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Leselupe.de > Science Fiction
Bewusstlos
Eingestellt am 27. 04. 2016 17:22


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Kinokie
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Bewusstlos

Langsam öffnete er die Augen und versuchte sich aufzurichten. Er lag auf dem Boden eines halbdunklen Korridors. In seinem SchÀdel drehte sich die Umgebung. Sterne tanzten vor seinen Augen und ein schrilles Piepsen, das sich zusammen mit dem GerÀusch einer Alarmsirene zu einer seltsamen Sonette vermischte, dröhnte in seinen Ohren.
In die WĂ€nde waren senkrechte Lichtleisten eingelassen, die in einem gleichmĂ€ĂŸigen Takt rot aufleuchteten.
An. Aus. An. Aus.
Die Alarmsirene schwoll dazu an, und wieder ab, sobald das Licht aus der Wand seinen Zenith erreichte.
Er versuchte sich zu erinnern wie er dorthin gekommen war, aber sein GedĂ€chtnis ließ ihn im Stich. Leichte Panik breitete sich in ihm aus.
Reiß dich zusammen!
Er sah sich um. Der Korridor wurde außer von den Lichtleisten an den WĂ€nden, auch von Lampen in der Decke beleuchtet. Da die meisten nicht eingeschaltet waren, wurde eine eher unheimliche Stimmung verbreitet, obwohl die Leuchtmittel ausgereicht hĂ€tten eine freundlichere AtmosphĂ€re zu schaffen. An den Enden des Korridors befanden sich zwei massive StahltĂŒren, die nicht aussahen, als könnte man sie mit Muskelkraft bewegen.
Plötzlich begann der Raum zu beben. Ein tiefes Grollen dröhnte durch den Gang, als wĂ€re ein großer Gegenstand mit Wucht gegen den Raum geprallt. An manchen Stellen stoben Funken aus der Decke, einige Lampen zerbarsten und Scherben fielen auf den Boden. Durch die WĂ€nde hallte ein Knirschen, als wĂŒrden sie mit hohem Druck zusammen gepresst. Dann war das Beben vorbei. Der Korridor war wieder in das gleiche dĂ€mmrige Licht getaucht, das in periodischen AbstĂ€nden durch die roten Lichtleisten aus den WĂ€nden erhellt wurde.
Die Panik loderte wieder stÀrker auf, wie eine Bestie, die er kurzfristig in einen KÀfig gesperrt hatte und die nun versuchte sich zu befreien.
Er versuchte das Monster mit logischen Überlegungen zurĂŒck in das mentale GefĂ€ngnis zu drĂ€ngen.
Was ist das hier? Wo befindest du dich? Warum fĂŒhlt sich dein SchĂ€del so an, als hĂ€tte dir jemand Eine ĂŒbergezogen?
Aber so sehr der Mann sich auch anstrengte, er konnte sich nicht erinnern.
Okay, konzentrier dich auf das, was du weißt!
Er blickte an sich herab. Seine Kleidung war an manchen Stellen verkohlt und löchrig. Auf seiner Brust prangte ein Namensschild auf dem Robert Schmidt stand. Er wusste, dass dies sein Name war, er hatte keinen vollstÀndigen GedÀchtnisverlust erlitten, aber an die letzten Tage konnte Robert sich nicht mehr erinnern.
Gut! Steh auf und finde heraus wo du hier bist und vor allem, warum der verfluchte Raum bebt.
Wie auf ein Stichwort erzitterte der Raum erneut.
Nach dem der Gang aufgehört hatte zu beben stĂŒtzte er sich an der Wand ab und stand vorsichtig auf. Sein Kreislauf protestierte kurz mit einem erneuten Sternenregen, erholte sich aber schnell von der unerwarteten Belastung. Langsam normalisierte sich sein Zustand. Das lĂ€stige Piepsen ließ nach und die Sterne verschwanden ebenfalls. Er ging langsam auf die TĂŒre zu, die ihm am nĂ€chsten war. Mit einer Hand stĂŒtzte er sich an der Wand ab, damit er einen sicheren Halt hatte, sollte der Raum erneut beben. In der Wand zu seiner Linken klaffte ein Loch. Hinter dem, was einmal die Verkleidung gewesen war, stachen zersprengte Energieleitungen hervor. Robert roch verbranntes Kabel und geschmolzenes Metall in der Luft.
Der Boden erzitterte erneut heftig. Dieses Mal war er besser darauf vorbereitet.
Nachdem das Beben vorĂŒber war, blickte er weiter durch den Gang.
Über der TĂŒr vor ihm leuchtete eine kleine elektronische Anzeige:

Ebene 1-3 Crewquartiere
Achtung! Dekompression!

Diese TĂŒr konnte er also nicht benutzen.
Langsam ergaben die verschiedenen Puzzleteile ein klares Bild. Er musste sich auf einem Raumschiff befinden. Irgendetwas hatte die Energieleitung ĂŒberlastet, sodass diese explodiert war.
Robert musste sich zu diesem Zeitpunkt in der NĂ€he befunden haben. Dabei wurde er wohl gegen die Wand geschleudert und hatte sich den Kopf angeschlagen.
Er ging ein paar Schritte in Richtung der anderen TĂŒr. Ein paar Meter davor sah er ein Terminal, das in die Wand eingelassen war.
Auf dem Bildschirm stand in großen grellroten Buchstaben:
Roter Alarm! Die Schrift pulsierte analog zu den Alarmleisten in den WĂ€nden.
An. Aus. An. Aus.
Instinktiv berĂŒhrte er den Bildschirm. Der Schriftzug verschwand und zeigte eine neue OberflĂ€che.
In der oberen linken Ecke wurde der Name des Raumschiffes angezeigt: F-105 Rheinland-Pfalz.
Plötzlich drangen Erinnerungsfetzen auf ihn ein. Robert war vor ein paar Tagen am Weltraumbahnhof BrĂŒssel in einen Interstellarbus gestiegen. Dieser brachte in nach Eureka, einem Trabanten des Mars. Dort ging er an Bord der Fregatte Rheinland-Pfalz. Diese hatte den Auftrag, medizinische VorrĂ€te zu mehreren Außenkolonien zu befördern. Die AufklĂ€rung hatte eine geringe Warnstufe ausgegeben, sodass man nicht mit Angriffen rechnete. Da das Flottenkommando in solchen FĂ€llen einen Begleitschutz fĂŒr unnötig erachtete, waren sie alleine aufgebrochen.
Verdammte RaumĂŒberwachung!
Auf dem Bildschirm blinkte das Symbol"Eingehende Nachricht abrufen". Er drĂŒckte darauf. Der Bildschirm verĂ€nderte sich und zeigte nun ein Textfeld:

Konnten dich nicht erreichen
TĂŒr zu Crewquartieren verschlossen, Riss in der HĂŒlle
Schiff wird evakuiert

Okay, das klang ĂŒbel!
Erneut ein Beben.
Wurde das Schiff tatsÀchlich angegriffen? Robert wusste es nicht. Jedenfalls musste er schnellstmöglichst aus diesem Gang heraus.
Er ging weiter in Richtung der TĂŒr, in der Hoffnung, dass der Korridor dahinter atembare Luft enthielt.
Vor der TĂŒr hielt er an. Das massive Gebilde aus Stahl machte keine Anstalten sich zu öffnen.
Was sollte er tun?
Ein erneutes Beben, stĂ€rker als die davor, unterbrach seine Überlegung. Dieses Mal fiel die gesamte Beleuchtung im Korridor aus. FĂŒr einen kurzen Moment war es stockdunkel, dann erwachten einige Lampen wieder zum Leben. Es war aber deutlich dunkler als vorher.
Sein Gehör schien wieder vollstĂ€ndig hergestellt zu sein, ansonsten hĂ€tte er das unheilvolle Zischen nicht bemerkt. In der Wand, zwei Meter von seinem Standpunkt entfernt, hatte sich ein kleiner, unscheinbarer Riss gebildet. Aus diesem strömte die kostbare Luft nach draußen, in den Weltraum. Er musste unbedingt diese TĂŒr öffnen, lange wĂŒrde der Sauerstoff in diesem Korridor nicht reichen. Robert versuchte sich zu erinnern wie der Notfallmechanismus aktiviert werden konnte, aber der rettende Gedanke wollte nicht kommen. Panisch sah er sich im Durchgang um. Er hastete zurĂŒck zu der Tafel und drĂŒckte wild die unterschiedlichen Felder, aber der Touch-Screen reagierte nicht.
"Lass mich hier heraus, du verdammter Blecheimer", schrie er, wÀhrend er auf den Bildschirm einschlug.
Wie um ihn zu verhöhnen Ă€nderte sich die Anzeige. Ein blauer Bildschirm sagte ihm, dass das System zur Zeit nicht erreichbar sei und in wenigen Augenblicken wieder zur VerfĂŒgung stehen wĂŒrde.
Das Atmen fiel ihm schwerer, es befand sich nur noch wenig Sauerstoff in dem Korridor.
Plötzlich tönte eine blecherne Stimme aus einem nicht sichtbaren Lautsprecher:
"HĂŒllendurchbruch in Abschnitt B-5, Lebensform entdeckt, TĂŒr wird entriegelt".
Das musste der Schiffscomputer gewesen sein. Die TĂŒr klackte und schob sich dann zur Seite in die Wand, sodass er in den angrenzenden Korridor stĂŒrzen konnte.
Sobald er durch die TĂŒr gelangt war, wurde sie wieder verschlossen. Nun befand er sich in einem weiteren Gang. Keuchend lehnte sich Robert gegen die Wand. Den RĂŒcken gekrĂŒmmt und die HĂ€nde auf den Knien sog er gierig den Sauerstoff in seine lechzenden Lungen.

Nach und nach kamen weitere Erinnerungen zurĂŒck.
Das Schiff wurde nicht angegriffen, sondern war in einen Asteroidenschauer geraten. Die Sensoren hatten die heimtĂŒckischen Brocken zu spĂ€t gemeldet. Dadurch konnten sie nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Der KapitĂ€n hatte das Schiff nach mehreren harten Treffern, die die HĂŒlle irreparabel beschĂ€digt hatten, aufgegeben und die Evakuierung angeordnet. Der Großteil der Asteroiden war mittlerweile an ihnen vorĂŒber gezogen. Die Aufpraller stammten von einigen kleineren NachzĂŒglern. Diesen könnten sie eigentlich spielend ausweichen, aber die Antriebsaggregate des Schiffes waren als Erstes ausgefallen. GlĂŒcklicherweise war die Fregatte so stark gepanzert, dass sie selbst einem direkten Treffer durch einen Nuklearsprengkopf der neuesten Generation standhalten konnte. Das hatte der Crew einige Zeit verschafft. Lange wĂŒrde die Struktur der HĂŒlle aber nicht mehr standhalten.
Robert war auf dem Weg in sein Quartier gewesen. Seine Frau Lydia war ebenfalls auf der Rheinland-Pfalz stationiert. Er verbrachte seinen Dienst auf der BrĂŒcke, als die ersten EinschlĂ€ge das Schiff trafen. Nachdem die Evakuierung angeordnet wurde, hatte er versucht sie ĂŒber das interne Komm-System zu erreichen, aber sie hatte nicht reagiert. Er hatte ihr FunkgerĂ€t ĂŒber die Sensoren angepeilt. Es hatte sich noch in dem gemeinsamen Quartier befunden.
„Verflucht“, dachte er.
Das gemeinsame Quartier lag direkt hinter dem entlĂŒfteten Bereich, vor dessen TĂŒr er eben noch gestanden hatte. Er versuchte sich zu erinnern, ob es in der NĂ€he seiner Position einen Kasten mit einer persönlichen Rettungsausstattung gab. Darin wĂ€re unter anderem eine Sauerstoffmaske.
Jedoch befand er sich bei den FrachtrÀumen. Hier gab es maximal einen Feuerlöscher.
Robert versuchte sich selbst zu beruhigen.
„Sie ist bestimmt schon bei den Rettungskapseln“, sagte er und stolperte weiter vorwĂ€rts. An der nĂ€chsten Kreuzung blieb er stehen.
Er versuchte einen Fixpunkt zu finden, der ihm sagte, wo er hin mĂŒsste, als die Computerstimme sich erneut meldete:
"Das Schiff wird evakuiert. Bitte folgen sie den Markierungen zu den Rettungskapseln."
Bevor er sich fragen konnte, welche Markierungen dieser vermaledeite Computer meinte, leuchteten grĂŒne Pfeile an den WĂ€nden auf.
Erneut ein dumpfer Knall und das dazugehörige Beben. Einige kleinere Explosionen waren zu hören, aber sie schienen weiter entfernt zu sein. Sein GefĂŒhl sagte ihm, dass etwas die HĂŒlle durchschlagen hatte.
Er folgte der Markierung an den WĂ€nden. Der Flur machte einen Knick nach links in den nĂ€chsten Korridor. Ein Teil des vor ihm liegenden Bereiches wurde in ein Blitzlichtstakkato von defekten Beleuchtungskörpern getaucht. Kleinere und grĂ¶ĂŸere Objekte schwebten durch den Flur, als wĂŒrden sie von unsichtbaren HĂ€nden durch die Gegend geworfen.
Als er nÀher kam, schlugen diese mit einem plötzlichen Knallen laut auf den Boden, sodass er vor Schreck zusammenzuckte. Anscheinend war der Schwerkraftgenerator an dieser Stelle nicht mehr in der Lage, ein dauerhaftes TrÀgheitsfeld aufrechtzuerhalten. Die Markierung machte ihm aber erbarmungslos klar, dass er durch diesen Bereich hindurch musste.
Er nahm einen beherzten Atemzug und stĂŒrmte vor. Die wenigen Meter dehnten sich in seiner Vorstellung auf mehrere Kilometer aus. Das stroboskopartige Licht erschwerte die Orientierung und mehrfach stieß er gegen die Wand an der er sich abstĂŒtzte.
Nur noch ein kurzes StĂŒck.
Auf einmal verlor er den Boden unter den FĂŒĂŸen. Der Generator hatte soeben beschlossen, eine kurze Pause einzulegen. Schwebend trieb es Robert diagonal durch den Gang, vorwĂ€rts und gleichzeitig nach oben in Richtung Decke. Seine HĂ€nde suchten Halt an der Wand, fanden aber auf der glatten OberflĂ€che keine Möglichkeit. Gleichzeitig musste er die umherschwirrenden TrĂŒmmerteile aus dem Weg drĂŒcken, die nun ebenfalls durch den Korridor sirrten. Kurz bevor er drohte unsanft mit der Decke zu kollidieren, meldete sich die Schwerkraft mit einem dumpfen Dröhnen der Generatoren zurĂŒck. Er fiel unsanft mitsamt der TrĂŒmmer auf den Boden. Der Aufprall raubte ihm fĂŒr einen kurzen Moment den Atem. Wenigstens war er aus dem beschĂ€digten Bereich fast heraus. Robert drĂ€ngte sich schnell aufzustehen, bevor der Generator eine erneute Pause einlegte. Nach wenigen Schritten schien die Schwerkraft wieder ordnungsgemĂ€ĂŸ zu funktionieren. Jedenfalls war hier noch alles mehr oder weniger an seinem angestammten Platz. Er rannte weiter, immer der Markierung hinterher.
Hinter der nÀchsten Biegung konnte er Stimmen hören, die aufgeregt miteinander sprachen. Als er um die Kurve preschte und in Sichtweite kam, rief eine der beiden Personen: "Schnell hierher!"
Außer Atem kam er an. Die beiden, ein Mann und eine Frau, standen vor der geöffneten Luke einer Rettungskapsel. Es schien die letzte zu sein. Der Mann wandte sich von der Frau ab, mit der er scheinbar vor wenigen Augenblicken noch gestritten hatte und schaute zu Robert.
"Robert, wo ist Lydia?", sagte der Mann, der einen sehr mitgenommenen Eindruck machte.
"Ich habe keine Ahnung, ich habe einen ziemlichen Schlag gegen den Kopf bekommen. Der Weg zu den Quartieren war versperrt, ich hatte gehofft sie hÀtte es auf der anderen Seite gepackt", sagte Robert zu dem Mann.
"Wir haben auch nichts von ihr oder sonst jemandem gehört. Aber einige der Rettungskapseln sind gestartet, also haben es vor uns noch einige geschafft", sagte der Mann.
Sein Namensschild wies ihn als Christoph Kunz aus. Robert erinnerte sich vage daran, ihn zu kennen.
Die Frau wandte sich an Robert, sie wirkte sichtlich nervös.
"Schnell, wir mĂŒssen hier weg, einer der Asteroiden ist in den Maschinenraum eingeschlagen und hat den Antrieb so stark beschĂ€digt, dass er uns jeden Augenblick um die Ohren fliegen kann."
"Aber Lydia ist wahrscheinlich noch auf dem Schiff", protestierte Robert und Christoph pflichtete ihm kopfnickend bei.
"Wir haben keine Chance sie zu retten, entweder sie hat es auf die andere Seite geschafft, oder sie ist tot und in wenigen Augenblicken sind wir auch tot, wenn wir jetzt nicht sofort verschwinden!", widersprach die Frau und drÀngte sie in die Kapsel.
Robert wollte widersprechen, als sie von einem erneuten heftigen Beben unterbrochen wurden.
Alles geschah sehr schnell. Der Gang, durch den er eben noch gelaufen war, stand plötzlich in Flammen. Bevor die Drei auch nur an eine Flucht denken konnten, fiel vor ihnen ein Sicherheitsschott mit lautem Krachen zu. Nun standen sie in einer Sackgasse. Der letzte verbliebene Ausgang war die Rettungskapsel.
Robert erkannte, dass es zwecklos war. Er stieg in die Kapsel und setzte sich an das Kommunikationsterminal. Die Frau ging an die Steuerung und aktivierte die Flugkontrollen. Christoph stieg als letzter ein und zog die Luke zu. Sobald die Kapsel geschlossen war, aktivierte sich ein Mechanismus, der sie in das All katapultierte. Robert stellte das KommunikationsgerÀt auf Breitbandfunk ein und versuchte seine Frau auf allen KanÀlen zu erreichen.
Erst tat sich nichts, aber dann knackte es plötzlich in der Leitung und eine ihm vertraute Stimme meldete sich am anderen Ende.
"Robert?"
"Lydia?"
"Ja ich bin es Robert, ich.... ich habe solche Angst...."
"Lydia...wo....bist du?" Robert befĂŒrchtete das Schlimmste. Das Terminal zeigte ihm unbarmherzig den Ort, von dem das Signal stammte.
"Ich bin in unserem Quartier, Robert. Ich konnte nicht mehr heraus... der Flur ist dekomprimiert...ich komme nicht an die Schutzausstattung heran...", schluchzte Lydia.
"Wir....wir kommen dich retten!"
Robert wollte bereits an das Steuer der Rettungskapsel, er wusste zwar noch nicht wie er es anstellen sollte, denn die Rettungskapsel war fĂŒr solche Rettungsmanöver nicht ausgelegt, aber ihm wĂŒrde schon etwas einfallen. Die Frau an der Flugkontrolle drehte sich zu ihm um und deutete
wortlos auf eines der kleinen Fenster, durch das man nach draußen schauen konnte.
Die Kapsel hatte sich bereits einige hundert Meter von der sterbenden Fregatte entfernt.
Der hintere Bereich, in dem sich unter anderem die Crewquartiere befanden, leuchtete hellrot von den Feuern die im Inneren des Schiffes ausgebrochen waren. Das Material wurde so stark erhitzt, dass die HĂŒlle an den leuchtenden Stellen mehrere tausend Grad heiß sein musste.
Dort wo sich die Antriebsaggregate und die Treibstofftanks befanden, brannte es ebenfalls. Das FeuereindĂ€mmungssystem verhinderte noch das Schlimmste, aber es war eine Frage der Zeit, bis die Hitze auf die Tanks ĂŒbergreifen wĂŒrde. Das Schiff wĂŒrde von innen auseinander gesprengt werden.
"Robert? Robert...lass mich bitte nicht alleine....hörst du Robert?" Lydias Stimme drang wieder aus dem Kom-System.
Schnell hastete Robert zurĂŒck zu dem Terminal.
"Ich bin hier Lydia."
"Ihr könnt mich nicht mehr retten....oder?"
"Wir kommen dich holen, wir sind bald bei dir mein Engel."
"Du konntest noch nie gut lĂŒgen, Robert, das merke ich sogar durch das FunkgerĂ€t, aber trotzdem, ich liebe dich!"
"Ich liebe dich auch, Lydia"
Ein lautes Knacken drang aus den Lautsprechern, dann erstarb das Signal. Die drei Insassen sahen aus dem Fenster der Rettungskapsel. Auf der Fregatte waren die Lichter erloschen. Sie lag jetzt fast vollstÀndig im Dunkeln, nur die brennenden Bereiche glommen rot in der SchwÀrze des Alls.
Die Stromversorgung war zusammengebrochen. Nun wĂŒrden auch die letzten FeuereindĂ€mmungssysteme versagen und die Hitze wĂŒrde sich ungehindert in die Treibstofftanks fressen.
Einige Explosionen, die aber schnell im Vakuum des Alls erstickten, zeigten, dass die HĂŒlle der Fregatte nun ungehindert von Asteroiden durchschlagen wurde.
Sobald die erste Hitze das Treibstoffgemisch erreichte, zerriss es das Schiff förmlich in tausend Teile. Die Insassen der Kapsel bildeten sich ein, das Dröhnen der Explosion zu hören, obwohl es unmöglich war. Im Vakuum des Alls wurden keine Schallwellen ĂŒbertragen.
Die Explosion schleuderte TrĂŒmmerteile in die Flugbahn der Kapsel, aber die Frau war eine geschickte Pilotin, die den meisten TrĂŒmmern ausweichen konnte. Einige kleinere trafen das Rettungsschiff trotzdem. Die Kapsel wurde heftig durchgeschĂŒttelt. Die Außenhaut war jedoch genĂŒgend gepanzert, um nicht durchschlagen zu werden. Robert kauerte sich auf seinem Stuhl zusammen, weinen konnte er nicht. Noch nicht.
Er war zu sehr mitgenommen von den Ereignissen, sein Verstand schaltete sich in eine Art Schutzzustand. Die Umgebung nahm er nur noch schemenhaft wahr.

Zwei Stimmen, eine weibliche und eine mÀnnliche, unterhielten sich leise in seiner NÀhe.
Oder waren sie doch Lichtjahre entfernt?
Lydia!

"Einer dieser verdammten Brocken hat unsere Langstreckenantenne zerschlagen, ich habe noch ein Notsignal absetzen können, ich weiß aber nicht, ob es jemand erhalten hat. Mit dem konventionellen Funksystem dauert es etwa einhundertzwanzig Jahre bis unser Signal am nĂ€chsten Außenposten ankommt."
Robert nahm die Stimmen wie aus weiter Ferne wahr, als wÀre er selbst ein unbeteiligter Beobachter der Szenerie.
Was hatte es auch noch fĂŒr einen Sinn? Lydia war tot. Seine Frau war tot! Wenigstens wĂŒrde er ihr schnell folgen.
Wie es sich wohl anfĂŒhlt, wenn man langsam erstickt, weil der Sauerstoffvorrat ausgeht? Oder wĂŒrden sie vorher verhungern?

Zehn Tage spĂ€ter wurde Robert aus einem unruhigen Schlaf geweckt. Die kleine Kapsel flog unruhig. Er stieß mit seinem Kopf unsanft gegen die Bordwand. Durch das Fenster neben sich konnte er ein Schiff sehen. Die Instrumente hatten sich vor zwei Tagen selbst abgeschaltet, um Strom zu sparen. So wurden sie nicht vorgewarnt, dass sich etwas nĂ€herte. Die Batterien der kleinen Kapsel waren so gut wie leer, hatte die Frau vor einigen Stunden mitgeteilt.
Er hatte sich auf den Tod gefreut. Auf Lydia.
Die Rettungskapsel wurde an Bord des Schiffes gezogen.
WÀhrend sie sich dem Frachter nÀherten, konnte er den Namen lesen, der an der Seite des Schiffes aufgedruckt war: Lydia.
TrÀnen liefen an Roberts Wange herunter.
Lydia!
__________________
Kinokie

Version vom 27. 04. 2016 17:22

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jon
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Ganz schnell mal, weil es mir am stĂ€rksten auffiel: Wenn du Kursivdruck fĂŒr ausgesprochene Worte und fĂŒr Gedanken in AnfĂŒhrungszeichen (was an sich schon falsch ist)und fĂŒr Gedanken ohne AnfĂŒhrungszeichen und fĂŒr Text-/„Symbol“-Nachrichten benutzt, geht der Sinn dieser Hervorhebung verloren. Es ist z. B. ĂŒberhaupt nicht nötig (und ĂŒblich), gesprochene Worte, die schon durch AnfĂŒhrungszeichen gekennzeichnet sind, auch noch kursiv zu setzen.
__________________
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Kinokie
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Hallo jon,

sorry dass ich mich jetzt erst melde.

Vielen Dank fĂŒr dein Feedback. Ich weiß auch nicht wirklich was mich dazu bewogen hat, ich habe es korrigiert und Kursivschreibung auf die Gedanken beschrĂ€nkt.

GrĂŒĂŸe!
__________________
Kinokie

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FrankK
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Hallo Kinokie

Durchaus spannend zu lesen. Starke Szenen, grundsÀtzlich gutes Setting - nur funktioniert es (meines Erachtens) nicht.

In jeder verĂ€nderten Szene klingelt es in meinem Hinterkopf: Wieso nur? Was ist der Captain nur fĂŒr ein Idiot?

Ich versuche es mal folgendermaßen zu erklĂ€ren:

Angenommen, wir befinden uns auf einem Schiff und bewegen uns im nördlichen Nordatlantik. Dumme Strömungen und eine blöde Wetterlage lassen uns in ein treibendes Packeisfeld geraten.

Problem 1: Die Maschinen werden erst mal nicht ausfallen, weil sich Antrieb (und Ruder) auf der dem Packeis abgewandten Seite des Schiffes befinden.

Problem 2: Eine große Fregatte bleibt auch mit mehreren kleinen Löchern im vorderen Rumpfteil noch schwimmfĂ€hig (RaumtĂŒchtig!)

Problem 3: Es ist absolut unsinnig, in einer derartigen Situation die Besatzung zu evakuieren. Die kleinen Rettungsboote hĂ€tten den treibenden Eissschollen ĂŒberhaupt nichts entgegenzusetzen.


Um ein "das war wohl nix" Dir gegenĂŒber zu vermeiden, habe ich eine ganze Weile gegrĂŒbelt, wie dieses Problem zu lösen wĂ€re.

Deine Fregatte muss havarieren und die Besatzung muss in den Rettungsbooten sein, sonst wÀre alles(!) hinfÀllig.

Wie wÀre es mit folgender Anpassung:
Im Zuge einer "Katastrophen-Übung" lĂ€sst der Kommandant das Schiff evakuieren, die Hauptenergie wird, fĂŒr ein "packenderes Szenario" abgeschaltet, was sich im nachhinein als dĂŒmmster Fehler erweist: Die Sensoren fallen aus, die BrĂŒckenkontrollen (RaumĂŒberwachung) versagen. Nach dem ersten Treffer durch einen Asteroiden gerĂ€t die Fregatte ins trudeln, danach werden immer wieder andere Teile des Rumpfes (und der Triebwerke) getroffen.
Robert gehört zu dem Teil der Mannschaft, die an Bord geblieben war, um die Übung zu beurteilen, so wie einige andere Offiziere auch. UnglĂŒcklicherweise ist fast die gesamte technische Crew draußen in den Rettungsbooten, die wiederum verstĂ€ndlicherweise Probleme bei der RĂŒckkehr zum trudelnden Schiff haben ...


Was hÀltst Du davon?


Aufmunternde GrĂŒĂŸe
Frank
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Leben und leben lassen.

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Kinokie
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Hallo FrankK,

erstmal vielen Dank fĂŒr dein Feedback.
Ich hatte mich als Vorbereitung fĂŒr den Text etwas eingelesen, wie Raumfahrt heutzutage aussieht und wie sie wohlmöglich in Zukunft aussehen wird.
Dass viele Dinge, die wir aus den Science Fiction Serien/Filmen kennen so nicht möglich sein werden und hauptsÀchlich wegen der Action geschehen, konnte ich mir auch vorher schon zusammenreimen, aber manche Dinge hatte ich so nicht erwartet.
Und genau hier war dann auch mein Ansatz, dass nÀmlich die Technik nicht ganz so perfekt ist.
Klar, wĂ€re es ziemlich dĂ€mlich mitten in ein Asteroidenfeld zu fliegen. Das GefĂŒhl, welches Du hattest, habe ich oft genug selbst, wenn ich beispielsweise Star Trek gucke, und die Raumschiffe sich dort in aller Seelenruhe bombardieren lassen, anstatt Ausweichmanöver zu fliegen.

Dein Vorschlag klingt erstmal nicht schlecht, ich wollte allerdings bei der Story das Hauptaugenmerk eher auf das "aktuelle" Geschehen lenken und mich an etwas "Actionlastigem" versuchen. Dabei habe ich dann die Backgroundstory etwas außer Acht gelassen. Ich versuche mal etwas zu formulieren, ich bin allerdings im Moment etwas im PrĂŒfungsstress, deshalb auch die verspĂ€teten Antworten.

Aber nochmals vielen Dank, dass Du dich so mit dem Text auseinandergesetzt hast.

Robert ist in meiner Vorstellung ĂŒbrigens kein Offizier, sondern Unteroffizier. ;-)

Gruß
__________________
Kinokie

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jon
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„Ich hatte mich als Vorbereitung fĂŒr den Text etwas eingelesen, wie Raumfahrt heutzutage aussieht und wie sie wohlmöglich in Zukunft aussehen wird.
Dass viele Dinge, die wir aus den Science Fiction Serien/Filmen kennen so nicht möglich sein werden und hauptsĂ€chlich wegen der Action geschehen, konnte ich mir auch vorher schon zusammenreimen, aber manche Dinge hatte ich so nicht erwartet.“
Was möglich sein wird, kann man nur grob vermuten - man kann ja immer nur von dem her extrapolieren, was jetzt möglich ist und was aktuell brandneue Entdeckungen/Entwicklungen versprechen.

Was FankK anmerkt sind auch eher Probleme mit der Glaubhaftigkeit, wobei ich angesichts der Wirklichkeit (man fragt sich schon recht oft, ob die Entscheider noch alle Hirnwindungen in Gebrauch haben) auch fĂŒr möglich halte, dass auch in der Zukunft das Dussligkeitssyndrom weit verbreitet ist. In einer Geschichte wĂŒrde ich das allerdings (mit) zum Thema machen (einfach so als Background fĂŒhlt es sich wirklich wie Schusselfehler des Autors an) - hier könnte Robert zum Beispiel an ein zwei Stellen einen Gedanken darĂŒber verlieren, dass der Antrieb docj verdammt nochmal besser geschĂŒtzt sein mĂŒsste. Oder dass das verdammte Notsteuer-/Notkommunikationssystem endlich hĂ€tte repariert werden mĂŒssen. Oder 
 Dieser Aspekt könnte der reinen Action-Story einen "tiefergehenden" Sinn mitgeben.

Als weitere Hilfe fĂŒr die Überarbeitung: Schiffe können nicht immer ausweichen - wenn das Feld sehr dicht ist, dĂŒrfte es schwer werden, die nötige Wenigkeit zu erbringen. Man kann auch zu spĂ€t merken, dass man auf so ein Feld zufliegt (weil die verdammten Sensoren mal wieder einen Aussetzer hatten). Und wenn ein Schiff in ein Feld gerĂ€t und durch die Kollisionen die Bahnen einzelner Brocken verĂ€ndert, kann man dem Billard-Prinzip auch ein Brocken plötzlich hinten in den Antrieb einschlagen.


Aber all das hatte mich, ehrlich gesagt, gar nicht gestört (was nicht heißt, dass man es nicht trotzdem verbessern kann). Was ich viel "schader“ finde, ist der wenig modulierte Tonfall - die Action mag zwar im Inhalt stecken, zu "hören" ist sie aber nicht. GrundsĂ€tzlich beherrschst du es zwar z. B., die SatzlĂ€ngen zu variieren, aber du könntest noch bewusster mit diesem Rhythmus spielen.
Spontanes Beispiel:

quote:
Gut! Steh auf und finde heraus wo du hier bist und vor allem, warum der verfluchte Raum bebt.
Wie auf ein Stichwort erzitterte der Raum erneut.
Der inhaltliche "Gag" mit dem Stichwort hat was – er vermittelt allerdings auch, dass der Point of View einen gewissen inneren Abstand zum Geschehen hat, dass er beobachtet. Aber: Robert erlebt es, steckt mittendrin.
Da Erzittern kommt plötzlich und lĂ€sst den Alarm-Level im Point of View sicher ein paar Punkte hochschnellen. Der Satz andererseits klingt deutlich lĂ€nger und bedĂ€chtiger als das, was sein Inhalt in Robert auslösen dĂŒrfte. "Der Raum erzitterte." wĂŒrde meines Empfindens nach besser passen.

Oder
quote:
Die TĂŒr klackte und schob sich dann zur Seite in die Wand, sodass er in den angrenzenden Korridor stĂŒrzen konnte.
Dass das TĂŒröffnen quĂ€lend langsam geht, ist ok (er könnte es auch so empfinden), aber fĂŒr das StĂŒrzen (16) brauchst mehr Silben (also Sprechzeit) als fĂŒr TĂŒröffnen (14).

__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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