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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Bitterkuss
Eingestellt am 07. 07. 2008 18:55


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Balu
???
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Bitterkuss

An jenem Abend gl├╝hte die Sonne rot hinter mir.
Nach dem langen Weg durch die engen W├Ąlder, dem beschwerlichen Aufstieg und dem gefahrvollen Tasten ├╝ber die schmalen Felsgrate schlug mein Herz freudig bis zum Hals.
Immer wieder liebkoste mein Blick die sanften H├╝gel und die Stirn genoss die Frische des Sommerwindes.
Ich ahnte das Ende meines langen Weges.

An einem windgesch├╝tze Platz hatte ich mein Lager aufgeschlagen und ein Feuer mit dem Windbruch einer Weide angez├╝ndet. Als nur noch Glut in dem kleinen Erdloch schwelte, kamen sie aus den dichten B├╝schen am Bachrand hervor.
Der Vater, immer noch mit strengen aber g├╝tigen Augen, kam zuerst n├Ąher. Er trug das Beil in der Hand, mit dem er damals das Huhn get├Âtet hatte. Ich sah mich, sah den Knaben, der es hatte fest halten sollen, aber als der Kopf neben dem Hackklotz herunterfiel, hatte ich losgelassen und das Huhn ist ohne Kopf durch den Stall geflattert und der Vater hatter geschimpft, weil das H├╝hnerblut ├╝berall klebte. Neben ihn trat die Mutter. Sie war nackt, und die Narbe von meiner unnat├╝rlichen Geburt leuchtete vorwurfsvoll und rot, wie die Glut in der Feuerstelle.
Der Pfarrer kam vom Bach her und hielt ein Papier in der Hand. Ich wusste, was drauf stand. Es war der Liebesbrief an Ramona, in dem ich ihr in den ersten Reimen meines Lebens meine Sehnsucht nach ihrem Mund und ihren H├Ąnden geschrieben hatte.
Dann kam sie. Leise weinend hielt sie unsere Kinder an den H├Ąnden. Sie hatte immer nur leise geweint, anstatt zu sagen, wie alleine sie sich gef├╝hlt hatte. Die Kinder schwiegen, aber in ihren Augenstand die Verachtung f├╝r den Vater geschrieben. "Versager", las ich auf ihren Gesichtern. Und auch du hast dich aus den B├╝schen gel├Âst und bist zum Feuer gekommen. Ich las den Schmerz in deinem Gesicht, den du f├╝hltest, wenn ich mich an dir festgeklammert habe wie ein Ertrinkender, und ich sah die Liebe in deinen Augen, die du mir immer wieder gabst, aber die ich nicht annehmen konnte, weil ich nichts wert war.

Ganz nah seid ihr bei der Feuerstelle gestanden und ich konnte den Schein der Glut auf euren Gesichtern sehen. Ich stand langsam auf und schaute euch, einen nach dem anderen, lange an und sprach laut in die Nacht.
"Ich habe euch und mir Leid zugef├╝gt und schwer an meiner Schuld getragen. Nun geht und lasst mich in Frieden meinen Weg ziehen, weil ich meine Schuld lange schon verb├╝├čt habe, mit Zins und Zinseszins."

Z├Âgernd und still verschwanden sie im Dunkel der Nacht. Nur du warst noch da und dein Kuss schmeckte bitters├╝├č.








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