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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Blauschwarzer Eisvogel
Eingestellt am 04. 12. 2013 18:25


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hugocabanera
Hobbydichter
Registriert: Aug 2013

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Blauschwarzer Eisvogel


Drei Schl├╝cke Wasser mussten reichen. Mein Vorrat lies mir wei├č Gott keinen verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln mehr durchgehen. Mittlerweile w├Ąre ich schon vollkommen zufrieden gestellt gewesen, k├Ânnte ich meinen Augen eine Auszeit, von den meilenweit, durch Tr├╝mmer gepr├Ągten, W├╝sten g├Ânnen. Es h├Ątte ja nicht gleich ein ganzer Baum sein m├╝ssen, ein umgeknickter Grashalm h├Ątte mir schon gereicht. Wahrscheinlich stand ich auf einst agrarwirtschaftlich wichtigem Boden, doch davon ist jede Spur verschwunden. Es war lustig das erste Mal solch eine Freude, beim Finden einer intakten Ravioli-Dose zu versp├╝ren. Wobei sich nicht alles ver├Ąndert hatte. Ich hatte meinen kompletten Lebensinhalt auch damals schon immer bei mir. Nur da war es in Form meines Smartphones mit 16TB Speicher und meiner aus Gro├č und Kleinbuchstaben, Zahlenkombinationen und Mathematischen Gleichungen bestehender Passw├Ârter. Heute war es meine Jacke mit 4 Au├čen- und 2 Innentaschen.
Im Osten geht die Sonne auf, im S├╝den ist ihr Mittagslauf...
Zum Gl├╝ck waren diese kleinen Eselsbr├╝cken trotz GPS noch in meinem Kopf verankert. Da war ich nun, mitten im nirgendwo auf dem Weg Richtung S├╝den. Auf der Suche nach...naja, nach...irgendwas. Wenigstens auf die gute alte Sonne war verlass. Die w├╝rde fr├╝hstens in 5 Milliarden Jahren explodieren und wegen den ach so b├Âsen Gammastrahlen, brauchte sich jetzt auch keiner mehr ins Hemd machen.

Die Nacht war vorbei und die Reise ging weiter. Nach 5 Tagen ununterbrochenem Fu├čmarsch, erblickte am Horizont die erste Hoffnung. Noch Kilometer weit weg, fing ich an schneller zu laufen, bis ich schlie├člich rannte, ohne ├╝berhaupt zu wissen, worum es sich handelte. Nach genauerer Betrachtung im Schlagschatten, identifizierte ich einen Bunker. Wahrscheinlich war es ein ├ťberbleibsel aus dem letzten Krieg. M├╝hsam erklomm ich das weit und breit einzige Gebilde, dass ├╝berhaupt in der Lage war, einen Schatten zu werfen. Von drinnen f├╝hrten Kabel auf den Aussichtspunkt, die Ger├Ąte allerdings, waren nur noch zu erahnen.
Dann geschah es.
Nachdem ich mit meiner Dose Ravioli auf dem Gel├Ąnder sa├č, sah ich ihn. Minutenlang sah ich ihn ungl├Ąubig, mit weit ge├Âffnetem Mund an.
Hielt ihn erst f├╝r eine Fata Morgana oder eine Halluzination, verursacht durch die Dehydrierung.
Ich wei├č noch meinen exakten Gedankengang: "Ein Schmetterling. Ein Schmetterling? Ein Schmetterling!".
Nachdem er aufh├Ârte mich mit seinem majest├Ątischen, durch die L├╝fte schweben aufzuziehen, fing ich ihn ein und spickte durch den Spalt der leicht ge├Âffneten Dose. Ein Blauschwarzer Eisvogel.
Welch Ironie dass dieser, einst auf der Roten Liste stand. "Du kleiner Idiot" sagte ich, mit meiner psychopathischen Massenm├Ârderstimme.
"Fliegst hier herum als w├Ąrst du der K├Ânig der Welt, ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, was du damit anrichten kannst".

Wie erwartet wachte ich durch den Krach, der gegen den Turm peitschenden Tr├╝mmer auf. In meinem Akt der Verzweiflung, ├╝berlie├č ich ihn, zusammen mit der Dose, dem orkanartigen Sandsturm und schrie ihm: "Das hast du davon du naives Tier, gerade du m├╝sstest den Schmetterlingseffekt doch kennen" hinterher. Ich blieb den Rest der Nacht wach und ├╝berlegte, ob es wirklich n├Âtig gewesen war, das erste Lebewesen, welches ich seitdem sah, t├Âten zu m├╝ssen.

Ich traute meinen Augen kaum, als ich die Dose mit dem toten Tier wieder fand.
"So sieht man sich wieder, mein Freund".
Ich schlug mein Nachtlager in jenem Hausfundament auf, vor welchem ich den, nun wohl endg├╝ltig ausgestorbenen, Schmetterling, fand. Auf meiner Jacke liegend, zwischen all den Tr├╝mmern, erblickte ich ein blaues Buch. Nach kurzem ├ťberfliegen, bl├Ątterte ich auf die letzte beschriebene, blutverschmierte Seite.
"M├╝nchen, 21.12.2043"

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