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Leselupe.de > Kurzprosa
Blasse Selbstlosigkeit
Eingestellt am 25. 07. 2007 17:32


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Carlo Ihde
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Blasse Selbstlosigkeit (September 2006)



Ja, es wÀre wichtig gewesen, im GesprÀch die Rolle des Anderen einzunehmen, die unmittelbaren Auswirkungen des Gesprochenen auf die anderen kalkulieren zu können, weil man "die anderen" wÀr.
Die Frau dort im Fernsehen, mit einfachen, glatten, einfach straff nach hinten gekĂ€mmten Haaren - vielleicht gar nicht mal gekĂ€mmten, nur hervorgerufen der glatte Sitz durch ein festes Zopfgummi am Hinterhaupt - die farblose Frau also war unser aller Spontanbeispiel fĂŒr die sich neuerdings manifestierende Sockel-Unterschicht. Ihr Mann: krank und pflegebedĂŒrftig, sie deshalb nur geringfĂŒgig erwerbstĂ€tig, die drei Kinder werden irgendwie durchgebracht, nahe der Grenze, die Menschenskinder dieser "Schicht" selbst nicht als Armutsgrenze bezeichnen wĂŒrden.
Im Anschluss reichte man dieses Beispiel an Vertreter der Legislative weiter, wie ist das möglich, fĂ€llt da wer oder sogar eine ganze Schicht durch ein soziales Netz, wie sieht es ĂŒberhaupt mit der Beschaffenheit der sozialen Netze aus? Besonders blonde Moderatorinnen, die sich das Wort SELBSTLOSIGKEIT auf die Stirn geschrieben - gar tĂ€towiert - haben, trafen den Ton in der Fragestellung perfekt.
Politiker:
"Wir mĂŒssen ein Gesetz machen, das es verbietet, in solcher Armut zu leben. Wenn die Gesetzesgrundlage existiert, ist es den BĂŒrgern, um nicht mit GefĂ€ngnis bestraft zu werden, ein enormer Anreiz, aus eigenem Antrieb wieder in eine bessergestellte Schicht aufzusteigen. Aufstieg wird dann nicht nur der Wille sondern die Pflicht eines jeden BĂŒrgers sein. Das fĂŒhrt auch dazu, dass solchen Polit-TV-Fichten, wie Sie eine sind, die empörungsreichen ZustĂ€nde (der Politiker wird immer böser, immer zynischer, er verarscht die Moderatorin)in dem von uns regierten Land nicht mehr zum zitieren zur VerfĂŒgung stehen. Das Versagen politischen Handelns wird dann nicht mehr prĂ€gnant sein, weil es getilgt ist. Einzelschicksale von in Armut lebenden Menschen, Sie Schickse Sie, mĂŒssen dann nicht mehr herhaltenfĂŒr ihr pseudo-investigatives, pseudo-plebiszitĂ€res Format. Leid in seiner Nichtexistenz macht sie doch arbeitslos (er ist so böse, dass er beinahe brĂŒllt, das erklĂ€rt auch, warum man ihn noch hört, obwohl ihm gerade sein Mikrophon ausgeschaltet wurde)Ok, dann enstĂŒnde vielleicht Ihr Leid, dann wĂ€ren Sie arbeitslos, aber das ist den Menschen egal, Sie gewissenlose Spitzenverdienerin, es hĂ€tte nicht die QualitĂ€t fĂŒr eine wöchentliche Sendung, weil die Menschen wissen WÜRDEN, DASS ES IHNEN WENIGSTENS ZEITWEISE MEHR ALS GUT GEGANGEN IST..................................."

Der Politiker wurde auf einer Bahre hastig raus getragen. Man schaltete das Blaulicht ein und fuhr schnell davon. Es bestand also noch Hoffnung.
Das Beste fĂŒr alle Beteiligten zu wollen, konnte nie verkehrt sein. Politik blieb, in all ihren Gegenwarten quer durch die Geschichte, hinter diesem Anspruch zurĂŒck, genau wie das Polit-TV hinter seinem vermeintlich selbstlosen Dokumentationsanspruch.
Aber wenigstens sah die Moderatorin, die Verwalterin der vielen Verfehlungen, total gut gestylt aus. Jedoch störte da etwas. Wahrscheinlich das leicht ĂŒberpuderte Tattoo auf ihrer Stirn. Links und rechts war die Stirn nĂ€mlich von voluminösen, blonden, zurecht gestylten HaarstrĂ€hnen umkrĂ€nzt. So las man insgesamt nur noch ein blasses: BSTLOSI.

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