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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Bild: ´Heimsuchung´ dem Verriss preisgegeben, Hoeneß fordert Micl´s Rücktritt
Eingestellt am 11. 10. 2000 11:37


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micl
Hobbydichter
Registriert: Sep 2000

Werke: 5
Kommentare: 22
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Heimsuchung


__Weg von den farbenfroh befleckten Gaumenfreuden prachtvoll überladener Gabentische auf den sonnigen Marktplätzen zertretener Sklavenvölker, deren einstige Gefährlichkeit sich nur noch darin widerspiegelt, daß sie, unserer Hoheit zur Anerkennung respektvoll Abstand haltend, zu Tausenden um unsere Tische kauern, während wir ihren Reichtum schmausen, und sie sich nur nähern, wenn einer der unsrigen, geräuschvoll einen seiner glitzernden Knöpfe durch dessen seidenes Knopfloch zwängend, ohne die Augen vom Weine zu wenden, das Zeichen dazu gibt; dann stürmt sofort einer der schmalbrüstigen kleinwüchsigen Diener heran, richtet alles für den nächsten Gang her, säubert den Tisch und entfernt sich wider, während im gleichen Augenblick das Geknurre und Gefiehpe, die Zerfleischung unter den Geschlagenen beginnt, fortdauernd, bis einer der unsrigen Schweigen gebietend die Hand hebt.
__Nur weg von der verbotenen Angst vor dem eisigen Hauch der die bedrückten Plätze lüftet und die hängenden Häupter der Fahnen hebt, als sähen sie in die Ferne, als hielten sie ebenso Ausschau wie die Winzlinge, die sich bei dem leisesten Lüftchen erheben, daß ihre Schöpfe den Platz überschatten; dann tanzen sie, und murmeln mit Tausenden Mündern den Himmel beschwörende Worte, die niemand von uns versteht, und die sich mit dem Gesang des Windes vereinen.
__Durch die besetzte Stadt längs der Straße die den Marktplatz mit dem einzigen Stadttor verbindet, inmitten knurrender Gestalten, welche, die Arme verschränkt oder die Hände in die Hüften gestemmt, breitbeinig in meinem Weg stehen, erst zögernd zur Seite tretend, wenn ich auf armlänge heran bin.
__Hindurch unter dem mächtigen Stadttor, seitlich zwischen zwei Hünen, welche, als wären sie eben dem Tor entwachsen, mir ebenso steinern ins Gesicht starren, daß ich, deren bösen Blicken entweichend, über mir die triefenden Grimassenmeere sehen muß, die, auf dem Torbogen wogend, mir mit ledernen Fäusten in tierischen Tönen entgegen drohen; und, sanft die riesigen Hände von meinen Schultern stemmend während ich mich verleugne, entschlüpfe ich.
__Raus aus der Stadt wächst zeitgleich mit meiner ersten Berührung mit freiem Land das Berauschen in meinem Rücken zu betäubendem Donner heran, daß es mich durchdringt und dem leisen Knirschen meiner Schritte vorauseilt, fern, bei der nahenden Staubwolke, in den dumpfen Hufschlag galoppierender Rosse übergehend; und ich wage nicht mich umzuwenden, nach zu sehen, ob man aus dem Tor tritt, um mich zu verfolgen, wohl wissend, daß wenn es nicht so wäre, ich mich verriete, wenn sich unsere Blicke träfen, also renne ich nicht, sondern verlangsame meinen Schritt.
__Nur raus aus der Misere, während unzählige mir bekannte Gesichter vorüber ziehen, ich, zitternd vor Angst, nur noch einen Fuß am Boden, mitten in meiner Bewegung innezuhalten drohe, daß ich, ein Sklave meiner selbst, in innerem Kampfe die erstarrten Glieder voran treibe, um mich nicht doch noch, dem rettenden Ufer so nah, selbst anzuklagen - doch in den Augenwinkeln glaube ich gesehen zu haben, wie sich einer der Reiter nach mir umsah.

Zu Frage 1: Warum so lange Sätze ? Warum nicht, es ist ein Prosagedicht, und wer zum Teufel erdreistet sich Gedichte nach dem ersten Lesen verstehen zu wollen.
Zu Frage 2: Worum geht es ? Vor dieser gewissenhaften Frage braucht man nun wirklich keine Angst zu haben.

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