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Leselupe.de > Humor und Satire
Bierernst
Eingestellt am 14. 03. 2005 05:29


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flammarion
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Bierernst

Vor ein paar Jahren bin ich nach Berlin gezogen, um Medizin zu studieren. Da ich mit meinem Geld nicht auskam, musste ich in einer Gaststätte als Bedienung arbeiten. So konnte ich nebenbei auch noch ein zweites Studium absolvieren, denn was man da beim Servieren und Kassieren mithören darf, sagt schon einiges aus.
Nachdem ich den Satz aufschnappte: „Ick bin n Mann, soll ick nu ooch noch Vata sein? Det übalass ick Jott!“, begann ich, solche Sachen aufzuschreiben. Auch den Spruch neben der Theke: Bier unser, das du bist im Glase, geheiligt werde dein Erfinder, dein Rausch komme, dein Wille geschehe, zu Hause als auch in der Kneipe. Unseren täglichen Durst gib uns heute, und vergib uns unsere Schulden wie wir vergeben unseren Gläubigern. Und führe uns nicht in die Milchbar, sondern gib uns die Kraft zum Weitertrinken, denn dein ist der Rausch und der kommende Kater in Ewigkeit, Prost!

Als ich einmal einem Gast die Zeche nicht stunden wollte, warf er mir an den Kopf: „Frauen sind wie Ostereier, innen ausgekocht und außen angepinselt.“ Ich lachte, blieb hart und bekam das Geld.

Beim Kassieren hörte ich an dem Tisch hinter mir folgendes Gespräch zwischen drei Skat spielenden Männern: Mann A: „Wie jehts denn deine Frau im Knast?“ Mann B: „Keene Ahnung.“ Mann C: „Wat denn, deine Olle ham se einjebuchtet?“ Mann B: „Ja, die wollte mir mit Rattenjift vajiften. Aba weil ick arg- und wehrlos war, als ick den vajifteten Joghurt jejessen hab, ham se ihr zu drei Jahre vaknackt.“ Mann C: „Warum wollte die dir denn vajiften?“ Mann B: „Sie saachte, weil ick ihr vadroschen hätt. Dabei hab ick ihr doch bloß ab und zu eene jeklebt.“ Mann A: „Na, da konnteste doch aba damit rechnen, det die sich det nich jefalln lässt, sondern irjendwann wat macht.“ Mann C: „Die Rache ist mein, spricht der Herr.“ Mann B: „Jenau. Wenn die rauskommt, denn kricht se die Tracht Prüjel ihres Lebens, det könnt ihr mir jlooben!“

Manchmal wird auch ein Gespräch lautstark zwischen Tisch und Tür geführt, wie dieses: „Jetzt hab ick mir n Affen anjesoffen, den bring ick nach Hause.“ – „Aba denn kommste wieda?“ – „Klar, Mensch.“ – „Heute noch?“ –„Aba ja.“ Der torkelnde Trinker kam erst eine Woche später wieder.

Hin und wieder schnappe ich nur einzelne Sätze auf wie den eines Arbeitslosen: „Ick hab schon Dellen in de Oberschenkel vom Hände in den Schoß lejen.“

Kurios sind die verkrampften Witzeleien: „Wat, du säufst, um zu vajessen? Warte doch lieber uff Alzheimer, det is billijer.“
Oder: Der saftigste Bär ist der Rhabarbär.
Noch besser: Ick heiße Manueeel, nich manuell. Det is doch janz wat anderet.

Bei folgendem Gespräch konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Ich hab ne Mauser Pistole.“ – „Aha, die haste im Vogelkäfig, oder?“ – „Warum soll ich die denn im Vogelkäfig haben?“ – „Weil nur Vögel in die Mauser kommen, du Vogel.“

Ein anderes Gespräch endete in einer Schlägerei. Es ging darum, was die größere Mutprobe sei, eine Eisenbahnbrücke auf ihrem Geländer zu überqueren oder im Supermarkt für seine Freunde eine Flasche Schnaps zu klauen. Für mich ist beides eine gleich große Dummheit.

Manches war in seiner Plattheit schon recht beachtlich: Warum sind viele Mädchen so schlecht in Geschichte? Weil sie sich so ungern an ihr erstes Mal erinnern. Ja, ja, man sollte eben immer warten, bis der Richtige kommt.

Oder die Ermahnung an eine Schwangere und ihre Antwort darauf: „Seien Sie vorsichtig mit Alkohol! Das Kind trinkt mit!“ – „Det werde ick schon zu verhindern wissen. Ick leje die Flasche nie aus de Hand!“

"Wat, der Kalle? Derist doch abjebrüht, ausjekocht und obendrin noch roh!"

Betrunkene Frauen sind oft widerwärtiger als Männer. Von einer hörte ich die Behauptung: Ich habe der DDR den größten Schaden zugefügt. Habe von drei Männern Kinder, keiner hat gezahlt, sind alle vom Staat gestützt worden.

Verhältnismäßig lustig fand ich die Bemühungen dreier Freunde, ihren stark angesäuselten Kumpel nach Hause zu lotsen: „Komm, wir jehn jetzt.“ – „Is so kalt draußen.“ – „Ja, is kalt.“ – „Ick hab keen Schal.“ – „Wir haben alle keinen Schal.“ – „Ick akälte mir aba sonst.“ – „Mann, komm jetzt, wir haben schon bezahlt und du hast doch keen Jeld. Dein Bier is ooch schon schal.“ – „Jut, denn binde ick mir den jetz um un denn jehn wa.“

Im Frühjahr schmeichelte sich die plötzlich vollbusig gewordene Nichte des Kneipiers in sein Vertrauen und übernahm nach kurzer Einarbeitungszeit meinen Posten. Er war sicher, dass sein Umsatz dadurch steigen wird. Mein Stolz verbot mir, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass die Göre nicht rechnen kann und mit den Gästen trinkt.

Glücklicherweise fand ich im Stadtbezirk Mitte eine kleine Künstlerkneipe, wo ich von nun an etwas dazu verdienen konnte. Zwar waren hier die Trinkgelder nicht so reichlich, dafür aber die Gespräche gehaltvoller. Schon der in sehr kleiner Schrift gehaltene Spruch neben der Theke wies darauf hin: Auf den Tisch da kommt der Kuchen
Da hat der Popo nichts zu suchen.

Ein bemerkenswertes Gespräch war folgendes: „Jiddisch ist allzeit die fortschrittlichste Musik.“ – „Ja, aber nicht die schönste.“ – „Was ist für dich die schönste Musik?“ – „Weihnachtslieder.“ – „Was ist drin in Weihnachtsliedern?“ – „Glaube, Liebe, Hoffnung.“ – „Ist in jiddisch-Liedern auch.“ – „Ja, aber auch viel Triviales.“ – „Eben. Unsere Lieder sind wie das Leben. Allzeit schreitet es fort.“

Danach schnappte ich nur noch kurze Fetzen auf, schon, weil es in diesem Lokal wesentlich leiser war als vorher in der Arbeiterkneipe. Diese Schnipsel lasse ich hier mal unreflektiert stehen:

Die Jugend glaubt, die Sexualität erfunden zu haben, dabei ist sie erst dabei, selbige zu entdecken.

Männer brauchen keine Sicherheit, sie erfinden täglich die Welt neu!

Genau so, wie der Unterschied zwischen grausam und grauenhaft verwischt wird, genau so wird auch der Unterschied zwischen Bettler und Bittsteller verwischt. Und das nennt sich dann die Weiterentwicklung der Sprache.

Schlimm ist nicht, dass du süchtig bist, sondern, was du tun musst, um deine Sucht zu befriedigen.

Der wahre Künstler respektiert nichts, er nutzt die ganze Welt für seine Zwecke.

Kinder haben nichts zu wollen. Aber sie können sich was wünschen. Dann haben die Erwachsenen was zu lachen.

Jede Frau sollte rasch zwei Kinder bekommen und sich danach die Brüste abschneiden lassen, damit es den Männern leichter fällt, sie als Kameraden anzusehen.

Nicht jeder, der Interpunktion und Grammatik beherrscht, ist ein guter Schriftsteller und nicht jeder, der in der Lage ist, sein Tag an eine Wand zu sprühen, ist ein Grafitti- Künstler.

Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Aber an welchem Menschen machen wir es fest?

Wichtig ist nicht das, was für alle im Moment wichtig ist, sondern nur das, was ICH gerade tue!

Eine Hand wäscht die andere. Manchmal sind danach beide schmutzig.

Wer das Große nicht zu tun vermag, muss sich mit dem Kleinen begnügen.


__________________
Old Icke

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Beluga
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Tut mir leid, falmmarion, aber ich musste nicht einmal lachen.
Nichts für ungut
Doris
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Reiseberichte von Doris Sutter unter http://www.umdiewelt.de/Reisende/Autor-323.html


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flammarion
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das

ist in ordnung, beluga. die geschichte hat einen sehr verhaltenen humor.
lg
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Old Icke

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norge
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ich denke mir, dass sie einen verhaltenen Humor hat, denn ansonsten schreibst du gut. Dies scheint mir, sorry, eine Aneinanderreihung von Kneipensprüchen und Sprüchchen.

Nicht böse sein, habe aber nur zu Ende gelesen, weil dein Name davor stand und ich dachte, es kommt noch etwas...

;-)

Also, bis auf weiteres ganz frohe Ostertage

vG

norge

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flammarion
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danke

fürs lesen und kommentieren. bin leider selber nicht ganz glücklich mit der geschichte . . .
lg
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Old Icke

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AliasI
???
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Ich finde es gut, technisch astrein geschrieben, interessant und witzig. Ich steh halt auf so einen 'verhaltenen' Humor. Ich wünschte ich könnte selber so etwas rüberbringen

liebe Grüße Ingrid

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