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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Bibliothek der ungeschriebenen Geschichten
Eingestellt am 15. 02. 2009 15:08


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dubidu
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Liebeserklärung an das unbeschriebene Blatt

Wie lange sitzen wir vor dem PC oder vor der Schreibmaschine und überlegen, worüber wir schreiben könnten. Was könnte den Leser interessieren? Welches Thema ist es wert, in einen Artikel oder gar in eine Kurzgeschichte umgesetzt zu werden?

Irgendwann beginnen wir mit unserem Artikel und beenden ihn mit dem flauen GefĂĽhl, dass wir etwas vergessen haben oder, dass wir nicht die richtigen Worte finden konnten.

Vor uns liegt meist ein Artikel, ein Essay, ein Gedicht - also ein Schriftstück, das wir eine Woche später bereits in den Katalog der vergessenen Schriften einsortieren können.

Warum ist das Geschriebene so flĂĽchtig, sehen wir einmal von den Erzeugnissen der Schreibgenies ab?

Ganz einfach!

Weil wir die besten Artikel nicht schreiben, sondern die tollsten Geschichten fĂĽr uns behalten. Die besten Artikel werden leider ungeschrieben bleiben.

Und bevor Sie nun denken, der total überdrehte Verfasser spinne, übertreibe, schneide auf – warten Sie, bleiben Sie ruhig sitzen und denken Sie noch mal darüber nach!

Wie oft hatten Sie eine Geschichte im Kopf, die Sie nicht aufgeschrieben haben, weil Sie sich schämen, vielleicht Angst vor der Resonanz haben oder Ihnen aus anderen Gründen der Mut gefehlt hat?

Wie oft wollten Sie ein Tabu brechen und ein Thema anschneiden, das Ihnen sehr zu Herzen geht? Doch Sie trauten sich nicht, Ihre politisch unkorrekten Gedanken aufzuschreiben.

Oder Sie wollten einen heiĂźen Text ĂĽber eine schmuddelige Sexfantasie schreiben. Schade, Sie haben Ihre Chance verpasst. Und nun fehlt uns die Geschichte der O des 21. Jahrhunderts.

Und bestimmt befindet sich in Ihrer Bekanntschaft ein begnadeter Geschichtenerzähler, der nicht schreibt, weil er es sich nicht traut.

Gott sei Dank, geht nichts verloren in unserem Universum. Alles Ungeschriebene wird aufgesaugt, katalogisiert und ordentlich einsortiert: in die Bibliothek der ungeschriebenen Schriften

Und wo befindet sich diese fantastische Bibliothek?

Die Gesamtbibliothek bleibt verwahrt in Gottes Hand – wo sonst - doch jeder Mensch hat ein klitzekleines Regal abonniert. Lebenslang trägt er schwer an seinen eigenen ungeschriebenen Geschichten.

Wenn Sie möchten, können Sie sich in die ungeschriebenen Geschichten Ihrer Mitmenschen hineinlesen. Versuchen Sie es! Fragen Sie ihre Freunde nach ihren Erlebnissen und hören Sie ihnen uneingeschränkt zu.

Und falls Sie glauben, Sie haben sich verbraucht und möchten in Zukunft nichts mehr schreiben, dann tun Sie gut daran oder besser: lassen Sie es!

Denn ihre Gedanken gehen nicht verloren. Sie finden einen schönen Platz irgendwo in der letzten Bibliothek am Rande des Universums
__________________
Die Tollkühnheit des Schreibers und sein spontanes Bedürfnis nach Wahrheit müssen allemal größer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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dubidu
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Vielen Dank nach MĂĽnchen.
Aber so ist der Text nicht gemeint; das, worauf du dich beziehst, sind nur Randnotizen zum Eigentlichen. Das, was ich ausdrücken wollte, ist die Tatsache, dass wir schreiben können, was wir wollen. Wir werden das Thema nie exakt treffen und das Geschriebene ist immer nur zweitklassig, weil nur das Ungeschriebene in unseren Gedanken perfekt ist.

Vielleicht eschlieĂźt sich diese Botschaft beim zweiten Lesen. Falls nicht, ist der Text schlecht geschrieben.

GruĂź
dubidu
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RAFAEL SELIGMANN

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Open Mike
Guest
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Zumindest der Titel erinnert an Vila-Matas und seine "unsichtbare Bibliothek der ungeschriebenen BĂĽcher", bzw. den daraus entstandenen Roman ("Bartleby & Co."). Und auch der besteht lediglich aus "Anmerkungen".

om

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jon
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Zur Textarbeit:

Der Anfang holpert gewaltig.

Als erstes hat mich die allzu großzügige Gleichsetzung von "Geschichte" und "Artikel" extrem gestört – das sind zwei grundverschiedene Dinge.

Zweitens ist der Bogen zu groß dafür, wie kurz die Sprünge sind. Ich meine: "Was schreiben?" Hüpf! "Anfang. Fertig." Hüpf! "Zwei Wochen später" – und das für die "simple" Frage: "Warum bleibt vieles, was wir schreiben, so flau, dass es getrost ins Regal der zu vergessenden Texte einsotiert werden kann?"

Drittens: Der "flaue Text" und der "flĂĽchtige" (im Sinne von schnell uninteressant) sind nicht dasselbe.


Das Ende ist mir zu mystisch. Zwar denk ich auch, dass – abgesehen von "technischen Ideen" (*) – jede Geschichte milliardenfach passiert und irgendwann auch mal so und jemandem, dass eine schreibenswerte Geschichte daraus wird. Aber das mit der "Bibliothek" klingt mir zu gewollt.

(*) Mit "technische Ideen" meine ich sowas: "Was, wenn der Mensch zum Mars fliegen würde?", die Cyberspace-Sachen, dass die Geschichte im Dschungel spielt oder auf ein einziges Hotelzimer beschränkt wird … Die wirklich interessanten Geschichten sind die, die sich nur an sowas entzünden, an sowas kristallisieren, ansonsten aber tagtäglich passieren und nur nich wahrgenommen werden ...
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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dubidu
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Liebe jon,
vielen Dank für deine Textarbeit. Deine Ratschläge sind sehr hilfreich. Dazu habe ich noch einige Anmerkungen; zunächst zu deiner ersten spontanen Reaktion:

quote:
dubidu: Wir werden das Thema nie exakt treffen und das Geschriebene ist immer nur zweitklassig, weil nur das Ungeschriebene in unseren Gedanken perfekt ist."

jon: Das kann ich – so pauschal - nicht unterschreiben.

Ich bin der festen Ăśberzeugung, dass die Basis meines Textes, also meine Idee, in meinen Gedanken und GefĂĽhlen wesentlich perfekter war, als ich es in Buchstaben ausdrĂĽcken konnte.

NatĂĽrlich muss fĂĽr dich nicht gelten, was fĂĽr mich gilt. Insofern glaub ich auch, dass du das nicht unterschreiben kannst - vor Allem nicht so pauschal!

Und natürlich empfindet ein eher geerdeter, materialistisch geprägter Mensch das Thema als etwas wolkig und mystisch. Insofern wäre es besser gewesen, wenn ich den Worten eine größere Schärfe und Klarheit gegeben hätte - hier stimme ich deiner Kritik zu.

Aber auch in diesem Falle wäre dir das mystische Ende ein Dorn im Auge gewesen.

GruĂź
dubidu
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RAFAEL SELIGMANN

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suzah
Guest
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„liebeserklärung an ein unbeschriebenes blatt“

„liebeserklärung an ein unbeschriebenes blatt“ Ich stimme dem kommentar von jon größtenteils zu und möchte nur folgendes noch anmerken:
„Was könnte den Leser interessieren? Welches Thema ist es wert, in einen Artikel oder gar in eine Kurzgeschichte umgesetzt zu werden?“
der journalist muss bei einem thema bedenken, wie interessant sein artikel für die leser ist bzw die themen werden ja wohl ohnehin nach aktualität und wichtigkeit in der redaktionskonferenz festgelegt.
Wenn es sich nicht um ein Auftragswerk mit vorgegebenem thema handelt, bin ich doch frei in meiner auswahl, dann denke ich nicht als erstes an den leser sondern wähle das, was mich, aus welchem grunde auch immer, zur zeit beschäftigt.
„Wir werden das Thema nie exakt treffen und das Geschriebene ist immer nur zweitklassig, weil nur das Ungeschriebene in unseren Gedanken perfekt ist.“
Das erinnert mich an Schulaufsätze mit der anmerkung des lehrers „thema verfehlt“ o.ä. Das thema zu treffen ist wohl nicht das problem, aber wenn wir nicht gerade von begnadeten Schriftstellern ausgehen, so ist das geschriebene eben oft zweitklassig und fällt nicht so aus wie man es sich in gedanken vorgestellt hat – leider.
Soll das nun eine aufmunterung zum schreiben sein oder dazu, lieber seine gedanken fĂĽr sich zu behalten?
Unter einer „liebeserklärung an ein unbeschriebenes blatt“ würde ich eher die liebe zu einem möglichst edlen blatt papier, wie handgeschöpftes bütten, verstehen, das darauf wartet mit einem gedicht (handschriftlich) gefüllt zu werden.
Verzeih, wenn ich dich falsch verstanden habe - ich schreibe seit jahren nur am computer.
Liebe grĂĽĂźe von suzah

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jon
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"Ich bin der festen Ăśberzeugung, dass die Basis meines Textes, also meine Idee, in meinen Gedanken und GefĂĽhlen wesentlich perfekter war, als ich es in Buchstaben ausdrĂĽcken konnte."
*grins* Aaaahja, das "wir" steht gar nicht für "wir Autoren" sondern für "wir, das dubidu" …
Kleiner Scherz am Rande, aber mit ernster Absicht: Wenn in so einer Art Text "wir" steht, wird eine Gruppe von Leuten umfasst, zu der der Autor gehört. Hier eindeutig die der Schreiber. Ich gehör' dazu und da ich diese Art Erfahrung eher selten mache (wahrscheinlich weil ich vor dem Anfangen schon mehr oder weniger bewusst aussortiere) kommt der Text "komisch" rüber.
Ich überlege grade, ob ein Ansatz wie "Kennen Sie das?" besser wäre – das würde dann wirklich alle Schreiber betreffen, weil es offen lässt, ob dieser Effekt oft (wie hier der Eindruck entsteht) oder nur gelegentlich auftritt. Nur mal so in's Grüne hinein gedacht …

"Aber auch in diesem Falle wäre dir das mystische Ende ein Dorn im Auge gewesen."
Wahrscheinlich, ne: Sicher sogar. Also buch' es getrost unter "Geschmacksfrage" ab.
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