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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Bis dass der Tod uns vereinigt ...
Eingestellt am 02. 06. 2015 20:01


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Stefan Sternau
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Registriert: Jan 2015

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„Da kommt Theo, die arme Socke“, sagten die Leute. Oder: „der arme Teufel“, „der arme Hund“, schlimmstenfalls „die arme Sau“. So und ähnlich lauteten die wenig schmeichelhaften Kommentare über ihn. Zwar zeigten sie auch etwas Mitgefühl, aber doch viel mehr Herablassung, fast Verachtung.
Allerdings war Theo wirklich eine arme Socke – was immer Theo anfing, es ging schief: Frauen, Beruf, Geld, Spielen.

Er hatte nur eine große Liebe: Autos. Auf ihn passte wirklich der alberne Werbespruch von VW: „aus Liebe zum Automobil“. Aber das war leider eine sehr einseitige, unerwiderte Liebe. Denn Theo hatte kein Geld, sich ein Auto zu kaufen. Gut, vielleicht hätte er sich einen 10jährigen, angerosteten Fiat Panda zusammenschustern können. Aber eins war Theo klar: lieber ging er sein Lebtag zu Fuß, als sich in so ein armseliges Gefährt zu setzen.
Denn was Autos betraf, so hatte Theo einen exquisiten Geschmack: Er bewegte sich in der Welt von Rolls Royce, Porsche, Lamborghini und Ferrari. Natürlich nur in seiner Vorstellung bzw. im Internet bzw. auf seinen endlosen Gängen durch die Stadt, wo er immer hoffte, einen besonderen Traumwagen mit dem Blick und der Kamera zu erhaschen.

Für ihn war so eine „bella machina“ reizvoller als jede noch so hübsche Frau, er fand die Formen eines von Pininfarina designten Autos viel ästhetischer als einen Frauenkörper, die gerundete Karosserie eines klassischen Jaguars imponierten ihm mehr als alle weiblichen Rundungen. Und das brabbelnde Geräusch eines V8-Motors oder das heiserne Röhren eines Sportauspuffs, möglichst mit einer 4-fach Auspuffanlage, waren ihm lieber als eine glockenreine Mädchenstimme. Ja, er roch sogar lieber die Abgase eines 12-Zylinders als das teuerste Ladyparfum. Man konnte seine sexuelle Ausrichtung „Auto-Erotik“ nennen, er war wirklich „auto-phil“.

Wenn Theo einen Supersportwagen vor sich sah, konnte es durchaus sein, dass er eine Erektion bekam. Aber das war ihm fast unangenehm. Denn einerseits liebte er diese Autos in einer so reinen, so innigen, fast spirituellen Weise, dass alle sinnlichen oder sexuellen Erregungen eher störend wirkten, fast die Keuschheit dieser Liebe beleidigten. Aber andererseits war da doch das sehr sinnliche, ja sexuelle Begehren nach so einem Traumcar: er wollte es besitzen, „befahren“, mit ihm den lustvollen Rausch der Geschwindigkeit, den Akt der explosiven Beschleunigung erleben – also der durchaus körperliche Wunsch, mit dem Objekt seiner Begierde wirklich in Kontakt zu kommen, intim zu werden.

Zwar konnte er Superautos auf der Straße sehen, hören und riechen. Aber anfassen durfte man sie nicht. Entweder ging die Alarmanlage an oder der Besitzer ging hoch. Man wurde verdächtigt, das Auto zu klauen, aufzubrechen oder jedenfalls zu zerkratzen. Einmal war Theo sogar von der Polizei festgenommen werden. Nein, so sehr es ihn auch danach drängte, die Karosse eines solchen Traumgefährts anzufassen, seine Formen zu betasten, es zärtlich zu streicheln – das traute er sich nicht mehr.

Eines Tages saß Theo in seinem kleinen Zimmerchen – und in einem Moment wurde ihm vollkommen klar: „Ich werde mir nie ein Luxusauto leisten können, niemals, bis an mein Lebensende nicht.“ Das traf ihn wie ein Schock. Bisher hatte er sich klammheimlich immer noch Hoffnungen gemacht, irgendwann einmal zu Geld zu kommen und dann …“Nein, das ist nur Selbstbetrug“, sagte er sich, „das wird nie sein.“

Aber auf Dauer nur in platonischer Liebe zu diesen Edel-Autos zu leben, das schien ihm auch unerträglich. Lieber wollte er aus dem Leben scheiden.
Da kam ihm plötzlich eine Eingebung: Ja, er würde aus dem Leben scheiden, aber er würde sich von einem absoluten Traumwagen überfahren lassen. Von so einem göttlichen Gefährt in den Himmel befördert zu werden, das war ein grandioser Gedanke, das war ein lohnendes Endziel. Allerdings wollte er sich nicht rein passiv überrollen lassen, sondern er würde dem geliebten Car entgegenspringen, um es mit seinem ganzen Körper und seiner ganzen Seele zu umarmen.

Und indem er von einem solchen Mega-Gefährt überfahren würde, wäre das ganze Elend, die ganze Armseligkeit seines Lebens hinweg gewaschen. Mit so einem unheimlich starken Abgang könnte er sein gesamtes Minusleben in der Schlusssekunde noch ins Plus drehen, das erste und das letzte Mal in seinem Leben wäre seine Existenz großartig, wäre er selbst großartig.

Und so könnte er auch seine große Liebe beweisen. Theo war kein Denker, aber irgendwie spürte er: seine Liebe war die aller großen Liebenden, man ist bereit, sein Leben zu opfern für die Hingabe an den geliebten Anderen. Im Grunde bedeutete jede Liebe einen – seelischen – „Tod“, nur durch Aufgabe des eigenen Egos konnte man richtig, vollendet lieben. Aber in seinem Fall ging es nicht nur einen „Tod“ des Egos, sondern auch um den Tod des Körpers, um so größer war sein Opfer, um so heroischer sein Liebesbekenntnis.





Allerdings strebte er auch nach einer gleichsam sexuellen Vereinigung. Durch die Kohabitation mit einem Edel-Auto, obwohl es ein schmerzlicher, ja tödlicher Liebesakt werden würde, oder gerade deshalb, dürfte er endlich ganz körperlich dieses Auto spüren, fühlen, erleben. Und dadurch, dass reine Liebe und sexuelle Begierde zusammenträfen, würde es eine ganz besondere, vollendete Vereinigung werden.

Aber von was einem Auto sollte er sich überfahren lassen? Unnötig zu sagen: Überhaupt nicht in Frage kam irgendein beliebiges, billiges, gesichtsloses oder hässliches Gefährt, vor allem kein Kleinstwagen oder Kleinwagen: Corsa, Lupo, Twingo, Fox, Ford K, all diese Seifenkisten fand er schauerlich, und es nervte ihn, dass gerade viele Besitzer solcher Minis besonders aufdringlich und aggressiv fuhren, vielleicht um ihren Frust zu überkompensieren, dass sie mit so einem Playmobil unterwegs waren. Nein, sein Begräbniswagen musste ein ganz besonderes Top Car sein.

Theo überlegte, er hatte viele Traumwagen, alte und neue. Zum Beispiel den Ford Mustang, ein herrlich geschnittenes, sehr maskulines Muscle Car, besonders die frühen Modelle, der 60er und 70er Jahre. Aber die Wahrscheinlichkeit, auf so einen Wagen zu treffen, war sehr gering. Und ständig vor einem Händler mit gebrauchten US-Cars rumzuhängen, das hatte wenig Sinn.
Sicher, Porsche 911 turbo, ein toller Sportwagen. Aber für seinen Tod sollte es doch etwas Ausgefalleneres sein; vielleicht ein getunter Porsche, z. B. von Ruf mit fast 500 PS, oder ein GT3, das ginge, aber so einen Porsche zufällig auf der Straße anzutreffen, war noch unwahrscheinlicher als einen alten Mustang.
Eine besondere Faszination empfand Theo auch für Lamborghini. Schon den kantigen, Alien-artigen Countach hatte er vor Jahren wie ein höheres Wesen verehrt, und als er einmal auf der Straße ein knallrotes Prachtexemplar sah, überfiel ihn ein solches Entzücken, dass es sich schließlich in einem Weinkrampf löste. Aber den Countach gab es kaum noch … Besonders gefiel ihm auch der Lamborghini Diablo, und es würde gut passen, von einem Teufel ins Jenseits befördert zu werden.

Doch je länger er überlegte, desto mehr wurde ihm klar: Fast alle seiner Traumwagen hatten eine männliche Optik, gerade Linien, harte Schnitte, Ecken; das Extrem war der kantige Countach. So ein Auto selbst zu fahren, sich mit seiner männlichen Energie zu identifizieren und zugleich aufzuladen, das wäre der Traum gewesen. So ein Auto konnte sein bester Freund sein. Aber überfahren lassen wollte er sich lieber von einem Auto mit einer weiblichen Ausstrahlung. Denn unabhängig von seiner Liebe, dieser Zusammenstoß war für ihn ja ein sehr körperlicher, sexueller Akt. Und eine solche Verbindung wollte er nur mit einem weiblichen Wesen eingehen, er war nämlich eindeutig hetero-auto-sexuell oder auto-heterero-sexuell.

Bei den Kleinwagen gab es viele gerundete, ja allzu rundliche, aber Supersportwagen mit weiblichen Formen und Rundungen gab es aktuell kaum welche. Etwas gerundet war zwar der Porsche 911, aber er wirkte eher androgyn. So dachte Theo eher an einen Youngtimer oder Oldtimer, z. B. den Laborghini 400 GT oder den Porsche 928 oder den Jaguar E-Type, ein absoluter Traumwagen, dessen sexuelle Ausrichtung allerdings auch nicht eindeutig war. Aber diese älteren Modelle traf man extrem selten. Doch der Jaguar E-Type war schon ein Fingerzeig: überhaupt ein Jaguar, die Wildkatze, edel, elegant und gefährlich, das würde wunderbar passen. Nur welcher Jaguar? Die neuesten Modelle wie der Jaguar F-Type oder der XJR sahen auch ziemlich männlich aus.

Theo vertagte die Entscheidung erst einmal. Denn er war sich auch bewusst: er konnte sich nicht auf einen ganz bestimmten Supersportwagen festlegen, sonst musste er vielleicht ewig warten und starb vorher an Altersschwäche. Er musste flexibel sein, je nachdem, was für ein Wagen ihm unterwegs begegnete, würde er sich spontan entscheiden. Seitdem veränderten sich seine Gänge durch die Stadt. Die Kamera ließ er zu Hause, die brauchte er nicht mehr, es gab keine Zukunft mehr für ihn, die es sinnvoll machte, Fotos zu schießen und zu sammeln. So zog er Tag für Tag durch die Straßen, oft von vormittags bis abends. Oft summte er leise den Song von Udo Lindenberg: „Und jetzt knallst du in mein Leben, und ich kann mich nur ergeben. Du kommst wie’n Überfallkommando, und ich bin k.o.“

Eines Tages erlitt Theo fast einen Unfall. Plötzlich sah er einen gelben Ferrari Enzo die Straße entlangfahren, eine absolute Rarität, wenn auch mit deutlich männlicher Optik. Dennoch: „Das ist die Gelegenheit“, sagte sich Theo. Er stellte sich unauffällig an die Bürgersteigkante, alle Muskeln gespannt, um loszuspringen, wenn der Wagen noch etwa 2 - 3 Meter entfernt war. Schon schnellte er hoch, da überkam ihn in letzter Sekunde Zweifel. Ein gelber Ferrari, das passte einfach nicht, das war nicht edel genug für seinen Abschied. Gelb, diese Farbe stand für die Post, gleichgültig, was für ein toller Wagen der Enzo auch war, es wäre letztlich ein Gefühl, als wäre man vom Kleintransporter des DHL-Paketboten umgefahren worden, unerträglich. So zuckte Theo im letzten Moment zurück, wobei er sich leicht am Bein verletzte. Traurig humpelte er nach Hause – er war so nah dran gewesen.

An einem sonnigen Morgen hatte Theo plötzlich das Gefühl: „Heute ist mein Tag, mein großer Tag.“ Heute würde er endlich „Geschlechts-Verkehr“ haben, in der wahrsten Bedeutung dieses Begriffs. Er zog seine besten Sachen an, allerdings waren auch die ziemlich schäbig. Dann ging er los. Stunden und Stunden lief er durch die Stadt, aber er begegnete keinem Auto, das würdig gewesen wäre, ihm einen vollendeten Tod zu bringen. Sollte sein Gefühl ihn getäuscht haben? Es dämmerte schon und er beschloss, sich auf den Heimweg zu machen.

Da sah er ihn in der leichten Dämmerung heranrollen: einen Jaguar XKR. Als Autoliebhaber erkannte Theo sofort: Es war das ältere Model X100, das von 2002 bis 2005 gebaut wurde. Und das ihm immer besser gefallen hatte als der neuere X150. Dieser Jaguar X100 sah wirklich feminin aus, zugleich grazil und dynamisch, wie eine Raubkatze auf dem Sprung –
und das mit 510 PS.

Eigentlich hatte er diesen Jaguar nicht auf der Rechnung gehabt, aber plötzlich spürte er, das war genau der richtige Wagen für ihn, die ideale Partnerin für eine Himmelfahrt. Langsam kam er näher. Theo beobachtet ihn aus den Augenwinkeln, blieb noch in Deckung. 10 Meter, 5 Meter, jetzt lief Theo los. „Geliebte, ich komme“, rief er aus und sprang direkt in den Jaguar hinein. Der erwischte ihn voll, wie ein Prankenhieb. Und in diesem, seinem letzten Augenblick erlebte Theo ein orgiastisches Gefühl von Liebe, Lust und Erlösung, dass ihn für sein ganzes erbärmliches Leben entschädigte.

Der Fahrer hatte quietschend gebremst, aber es war zu spät. „Was für ein Assi ist mir denn da vors Auto gelaufen!“ fluchte er. Er stieg aus und schaute nach der Front seines Autos: Die Motorhaube hatte eine große Beule, der linke Kotflügel war auch eingedellt, und es lief irgendetwas aus“. „Und Blutflecke auf der Stoßstange“, sagte er angewidert. „Jenny, du kannst beteuern, dass ich nicht zu schnell gefahren bin. Ich konnte nichts dafür, verdammt, jetzt komme ich zu spät zum Pokerabend.“

Jenny guckte ihn an. „Rede nicht so hart über den Mann, das ist bestimmt eine ganz arme Socke, so wie der angezogen ist.“ „Ist mir egal, ruf schnell die Polizei an und den Rettungsdienst, obwohl, den Notarzt braucht der Typ bestimmt nicht mehr. Ich will in der Zeit mal versuchen, ob ich das Blut abwischen kann.“

Theo lag mit merkwürdig verdrehten Gliedern vor dem Jaguar. Jenny guckte ihn nachdenklich an: „Schau mal, er sieht so glücklich aus.“ Und wirklich: Theos Gesicht zeigte ein Lächeln. Er lächelte so selig, wie es nur ein Liebender kann, dessen Liebe erwidert wurde. Aber sein Gesichtsausdruck zeigte auch Würde, er sah irgendwie hoheitsvoll aus, fast wie ein König.

Epilog
Und so vollendete sich hier die Symbiose von Mensch und Auto. Knochen und Metall verkeilten sich ineinander, Körper und Karosserie beulten sich zusammen. Blut und Benzin, Samen und Motorenöl hatten sich gemischt. Hier knallte zusammen, was zusammengehört. Und so vollzog sich in einem höheren Sinn auch eine Versöhnung von Natur und Technik.

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