Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
94 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Bitte keine Spoiler!
Eingestellt am 11. 08. 2010 13:59


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Arno Abendschön
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

Werke: 273
Kommentare: 1190
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Arno Abendschön eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Es gilt als unfein, in Buch- oder Filmrezensionen alle Details der Handlung auszuplaudern. Ich habe mich dieses Vergehens schon wiederholt schuldig gemacht. Zu meiner Entlastung kann ich anführen: Gewöhnlich schreibe ich über Werke, die schon länger auf dem Markt sind, ihr ungefährer Inhalt ist, das setze ich voraus, den meisten am Stoff Interessierten bekannt. Ja, ich stelle mir beim Schreiben einen Leser vor, der das Werk kennt und dem ich es in seinen Einzelheiten ins Gedächtnis zurückrufen kann. Und dann sehe ich es auch nicht ein, die Sache mit den Spoilern nämlich …

Wer den Plot vor Spoilern unbedingt in Sicherheit bringen will, legt das Schwergewicht damit auf den äußeren Handlungsablauf. Ihm gibt er den Vorzug vor allem anderen: den Charakteren, der Darstellungsweise, der Atmosphäre – kurz allem, was das Kunstwerk erst zu einem solchen macht. Es wird im Kern auf den Informationsgehalt einer Vier-Zeilen-Meldung reduziert und das Verhalten des rezipierenden Zuschauers oder Lesers auf dasjenige einer Ratte in einem Versuchslabor: Er soll den Brocken erst mal runterwürgen.

Die Vertriebsfirmen sollten ihr Publikum kennen. Ist es wirklich so flach, so denkfaul, so leicht zu verschrecken? Ich kann es nicht glauben. Und ich ärgere mich nicht selten, wenn ich selbst durch den Text auf einer DVD-Hülle genasführt werde. Da wird mir der Amoklauf eines eifersüchtigen Psychopathen als amüsanter Party- und Beziehungsspaß verkauft oder die Geschichte des unvermeidlichen Scheiterns einer Beziehung als noch offen dargestellt. Oft lege ich die Ware zurück ins Regal: zu seicht – und erfahre später: Es ist ein mitreißendes Drama.

Tragödien, im wirklichen Leben nicht selten, scheinen, wenn von vornherein als solche erkennbar, die absoluten Verkaufsbremsen zu sein. Dürfen die kathartischen Mittel nur in homöopathischen Dosen verabreicht werden? Das bringt mich auf einen Einfall, eine Geschäftsidee … Man nehme einen alten Dichter und eines seiner tragischen Werke und preise sie neu an. Zum Beispiel so:

Shakespeare, Romeo und Julia: Eine anrührende Geschichte vor der atemberaubend schönen Kulisse Veronas: Ein Spiel um Macht und die Macht der Liebe. Der unerschrockene Romeo und die hingebungsvolle Julia setzen alle Mittel ein - und sie haben starke Verbündete. Werden sie gemeinsam das Schicksal bezwingen?

Goethe, Faust: Er ist rastlos auf der Suche nach der Weltformel – Doktor Faustus. An seiner Seite der geheimnisvolle M … Wer ist er und was hat er mit Faust vor? Als die kindlich-reizvolle Margret ins Spiel kommt, überstürzt sich die Handlung …

Schiller, Die Jungfrau von Orléans: Ein moderner Stoff in historischem Gewand. Johanna, eine Alice Schwarzer des Mittelalters, akzeptiert die zementierten Geschlechterrollen nicht. länger. Sie will teilhaben am Kampf um Freiheit und in vorderster Reihe stehen, will kämpfen und führen, gerade wie ein Mann. Doch dann kommt ihr ein anderes großes Gefühl in die Quere …

Tolstoj, Krieg und Frieden
: Eine Welt im Umbruch. Stolze Adlige, berückend schöne Frauen, starke Gefühle. Ein großer Kaiser führt Krieg. Ein Kontinent in Flammen. Und dann brennt auch noch Moskau. Wird Napoleon diese Schicksalsprobe bestehen?

Thomas Mann, Buddenbrooks: Eine alte Familie in großen Schwierigkeiten: Finanzkrise, Missernte, soziale Unruhe, gescheiterte Existenzen. Doch Senator Buddenbrook gibt noch nicht auf. An seiner Seite die rätselhaft schöne, rothaarige Gerda aus Amsterdam. Als ihr kleiner Hanno an Typhus erkrankt, steht das Schicksal der Buddenbrooks auf Messers Schneide. Fiebern Sie mit …

Das Neue Testament: Gott schuf die Welt in nur sieben Tagen, ein göttlicher Rekord. Später zeigt sich ein kleiner Konstruktionsfehler: der Mensch. Gott bessert nach und schickt seinen Sohn als Erlöser. In den Nebenrollen zwölf attraktive junge Männer. Grandiose Besetzungen. Erschütternde Szenen. Alle Raffinessen neuester Aufnahmetechnik. Lassen Sie sich verzaubern, lassen Sie sich bekehren … GOTT SPOILT NICHT.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Kommt schon noch, ich hatte nur grad keine Zeit. Nein, so harsch ist die Kritik nicht.

Schreib-Handwerk:
Das Verhältnis von Text und Beispielen ist unausgewogen. Die Beispiele/"Illustrationen" treffen meiner Meinung nach nicht – was ist (Bibel siehe gleich) an solchen Klappentexten so schlimm?
Der Bibel-Klappentext ist falsch (und deshalb nicht gut als Illustration), denn weder stimmt bei der Bibel "NEUESTE Aufnahmetechnik" noch ergibt der letzte Satz viel Sinn in so einem Klappentext. Auch die "grandiosen Besetzungen" mögen auf eien Film aber nicht auf das Buch zutreffen. – Oder meinst du das alles als Film-Klappentexte? Dann passen hier die Aufnahemtechniken udn die Besetzungen, der letzte Satz ist jedoch trotzdem nicht sinnvoll. Und ob der Klappentext zum diesem Bibel-Film ok ist, käme auf den Film an.

Schreibhandwerk – Inhaltsseite:
Bei journalistischen Texten gehört Logik und ein gewisses Maß an Päzision zum Handwerk, denn ein Text, bei dem es da hapert, der wird eher Diskussionen um dieses Fehlerstellen auslösen als um das Thema selbst. Hier ist wäre so ein Manko die wilde Vermischung von Text-Arten (im andern Thread "Absicht") genannt. Ob Spolier "schlimm" sind oder nicht, hängt vom "Einsatzgebiet" des Textes ab. Manko zwei: In dem Zusammenhang "Klappenetxte" auf Filmen hinzuziehen, ist weit übers Ziel geschossen. Die sollen nur eins: Den Film verkaufen. Deshalb dürfen sie nicht spoilern. Dass sie allerdings oft genug ein ganz falsches Bild erzeugen (Komödie statt Tradödie, Thriller statt Psychdrama …) ist ein anderes Thema und hat mit Spiolern nichts zu tun.



__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


Arno Abendschön
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

Werke: 273
Kommentare: 1190
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Arno Abendschön eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Danke, Jon, fĂĽr die aufgewandte MĂĽhe.

Du nimmst da einen soliden handwerklichen Standpunkt ein, und wenn ich dir dorthin folge, muss ich dir wohl in den meisten Punkten Recht geben. Ich will es aber nicht, vielmehr meine ich, dass du hier schon im Ansatz fehlgehst. Allerdings habe ich es dir dabei auch leicht gemacht, denn der Text ist insgesamt tatsächlich eine Stilmischung. Er beginnt wie eine ernsthafte Abhandlung über ein Sachthema und fliegt dann sozusagen aus der Kurve und wird zu einem satirischen Pamphlet. Selbstverständlich ist dann alles verzerrt und übertrieben - mit Absicht. Was dich am letzten Beispiel stört, zeigt mir, dass du genau und kritisch liest. Gerade die Details zu einer Werbung für die Bibel sind jedoch so überzogen, dass jede ernsthafte Kritik daran ebenso wie eine folgende Rechtfertigung von mir ihrerseits nicht frei von Komik sein können.

Einen Fingerzeig auf die satirische Absicht gibt, meine ich, schon der Titel: Bitte keine Spoiler! Im Text werden dann ja gerade sie verteidigt ...

Ich will mich jetzt nicht herausreden, das Problematische an meinem Verfahren ist mir selbst bewusst, und wenn es einer unzweckmäßig findet, einen solchen Wechselbalg zu produzieren, ist das in Ordnung. Mir hat es damals Spaß gemacht, den Text so zu schreiben. Er wurde schon hier und da eingestellt und hat, den Kommentaren nach, überwiegend amüsiert - gerade auch die, die zu Spoilern bei ihrer ablehnenden Haltung geblieben sind.

Arno Abendschön

Bearbeiten/Löschen    


5 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂĽr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂĽck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!