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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Bierdosen
Eingestellt am 19. 03. 2002 12:45


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bassimax
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Bierdosen



'Wenn ich alt bin werde ich bestimmt den ganzen Tag aus dem Fenster schauen' dachte Matthias. Er stand auf dem Balkon, seine Ellenbogen auf der Br├╝stung aufgest├╝tzt und rauchte eine. Die Wohnung befand sich im vierten Stock eines Mietshauses, eines h├Ąsslichen grauen Mietshauses, das wie ein Fremdk├Ârper in einer ansonsten recht sch├Ânen Wohngegend stand. Was er von hier oben sah gefiel ihm. Der kleine Park vor dem Haus, schmucke Einfamilienh├Ąuser und einen wunderbaren Sonnenuntergang, der den Himmel in ein Fernweh erweckendes rot tauchte. Dazu das Vogelgezwitscher. Es war ein Fr├╝hsommertag der sich hier seinem Ende zu neigte. Matthias streckte sich, atmete tief ein um ein bisschen von dieser Atmosph├Ąre einzusaugen.
Matthias hatte den ganzen Tag vertr├Âdelt. Ein bisschen Musik geh├Ârt, telefoniert, ein Buch begonnen und wieder beiseite gelegt.
Er ging wieder in rein und stand unschl├╝ssig im Wohnzimmer. Es war eine gem├╝tliche Wohnung. Viel Massivholz, Pflanzen, und Posterdrucke an den W├Ąnden. Er sah sich um, in der Hoffnung das er etwas sehen w├╝rde das sein Interesse wecke k├Ânnte.Fehlanzeige. Erst mal hinsetzen. Matthias wusste nicht so recht was er mit sich anfangen sollte. 'Bl├Âd genug einen solch sch├Ânen Tag zu verpennen', tadelte er sich. 'Fast peinlich'.
Er ging in die K├╝che und ├Âffnete den K├╝hlschrank. Aus purer Langeweile nahm er ein paar Salamischeiben heraus, die er vor dem K├╝hlschrank hockend gleich verzehrte. Dann bemerkte er das noch Kaffee in der Kanne war. Er goss sich etwas davon in ein Glas das zuf├Ąllig herumstand und trank den kalten Kaffee. Wieder ins Wohnzimmer.
"Schei├če, ist das ├Âde!" sagte er laut.
Unmotiviert legte er eine CD ein. Im fiel auf, dass er schmutziges Geschirr auf dem Tisch in der Essecke hatte stehen lassen und das Klamotten von ihm herumlagen.
Am Morgen hatte er Sabine verabschiedet. Sie war von ihrem Chef zu einer Fortbildung verdonnert worden, ├╝ber das Wochenende. Ihre Abwesendheit schien den normalerweise m├╝hsam geb├Ąndigten Schlamper in ihm zu reaktiviert haben. Montag Mittag w├╝rde sie erst wiederkommen. Matthias sa├č in seinem Sessel vor dem dunklen Fernseher. Er hatte keine Lust das Ger├Ąt einzuschalten.
'Langeweile ist der w├╝rdelose Bruder der Freiheit' fiel ihm ein und hielt diesen Satz f├╝r ziemlich gut. Rechts neben seinem Sessel stand ein kleines Tischchen. Darauf, in einem silbernen Art-deco- Rahmen, ein Bild von sich und Sabine.
'Sabine!' dachte er und nimmt das Bild in die Hand. Es ist bereits f├╝nf Jahre alt. Und genauso lange waren sie jetzt zusammen. Ein sch├Ânes Foto. Ein Freund hatte es in einem Park aufgenommen. Sie sa├čen auf einer Bank, hatten die Arme umeinander gelegt und sahen sich l├Ąchelnd an. Man konnte erkennen das Matthias recht gro├č ist, einsneunzig. Seine braunen Haare waren auf dem Bild nach hinten gek├Ąmmt, seine blauen Augen glitzerten vor Verliebtheit. Sabine trug damals einen Pagenkopf, sie hat blonde Haare und hat auch blaue Augen. Eine h├╝bsche Frau. Ein kleines N├Ąschen. Matthias mochte es nicht wenn Frauen gro├če Nasen hatten.
Sabine hatte sich in den letzten f├╝nf Jahren durchaus ver├Ąndert, was ihr Aussehen betrifft. Ihr Arsch war breiter geworden, insgesamt ist sie etwas molliger geworden. Und das Gespenst der Cellulitis war auch an ihr nicht vor├╝bergegangen. Eine ausgleichende Gerechtigkeit zum m├Ąnnlichen Haarausfall, fand Matthias. Denn seine Stirn war in letzter Zeit etwas h├Âher geworden. Beide waren 33 Jahre alt.
'Liebe ich sie eigentlich noch?' fragte er sich, so als hoffe er eine interessante Diskussion mit sich selbst beginnen zu k├Ânnen. Aber diese Frage wurde von seinem Innersten nicht aufgenommen.
Er stellte das Bild zur├╝ck. Entschlossen erhob er sich pl├Âtzlich aus dem Sessel, so als habe er sich aufgerafft etwas lange verschobenes endlich zu erledigen. Und stand wieder tatenlos im Raum.
Im Zimmer umherschlendernd dachte er ├╝ber Sabine nach. Er wunderte sich das ihm so langweilig war nur weil sie fort war. W├Ąre sie da gewesen, w├Ąre ihm nicht so fade zumute, selbst wenn er nichts getan h├Ątte. Das wusste er genau. Dabei war sie keine besonders aufregende Frau. Eher eine liebe Frau. Immer geduldig und verst├Ąndnisvoll. Bescheiden und beharrlich fra├č sie sich durch ihren Lebenskuchen, weder sich noch irgendwelche Schwierigkeiten besonders wichtig nehmend.
Diese Gleichf├Ârmigkeit war es die ihn manchmal st├Ârte. Selten stritten sie. Der letzte Streit d├╝rfte bereits ein halbes Jahr zur├╝ckliegen. Matthias hatte ihn begonnen. Er war, ohne das er wusste warum, den ganzen Tag schon gereizt gewesen. Als er heimkam sp├╝rte Sabine das er sauer war und wurde noch lieber als sonst. Was an Matthias jedoch abprallte. Er wollte streiten, so wie andere Paare das gelegentlich auch taten. An diesem Tag konnte er die ├╝blichen Harmonie einfach nicht ertragen, f├╝hlte sich eingeengt durch das ewig Nette das ihn umgab und das auch ihn zwang nett zu sein. Es w├Ąre ihm nur recht gewesen wenn sie mal Anlass zu ├ärger und Wut gegeben h├Ątte. Aber das tat sie nicht. Sie gab keinerlei Anlass zu Beschwerden. Denn Streit und Kritik warfen
sie nur allzu leicht in ein dunkles Loch des Selbstzweifels. Selbst
wenn er nur schlecht gelaunt war, aus Gr├╝nden die ├╝berhaupt nichts mit ihr zu tun hatten, erweckte das allergr├Â├čte Sorge in ihr,
lie├č sie nach imagin├Ąren Fehlern suchen, die sie wohlm├Âglich begangen hatte.
Am damaligen Tag des Zornes war ihm das egal gewesen. Er wollte streiten und zwar mit ihr. Und es war ihm schei├čegal gewesen das sie noch zahmer und lieber als sonst war. W├╝tend war er im Zimmer umhergegangen.
"Was ist denn Schatz?" hatte Sabine gefragt.
Er hatte nicht geantwortet . Ihm war zwar kurz in den Sinn gekommen wie unm├Âglich sein Verhalten auf sie wirken musste, aber das hatte ihn nur noch ├Ąrgerlicher gemacht.
"Soll ich dir einen Tee machen?"
"Nein!" abweisend war seine Antwort gewesen.
Gebannt und ├Ąngstlich hatte sie sein Verhalten betrachtet und das Schlimmste bef├╝rchtet. Bef├╝rchtet das die Geister die sie durch tadelloses Benehmen in seinem Wesen bannen wollte doch noch aus seinem Munde sprechen w├╝rden und schlimmstenfalls die Beziehung beenden.
Sein Blick war auf seinen Arbeitsplatz gefallen, der sich neben der Essecke zus├Ątzlich im ger├Ąumigen Wohnzimmer befand. Sie hatte ihn wieder mal aufger├Ąumt. Gegen seinen mehrfach erkl├Ąrten Willen, das ihm vertraute Chaos durch die Bildung ordentlicher Papierst├Â├če zerst├Ârt. Das hatte er zum Anlass genommen sich etwas von seinem Druck zu entlasten. Ungerecht klagte er sie an, da sich gerechte Klagen ums Verrecken nicht auftreiben lie├čen. Weitere, dumme Vorw├╝rfe fielen ihm ein. Das sie sich langweilig kleide, das sie immer so lang mit ihrer Mutter telefoniere, und das es endlos dauere bis sie sich vor dem monatlichen Kinobesuch zurechtgemacht habe. Er stichelte solange bis sie sich der M├╝he die sie sich gab um eine harmonische Beziehung zu f├╝hren bewusst wurde und endlich auch sauer wurde. Denn sie f├╝hlte sich ungerecht behandelt. Und dachte 'Was soll ich denn noch alles tun?' So war es schlie├člich zu einem Streit gekommen. Endlich war es mal laut in dieser Wohnung gewesen. Sabine allerdings hatte nicht lange nach fiktiven Vorw├╝rfen suchen m├╝ssen. Denn Matthias war ein Chaot, er war unordentlich. Au├čerdem wirkte sein Erscheinungsbild oft schlampig. Seine Haare waren wirr, sein Hemd hing hinten immer aus der Hose und oft rasierte er sich tagelang nicht.
Insgesamt wirkte so ein Streit sehr wohltuend auf Matthias. Matthias liebte es, Sabine hasste es.
Hatte man sich beruhigt und auch angemessen lange geschmollt, wurden vorsichtige Ann├Ąherungsversuche unternommen. Die Nachstreitphase hatte nur Vorteile. Man sch├Ątzte den anderen wieder mehr, denn man f├╝hlte das man es mit einem Menschen zu tun hatte der, wenn es drauf ankam, bereit war sein Revier zu verteidigen. Leichte Verlust├Ąngste gingen damit einher und steigerten die Begehrlichkeit des anderen. Den man haben wollte. Am Ende dieser seltenen, aber durchaus notwendigen Grabenk├Ąmpfe stand immer wunderbarer Sex. Sex von der besonderen Art, mit viel Liebe, Hingabe und Vertrauen. Kein Vergleich zu den, mittlerweile etwas rarer gewordenen, normalen Vereinigungen. Diese hatten doch manchmal einen leichten Touch von gegenseitiger Pflichterf├╝llung und dem Ausleben gewisser biologischer Notwendigkeiten.

Matthias dachte jetzt kurz daran Freunde anzurufen. Verwarf diese Idee aber wieder. Schlie├člich waren aus diesen Freunden mittlerweile nur noch Bekannte geworden. Er hatte sich St├╝ck f├╝r St├╝ck zur├╝ckgezogen, und lie├č nur noch selten von sich h├Âren. Es w├Ąre ihm peinlich gewesen diese jetzt zu aktivieren, nur weil er mal allein war.
Begonnen hatte seine schleichende Abkehr am Beginn seiner Beziehung zu Sabine. Hochverliebt wie er war ein verst├Ąndliches, auch von den Freunden akzeptierte Verhalten. Nur das Wiederauftauchen, nachdem der erste Rausch einer gefestigten Partnerschaft gewichen war, hatte nicht stattgefunden. Denn er hatte bemerkt das Sabine darunter litt wenn er mit Kumpels um die H├Ąuser zog. Nat├╝rlich h├Ątte sie das nie zugegeben, und auch nie versucht das zu verhindern. Aber er sp├╝rte es doch. Und wusste das sie gro├če Angst hatte das er, Matthias, bei seinen Streifz├╝gen eine andere Frau kennen lernen w├╝rde. Und irgendwie f├╝hlte er sich durch diese Angst geehrt. Er f├╝hlte sich bedeutsam und fand es sch├Ân f├╝r einen anderen Menschen sehr wichtig zu sein. Und das hatte ihn gl├╝cklich gemacht.
Sabine war erst seine zweite Freundin. Seine erste Beziehung, die er mit Anfang zwanzig begonnen hatte, war ein Desaster gewesen. Seine damalige Freundin hie├č Alexandra. Sie war sehr sch├Ân gewesen. Eigentlich zu sch├Ân und Matthias hatte sich gewundert warum sie ihn gew├Ąhlt hatte. Sie hatte ihn oft betrogen, was die schlimmsten Schmerzen in seiner unerfahrenen Seele anrichtete. Mit Zuckerbrot und Peitsche hatte sie ihn behandelt. Und egal was sie ihm damals angetan hatte, ein nettes L├Ącheln und ein tiefer Blick, verbunden mit einer Umarmung lie├čen ihn wieder dahinschmelzen und alles vergeben. Dann wog er sich einige Tage in Sicherheit, bis sie das n├Ąchste Attentat auf ihn ver├╝bt hatte. Schlie├člich hatte Matthias versucht sich Treue und berechenbares Verhalten zu erkaufen. Seine Ersparnisse wurden f├╝r Schmuck und Einladungen geopfert. Woraufhin sie ihm euphorisch versichert hatte wie wichtig er f├╝r sie sei.
Matthias floh in den Alkohol. Und an einigen Tagen, wenn sie z.B. am Vortag in seiner Gegenwart mit einer Frau geknutscht hatte, denn sie war bisexuell, begann er schon am morgen damit.
Er war ihr nicht gewachsen gewesen. Schlie├člich war sie es gewesen die diese Beziehung beendet hatte. In einer Kneipe. Im Beisein zweier ihm kaum bekannter Freunde von ihr. Aus
Aber Matthias hatte sich schnell wieder aufgerappelt. Der Alkohol spielte zwar immer noch eine Rolle in seinem Leben, hatte aber keine lebenserhaltende Bedeutung mehr. In den kommenden Jahren begann er einige kurze Aff├Ąren, lie├č sich aber auf nichts Ernsteres ein. Zu deutlich lebten in ihm die Erinnerungen an Alexandra.
Bis er Sabine getroffen hatte. Dankbar war er gewesen, und ist es noch. Dem Schicksal und ihr gegen├╝ber. Und diese Dankbarkeit war es, die ihn bei seinem R├╝ckzug aus alten Freundschaften unterst├╝tzte, es ihm leicht machte. Denn zuhause hatte er einen Schatz, der immer froh war das es ihn gab. So war es gewesen.
Jetzt aber war er allein und hatte niemanden den er anrufen konnte. Er wunderte sich das ihm nichts einfiel was er tun k├Ânnte. Denn eigentlich, so ├╝berlegte er, war er heute frei. Es galt keine R├╝cksicht auf irgendjemanden zu nehmen. Matthias begann zu gr├╝beln.
"Bin ich denn nur jemand wenn Sabine da ist? Bin ich nur ein halber Mensch, wenn ich ohne sie bin?" Dabei vermisste er sie nicht einmal. Hatte sich im Vorfeld darauf gefreut, das sie mal einige Tage fort ist, dachte an etwas unbefangenere Tage, und hatte eine vage Vorstellung von Z├╝gellosigkeit gehabt.
"Wo bin ich nur hin verschwunden?" fragte er sich. Er ging zum K├╝hlschrank und griff sich zwei Dosen Bier. Setzte sich wieder und trank. Seine Gedanken kreisten weiter um das leere Gef├╝hl in seinem Sch├Ądel und darum woher es wohl kommen mag.
Er bekam auf einmal Lust sich seine "Vergangenheitskiste" anzusehen. Das war ein gro├čer Schuhkarton voller alte Fotos, Briefen, und anderen Dingen, die er f├╝r w├╝rdig befunden hatte offiziell Bestandteil seiner Vergangenheit zu sein. Er holte die Schachtel unter dem Bett hervor und blieb gleich dort sitzen. Er ├Âffnete die Schachtel. Das erste war er sah waren einige Musikcasetten. Er erinnerte sich sie in seinem ersten Auto pausenlos gespielt zu haben. Die besten Lieder all seiner Platten hatte er aufgenommen. Um dadurch sowohl sein erstes Auto als auch den wundersch├Ânen Sommer zu feiern. Den er damals genossen hatte wie noch keinen. Frei hatte er sich gef├╝hlt, auf Parties und Grillfeste war er gegangen. Und es war ihm gelungen einen One-Night-Stand zu ergattern. Das war der sch├Ânste Sommer seinen Lebens. Neunzehn war er gewesen.
Als n├Ąchstes fand er einen Teel├Âffel, der auf groteske Art verbogen war. Der L├Âffel erinnerte ihn an ein Treffen mit einem Freund. In einem Biergarten hatten sie sich verabredet. Mussten jedoch feststellen das die Saison beendet war. B├Ąnke und Tisch lagenzusammen- geklappt im Kies. Trostlos war es, herbstlich grau. Ein leichter Nieselregen machte alles feucht. Das einzige was ihnen blieb war, von einem Pennerkiosk in der N├Ąhe Bierdosen zu holen und einen der Tische wieder aufzuklappen. So waren sie dagesessen und wurden immer besoffener und alberner. Es war, als h├Ątte man angesichts der Tristesse nur die M├Âglichkeit gehabt vor dem Ansinnen sich einen sch├Ânen Tag zu machen zu kapitulieren, sei von dieser Pflicht entbunden gewesen. Und lachte statt dessen lieber laut, machten Witze und bl├Âdelte. Und das hatten sie stundenlang getan. Kurz bevor sie gegangen waren fand Matthias einen Teel├Âffel im Kies liegen. Um ein Andenken an diesen Nachmittag zu haben, hatte er ihn kreisf├Ârmig verbogen. Er wollte nicht vergessen wieviel Gl├╝ck aus gr├Â├čter Trostlosigkeit entstehen kann.
Jetzt kommt er zu den Fotos. Zuerst die von der Bundeswehr, die er schnell ├╝bergeht. Ansonsten jede Menge Partyfotos, Fotos von ehemaligen Freunden und ein Foto von dem M├Ądchen, bei dem er seine Jungfr├Ąulichkeit verloren hatte. Sonja hatte sie gehei├čen. Und h├╝bsch war sie gewesen. Nur eine Woche war man beisammen gewesen. Sie mussten ihre frische Liebe beenden, da Sonja mit ihrer Familie weggezogen ist. Aber immerhin, er hatte seinen ersten Sex gehabt und deshalb war es den Schmerz wert gewesen. Als er das Foto sieht erinnert er sich daran wie verliebt er gewesen war. Er streichelte das Foto mit dem Zeigefinger und sprach leise ihren Namen aus.
Matthias sucht jetzt ein ganz bestimmtes Foto. Und findet es. Auf diesem Foto war er 21 Jahre alt. Cool stand er gegen seinen Wagen gelehnt, mit einer Bierdose in der Hand. Aufrecht und selbstsicher
ist seine K├Ârperhaltung. Er tr├Ągt auf dem Bild eine schwarze Lederjacke. Was er an diesem Bild mag ist sein Gesichtsausdruck.
Er was nicht aufgesetzt, oder auf die sp├Ątere Wirkung der Aufnahme bedacht. Der Ausdruck war echt und spiegelte Selbstsicherheit, Ruhe und Kraft wieder. So war er nat├╝rlich auch damals nicht immer gewesen. Oft war sogar das Gegenteil der Fall, besonders was Frauen anging. Aber an diesem Tag war es anders gewesen. Ohne ├Ąu├čeren Anlass war er stark und souver├Ąn gewesen.
Matthias betrachtete das Foto ganz genau. Und kam sich jetzt der abgebildeten Person unterlegen vor. Er hatte jetzt das zweite Bier geleert und seufzt. Er f├╝hlte sich unwohl und fragte sich was aus ihm geworden ist. 'Werde ich jetzt schon langweilig? Kraftlos? Versehen mit einem dumpfen Wohlbefinden das an das Beisammensein mit einer lieben Frau gebunden ist? Und das zusammenbricht sobald sie fort ist? F├╝hle ich vielleicht jetzt erst meinen wahren Zustand? Der durch ihr Dasein in meinem Leben nur Kaschiert wird?'
"Ich h├Ątte besser aufpassen sollen!" sagt er laut. "Ja, ich h├Ątte besser aufpassen sollen!"
Er stand auf und l├Ąchelte. 'Welchem Rat w├╝rde ich jetzt einem Freund geben? ' dachte er. Laut sagte er zu sich:
"Warte nicht darauf bis die Leere verschwindet! F├╝lle Sie! Niemand hindert dich das zu tun was du willst. Darauf zu warten das ein unangenehmes Gef├╝hl verschwindet hei├čt, sich diesem auszuliefern. Mache dir selber deine Gef├╝hle! Krieg' deinen Arsch hoch und mache etwas aufregendes!"
'Genau!' dachte er jetzt. 'Aber was?'
Wieder sagt er laut zu sich:
"Du kannst dar├╝ber nachdenken was zu tun ist, oder etwas tun. Letzteres nennt sich 'Leben'!"
'Schon wieder hab' ich recht!' dachte er.
Nachdem er noch etwas auf und ab gegangen ist, und sein Gesicht sich dabei mehr und mehr aufgeheitert hat, bis hin zu einem frechen Grinsen, hatte er eine Idee.
'Ich werde diese Nacht nutzen!' beschloss er 'Ich mache einen Vertrag mit mir. Einen Vertrag, der folgende Klauseln enth├Ąlt:
1. Heute nacht erlaube ich mir alles.
2. Ich werde niemanden fragen, auch nicht im Geiste, wie ihm das gef├Ąllt.
3. Ich gehe keiner Schwierigkeit aus dem Weg.
4. Ich erwarte nichts, denn ich will mich frei f├╝hlen.
5. Egal was passiert, ich werde mich sp├Ąter nicht anklagen.
6. Ich werde all das bedingungslos durchsetzen.'

Er hatte eine Entscheidung getroffen. Der Vertrag galt.

Er ging ins Schlafzimmer um sich ausgehfertig zu kleiden. Er zog eine Bluejeans und eine wei├čes Unterhemd an, setzte sich seine dunkle Baseballkappe auf. Dann schl├╝pfte er in seine schwarzen Bikerboots. Zum Schluss w├╝hlte er seine alte, leicht versiffte, h├╝ftlange Lederjacke aus dem Schrank. Er nahm seine alten Kassetten und verstaute sie in der Jackentasche. Er schloss
die Augen, dachte kurz nach was er noch gebrauchen k├Ânnte. Ahja, Zigaretten, das restliche Bier und Geld. Und ein Kondom. Er suchte alles zusammen, das Bier tat er in einen Stoffbeutel.

Matthias war ├╝berzeugt von seinem Vorhaben. Und er wusste das es gelingen w├╝rde eine aufregende Nacht zu verbringen. Denn er war entschlossen Aufregung zu erschaffen und bereit die Folgen zu tragen.
"Das wollen wir doch mal sehen, ob ich schon erledigt bin!" sagte er zu sich.

Er wollte gerade losgehen, als er h├Ârte wie ein Schl├╝ssel in der Wohnungst├╝r umgedreht wurde. Und Sabine in der T├╝r stehen sah.
"Gr├╝├č' dich Matthias! Stell' dir vor, der Ausbildungsleiter hatte einen Unfall. Der Kurs ist abgesagt!"
Sie trat ins Wohnzimmer, noch etwas au├čer Atem vom Gewicht der Reisetasche. Sie sah Matthias aufbruchbereit im Raum stehen. Sie bemerkte das er seine alten Klamotten trug. Sogar die schreckliche Lederjacke. Und einen Stoffbeutel in der Rechten tr├Ągt, durch den sich deutlich Bierdosen abzeichnen.
"Gr├╝ss' dich Sabine!" antwortete Matthias,
"Oh! Gehst du weg?" fragte sie erstaunt.
Pause.
ÔÇ×Nein. Ich war nur bei der Tankstelle. Ich habÔÇÖ mir Bier gekauft!ÔÇť

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Libell
???
Registriert: Feb 2002

Werke: 6
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Hallo Sebastian,

Deine Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Du hast den unterlassenen Ausbruchsversuch aus einer eint├Ânigen Beziehung sehr einf├╝hlsam geschildert. Oft liebt einer mehr als der andere - oft sind Sehns├╝chte nie ausgelebt worden - oft werden Konflikte ausgeschwiegen. Auch der Schlu├č gef├Ąllt mir, er macht die Ausweglosigkeit so richtig deutlich.

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majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

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bierdosen

hallo bassimax,

das thema der geschichte ist interessant. das ├╝berraschende ende und das kl├Ągliche scheitern des protagonisten, den ausbruchversuch aus seinem leben in die tat umzusetzen, hat mich schmunzeln lassen.

trotzdem solltest du am lokalkolorit arbeiten und versuchen, die vielen rechtschreibe- und interpunktionsfehler zu vermeiden.
der titel gef├Ąllt mir nicht. er macht nicht neugierig.

ich glaube, da├č du das thema besser umsetzen k├Ânntest.

liebe gr├╝├če
majissa

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annabelle g.
Guest
Registriert: Not Yet

da bist du ja wieder, bassimax!

ich finde das deine beste geschichte, in so etwas unspektakul├Ąrem f├╝hle ich mich wohl, etwas das jeder kennt und mit dem sich jeder variationsreich rumschl├Ągt den lieben langen tag

eine sache finde ich SEHR interessant, du verwendest es aber nur sporadisch: das pl├Âtzliche pr├Ąsens.

"er streichelt das foto mit dem zeigefinger und spricht leise ihren namen aus."

das ist sehr intensiv, warum baust du das nicht aus, das ist ein gutes stilmittel, vielleicht auch f├╝r den schluss?

(das probiere ich auch mal)

der titel bierdosen ist mir auch nicht klar.
und der typ, der so cool losziehen will, hat einen stoffbeutel?

sch├Âne gr├╝├če annabelle


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Ronja
Hobbydichter
Registriert: Mar 2002

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Was f├╝r ein Problem hast Du eigentlich mit Frauen?
Obwohl die Idee des Moments einer Beziehung nicht schlecht und sicher aus dem Leben gegriffen ist, hast Du sie leider phantasielos und ohne jegliche Intensit├Ąt beschrieben, ja fast lieblos dahin gekritzelt. Dagegen scheint Deine Geschichte ├╝ber den Hund wesentlich impulsiver, wenn auch g├Ąnzlich ├╝berzogen. Am Ende beider Geschichten bleibt ein schlechter Schauspieler mit einer dunklen Seite die er gerne ausleben m├Âchte, aber den Mut daf├╝r nicht aufbringt - DU!

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Iris
Hobbydichter
Registriert: Mar 2002

Werke: 0
Kommentare: 3
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Na na Ronja, nun werde mal nicht pers├Ânlich. Ich finde ├╝berhaupt nicht, da├č bassimax die Situation phantasielos und nicht intensiv genug geschildert hat. Im Gegenteil, ich kann die inneren Monologe von dem Matthias sehr gut nachvollziehen.

Und was soll das mit dem schlechten Schauspieler und der nicht ausgelebten dunklen Seite?! Wir haben doch alle unsere dunklen Seiten und es braucht viel Mut, sich dazu zu bekennen und sie auszuleben. Manche tr├Ąumen nur ihr Leben lang.

Viele Gr├╝├če
Iris

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