Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
135 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Big Bang
Eingestellt am 28. 03. 2002 18:07


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
itsme
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 18
Kommentare: 289
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um itsme eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Eine kurze Notiz im Spiegel, die ich k├╝rzlich las, hat meine Lebensphilosophie, ja meine pers├Ânliche Positionierung im Kosmos sp├╝rbar ersch├╝ttert. Auch wenn es f├╝r die ersten Pikosekunden noch keine mit letzter Sicherheit bewiesene Theorie gab; kaum ein ernst zu nehmender Wissenschaftler zweifelte noch an der Urknalltheorie. Vor ca. 16 Mrd Jahren explodierte danach ein Punkt im Nichts, und in einer Zeitspanne, gegen die ein Wimpernschlag eine Ewigkeit dauert, war alle Materie des Weltalls vorhanden. Fortan strebte sie mit h├Âllischer, aber abnehmender Geschwindigkeit auseinander, und bildete all die Galaxien, die wir heute in den weiten des Alls finden k├Ânnen. Mit abnehmender Geschwindigkeit deshalb, weil dem Impuls, den dieser riesige Haufen Materie beim Urknall mitbekommen hatte, die Gravitation entgegen wirkt. Irgendwann w├╝rde die Impulsenergie aufgebraucht sein, und die Gravitation bek├Ąme die Oberhand. Marsch, marsch zur├╝ck, hei├čt es dann nach der Urknalltheorie. Alle Materie st├╝rzt zur├╝ck, verdichtet sich wieder zu diesem winzigen Ausgangspunkt, und weil keine Energie wirklich verlorengeht, gibt es den n├Ąchsten Big Bang. Der ganze Zauber w├╝rde von vorne beginnen. Ein neuer Versuch aus dem riesigen Lego Baukasten Materie morgens etwas N├╝tzliches entstehen zu lassen, das abends wieder in Einzelteilen in der Kiste landet. Existenz der Planeten, Sonnen, Galaxien als Episode. Den wievielten Urknall hatten wir schon? F├╝r die Feinheiten dieser Theorie fehlt mir zwar mangels naturwissenschaftlicher Bildung das Verst├Ąndnis, aber sie war mir sympathisch.

Ich fand diese Vorstellung geradezu spannend. Man stelle sich vor: Ein Proton aus der Tinte meines F├╝llers war vielleicht vor dem letzten Urknall Bestandteil eines Schwefelmeeres auf dem 3. Planeten des Fixsterns xyz, der Galaxie n100, im Delta Quadranten. Oder ein Neutron aus dem Anker der Titanic wird nach dem n├Ąchsten Bang Teil eines Hosentr├Ągers, der neu erfunden, einer intelligenten Lebensform irgendwo da drau├čen dient. Na ja, vielleicht ersparen die sich diese Erfindung auch.

Der Tageslauf, der Wochenwechsel, die Jahre, die Urknallperioden, nichts was ist in diesem Kosmos, hat wirklich Bestand. Geburt und Tod nur als st├Ąndige Erneuerung, periodische Wiederkehr belebter und unbelebter Existenz. Das Planeten Ensemble des Fixsterns AS1024Z ist nicht harmonisch arrangiert? Ein Galaxienhaufen ist zu klumpig geraten? Die Anordnung st├Ârt das ├Ąsthetische Empfinden des Betrachters? Was soll┬┤s. Alles landet regelm├Ą├čig wieder im gro├čen W├╝rfelbecher. Der n├Ąchste Versuch ist eine neue Chance der Perfektion n├Ąher zu kommen. Das Universum wird jedes Mal ganz anders aussehen, und alles was wird, tr├Ągt bereits das Verfalldatum.

Irgendwo entstehen mit einiger Sicherheit wieder Lebensformen, die behaupten, sie ?seien?. Und die w├╝rden erneut erfinden und ergr├╝nden, sich ?Gott gewollte? Regeln geben, und f├╝r sich in Anspruch nehmen, die Kr├Ânung der Kohlenstoffchemie zu sein. Es w├╝rde wieder Wissende und Naive, Macher und Tr├Ąumer, Individualisten und Mitl├Ąufer, Chiefs and Indians, Kreative und Funktionstr├Ąger, ja wenn es denn der Evolution sinnvoll erschiene, auch wieder M├Ąnnlein und Weiblein geben. Und dann, jeweils kurz bevor alles erforscht, die letzten Wahrheiten entdeckt, also kurz bevor es langweilig zu werden droht im All..... der n├Ąchste gro├če Kollaps. Neues Spiel, neues Gl├╝ck.

Wenn ich mir vorstelle, dereinst, nach ├äonen auf unserem Planeten, k├Ânnten ein Phosphoratom aus meiner Bauchspeicheldr├╝se, und ein Kohlenstoffatom aus Naomi Campbells Busen nebeneinander zum Hypophysengewebe eines Raumfahrers um die Jahr einhunderdtausend Wende geh├Âren, weil Erosion, Wind, Wasser und Zufall Teilchen unserer ins Meer gestreuten Aschen sie so zusammengef├╝gt haben, dann hat das schon etwas Sinnliches. Es wurde f├╝r mich schon eine erhabene Vision von Unsterblichkeit. Aber was ist selbst das gegen den Gedanken, ein winziges atomares Teilchen von mir k├Ânnte nach dem ├╝bern├Ąchsten Urknall der Ausl├Âser f├╝r die Bildung einer ganzen Galaxie werden? Dazwischen liegen wahrlich kosmische Dimensionen. Alle diese Vorstellungen fand ich recht tr├Âstlich. Der Big Bang und seine Folgen machten irgendwie bedeutend und verliehen ein St├╝ck wahrer Unsterblichkeit.

Nicht das damit unmittelbar die Bew├Ąltigung des Alltags erleichtert war. Weder der Stoffwechsel wurde gef├Ârdert, noch machte es unempfindlich gegen die Wechself├Ąlle des Lebens. Nein, das nicht. Aber solche Gedanken konnten Momente entspannter Zufriedenheit, Momente des Einklangs zwischen mir und meiner Umwelt noch kr├Ânen, den Blick kl├Ąren, Horizonte weiten, das Sahneh├Ąubchen der Existenz sein. Es war meine Mystik, meine Transzendenz.

Eine kurze Notiz im Spiegel, und alles dies ist dahin. Nach Informationen des Spiegel n├Ąmlich sind Wissenschaftler zu anderen Erkenntnissen gelangt. Danach kommt die Ausdehnung der Materie im Weltall in einer fernen Zukunft zum Stillstand, und es wird eben kein Zusammenst├╝rzen geben. Wenn in diesem Szenario die letzten Sterne ausgebrannt sind, sind buchst├Ąblich alle Lichter erloschen. Das Ende aller Prozesse in belebter und unbelebter Natur. Stillstand jeder Bewegung. An jedem Punkt des Kosmos ?273 Grad Celsius, der absolute Nullpunkt. Die endg├╝ltige Apokalypse. Die ultimative Erf├╝llung der Chaos Theorie. Ein schrecklicher Gedanke; unser Weltall als Singularit├Ąt.

Sicher, bis dieser Zustand erreicht ist, wird noch einige Zeit vergehen. Meine Urlaubspl├Ąne werde ich deshalb nicht ├Ąndern. Diese neue Wahrheit ist auch nicht der Ausl├Âser f├╝r eine tiefe Depression. Schlie├člich ist ja nur der Begriff ?Ewigkeit? neu zu bestimmen. Aber irgendwie mi├čf├Ąllt mir der Gedanke schon, ein Atom, das mal Teil meines K├Ârpers war, und eines aus der Klosp├╝lung des Big Brother Hauses k├Ânnten sich kurz vor dem gro├čen Stillstand zusammentun, und fortan, ohne die geringste Chance jemals wieder getrennt zu werden, in dieser irren K├Ąlte, Stille und Dunkelheit, Ewigkeit erleben.

__________________
Life is too short to paint a single kiss

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 620
Kommentare: 3361
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Otto Lenk eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Grandios. Mein Kompliment... Gru├č Otto

Bearbeiten/Löschen    


itsme
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 18
Kommentare: 289
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um itsme eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
....

Danke Otto ......*l├Ąchelt*. Deine Geschichte von dem kleinen schwarzen Loch ist aber auch super. Die hat mich auf die Idee gebracht, diese etwas ├Ąltere Geschichte zu posten.


Gru├č - itsme
__________________
Life is too short to paint a single kiss

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!