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Leselupe.de > Kurzprosa
Bismarck raucht...
Eingestellt am 14. 04. 2004 11:27


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wolanders
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Bismarck raucht...

von

Wolfgang Anders

Eine rauchige Geschichtsbetrachtung
Leipzig 2002

Diese neueste Erkenntnis kann so keiner best├Ątigen.
Das bedarf der Erkl├Ąrung.
Tats├Ąchlich rauchte k├╝rzlich ein von und zu Bismarck in Leipzig. Ein echter Bismarck-Hering, sagten manche, ein blaubl├╝tiger Hering, ein Fischkopp eben.
Nun, so despektierlich war das alles gar nicht gemeint.
Schwingt doch nicht zuletzt bei uns gem├╝tlichen und friedfertigen Sachsen auch ein wenig Neid und Hochachtung oder Bewunderung oder was wei├č ich, in all den Bezeichnungen, die am Stammtisch genannt werden, mit. Keine B├Âsartigkeiten. Es war ein Nachfahre des gro├čen alten F├╝rsten Otto von Bismarck, der allhier im h├Âchsten Hotel der Messestadt Leipzig sowas wie eine Vernissage, eine Lesung, gewisserma├čen eine Rauchung veranstaltete.
Unsere gute alte - mehr alte als gute - Leipziger Volkszeitung berichtete vorher und nachher von diesem Premium-Ereignis.
Er hat geraucht.
Hier in unseren Mauern.
In unserer Luft.
Mit unserem Sauerstoff verbrannte er seine edlen Zigarren.
Die Stiftung Bismarck verwies den Autor, einen ebenso alten Sachsen aus Leipzig, an den edlen Nachfahren.
Er - der Autor - wollte die Lesung ├╝ber Bismarcks Rauchphilosophie ein wenig aufwerten, auf h├Âhere Ebenen f├╝hren, den Intellektuellen dieser Welt und anderen Einfaltspinseln neuere Erkenntnisse zuf├╝hren, wie zum Beispiel, da├č die neuere deutsche und preu├čische Geschichte einen anderen Verlauf genommen h├Ątte, wenn, ja wenn dieser franz├Âsische Vertragspartner des F├╝rsten Bismarck mit Bismarck eine gute Zigarre geraucht h├Ątte. Das Ergebnis des deutsch-franz├Âsischen Krieges von 1871 w├Ąre vermutlich ganz anders ausgefallen. Jules Favre, Monsieurs Thiers, Napoleon III. h├Ątten mit dem neuen Reichskanzler eine Art Tabakkollegium rauchen k├Ânnen und mindestens der erste der Weltkriege w├Ąre uns erspart geblieben, weil Clemenceau keinen Grund zum Chauvinismus gehabt h├Ątte. So oder so ├Ąhnlich w├Ąre die Geschichte verlaufen, wenn, ja wenn...

Kurz, nur Muth, so raucht sich auch der Tabak gut!
Meint Bismarck in einem Brief an seine Gattin vom 4.April 1859, geschrieben in Petersburg.
Und:
Ich habe bisher nur angenehme Eindr├╝cke; das Einzige was mich erbittert, ist da├č man auf der Stra├če nicht rauchen darf.

Es ist durchaus legitim, die deutsche Geschichte so oder so zu betrachten. Die gesicherten Erkenntnisse einer tiefsch├╝rfenden historischen Forschung und die profunden Kenntnisse des Autors belegen das.
Es begann alles im sogenannten oder auch \"Preu├čenJahr\" (die schreiben das tats├Ąchlich so), also im Preu├čenJahr 2001.
Diese Preu├čenJahr 2001 wurde hier in Bundesdeutschland, in der deutschen demokratischen Bundesrepublik, richtiger in der Deutschen Bundesrepublik (DBR) ganz regierungsoffiziell gefeiert.
Und es war auch danach.
Geld spielte sowieso keine Rolle, die Sch├Ânen und Reichen, also Gerhard Schr├Âder und Johannes Rau (Moment, da hat der Autor aber jetzt verwechselt...) und viele, viele Promis aus Politik und Regierung und McDoof und bekannt aus Funk und Fernsehen feierten und feierten...soviel Preu├čen gab es gar nicht, wie die feierten.
Die Museumsinsel in der Reichshauptstadt Berlin hatte noch nie soviel zu tun. Der Museumsp├Ądagogische Dienst daselbst war alleine schon ausgelastet durch die von hoher Wissenschaftlichkeit getragenen Fragen des Autors dieser bescheidenen Zeilen. Wie zum Beispiel die Frage nach Rolle und Bedeutung des Dr.Dr. G├╝nther Gereke...Wer war Gereke?
Museumsfuzzis von fast ganz Berlin zerbrachen sich den Kopf. Westberlins versteht sich, in Ostberlin h├Ątten sie schon eher fragen k├Ânnen. Denn, was das Wessi nicht braucht, kennt es auch nicht.
Na ja, so ist das eben.
Wir wissen Bescheid und die haben das Geld und nun auch noch die Macht.
Macht nichts.

Rauchte Bismarck wirklich und tats├Ąchlich und leibhaftig in Leipzig?
In L.E.?
In der alten Reichsmessestadt Leipzig?

Die Leipziger Volkszeitung, das seri├Âseste weil einzige Blatt in Leipzig, vermeldete in ihrer Ausgabe vom Dienstag, 30.April 2002 auf Seite 19 auf ihrer Tratschseite LEIPZIG UND UMLAND:

Rauchen Sie Zigarren? Gut. Interessieren Sie sich f├╝r Politik und Geschichte? Noch besser. Tun Sie vielleicht beides? Ideal, dann sind Sie der richtige Gast am 15. Mai im Blauen Salon des Hotels Inter-Continental.
Carl Eduard Graf von Bismarck, Ur-Ur-Enkel des Reichsgr├╝nders Otto von Bismarck, gibt dort einen exklusiven Zigarrenabend. Der 41-J├Ąhrige lebt auf Schlo├č Friedrichsruh bei Hamburg, dem Stammsitz der Bismarcks. Seit 1993 verwaltet er die Lizenzen der Familie, die Immobilien und die Forstwirtschaft. Der junge Graf will in Leipzig zwei Zigarren der Firma \"F├╝rst Bismarck\" vorstellen, dazu gibt es Getr├Ąnke aus dem adeligen Haus und die M├Âglichkeit, in zwangloser Atmosph├Ąre mit ihm ins Gespr├Ąch zu kommen. Nach eigener Auskunft verbringt Graf Bismarck 90 Prozent seiner Zeit mit Politik, will im September auch f├╝r die CDU in den Bundestag. Karten f├╝r den Abend (Preis: 65 Euro) gibt es unter Ruf (0341) 9881187.

Eine kleine Polit-Werbe-und-Verkaufs-Show also.
Nicht schlecht, Herr Specht.
Der Autor dieser Zeilen wollte auch hin. Da er aber 90 Prozent seiner Zeit nach eigenen Angaben mit Nahrungssuche und Arbeit und Geldbeschaffung und Kunden verbringt, war es ihm nicht verg├Ânnt, an diesem exklusiven Herrenabend, einer Art Tabak-Kollegium der Oberklasse, teilzunehmen.
F├╝r 65 Euro h├Ątte der Autor sich auch mit seiner eigenen Frau im Gartenverein \"Dahlie\" in Leutzsch einen sch├Ânen Abend machen k├Ânnen. Von dem Geld w├Ąren auch noch ein paar Gartenfreunde mit satt und trunken geworden.

So weit so gut. Wie sagten wir in der DDR doch gleich: ND gut - alles gut.

Der Autor glaubte sich erinnern zu k├Ânnen, an ein Buch mit und ├╝ber Bismarck: Da war es auch schon (Kannte die Stiftung Bismarck noch nicht, sag ich doch, was das Wessi nicht braucht, kennt es auch nicht!):

Tagebuch eines Ordonnanzoffiziers
Juli 1870 ~ Febr.1871

von Graf Maurice de H├ęrisson.

Wir haben hier in unserer Bibliothek (der SAMMLUNG ANDERS, die wir hier mal ganz bescheiden nennen d├╝rfen) eine leicht angegriffene Ausgabe einer Zweiten Auflage von 1885, Augsburg & Leipzig.
Eine ├ťbersetzung, das Original von H├ęrisson gibt es auch noch. H├ęrisson hat viel geschrieben, sowohl Geschichte, als auch Reiseberichte. Auch noch in Franz├Âsisch. Was keiner kann - au├čer dem Autor dieser wertvollen Zeilen.
Und so lesen wir hier einige recht interessante Aspekte der Geschichte zwischen einigen europ├Ąischen V├Âlkern, und wie sie sich gegenseitig auf die F├╝├če treten. Gut zu wissen, wer beim Ausbruch des Krieges wem Gl├╝ck w├╝nscht und aus welchen Motiven.
Gut zu wissen, wie die Briten die Franzosen austricksen, mit einem dreiseitigen Vertrag deren Dritter die Chinesen sind. Die Briten gestalteten den Vertragstext so, da├č der englische Text zum Vorteil der Briten, der franz├Âsische aber zum Nachteil der Franzosen war. Welche Nachteile den Chinesen zukamen wissen wir heute nicht mehr.
Und so blickten die Angelsachsen mit h├Âchstem Interesse auf den Kontinent Europa, um zu sehen, wer nun wen mehr oder weniger klassisch besiegt. Von den Amerikanern ganz zu schweigen, die hatten ihre Beobachter auch schon da. Ob damals der Ruf Ami go home seinen Ursprung fand?
Man wei├č es nicht.
Graf d`H├ęrisson mu├č eine ganz hervorragende Ausbildung genossen haben. Er sprach flie├čend deutsch und wohl auch chinesisch. Als Kapit├Ąn, das entspricht unserem Hauptmann, der franz├Âsischen Mobilgarde kam er zu Jules Favre und diente ihm als Ordonnanz. Seine F├Ąhigkeiten und seine historischen und politischen Kenntnisse erlaubten es ihm, zwischen der deutschen oder auch preu├čischen Seite, und seiner franz├Âsischen Heimat zu ├╝bersetzen und sogar zu vermitteln. Seinen Aufzeichnungen zufolge will er im Alleingang mit Bismarck einige nicht unwesentliche Dinge f├╝r Paris, die franz├Âsische Armee und seine Leute ausgehandelt haben. Die franz├Âsischen Politiker dieser Zeit m├╝ssen nicht die Intelligentesten gewesen sein. Auch Bismarck deutet dies in seinen Briefen an seine Gattin an:

Versailles, 1. Febr.71
Gesund und viel Arbeit, alle Tage Franzosen von fr├╝h bis sp├Ąt, wegen Ausf├╝hrung des Waffenstillstands.
Die Leute sind so gesch├Ąftsunkundig, da├č ich ihnen bei ihren Arbeiten helfen mu├č. Favre sitzt t├Ąglich von 12 bis 10 Ab. schreibend in meinem Zimmer.
Marie viel Dank f├╝r Brief.
Dein v.B.

Versailles, 27.2.71
Mein liebes Herz
ich habe Deine t├Ągliche Treue im Schreiben schlecht vergolten, und jedesmal wenn mir Engel Deinen Brief ans Bett brachte, Reue und gute Vors├Ątze gehegt, aber es ging einen Tag wie den andern, t├Ąglich sechs auch 7 Stunden Thiers und Favre, und mein kleiner Freund Thiers ist sehr geistreich und liebensw├╝rdig, aber kein Gesch├Ąftsmann f├╝r m├╝ndliche Unterhandlungen. Der Gedankenschaum quillt aus ihm unaufhaltsam wie aus einer ge├Âffneten Flasche, und erm├╝det die Geduld weil er hindert zu dem trinkbaren Stoffe zu gelangen auf den es ankommt. Dabei ist er ein braver kleiner Kerl, wei├čhaarig, achtbar und liebensw├╝rdig, gute altfranz├Âsische Formen, und es wurde mir sehr schwer so hart gegen ihn zu sein wie ich mu├čte. Das wu├čten die B├Âsewichter, und deshalb hatten sie ihn vorgeschoben.
Gestern haben wir endlich unterzeichnet, mehr erreicht als ich f├╝r meine pers├Ânliche politische Berechnung n├╝tzlich halte. Aber ich mu├č nach oben und nach unten Stimmungen ber├╝cksichtigen die eben nicht rechnen.
...

Graf d`H├ęrisson scheint die damaligen Verh├Ąltnisse ├Ąhnlich bewertet zu haben.
So schreibt er in seinem Tagebuche:

...Zuerst frappierte mich der Kontrast, den die beiden Redenden bildeten. Graf Bismarck trug die Uniform eines Obersten der wei├čen K├╝rassiere: wei├čen Waffenrock, wei├če M├╝tze, mit gelbem Rand. Er sah aus wie ein Kolo├č. In seine Uniform eingezw├Ąngt, mit gew├Âlbter Brust, eckigen Schultern, strotzend vor Gesundheit und Kraft, erdr├╝ckte er durch seine N├Ąhe den gebeugten, mageren, langen, traurigen Advokaten in seinem ├ťberrock, der ├╝berall Falten schlug und seinen lang herabfallenden wei├čen Haaren.
Ach! man brauchte nur einen Blick auf die beiden Unterh├Ąndler zu werfen, um den Sieger und den Besiegten, den M├Ąchtigen und den Schwachen heraus zu erkennen.

Am Morgen, der auf den 22. Januar folgte, war das Volk, das ├╝ber das Furchtbare: franz├Âsische H├Ąnde den Deutschen im Blutvergie├čen Konkurrenz machend; das Chassepot-Gewehr in Eintracht mit Krupp; die Nationalgarde inoffensiv vor den Preu├čen, aber m├Ârderisch vor den Franzosen - ganz entsetzt war, vollst├Ąndig zum Frieden geneigt. Man hatte genug.

Bismarck nahm eine Untertasse mit drei Cigarren, reichte sie Jules Favres und fragte:
\"Rauchen Sie?\"
Jules Favres verneigte sich dankend und sagte, da├č er nie rauche.
\"Da thun Sie Unrecht,\" sagte der K├╝rassier-Diplomat treuherzig.
\"Wenn eine Unterhaltung sich entspinnt, die vielleicht zu Diskussionen f├╝hren, eine heftige Sprache veranlassen kann, ist es entschieden besser, beim Sprechen zu rauchen. Sehen Sie, wenn man raucht,\" fuhr er fort, indem er seine Havannah anz├╝ndete, \"so l├Ąhmt die Cigarre, die man h├Ąlt, die man doch nicht fallen lassen will, in etwas die physikalischen Bewegungen. In moralischer Beziehung bes├Ąnftigt sie uns, ohne die Funktionen unseres Gehirns im Geringsten zu hemmen. Die Cigarre ist eine Ablenkung; der sich emporringelnde blaue Rauch, dem man unwillk├╝rlich mit den Augen folgt, bezaubert uns und macht uns vers├Âhnlicher. Man ist gl├╝cklich, denn das Auge ist bes├Ąnftigt, die Hand gefesselt, der Geruchssinn befriedigt. Man ist geneigt, sich gegenseitig Konzessionen zu machen. Und unsere Arbeit, bei uns Diplomaten, besteht aus best├Ąndigen gegenseitigen Konzessionen. Sie haben als Nichtraucher einen Vortheil ├╝ber mich, der ich rauche: Sie sind aufgeweckter, und einen Nachtheil: Sie lassen sich leichter hinrei├čen, sind leichter geneigt, dem ersten Impuls zu folgen,\" fuhr er mit einer etwas sp├Âttischen Absichtlichkeit fort. \"├ťbrigens bin ich sicher, da├č der Kapit├Ąn raucht.\"

Und er schob mir die Untertasse hin. Ich gestehe, wenn ich mich auch auf einen weniger erhabenen Gesichtspunkt als der Kanzler stelle, da├č eine gute Cigarre mich stets gelockt hat. Dennoch hielt ich es f├╝r richtiger, abzulehnen. Ich wollte ganz Ohr sein, mich durch nichts zerstreuen lassen, und dann f├╝hlte ich mich diesen beiden M├Ąnnern in hierarchischer Beziehung zu untergeordnet, als da├č ich mir erlaubt h├Ątte, mich mit ihnen auf gleichen Fu├č zu stellen, wie Personen, die in Gemeinschaft rauchen.

Und weil es so sch├Ân ist, zitieren wir den Grafen d`H├ęrisson einfach weiter. Einmal, weil man heute kaum noch solch geschliffenen Texte findet, und vor allem, weil es ├Ąu├čerst interessant und lehrreich ist. Man k├Ânnte auch meinen, die Geschichte wiederholt sich doch. Aber nein: Menschen und Motive scheinen sich zu ├Ąhneln, es ist wohl doch ein einziges Hin und Her, ein ewiger Kampf mit den M├Ąchten dieser Welt...und dennoch k├Ânnen wir erleben, wie die Cigarre und das Rauchen hier in die europ├Ąische Politik eingreifen. Man lese und staune:

Die Unterhaltung fing gesetzt und ruhig an. Mit erstaunlichem Freimuth und bewundernswerther Logik sagte der Kanzler einfach und aufrichtig, was er w├╝nschte. Er ging gerade auf`s Ziel los, was Jules Favre, der an seine Advokatenkniffe und diplomatischen Durchsteckereien gew├Âhnt war, ganz verdutzt machte. Er verstand Nichts von dieser vollkommenen Loyalit├Ąt, dieser stolzen und mit dem alten Schlendrian wenig ├╝bereinstimmenden Art, die Fragen zu behandeln.
Der Kanzler dr├╝ckte sich mit einer Leichtigkeit in der franz├Âsischen Sprache aus, die ich bisher nur bei den Russen gefunden hatte, die sich unsere Sprache so rasch und gl├╝cklich aneignen und f├╝r die alle fremden Idiome wegen der Schwierigkeit ihrer Sprache kinderleicht sind.Er bediente sich kr├Ąftiger und eleganter Ausdr├╝cke und fand ohne Anstrengung und ohne es zu suchen stets das rechte Wort, um einen Gedanken zu klassifizieren, eine Situation zu erkl├Ąren.
W├Ąhrend ich der Reihe nach die Schriftst├╝cke aus dem Ministerportefeuille herausnahm, die gebraucht wurden und die Notizen dazu schrieb, die mir diktiert wurden, geno├č ich diese unerwartete Lektio in der Rhetorik und Unterhaltungskunst.
Als die Rede auf Garibaldi und die Dijon-Armee kam, funkelten die Augen des Kanzlers und nahmen pl├Âtzlich den Ausdruck des heftigsten Zornes an. man f├╝hlte , da├č er nur mit M├╝he seinen offenen und gewaltigen Groll zur├╝ckhielt.
\"Ich denke,\" sagte er zu Jules Favre, \"da├č wir ihn, ihn und seine Armee, aus unseren Waffenstillstandsbedingungen herauslassen. Er ist nicht einer der Ihrigen, Sie k├Ânnen ihn mir daher wohl ├╝berlassen. Er hat ein kleines Armeekorps sich gegen├╝ber, dessen Effektivbestand ungef├Ąhr dem seiner Truppen gleichkommt.M├Âgen sie mit einander fertig werden, wie sie k├Ânnen. Wir haben mit ihnen Nichts zu thun.\"
Jules Favre erwiderte, da├č das ganz unm├Âglich sei. Man hatte Garibaldi nicht um seinen Beistand gebeten, das war wahr. Er hatte schon fr├╝her seine und seiner beiden S├Âhne Mitwirkung der Regierung der nationalen Vertheidigung am 5. September fr├╝h durch eine an Rochefort gerichtete Depesche angeboten. Man hatte ihm abschl├Ągig geantwortet. Aber da die Verh├Ąltnisse aus dem italienischen Condottiere den General einer franz├Âsischen Armee gemacht hatten, w├Ąre es eine Feigheit von ihm, dem Repr├Ąsentanten Frankreichs, Garibaldi zu verlassen, ihn von einem Waffenstillstand, der Allen zu Nutzen kommen sollte und in der R├╝ckwirkung also auch sein Armeekorps, das fast nur aus Franzosen bestand, davon auszuschlie├čen.

Die Provinz hatte ├╝brigens, indem sie Garibaldi`s Dienste annahm, die Paris ablehnen zu m├╝ssen geglaubt hatte, diesen Fremden mit den Falten ihrer Nationalflagge zugedeckt und es war unm├Âglich, ihn im Stiche zu lassen.
W├Ąhrend dieser Ansprache, die viel l├Ąnger und gewi├č beredter war, als der schwache Umri├č, den ich davon zeichne, und w├Ąhrend Jules Favre den beweis f├╝hrte, da├č die Ehre des Vaterlandes in einer solchen Frage enthalten sei, hatte der Zorn des Grafen Bismarck immer zugenommen.

Er bewegte sich unruhig auf seinem Stuhl hin und her; er hatte sogar seine halb aufgerauchte und noch brennende Cigarre auf den Rand der Untertasse gelegt und mit dem Zeigefinger heftig auf den Tisch schlagend, rief er:

\"Ich mu├č ihn aber haben, denn ich will ihn in Berlin herumf├╝hren lassen, mit einer Tafel auf dem R├╝cken, auf der die Worte stehen: \"Das ist die Dankbarkeit Italiens.\" Wie! Nach Allem was wir f├╝r die menschen gethan haben!... Das ist eine Schmach!\"

Ich nahm mir jetzt eine gro├če K├╝hnheit heraus, die einem Manne von der Erziehung und Distinktion des Grafen Bismarck gegen├╝ber, eine Chance zu gelingen hatte und die auch wirklich gelang.
Ich nahm die Untertasse mit den Cigarren halb l├Ąchelnd, halb mich verbeugend und in der Haltung der Hochachtung und Bitte, hielt sie ihm hin.
Einige Augenblicke lang schien er nicht zu verstehen, dann erlosch das feuer in seinen Augen pl├Âtzlich.
\"Sie haben Recht, Kapit├Ąn,\" sagte er, \"es ist nutzlos, zornig zu werden. Das f├╝hrt zu Nichts... im Gegentheil!\"
Und die Unterhaltung nahm ihren gewohnten, gem├Ą├čigten Ton wieder an. Garibaldi`s Armee und er selbst wurden in den Waffenstillstand mit einbegriffen.

Eine kleine Begebenheit, die nichts mit dem Rauchen, wohl aber mit dem Milit├Ąr und auch noch mit unseren Landsleuten (Das deutsche Volk, einig in seinen St├Ąmmem...) zu tun hatte, kann sich der verdienstvolle Autor, ├ťbersetzer, Herausgeber und Verleger nicht verkneifen: W├Ąhrend sich die Franzosen einschlie├člich Graf d`H├ęrisson laufend darin gefallen, die Deutschen mit den Preu├čen gleichzusetzen, respective alle Deutschen als Preu├čen zu bezeichnen, differenziert hier unser franz├Âsischer Kapit├Ąn der Mobilgarde seltsamerweise:
Der Kaiser (Der neue deutsche Kaiser, also Friedrich Wilhelm..., von Bismarck stets nur als der K├Ânig bezeichnet. Wesentliche Anmerkung des Autors, ├ťbersetzers, Editors und Verlegers) wohnte in der Pr├Ąfektur, in demselben Geb├Ąude, welches bald M. Thiers` Palais werden sollte. Prinz Wittgenstein hatte Dienst bei dem Kaiser. ich begab mich daher nach der kaiserlichen Wohnung, vor deren Th├╝r eine Schildwache mir das Bajonett entgegenstreckte. Der brave Sachse (Hervorhebung \"Der brave Sachse...!\" Das kann man gar nicht hoch genug bewerten! Meint der Autor als alter Sachse.) konnte nicht begreifen, da├č ein bewaffneter franz├Âsischer Offizier die K├╝hnheit haben k├Ânne, bei seinem Herrscher eindringen zu wollen.

Das ist es, was den Autor an diesem St├╝ck deutscher Geschichte begeistert: Der brave Sachse und die Preu├čen - Sachsens Glanz und Preu├čens Gloria!
War es nicht so?
Das deutsche Volk, einig in seinen St├Ąmmem?
Nur eine sch├Âne Illusion?
Oder auch eine verpflichtende Vision?
Sprach doch der ├╝bern├Ąchste auf diesen deutschen Kaiser im Dreikaiserjahr 1888 folgende deutsche Kaiser, der ungl├╝ckliche Wilhelm II. entt├Ąuscht und verbittert zu einem seiner Gener├Ąle, zu Groener: \"Sie sind w├╝rttembergischer General; nachdem ich nicht mehr Kaiser bin, habe ich nichts mehr mit Ihnen zu tun.\"
Das war 1918.
Im Jahre 1890 jedoch hat dieser Kaiser sein bestes Pferd im Stalle des jungen, zweiten Deutschen Reiches, seinen in Ehren ergrauten Reichskanzler Bismarck entlassen.
Da kam das deutsche Volk aber entschieden besser miteinander aus, als diese Herrschaften.
Wobei wir, hier und heute, lernen m├╝ssen, was uns diese Repr├Ąsentanten und M├Ąchtigen und Herrschenden in einer anderen Zeit noch zu bedeuten haben. Da ist noch viel zu tun. Packen wir es an oder lassen wir es liegen und warten wir es ab?

In seinen Briefen, die der Autor dieser eher zuf├Ąllig entstandenen Zeilen im Leipziger Zentralantiquariat fand, wurde ausgerechnet der olle Bismarck sympathischer und menschlicher als erwartet. Aber das ist eine andere Geschichte...
Aber gerade heute beginnt es zu br├Âckeln und zu kriseln in der deutschen Geschichte und ganz langsam lichtet sich der Rauch und der Nebel, der schwer auf uns lastet. Eine Entschuldigung nach der anderen entlastet unser anerzogenes deutsches Schuldbewu├čtsein. Da entschuldigt sich Ru├čland f├╝r das Kriegsverbrechen von Katyn beim polnischen Volk. Da entschuldigt sich der Papst bei seiner Reise in der Ukraine f├╝r Verbrechen, die im Namen der katholischen Kirche begangen wurden, da entschuldigt sich der Staat Polen bei einer j├╝dischen Gemeinde f├╝r die Erschlagung von 1600 j├╝dischen B├╝rgern einer polnischen Stadt. Wenn das so weitergeht, entschuldigen sich bald noch die V├Âlker dieser Welt f├╝r das am deutschen Volk begangene Unrecht?
Und wieso nicht?
Die vertriebenen Ostpreu├čen und Sudetendeutschen jedenfalls haben noch nicht einmal den v├Âlkerrechtlichen Status der Pal├Ąstinenser. Ohne jede v├Âlkerrechtliche Grundlage, staatsrechtlich v├Âllig offen, wurden diese Menschen von Haus und Hof verjagt. Die letzte deutsche Reichsregierung wurde verhaftet und als Kriegsgefangene betrachtet, der Staat Preu├čen im Jahre 1947 aufgel├Âst. Einfach so, weil es unseren Nachbarn so besser erschien. F├╝r sie. Die Briten haben es uns deutlich gezeigt, was sie wollten. Noch im Jahre 1951 fuhren alliierte Offiziere durch die Freie und Hansestadt Hamburg. Die Docks, 1945 beschlagnahmt und f├╝r Rechnung der Briten arbeitend, sollte Hamburg zur├╝ckkaufen. Sch├Âne Freunde.
Aber das ist eine andere Geschichte...
Bleiben wir bei Bismarck.
Bismarck war zum ├╝berzeugten Monarchisten geworden, was er dem Franzosen Jules Favre so darstellt:

Sind Sie sicher, da├č Frankreich so republikanisch gesinnt ist, wie Sie sagen, fragte der Kanzler.
Gewi├č, versetzte Jules Favre.
Nun, ich bin durchaus nicht Ihrer Ansicht, Herr Minister.
Bevor wir mit Ihnen zu unterhandeln anfingen, haben wir, wie Sie sich wohl denken k├Ânnen, den moralischen Zustand Ihres Vaterlandes studirt und uns genau dar├╝ber orientirt. Trotz dieses f├╝r Sie ungl├╝cklichen Krieges, den die franz├Âsische Nation napoleon III. mehr aufdr├Ąngte, als da├č er ihn gew├╝nscht h├Ątte, wie ich Ihnen schon gesagt - und das hat uns gestattet, nachdem wir das Kaiserreich gest├╝rzt, noch mit Frankreich, unserer alten und richtigen Feindin zu k├Ąmpfen - trotz des Ungl├╝cks und der Niederlagen Eurer Armee war, glauben Sie mir, nichts leichter, als das Kaiserreich wieder herzustellen. Ich will nicht behaupten, da├č es in Paris mit Freuden begr├╝├čt worden w├Ąre, aber man h├Ątte es sicherlich angenommen oder geduldet. Und ein Plebiszit h├Ątte dann das Uebrige gethan.
Nein, wenn wir nicht mit den Bonaparte unterhandelten, so geschah es, weil es uns vortheilhafter erscheint, mit Ihnen einen Vertrag zu schlie├čen. Was aber die vorgebliche Liebe Frankreichs zur Republik anbetrifft, die w├Ąre mit wunderbarer geschwindigkeit verschwunden.
Sie sind noch nicht lange am Ruder. Warten Sie nur. Wenn Sie die Menschen erst einige Jahre regiert haben werden, werden Sie aus einem Liberalen, der Sie jetzt sind, ein Machthaber, aus einem Republikaner ein Monarchist werden. Glauben Sie mir: man kann eine gro├če nation nicht leiten, sie nicht prosperiren lassen, ohne das Prinzip der macht, das hei├čt der Monarchie.

Und da Jules Favre dagegen protestirte, fuhr der Kanzler fort:
Sie werden schon dahin kommen, vielleicht gegen Ihren Willen, das will ich zugeben, aber Sie kommen trotzdem schon dahin. Sie sind zu scharfsichtig, um das nicht bald einzusehen und zu guter Patriot, um dann in Ihrem Irrthum zu verharren. Sehen Sie mich an. Wie hab`ich denn angefangen? Ich war liberal und nur durch die Macht der Urtheilskraft, durch den Beweis der Thatsachen und durch die Erfahrung an den Menschen, bin ich, weil ich mein Vaterland liebte, sein Wohl und seine Gr├Â├če wollte, konservativ, wenn es Ihnen besser gef├Ąllt, Machthaber geworden. Der Kaiser hat mich dazu bekehrt. Meine Dankbarkeit gegen ihn, meine hochachtungsvolle Liebe datiren aus jener schweren Epoche, wo er ein solches Vertrauen zu mir gefa├čt hatte, da├č er mich allein gegen Alle sch├╝tzte und hielt. Wenn ich heute der Mann bin, als den Sie mich vor sich sehen, wenn ich meinem Vaterlande einige Dienste erwiesen habe, so verdanke ich das einzig und allein dem Kaiser und ich werde ebenso wenig m├╝de das zu sagen, als ich m├╝de werde, meinen Herrscher zu lieben.

Soweit der preu├čische Ministerpr├Ąsident und Kanzler des neugegr├╝ndeten Deutschen Reiches, Otto der Eiserne.
Aus heutiger Sicht faszinierend. Aus der gleichen Familie wie Bismarcks K├Ânig und Kaiser, der Familie der Hohenzollern stammen ├Ąhnliche Gedanken.
Louis Ferdinand von Preu├čen sagte seinem zweiten Sohn Michael: \" Mir scheint es nicht unm├Âglich, da├č wir wieder die Monarchie bekommen, denn begeisterte Republikaner sind die Deutschen nie gewesen. Diese echte Chance haben wir nur im Fall einer Wiedervereinigung. Dann wird es eine neue Verfassung geben, und warum sollten die Deutschen sich dann nicht im Rahmen eines Volksentscheides einen Kaiser w├╝nschen?\"
Der 1918 abgesetzte Kaiser Wilhelm II. schrieb etwa zehn Jahre sp├Ąter in seiner niederl├Ąndischen Verbannung:
\"Die objektive Staatsgewalt wird am reinsten in der Person eines Monarchen verk├Ârpert, der weder Parteien durch Zugest├Ąndnisse aller m├Âglichen Vorteile gewinnen mu├č noch selbst - in seiner Unabh├Ąngigkeit von materiellen und finanziellen Dingen, unabh├Ąngig von Stellung, Karriere und ├Ąu├čerer Aufstiegsm├Âglichkeit, die jeder anstrebt - gewonnen werden kann.
Er verk├Ârpert die Staatsgewalt mit der wichtigsten Eigenschaft:
er ist unbestechlich durch seine Stellung.\"

An dieser Stelle stellt der an sich verdienstvolle Autor erschrocken fest, da├č er sich auf dem besten Wege zum Monarchisten befindet. Das war so nicht vorgesehen. Ausgangspunkt dieser tiefgr├╝ndigen Betrachtungen war und ist immer noch das wissenschaftlich zu erforschende Rauchverhalten gro├čer und ber├╝hmter Pers├Ânlichkeiten, dargestellt am Beispiel eines Grafen Otto von Bismarck, von Beruf Reichskanzler des Zweiten Deutschen Reiches mit Kaiser Friedrich Wilhelm an der Spitze.
Das w├Ąre ├╝brigens eine viel sch├Ânere ├ťberschrift zu dieser ehrenwerten Schrift, als das lapidare, wenn nicht ironische \"Bisamrck raucht\".

Tatsache aber ist auch, denkt der Autor als alter Sachse und armes gebranntes DDR-Kind, da├č man sich mit solchen Pers├Ânlichkeiten eher identifizieren kann, als mit den Pappnasen von heute.
Und mit dem Deutschen Reiche besser als mit diesem mi├čratenen Bundesdeutschland.
Wie sagte doch Louis Ferdinand, im Falle einer Wiedervereinigung w├╝rde es eine neue Verfassung geben?
Haben das nicht selbst die B├╝rgerbewegten der DDR angemahnt?
Steht das nicht auch im Grundgesetz?
Pardon - stand das nicht im Grundgesetz?
Haben das der dicke Kohl, gelernter Historiker, und seine Parteigenossen nicht gewu├čt? Oder blo├č vergessen? Man kann sich ja mal irren. Das ist ja auch nicht so wichtig, wenn man damit besch├Ąftigt ist, 17 Millionen DDR-B├╝rger mittels Treuhandanstalt und ├╝ber die Politik und die Gesetzgebung zu enteignen und ma├člos ├╝ber den Tisch zu ziehen...

Was wollten wir doch gleich sagen?

Kurz, nur Muth, so raucht sich auch der Tabak gut!

Ein Telegramm von Bismarck an seine liebe Frau:

Versailles den 28. Januar 1871.
Capitulation aller Pariser Forts und dreiw├Âchentlicher Waffenstillstand zu Lande und zu Wasser von mir und Mr Jules Favre unterzeichnet. Pariser Armee bleibt kriegsgefangen in der Stadt.
Bismarck.

Man wei├č nicht, wie schnell damals Telegramme ihren Empf├Ąnger erreichten. Jedenfalls m├╝ssen die Stadtverordneten vom Rat der Stadt Leipzig sehr schnell den Entschlu├č gefa├čt haben, in Dankbarkeit f├╝r den Fall von Paris, wie es in einem Leipziger Geschichtsbuch hei├čt, Graf Bismarck und Graf Moltke zu Ehrenb├╝rgern zu ernennen.

Der Liste der \"Ehrenb├╝rger der Stadt Leipzig von 1832 an bis...\" kann man zu Bismarck entnehmen:

Lfd. Nr. 37

Namen: von Bismarck-Sch├Ânhausen
Stand: F├╝rst, Herzog von Lauenburg
Wohnort: Berlin
Ernannt am: 28. Jan. 1871
Gestorben am: 30.7.1898

Bemerkungen:
\"Dem gro├čen Staatsmann zum Zeichen dankbarster und innigster Verehrung.\"

Von entgeltpflichtigen Recherchen in der o.g. Akte ... wurde zum jetzigen Zeitpunkt abgesehen.

Na, Gott sei Dank, denkt und dankt der Autor, dem diese wertvollen Erinnerungen zu verdanken sind. Mehr an Kosten h├Ątte er auch nicht tragen k├Ânnen, obwohl...Sollte dieses B├╝chlein auf Grund und infolge seines beschaulichen und etwas weitschweifigen Inhaltes ein sogenannter Selbstl├Ąufer oder auch Bestseller werden, dann, ja dann k├Ânnte man die Recherchen auch vertiefen und entgeltlich noch weitere Dokumente heranziehen, was aber bis jetzt dem geneigten Leser, sofern es welche geben wird, nicht zugemutet werden kann oder soll, weil (man beachte die neue Satzstellung), weil - es geht auch so und f├╝r den Preis, falls das wirklich jemand kauft - obwohl und immerhin - mu├č man noch lange nicht die Perlen vor die S├Ąue werfen. Oder so.

Mit der soeben ein wenig weiter oben erw├ĄhntenWeitschweifigkeit ist das so eine Sache.
Man sollte an dieser Stelle vielleicht mal dazu Stellung nehmen, was ja nicht schaden kann, weil - man sollte ├╝ber alles reden, weil - also:
Selbstverst├Ąndlich ist es erste Autorenpflicht, dem geneigten und interessierten, vielleicht aber auch nur gelangweilten Leser, respective der Leserin (Heutzutage wird das, besonders in der Politik anders dargestellt, heutzutage sagt man zum Beispiel: Leserinnen und Leser, oder so. Wie auch zum Beispiel: B├╝rgerinnen und B├╝rger, oder W├Ąhlerinnen und W├Ąhler, oder Genossinnen und Genossen, oder Jugendfreundinnen und Jugendfreunde usw. usf.), also den LeserInnen (eine besonders doofe Schreibweise) den Text in aller gebotenen Sch├Ąrfe und K├╝rze und Klarheit darzubieten. Okey?
Wenn nun aber komplizierte, historische Vorg├Ąnge, wie zum Beispiel die Kulturgeschichte des Rauchens im Zusammenhang mit dem Deutsch-Franz├Âsischen Krieg und der zweiten Deutschen Reichsgr├╝ndung dargestellt werden soll, dann mu├č man diese tiefenpsychologischen Aspekte, wie sie Bismarck in seinen Betrachtungen ├╝ber das Rauchen dem Franzosen Jules Favre gegen├╝ber so klar und deutlich brachte - siehe weiter oben - (nicht doch, weiter, noch weiter oben!) auch entsprechend w├╝rdigen.
Zugegebenerma├čen neigt der Autor in seiner Eigenschaft als Sachse - ├╝brigens auch und nicht zuletzt mit seinen erworbenen F├Ąhigkeiten als typischer altliberaler und kosmopolitischer Leipziger Messest├Ądter zur Redundanz. Der Autor k├Ânnte sich durchaus vorstellen, da├č ein gewisser Marcel (nicht der Leipziger Friseurladen, nein, da├č ein gewisser Marcel Reich-Ranicki diese sch├Âpferische, von einer ├╝berbordenden Phantasie getragenen Redundanz begeistert analysieren w├╝rde. Erinnert doch dieser Literaturpapst (auch katholisch, der Pole Reich-Ranicki?), der letztens von einem fast unbekannten Schreiber als Kritiker gewisserma├čen gestorben wurde, erinnert doch dieser Reich-Ranicki den Autor an seinen ehemaligen Klassenlehrer. Eine etwas eigenartige Anzeige in der Leipziger Volkszeitung (die least man hier, der Autor jedoch bald nicht mehr, weil, weil, also, die drucken ihn nicht - den Autor, die anrworten nicht mal!) erinnerte vor einiger Zeit an seinen Klassenleiter Dr. Curt Beyer und seine Ellen. Die Anzeige erinnerte daran, da├č Dr. Curt Beyer vor rund zehn Jahren das Zeitliche segnete. Als an einem tr├╝ben Freitag die Trauerfeier stattfand, sa├č der Autor als Betriebsleiter eines von der Treuhand vergewaltigten st├Ądtischen Dienstleistungsbetriebes an seinem Schreibtisch und lie├č die Tiraden eines exzellenten Vertreters der sozialen und freien Marktwirtschaft ├╝ber sich ergehen. Heute wei├č der Autor, der noch nicht f├╝r einen der wichtigeren Literaturpreise vorgesehen ist, da├č er keine f├╝nf Minuten nach der sogenannten Wende, dem Ende der Wende oder der sogenannten undsoweiter...nicht den L├Âffel, wohl aber den Schl├╝ssel h├Ątte abgeben sollen, sich arbeitslos melden, und von da an das sch├Âne Landleben genie├čen sollen.
Statt dessen hat er sich f├╝r die nicht mehr ganz so klassenbewu├čt agierenden DDR-B├╝rger engagiert und sein Sparbuch verzockt.
H├Ątte er m




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wolanders

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