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Leselupe.de > Kurzprosa
Bitterböse Träume 9
Eingestellt am 30. 03. 2001 08:54


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Fredy Daxboeck
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

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"Guten Morgen Susan, Barbara", begrüßte sie die beiden älteren Damen, die am Empfang saßen und beeilte sich, den Aufzug zu erreichen, dessen Türen gerade offen standen.
"Guten Morgen Miss Mc´Neal", George Riders, er arbeitete einen Stock über Connies Abteilung, hielt die Hand in die Aufzugtür um sie am Schließen zu hindern und lächelte ihr freundlich, in gewissem Maße ergeben entgegen.
"Guten Morgen, danke!" erwiderte Connie und trat schnell ein. Sie schenkte George ein gut gemeintes Lächeln, das ein wenig gezwungen ausfiel und beeilte sich, den übrigen Leuten die bereits in der Kabine standen, zuzunicken. Mit einem sanften Ruck setzte sich der Lift in Bewegung und schwebte schnell nach oben. Der zarte Duft von den verschiedensten Parfüms, vermischt mit dem schweren Geruch der Rasierwasser, ein wenig Schweiß und noch anderes, das sie lieber nicht näher definieren wollte, Gerüche die in der engen Kabine voll zur Geltung kamen, legten sich lähmend um Connies empfindliche Nase. Schnell trat sie auf den Gang als der Lift endlich hielt und eilte energisch auf ihr Büro zu.
George Riders sah ihr versonnen und ein wenig enttäuscht nach, bis die schließenden Aufzugstüren sie seinen Blicken entzog. Eine faszinierende Frau, dachte er. George hätte sie gerne angesprochen um mit ihr auszugehen, aber er fürchtete sich auch vor ihr; sie war so ... selbstbewusst. Aus irgendeinem Grund kam er sich neben ihr unbeholfen und linkisch vor. Ein Gefühl das er hasste. Deswegen wagte er es auch nicht sie in ein Gespräch, das über das tägliche Ritual des Begrüßens und Abschätzens ging, zu verwickeln.
"Guten Morgen", Myra Daley, Connies überaus tüchtige Sekretärin und Freundin legte einen Packen Schriftstücke, Computerausdrucke und Akten auf den Schreibtisch, der ohnehin überquoll mit Hefter, Ordner, Katalogen, Vordrucken, Notizen und dergleichen. Connie Mc´Neal liebte ihr geordnetes Chaos wie sie es bezeichnete und niemand, aber auch wirklich niemand durfte auf ihrem Schreibtisch herumkramen, oder auch nur ansatzweise versuchen Ordnung zu schaffen.
Myra war eine kleine und zierliche Person. Ihr schmal geschnittenes Gesicht war umrahmt von einer Fülle hellblonder Haare, die sie streng nach hinten gekämmt und mit einem roten Band gezähmt hatte. Ihr Mund konnte bezaubernd lächeln und ihre grünen Augen glitzerten dabei lustig. Sie war ein geselliger Charakter die viele Freunde hatte, jede Menge Sport betrieb und den verschiedensten Hobbys anhing.
Mit einem freundlichen Nicken verließ sie wieder Connies Büro. Sie wusste, dass ihre Chefin die nächste Stunde ungestört sein wollte. Diese Zeit brauchte sie um die Post durchzuarbeiten, die Mail-Box zu checken und die Nachrichten zu sortieren. Die meiste Post kam sowieso mittels Computer an. Danach würde ihr Myra den Kaffee bringen und sie arbeiteten gemeinsam den Tagesablauf aus.
"Hi, Connie", genau eine Stunde später brachte Myra ein Tablett mit heißem Kaffee, der den Raum sofort mit seinem angenehm bitteren Aroma füllte, und stellte es bei der kleinen Sitzgruppe ab, die in der Ecke des Büros stand.
Um diese Sitzgruppe hatte es anfangs schwere Kämpfe und Wortgefechte gegeben. Weil ihre männlichen Vorgesetzten einfach nicht verstanden, dass es bei manchen Klienten besser war, bequem und entspannt zu verhandeln, anstatt demonstrativ überlegen hinter einem mit Papieren übersäten Schreibtisch zu sitzen. Aber nachdem sie erst einmal diesen Kampf für sich entschieden hatte, durfte sie auch den Rest der Einrichtung ihres Büros selbst gestalten.
Connie hatte sich für weiche Pastelltöne bei den Stoffen und Chrom und Glas bei den Möbeln entschieden, was ihrem Büro eine eigenartige Mischung aus Gemütlichkeit und Kühle verlieh.
"Probleme?" fragend sah Myra Connie mit ihren grün glitzernden Augen an und setzte sich behutsam auf die Couch. "Du siehst, hmmh, missgelaunt aus."
"Ich sehe beschissen aus. Sag´ s ruhig. Verdammt, und ich dachte ich habe mich im Griff. Vermutlich habe ich das auch, aber dich kann ich nicht täuschen. Du durchschaust mich einfach, nicht wahr?" Connie suchte nach den richtigen Worten, wie sie ihre Stimmung ausdrücken sollte. Sie nahm einen Bleistift zwischen ihre langen, gepflegten Finger und spielte damit herum. Myra hatte sie entweder tatsächlich sofort durchschaut, oder ihr stand ihre momentane Gefühlslage quer und für alle Menschen deutlich lesbar ins Gesicht geschrieben. Was sie für ziemlich unwahrscheinlich hielt. Connie seufzte. Myra saß da und wartete. Ohne ein Wort zu sagen, goss sie sich Kaffee ein, nahm Milch und Zucker und rührte geräuschlos in ihrer Tasse. Mit einem unmerklichen Schulterzucken begann Connie leise zu sprechen.

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sieh hinter den Horizont und finde . . . mich
©copyright by fredy daxboeck

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