Bankier, schreckt vor Scheckbetrügerei nicht zurück.
Liebesroman: Erzählt wird die Geschichte der Liebe von André und Stephanie.
Zwar geht es von der Romanstruktur her um drei große Auftritte, die Balthasar in weniger als vierundzwanzig Stunden hat, doch wir lesen Heinrich Manns Empfang bei der Welt gern als das, was er auch ist – eine märchenhafte Liebesgeschichte.
Die Dichterfrage in diesem Monat greift demnach wiederum eines unserer vielen Lieblingsthemen auf, nämlich: Wie sollen wir die Liebe mit unserem überaus kümmerlichen Vorrat an Dudenwörtern darstellen?
Greifen wir – wie im Märchen – drei Beispiele aus dem märchenhaften Romanschluß heraus. Nehmen wir uns zunächst unkompliziertere Liebe vor, die körperliche, direkt zwischen André und Stephanie.
1.
André lebt auf, wie er sich bei ihr anmeldet, als Bewerber um ihr Fleisch. Die Hand auf ihrem Schenkel! Sie nimmt sie weg (S.336).
2.
André legt Stephanie ohne viel Langmut auf den Rücken, zwischen zwei Büsche. Der eine Busch – Symbol der Sehnsucht, funkelt von blauen Kelchen. Der andere Busch strahlt in drei Farben Rot - die drängende, währende und erfüllte Lust. (S.369) Stephanie macht gleich mit.
3.
Endlich darf das junge Paar auch die reinere Liebe erfahren, während die Luft ihnen zu klingen begann. Es war die seltene Stunde, da... die Himmel tönend werden (S.370).

Bei aller Sperrigkeit des Textes, eine der wundervollsten Fabeln, die wir kennen! Wir tuten da mit Thomas Mann in ein Horn, der den Bruder lobte: Genialisch-phantastisch, eine geisterhafte Maskerade, ein soziales Generationsspiel von größter Originalität .

Heinrich Mann wurde am 27. März 1871 in Lübeck geboren und starb am 12. März 1950 in Santa Monica (USA, Kalifornien).

Heinrich Mann : Empfang bei der Welt.
Roman (posthum 1956)

Quelle: Heinrich Mann: Gesammelte Werke. Band 14, 370 Seiten. Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1967
Neuere Ausgabe: S. Fischer Taschenbuch, anno 1988, ISBN 978-3-596-25930-4

Hedwig Storch 7/2007

__________________
Hedwig

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