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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Bist du da?
Eingestellt am 30. 07. 2006 21:23


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ScarlettMirro
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Hallo Patrick,

ich sitze hier und ertrinke in Erinnerungen und in Sehns├╝chten. Und ich verstehe dich wie nie zuvor.
Gott, was war ich unreif. Was war ich unsensibel und egoistisch. Gnadenlos hab ich Buch gef├╝hrt und gerade mit meinem egoistischen und egozentrischen vergangenen Ego abgerechnet. Wie hast du mich lieben k├Ânnen?

Ich habe so viel Fehler gemacht, die dich und uns betreffen, dass ich mir wirklich w├╝nschte, ich k├Ânnte zumindest einen davon ungeschehen machen.

Wie lange habe ich gebraucht, so viele Dinge zu verstehen und zu ordnen? Wie lange habe ich gebraucht, zu sehen, wie weit du warst.
Noch wie heute erinnere ich mich daran, wie du diesen Erdkundestudenten zurechtgestutzt hast und wie du das gemacht hast.

Wo fange ich an?

Zun├Ąchst einmal habe ich erst sp├Ąt verstanden, wer du warst und das ich mir selbst Leid zuf├╝ge, wenn ich gehe. Aber ich habe immer gedacht, dass das besser so sei, denn ich passte nicht zu deinen damaligen Lebenszielen. Ich hatte den Wunsch mit 25 Jahren eine Familie zu gr├╝nden und du wolltest auf den Himalaja steigen. Ich wollte dir da nicht im Weg sein und ich dachte, ich bin fair. Ich wollte dir nicht mehr weh tun und ich dachte, dass sei fair.
Ich hab es nicht verstanden.

Dann war ich nicht mehr mit Stefan zusammen, tr├Ąumte von dir schon, als ich noch mit ihm verbunden war. Ich hatte gedacht, wenn ich dir zeige, wie ernst ich es meine, dann w├╝rdest du dich wieder f├╝r mich entscheiden. Doch mir fehlte der Mumm. Und ich machte wieder einen Fehler, als ich mit Kai nach dieser endlosen Kampfgeschichte mit Stefan schlief. Von au├čen sicherlich unsch├Ân. Und da kam dieses Kind und alles stand wieder auf Null. (Anbei, dieses Kind namens Maya liebe ich sehr und ist wunderbar)
Ich wusste schon damals, dass du dich dann nicht auf mich einlassen w├╝rdest. Ich h├Ątte es auch nicht getan. Wir gingen einander aus dem Weg. Und ich litt darunter. Unersch├╝tterlich hoffte ich auf eine sp├Ątere Chance. Und sie kam. Allerdings war ich da schon Andreas verpflichtet. Ja, so muss man das einfach sehen. Ich h├Ątte keinen R├╝ckzieher machen k├Ânnen, nicht aus Berechnung sondern aus Fairness. Andreas ist dir in vielen Dingen sehr ├Ąhnlich, doch er ist nicht du, wenn ich das auch erstmal dachte gut kompensiert zu haben.
Als ich dich wieder getroffen habe, war ich bereits von Andreas schwanger. Ich habe mein Herz gepr├╝ft und es war still. Oh nein, da regte sich etwas, aber du warst still. Und dann dachte ich, dass sich die Gef├╝hle legen w├╝rden, dass ich damit leben kann, dich zu lieben, so ganz aus der Distanz. Du warst gar nicht still gewesen, aber eben auch nicht laut u ich brauchte wieder lange um zu deuten.

Immer wieder versuche ich mir vorzustellen, wie du dich vielleicht in deinen Vater entwickelt haben k├Ânntest. Ich versuche dich als strengen und geizigen Materialisten zu sehen oder doch irgendwie, dass meine Gef├╝hle f├╝r dich in einer kleinen Kiste Platz haben. Es gelingt mir nicht so gut.

Patrick, ich habe zwei Kinder und ein Mann, der seine Rolle als Vater und Ehemann sehr ernst nimmt. Durch die L├Ąuterung mit dir (anders kann ich das nicht ausdr├╝cken, denn durch den Verlust von dir habe ich den h├Âchsten Preis f├╝r meine sexuellen Freiheiten bezahlt) bin ich nicht wieder bis heute fremdgegangen. Nur eines ist geblieben in all den Jahren, meine Sehnsucht nach dir. Mal denke ich st├╝ndlichan dich, mal nur t├Ąglich.

Oft hab ich mir schon ├╝berlegt, eine Begegnung zu forcieren. Einmal war ich in der Luisengasse und stellte fest, du wohntest dort nicht mehr. Ich dachte, dass uns unser Schicksal zusammenf├╝hren w├╝rde, wenn ich nur geduldig wartete. Ich habe Geduld, aber ich denke manchmal, ich halte das nicht aus.
Ein Freund meinte dann, das sei nur ein Strohfeuer. Aber ist es das? Kann es das sein, wenn es so hartn├Ąckig ist? Und was, wenn es nicht so ist? Was, wenn wir uns wieder sehen und wieder lieben und wenn sich das Innerste nach Au├čen kehrt? Woher soll ich das denn wissen?

Meine Tr├Ąume geh├Âren mir! Gerade tr├Ąumte ich, ich tr├Ąfe dich zuf├Ąllig im Krankenhaus, als ich meine gr├Ąssliche Schwiegermutter besuchen sollte und deinen Namen von einer Krankenschwester h├Ârte. Immer sind es banale Zuf├Ąlle, an die ich denke. Aber will ich immerfort tr├Ąumen? Patrick, du wirst bald 42 Jahre alt, wo stehst du? Liebst du mich noch immer? Vermisst du mich mit der gleichen Sehnsucht wie ich dich? Wie lange noch? Ein Leben lang?

Wieso hab ich das nicht gewusst, so klar gewusst, als du noch in meiner N├Ąhe warst?

Ich w├╝nschte mir, dir gegen├╝ber zu stehen und dir in die blauen Augen zu sehen und dich in die Arme zu nehmen, dich zu riechen und dann zu wissen, was ich all die Jahre geh├╝tet habe. Zu wissen, dass es wirklich vorbei ist oder zu wissen, dass ich dich wirklich noch liebe, immer noch. Oh Gott, was hatten wir f├╝r ne schlechte Phase in meinem Leben erwischt.
Gleichzeitig f├╝rchte ich mich vor diesem Moment der Wiederbegegnung, denn dann w├╝rde alles auf eine Karte gesetzt. Und mein Leben w├╝rde wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Denn was wird dann? Daraus ergeben sich Konsequenzen. Ich denke immer, dass es gut ist, dass wir uns nicht begegnen, gut, weil die Kinder ihren Vater brauchen und ich dann eben dieses Leben fortf├╝hren kann f├╝r sie. Sie brauchen ihn und brauchen mich. Ich w├╝sste aber, dass ich das Leben nicht so fortf├╝hren k├Ânnte, oder ich ahne es, f├╝rchte es und w├╝nsche es und glaube es und f├╝rchte es und w├╝nsche es und und und. Es h├Ątte Konsequenzen, und ich w├╝rde dich sicher nicht noch einmal gehen lassen, wenn mein Herz ÔÇ×JaÔÇť sagt. Bei all meiner Vernunft nicht.

Patrick, was tue ich hier? Ich schreibe an einem Teil meiner Vergangenheit einen Brief in der Hoffnung, dass dieser Teil noch da ist und Gegenwart wird. Was tue ich nur hier? So viele Dinge, die um mich sind, die um dich wahrscheinlich auch sind, und ich w├╝nschte mir nur noch einmal mit dir zu sprechen. Und was dann? Was, wenn all die Gef├╝hle echt sind? Wenn es Romantik und all das Zeug mit der Sehnsucht doch gibt? Ich glaube daran nicht, ich glaube, dass man damit nur gutes Geld machen kann, aber ich kann nicht aufh├Âren an dich zu denken. Wie sehr w├╝nsche ich mir dich herbei. Du bist meine gr├Â├čte Motivation meinen K├Ârper wieder in Schu├č zu bekommen. Du bist bei allem dabei und ich w├╝nschte, du w├Ąrst jetzt hier und wir h├Ątten eine zweite Chance oder eine dritte, auf jeden Fall noch eine.

W├Ąhrend ich das alles hier tippe, w├╝nschte ich, ich k├Ânnte endlich von dieser Passion wie von einer fremden Krankheit geheilt werden. Immer mal wieder gibt es in dieser Sehnsucht seit Jahren schon Erholungsphasen und dann denke ich, jetzt bin ich endlich geheilt, ich bin endlich frei. Doch schon kurze Zeit sp├Ąter fangen sie wieder an. Ich male mir aus, wie wir uns begegnen und ich bin schonungslos. Suche mir Bilder, die mich abschrecken, schlimme Dinge. Einmal warst du noch mit Annika zusammen und du wandtest dich von mir ab. Einmal warst du sogar mit Michaela zusammen und nanntest Paulina deine Tochter, so als habe Martin nicht existiert. Patrick, ich bin schonungslos zu mir, doch ich komm von dir nicht los. Und das nach all den Jahren erschreckt mich. Denn woher kommt diese Fixierung? Ist das Liebe? Bist du die Liebe meines Lebens und hab ich dich dann ziehen lassen?

Vorhin habe ich das Tagebuch von 1994 herausgekramt. Ja, ich wei├č wieder alles und manches hat mir ├╝berhaupt nicht gefallen. Was ich da ├╝ber mich erfahren habe, das hat mir nicht gefallen. Ich wei├č wieder alles. Am 27. Oktober 1994 nahm alles seinen Lauf und endete schon im Juni (13.); und dann warst du einen Monat sp├Ąter auch schon mit Annika zusammen. Ich fasse es kaum, wie alles so schnell zu Ende war. Und dann hab ich neulich ein altes Tagebuch (von 2001) weiter gef├╝llt; es begann mit dem Satz, dass ich schon wieder nur an den einen Mann denken kann, denn ich vermutlich am meisten liebe.

Was soll ich tun?

Dir in einem Brief mitteilen, wie es in mir aussieht, ganz ehrlich und ganz klar? Und dann? Was, wenn du darauf ├╝berhaupt nicht reagieren w├╝rdest? Was dann? Du l├Ąsst mich einfach kalt auflaufen wie seinerzeit deine erste Freundin mit ihren Briefen (Gott, was hab ich dich f├╝r diese Undurchl├Ąssigkeit und f├╝r diese mangelnde Neugier bewundert)?

Wo stehst du in deinem Leben, Patrick? Hast du Familie? Denkst du auch an mich? Bist du allein? Bist du noch immer verschmust? Kannst du noch immer so herrlich l├Ącheln?

Dieser letzte Morgen, den wir hatten. Ich hab mich gef├╝hlt wie Scarlett OÔÇÖHara, als sie dachte, da k├╝mmere sie sich morgen drum. Patrick, dieser letzte Morgen, den wir hatten. Noch heute denke ich, er war die M├Âglichkeit, wie es h├Ątte sein k├Ânnen. Doppelkopf vorher und dann bist du geblieben. Patrick, wieso nur bist du geblieben? Ich hatte mich so gefreut und hatte gehofft, und dann sind wir doch getrennt schlafen gegangen. Und dann war dieser Morgen. Du warst zwischendurch Br├Âtchen holen und ich dachte, ja vielleicht gibt es noch eine Chance. Und wie im Film war dann auch noch Annika an der U-Bahnstation Rathaus gewesen. In dem Moment, als sie auftauchte, schmolz unsere Chance zu einem H├Ąufchen schuldigem Nichts zusammen. Was hatte sie da zu suchen? Ohne sie am Gleis w├Ąre alles anders gewesen. Du h├Ąttest mich vermutlich zum Zug gebracht und es h├Ątte ein zaghaftes erste Abschiedsk├╝sschen gegeben und daraus h├Ątte sich mehr entwickeln k├Ânnen. Aber es war die falsche Zeit. Wie im Film. Unglaublich.
Was w├Ąre heute nur m├Âglich?

Wieso treffen wir uns nicht erst morgen oder heute? Patrick?!?! Ich h├Ątte so gern Anne Tomei gehei├čen. Komisch nicht wahr? Wir h├Ątten so gut zusammen gepasst. Und ich war so dumm und naiv. Ich war noch nicht reif f├╝r deine Liebe, und heute w├Ąre ich es, und nun bist du nicht mehr da. Wo bist du, Patrick? Du fehlst mir so sehr. Kann ich noch warten? Lohnt sich das Warten? Warte ich?

Ich warte. Was soll ich auch sonst tun? Ohne eine Begegnung kann ich keine Entscheidung gegen oder f├╝r diese Liebe f├Ąllen und so ist sie da und bleibt da. Ordentlich verwahrt in mir wie ein gut beh├╝teter Schatz.

Patrick?

Sag was!

La├č mich nicht stehen!

Patrick?

Wir haben heute den 30. Juli 2006, 11 Jahre ist es her und ich vermisse dich.

Anne

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ScarlettMirro
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Hallo liebe Lupianer,

ich habe das mal hier ins Forum eingestellt, weil es der Form nach Tagebuch oder Brief ist, je nach dem. Eigentlich ist es aber ein St├╝ck aus einem Roman von einer Frau, die von ihrer alten Liebe nicht loskommt und dadurch nat├╝rlich auch nicht wieder lieben kann. Also von der Antagonistin ein Lebensst├╝ck.

Herzliche Gr├╝sse
Scarlett
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flammarion
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sehr

sch├Ân. und, ist der roman von dir? wenn nicht, dann auch diesen auszug l├Âschen. in der ll sollen nur selbstverfasste sachen stehen.
lg
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Old Icke

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ScarlettMirro
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Selbstredende ist der Roman in meiner Produktionsmaschinerie... will sagen: es handelt sich um einen Auszug aus einen meiner zwei Romane, die ich gerade bearbeite. Je nach Lebensphase eher der eine oder der andere.

Nat├╝rlich mein Roman!
Was f├╝r ne Frage?!

Danke f├╝r deinen Kommentar, flammarion...

Gr├╝sse
Scarlett
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flammarion
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nun,

es ist schon vorgekommen, dass leute einen schlagertext hier eingestellt haben, weil sie ihn so wahnsinnig toll fanden.
wirst du noch mehr von deinem roman hier einstellen? vielleicht als fortsetzung mit klappentext und vielen kapiteln? einen guten stil hast du jedenfalls.
lg
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Old Icke

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ScarlettMirro
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Hallo Flammarion,

du machst mich ganz verlegen, zumal ich in der Regel nicht viel zu meinen Texten hier h├Âre.

Hier wollte ich nur probieren, ob die Figur Anne glaubw├╝rdig ist in ihrem unsagbaren Sehnsuchtsleid...

Ja, ich kann davon noch mehr einstellen, aber ich bin mit der ├ťberarbeitung noch nicht so weit, dass ich das so zum Lesen geben kann. Muss noch viel dran tun. Aber ich arbeite daran.

Falls es soweit ist, setz ich das irgendwie in Bezug.

Sch├Ân zu wissen, dass jemand hier gerne liest, was ich schreibe.
Danke!

Gr├╝sse
Scarlett
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Armagan
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Hallo ScarletMirro, dein Text ist sehr authentisch..ich kann mir Anne sehr gut vorstellen du hast ihr Leben eingehaucht, doch ist es an manchen stellen etwas ├╝bertrieben ich nehme es als teil ihres Charakters zur Kenntnis..es ist einfach so dass sie so tut als w├╝rde sie mit sich ins Gericht gehen doch es ist mehr Schein als sein..
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Armagan

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