Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92264
Momentan online:
456 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Bildungsreise
Eingestellt am 20. 07. 2010 10:18


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
Kommentare: 1979
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Michael Schmidt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Bildungsreise

Der Norden ist im Umbruch. Schwarz-Gr├╝n seit 2008 im Amt und allenthalben wird es als Blaupause f├╝r die moderne CDU genommen. Doch zuletzt gab es arge Kratzer im Modernisierungsb├╝ndnis. Die Gr├╝nen mussten viele Kr├Âten schlucken, um ihr Prestigeobjekt durchziehen zu k├Ânnen. Dem wurde per Volksentscheid ein Riegel vorgeschoben. Gemeinsames Lernen bis zur sechsten Klasse wurde abgelehnt.
In der Diskussion dar├╝ber erkennt man auch die grunds├Ątzlichen Lager. Trennung von guten und nicht so guten Sch├╝lern nach der vierten Klasse f├╝hrt zu einem Riss in der Gesellschaft, so die vorherrschende Meinung. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. L├Ąnger in einem Klassenverbund zu verbleiben, bietet schon die M├Âglichkeit, dass unterschiedliche Str├Âmungen der Gesellschaft sich finden. Dem entgegen steht meine pers├Ânliche Erfahrung. Der Riss in der Klassengemeinschaft war fast ├╝ber die ganzen vier Jahre vorhanden und verbreiterte sich die beiden letzten Jahre eher noch.
Die unterschiedlichen Lerntempi eben auch. Sp├Ątestens ab der dritten Klasse waren die Unterschiede eklatant und eine fr├╝here Trennung w├Ąre eher f├Ârderlich als hinderlich f├╝r die Entwicklung der einzelnen Individuen gewesen.
Auf der Hauptschule war ja auch die M├Âglichkeit gegeben, sollte ein guter Notenschnitt vorhanden sein, in die Realschule zu wechseln. Einer nutzte diese M├Âglichkeit und wurde auch gl├╝cklich damit. Drei nutzen den umgekehrten Weg und kehrten von Gymnasium/Realschule zur Hauptschule zur├╝ck.
Diese ist und war nat├╝rlich kein Weg ins gesellschaftliche Abseits wie wiederkehrende Klassentreffen zeigen. Jeder ging seinen Weg. Manche auf dem zweiten Bildungsweg, andere schlugen eine rein berufliche Weiterentwicklung ein.
Jetzt mag sich fast vierzig Jahre sp├Ąter einiges ge├Ąndert haben, aber die Grundbedingungen mit Sicherheit nicht. Die Grundbedingungen sind unterschiedliche Entwicklungen, die durch die unterschiedlichen Schulformen diesem Umstand Rechnung trugen.
Wenn jetzt die Ergebnisse der Hauptschule nicht mehr ausreichen, liegt das mit Sicherheit an unterschiedlichen Gr├╝nden. Sch├╝ler, die kaum oder nur fehlerhaft die deutsche Sprache sprechen, lernen auch entsprechend schlechter. Dem kann nur durch intensivem Sprachunterricht entgegen gewirkt werden.
Verwahrlosung der Kinder, denen dann Schulleistungen und Lernen nichts bedeuten, kann auch nicht geholfen werden, in dem man an den Schulformen rum doktert. Und den Lehrermangel behebe ich auch nur bedingt durch eine Schulformreform. Nat├╝rlich kann und soll man Schulen dort zusammen legen, wo es Sinn macht. Es gibt gen├╝gend Realschulen und Gymnasien, die unter einem Dach firmieren und auch gemeinsam zwei Einf├╝hrungsjahre haben, bevor eine Trennung stattfindet.
Die Schulsysteme sind also nicht das Problem, sondern die Umsetzung. Wie bringe ich Sch├╝ler (und damit die Gesellschaft) zum Lernen? Wie modernisiere ich Lehrinhalte und Schulpl├Ąne?
Und diese Diskussion wird ja eher im Verborgenen gef├╝hrt.
Vergessen darf man auch nicht den Leistungsgedanken. Ohne Leistungsgedanken findet nur schwer eine Entwicklung statt. Anreize, besser als andere zu sein, sind zwingend notwendig. Aus meiner Sicht muss daher die Faustregel bestand haben, dass das Gymnasium notfalls auch schlechte Sch├╝ler aussieben muss, die Hauptschule dagegen die Verantwortung hat, auch die Schwachen mitzunehmen und ihnen ein Mindestma├č an Bildung zu vermitteln.
├ťbrigens hie├č es schon in meiner Generation, die Sch├╝ler w├╝rden immer schlechter und k├Ânnten nicht Lesen und Schreiben. Daher sollte die Diskussion auch ein Ma├č an Sachlichkeit behalten.
Die Abschaffung der Hauptschule soll ja deren Sch├╝ler vor ihrem schlechten Ruf sch├╝tzen. Doch auch miese Sch├╝ler werden keinen Deut intelligenter, wenn sie eine Werksrealschule oder eine Mittelschule abgeschlossen haben.
Mit der Abschaffung der ungeliebten Hauptschule suggeriert die Politik, es gibt keine schlechten Sch├╝ler mehr und versucht sich aus meiner Sicht damit aus der Verantwortung zu nehmen, f├╝r ein besseres Bildungsniveau zu sorgen.
Ein gef├Ąhrlicher Weg.
Hoffen wir, dass die Praktiker in den Schulen und Bildungsministerien neben diesem falschen Signal auf pragmatischem Weg eine Verbesserung des Bildungssystems zu erreichen, in dem an den Details gearbeitet wird.
Zuletzt darf nicht vergessen werden, dass der Internationalisierungstrend dazu f├╝hrt, ein Ingenieursstudium als etwas Veraltetes zu sehen und stattdessen auf international vergleichbare Studieng├Ąnge wie Bachelor und Master zu setzen. Die deutschen Erfolge in der Ingenieursdisziplin sollten aber deutlich machen, dass Radikalreformen gar nicht n├Âtig sind.
Das deutsche Bildungssystem ist besser als sein Ruf. Vielleicht sollte man einfach an letzterem arbeiten, statt alles von Grunde auf neu definieren zu wollen.

__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


1 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!