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Leselupe.de > Kurzprosa
Bitterböse Träume 10
Eingestellt am 17. 04. 2001 10:51


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Fredy Daxboeck
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

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"Es ist ...", sie stockte, suchte in ihrem Kopf nach einem greifbaren Motiv. Einem Argument, mit dem sie leben ... und weitersprechen konnte.
"Ich kann so nicht weitermachen, ich will so nicht weitermachen. Jeden Morgen ins Büro, jeden Tag praktisch derselbe Ablauf. Am Abend nach Hause, warten auf Mike. Der kommt in letzter Zeit immer später heim, wenn überhaupt. Warten. Ab ins Büro. Wieder nach Hause. Wieder ins Büro. Jeden verdammten Tag dieselbe verdammte Geschichte. Ich kann nicht mehr."
Sie zuckte wieder mit den Schultern, klappte die Akte in der sie vorhin gelesen hatte als Myra hereinkam, zu, und setzte sich zu ihrer Freundin an den Tisch.
"Entschuldige bitte, aber du wolltest es wissen und hast mich auf dem falschen Fuß erwischt." sie legte ihre Hand für einen winzigen Augenblick auf Myra´ s Arm.
"Wir wollten heute Abend ins Kino, irgend ein Film mit Tom Cruise oder so, aber daraus wird - wieder einmal - nichts. Mike arbeitet bis spät in die Nacht und kann natürlich nicht." Connie goss sich Kaffee ein und setzte die Kanne ab; ein wenig heftiger als sie vorgehabt hatte. Myra zuckte mit keiner Wimper, als die Tassen auf dem niedrigen Glastisch klirrten. Sie kannte Connies kleine gelegentliche Temperamentsausbrüche. Sie hatte schon heftigere erlebt.
"Du brauchst Tapetenwechsel, nicht wahr?" stellte sie nüchtern fest und sah ihrer Freundin nachdenklich in die Augen und dann in ihre Tasse, als ob sie dort einen Hinweis für Connies Problem finden könnte.
"Vielleicht eine Möglichkeit um deine Aggressionen abzubauen." bemerkte sie behutsam; mehr für sich als zu Connie gewandt. Verdrossen sah Connie zu Myra.
"Aggressionen?" meinte sie aufbrausend. "Ich habe keine Aggressionen. Ich bin nur ein wenig ... ein wenig genervt, das ist alles. Da spielt auch das Wetter eine Rolle. Aggressionen? Wie kommst du denn darauf?" Sie lachte hell auf. Das klang sogar für sie etwas zu schroff. Kleinlaut fügte sie deshalb hinzu: "Bin ich tatsächlich aggressiv?"
Myra musste schmunzeln und legte ihre Hand auf Connies Arm. "Nein", beschwichtigte sie ihre Freundin. "Das war vermutlich der falsche Ausdruck. Du brauchst bloß etwas Abwechslung. Eine Freizeitbeschäftigung um den Stress abzubauen. Vielleicht hilft dir Sport?"
Connie wollte schon abwinken, andererseits, Myra hatte vielleicht nicht einmal unrecht. Ein Hobby, ein Zeitvertreib, Sport - die Idee gefiel ihr. Sie ging zwei oder dreimal joggen die Woche, aber nur kurz. Eine kleine Runde im Park. Nichts Weltbewegendes. Und ihre Fitnessübungen zu Hause waren ein festgelegtes Programm, das sie regelmäßig und konsequent, aber auch sehr konzentriert durchzog. Da war kein wirklicher Platz zum Abbauen von Stress.
"Wie wär’s mit Tennis?" unterbrach Myra Connies Gedanken und sah sie aufmunternd an. Connie machte ein gequältes Gesicht. Myra nickte lächelnd und überlegte kurz. "Squash?"
Connie schüttelte stumm den Kopf. "Aerobic?" Kopfschütteln.
"Stretching?" Connie musste laut auflachen.
"Karate oder eine andere asiatische Kampfsportart, Bauchtanz vielleicht?"
"Oh mein Gott, Myra!" Connie schüttelte noch immer lachend den Kopf.
"Die Idee mit dem Sport ist gut. Aber was du vorschlägst ist so ... konservativ! Und außerdem, wir haben November. Was willst du zu dieser Jahreszeit groß anfangen. Bei diesem Wetter macht doch nur Faulenzen wirklich Spaß."
Myra hob die Augenbrauen und sah ihre Freundin an. In ihrem Gesicht stand ein weiches Jungmädchenlächeln.
"Na ja", meinte Connie und zuckte mit den Schultern. "Ich habe wirklich keine Lust, mit all diesen frustrierten Frauen in irgendeinem dekorativen Turnsaal kollektiv herumzuhopsen. Nur um später mit ihnen zusammenzuhocken und über ihre Probleme mit ihren Männern ... und ihren Frisuren und lackierten Nägeln und kleinen Hunden zu sprechen." Abrupt verstummte sie und machte ein bekümmertes Gesicht. Myra lächelte verhalten und sah Connie belustigt an.
"Das ist es, nicht wahr? Du bist frustriert, Connie Mc’Neal! Du bist frustriert weil Mike die meiste Zeit mit seinem Job verbringt, und nicht mit dir. Du bist frustriert weil du untätig zu Hause sitzt und auf ihn wartest, obwohl du gerne ausgehen und dich amüsieren würdest. Ich werde etwas finden für dich. Ja, mir wird irgend etwas einfallen. Verlass dich darauf." Sie klatschte in die Hände, erhob sich energisch und wischte Connies Einwände, die sie vorbringen wollte, mit einer Handbewegung zur Seite.
"Lass mich nur machen. Ich habe eine Menge Freunde. Wir werden uns gemeinsam etwas einfallen lassen. Viele Köpfe haben viele Ideen. Und heute Abend werden wir beide ausgehen, wie findest du das?" Myra strahlte ihre ältere Freundin aufmunternd an. Endlich konnte sie sich revanchieren für so viele Kleinigkeiten, die sie Connie verdankte. So hatte ihr Connie unter anderem nicht nur eine nette, geräumige Wohnung in der Stadt vermittelt, sondern sie hatte ihr auch geholfen sie einzurichten. Sie hatten sich damals tagelang durch die verschiedensten Geschäfte gekämpft, bis sie die richtigen Stoffe, Möbeln und Accessoires, zu einem vernünftigen Preis den sie sich leisten konnte, gefunden hatten.
Myra stellte die leeren Tassen auf ihr Tablett und ging ohne ein weiteres Wort zu verlieren aus dem Büro; um ihm nächsten Augenblick mit ihren Unterlagen wiederzukommen.
Den ganzen weiteren Tag bemerkte Connie immer wieder Myras forschenden Blick, in dem sie ein lustiges Glitzern zu sehen glaubte. Aber da ihre Freundin nicht mehr auf das Thema einging, wollte sie auch nicht damit beginnen.
Am Abend verabschiedete sich Myra und lächelte hintergründig. Ein volles, warmes Lächeln das sehr feenhaft wirkte.
"Also bis später Connie. Ich hole dich um acht Uhr ab, okay." Sie drehte sich noch einmal um und fügte wie beiläufig hinzu: "Und bring ein freundliches Gesicht mit, ja?" Connie lachte unvermittelt hell auf. Gute Myra, sie war wirklich mehr als eine gute Sekretärin; sie war eine echte Freundin.
"Hast du etwas bestimmtes in Aussicht?" rief Connie Myra noch hinterher, aber diese war mit ihren Gedanken schon weit weg und konnte sie daher nicht mehr hören. Dann schnappte die Tür hinter ihr zu.

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sieh hinter den Horizont und finde . . . mich
copyright by fredy daxboeck

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