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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Blech Schaden
Eingestellt am 03. 10. 2000 16:42


Autor
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Frank Zimmermann
Junior Mitglied
Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 1999

Werke: 41
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Als das Telefon klingelte hatte Franz f├╝r einen kurzen Moment das Gef├╝hl, das Klingeln klinge nach ├ärger. Sein n├Ąchster Gedanke war, seine Mutter k├Ânne dran sein. Weiter kam er nicht mir denken, denn er nahm ab:

- Lehmann?
- Ja, hi, ich bin's. H├Âr mal, ich hab wieder ein Problem mit dem Wagen - aber diesmal bin ich nicht schuld. Mir ist einer hinten drauf gefahren...
- Ja, und?
- Ja, die wollen das ohne Polizei regeln, weil der junge Mann den F├╝hrerschein noch auf Probe hat. Der Vater ist hier, der will die Reparaturkosten ├╝bernehmen und die Kratzer auf der anderen Seite will der auch machen lassen. Ich geb' dir den mal...
- Ja, guten Tag, Rheinband ist mein Name. Mein Sohn ist in ihr Auto gefahren und das hat jetzt eine ziemliche Beule. Da mein Sohn den F├╝hrerschein noch auf Probe hat, habe ich vorgeschlagen den Wagen bei einer Firma machen zu lassen, die ich kenne. Ich habe beruflich mit Autos zu tun und die Werkstatt ist wirklich gut. Also, wenn sie einverstanden sind, m├╝├čte sich das doch ohne die Polizei regeln lassen.
- Ja, h├Ârt sich vern├╝nftig an.
- Also, sind sie einverstanden?
- Ja, einverstanden.
- Ja, dann sagen sie das ihrer Tochter oder Schwester oder was sie ist.
- Sie ist meine Frau...
- Ja, ich bin's wieder. Und?
- Ja, mach so wie der Typ gesagt hat.
- Okay, dann bis sp├Ąter.



Oh Mann, die Frau hat echt Talent, der vierte Unfall in kurzer Zeit. Franz war wenig begeistert, nachdem er aufgelegt hatte. Und dann rief sie ihn auch noch an und frug ihn um Erlaubnis die Sache auch ohne Polizei regeln zu d├╝rfen. Sie war doch seine Frau und nicht sein kleines M├Ądchen! Das sagte er ihr auch, als sie nach Hause kam. Doch dann beruhigte er sich schnell. Marie berichtete ihm, da├č ihre Freundin Kiki im Auto gesessen habe, als der Unfall passierte. Sie hatte gesehen, da├č der Fahrer nach hinten geguckt und deshalb nicht gesehen habe, da├č sie stehengeblieben war. Der Fahrer habe Marie ein schriftliches Schuldeingest├Ąndnis gegeben und K war mit in der Werkstatt, in die der Wagen gebracht wurde. Rheinband habe dort alles geregelt. Offenbar kannte er den Meister gut, denn die beiden hatten sehr vertraut miteinander gewirkt. Marie schlo├č damit, da├č der Wagen in drei Tagen fertig sei, und da├č auch die Lacksch├Ąden von ihrem letzten Malheure mit der Hausecke behoben werden w├╝rden. Franz war zufrieden, hatte die Sache doch einen positiven Nebeneffekt und war glimpflich ausgegangen.



- Wie sie wissen nicht von welchem Fiesta ich rede?
- H├Âren sie, vielleicht haben sie sich ja in der Werkstatt geirrt, ich habe jedenfalls noch zu arbeiten.

Damit ging der Meister auf die beiden zu und streckte den rechten Arm aus, so als wolle er sie aus dem B├╝ro schieben.

- Jetzt reden sie doch keinen Unsinn. Ich war doch selber mit hier, am Freitag. Sie selber haben mit mir gesprochen. Sie m├╝ssen sich erinnern. Ich war mit ihrem Bekannten da: Rhein... Rheinband.
- Rheinband? Nie geh├Ârt! Schlu├č jetzt mit der Diskussion, ich habe zu tun.

Franz nahm Marie am Arm und die beiden gingen zum Auto der Schwiegereltern, in dem sie hergekommen waren.

- Jetzt stecken wir aber sch├Ân in der Tinte.
- Franz, ich bin mir sicher, der Typ l├╝gt extra! Ich meine, ich bin doch nicht bescheuert. Ich war hier!
- Okay, ich glaub dir ja. ├ťberleg lieber mir, was wir jetzt am besten machen.
- Ich ruf meinen Vater an...
- Ach, du kannst doch nicht immer, wenn's mal schwierig wird, Papa anrufen. Da m├╝ssen wir jetzt selber durch. Ruf lieber diesen Rheinband an; die Nummer hast du doch?
- Ich hab die Handynummer von dem Sohn.
- Dann ruf eben den an, schlie├člich ist der f├╝r den Schlamassel hier verantwortlich. H├Ątte der geguckt wo er hinf├Ąhrt, dann w├╝rden wir jetzt nicht hier stehen.

Marie nahm ihr Handy aus der Tasche und dr├╝ckte ein paar Kn├Âpfe. Doch sie bekam nicht die Stimme von Rheinband junior zu h├Âren, sondern nur die Ansage, da├č der Teilnehmer nicht zu erreichen sei.

- Und jetzt?
- Jetzt fahren wir zur Polizei. Du hast doch die Nummer von dem Unfallwagen?
- Die steht in meinem Kalender.
- Dann los. Wenn wir Gl├╝ck haben ist unser Auto ja noch nicht ├╝ber die Grenze.
- Sehr witzig...



- Tja, wir raten immer dringend dazu solche Angelegenheiten nicht ohne uns zu regeln. Sie sehen ja was dabei rauskommt.

Der Polizist hatte sich die Geschichte in Ruhe angeh├Ârt. Jetzt sa├č er vor dem Computerbildschirm und wartete auf die Ergebnisse.

- Da haben wir's ja: Es ist ein Mercedes und die Zulassung l├Ąuft auf einen Rheinband, Friedhelm. Soweit sind ihre Angaben also schon mal schl├╝ssig.
- Und was machen wir jetzt?
- Jetzt fahre ich mit ihnen da hin und dann f├╝hlen wir dem Herrn mal auf den Zahn. Olli, kommst du? Wir m├╝ssen noch mal raus.

Unterwegs erz├Ąhlte der Beamte seinem Kollegen Olli die Geschichte. Dieser staunte nicht schlecht.
Franz und Marie fuhren hinter dem Streifenwagen her, bis vor das Rheinbandsche Haus. Villa war wohl ein passenderer Ausdruck. Nachdem der Polizist geklingelt hatte, mu├čte er in ein Objektiv blicken, w├Ąhrend er durch die Gegensprechanlage erkl├Ąrte, da├č er Herrn Rheinband sprechen wolle. Ein summendes Ger├Ąusch entriegelte das Tor und die vier schritten ├╝ber den Kiesweg zur Haust├╝re. Rheinband selbst ├Âffnete, Marie erkannte ihn sofort. Rheinband besah die vier und sein Blick blieb, wie sie glaubte, kurz auf Marie haften. Mir keiner Miene verriet er jedoch, ob er sie erkannt habe.
Der Polizist erkl├Ąrte in welcher Angelegenheit sie gekommen seien. Rheinband best├Ątigte, da├č er einen Sohn habe, der seit kurzem den F├╝hrerschein habe und hin und wieder den v├Ąterlichen Wagen fahre. Von einem Unfall wisse er allerdings nichts und die Frau, dabei zeigte er auf Marie, habe er auch noch nie gesehen.
Die Beamten baten darum den Wagen sehen zu d├╝rfen.
Rheinband kooperierte ohne zu z├Âgern und f├╝hrte sie zu der gro├čz├╝gigen Garage. Der dunkelblaue Mercedes, der darin stand, war in tadellosem Zustand. Nicht die Spur eines Kratzers.
Sie verlie├čen die Garage wieder und Rheinband bat nun seinerseits die Polizisten darum, sie kurz unter vier Augen sprechen zu d├╝rfen. Der Polizist Olli bat Marie und Franz schon mal zum Wagen zu gehen, dann folgte er seinem Kollegen und Rheinband Richtung Haus.

- Ich glaube das alles nicht, das ist ja wie in einem schei├č Psychothriller. Gleich kommen die beiden wahrscheinlich raus und verhaften mich wegen Mordes oder sowas.
- Jetzt mach mal halblang. Irgendwie wird sich die Sache schon aufkl├Ąren.

Franz hatte den Satz kaum beendet, da kamen die beiden aus dem Haus und verabschiedeten sich freundlichst bei Rheinband und entschuldigten sich f├╝r die St├Ârung. Nebeneinander kamen sie zum Streifenwagen. Olli schob seine M├╝tze in den Nacken und blickte Marie taxierend an.

- Was war da drinnen los?, wollte Marie wissen, Was hat der Kerl gesagt?
- Wollen sie wirklich, da├č wir das hier sagen, vor ihrem Mann?

Verst├Ârt blickte Marie zu Franz.

- Was soll das denn wieder hei├čen? Was sollte ich dagegen haben? Also?
- Rheinband meint, sein Sohn sei ein sehr h├╝bscher Junge und es habe schon mehrfach... "Weibergeschichten" gegeben. Er vermutet, sie haben sich die Geschichte ausgedacht, um sich an seinem Sohn zu r├Ąchen, weil der sie in den Wind geschossen hat. So, jetzt sind sie dran.

Marie zitterte. Sie atmete h├Ârbar, dann begann sie still zu weinen und schlug die Hand vors Gesicht. Franz nahm sie in den Arm.

- Komm, wir fahren erst mal nach Hause. Wir melden uns wieder bei ihnen!, lie├č er die Beamten wissen und brachte Marie in den Wagen.
- Wir werden sehen., erwiderte Olli und die beiden verschwanden in ihrem Streifenwagen.

Marie weinte auf der gesamten R├╝ckfahrt und dann auch Zuhause noch eine Weile in Franz' Arm. Dann blickte sie auf.

- Ich glaube das alles nicht. Das kann doch nur ein Alptraum sein, oder?
- Ja, scheint fast so. Wichtig ist aber, da├č ich dir glaube. Was ist mir Kiki, die war doch dabei?
- Ja klar! Ich rufe sie gleich mal an. Vielleicht hat sie ja morgen Zeit um mit zur Polizei zu fahren, um die Geschichte zu best├Ątigen.

Doch statt Kiki kam ihr Bruder an den Apparat und erkl├Ąrte, Kiki liege im Krankenhaus. Seine Eltern seien sofort nach der Benachrichtigung hingefahren. Kiki sei von einem PKW erfa├čt worden. Es sei Fahrerflucht. Mehr wisse er auch nicht, weil seine Eltern noch nicht wieder angerufen h├Ątten. Ja, Kiki sei im Marienhospital, aber vor morgen d├╝rfe au├čer den Eltern eh niemand zu ihr, soviel sei jetzt schon klar.
Marie bedankte sich und berichtete Franz was sie eben erfahren hatte. Schei├če, war sein einziger Kommentar, dann begann er auf seine Nagelbetten zu bei├čen.
In dieser Nacht fanden die beiden wenig Schlaf. Ms Hirn fuhr Karussell. Alles in ihrem Kopf drehte sich und unter der Sch├Ądeldecke brannte und h├Ąmmerte es, trotz der zwei Aspirin und der Paracetamol. Franz hatte sich mit zwei Bier wenig erfolgreich zu umnebeln bem├╝ht. Am Morgen waren seine Finger an den N├Ągeln blutig, so wie Ms Lippen. Beide duschten und machten sich dann ohne Fr├╝hst├╝ck auf den Weg zum Krankenhaus. Marie stellte tonlos die Frage, die die ganze Nacht auf ihr gelastet hatte:

- Glaubst du der Unfall hat was mit der Geschichte zu tun?
- Ach Quatsch. Es war ein Unfall!
- Aber das ist doch komisch: erst f├Ąhrt mir einer hinten drauf, dann verschwindet unser Auto und der Typ in der Werkstatt verleugnet mich zu kennen. Dann unterstellt mir dieser Rheinband einen Rachefeldzug aus Eifersucht und schlie├člich kommt die einzige Person, die meine Geschichte bezeugen k├Ânnte, unters Auto.
- Alles nur ein d├Ąmlicher Zufall. Jetzt mach dich mal nicht selbst verr├╝ckt. Wahrscheinlich sitzt Kiki jetzt putzmunter mit einem Gipsbein im Bett.

Der Aufzug entlie├č sie auf der siebten Etage in das kaltwei├če Neonlicht der Flurleuchten. An der Pforte hatte man ihnen gesagt Kiki liege auf der Chirurgie II, Stock sieben. Als Marie am Schwesternzimmer nach Kiki frug, stockte die Schwester einen Moment.

- Sind sie eine Verwandte?
- Ich bin die Schwester., log Marie, wie sie es so oft im Film gesehen hatte.
- Moment bitte, ich hole den Arzt.

Auch diesen Satz kannte Marie aus dem Fernsehn und eine dunkle Ahnung ├╝berkam sie. Kurz darauf kam die Schwester mit einem blassen, hageren, jungen Mann in einem fleckigen Kittel zur├╝ck, dem man eine lange Nacht ansehen konnte.

- Sie sind die Schwester?, fragte er mi├čtrauisch.
- Ja.
- Komisch, ihre Eltern haben sie gar nicht erw├Ąhnt...
- Ich wohne nicht mehr Zuhause. Meine Eltern haben sicher nicht damit gerechnet, da├č ich so schnell kommen konnte. Also, wie geht es meiner Schwester?
- Nun ja, die Verletzungen ihrer Schwester waren sehr schwer. Wir haben alles Menschenm├Âgliche getan, aber am Morgen hatte sie einen Herzstillstand und wir konnten sie nicht mehr zur├╝ckholen. Tut mir leid.

Wieder weinte Marie lange in Franz' Arm. Kein klarer Gedanke wollte sich fassen lassen und so sa├č sie verwirrt und traurig und verzweifelt auf dem Beifahrersitz, w├Ąhrend Franz heimw├Ąrts steuerte. Ihr Handy ri├č sie aus ihrer Gedankenlosigkeit:

- Ja?
- Hallo, hier ist Sebastian Rheinband. Ich wollte ihnen nur sagen, da├č es mir schrecklich leid tut, da├č alles so gekommen ist. Ich wollte das nicht. Aber sie sollten die Sache auf sich beruhen lassen. Mein Vater ist in solchen Dingen unberechenbar und es w├Ąre doch schrecklich, wenn noch jemand sterben m├╝├čte...

Dann h├Ârte Marie ein Knacksen und dann nur noch wei├čes Rauschen.

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fz

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Petra Koch
Guest
Registriert: Not Yet

Blechschaden

Das ist eine Super-Geschichte, ein echter Krimi, gut und spannend geschrieben, da wurden wirklich alle Register gezogen! Ich geb Dir daf├╝r mindestens 8 von 10 Punkten.

Freundliche Gr├╝├če
Petra

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Frank Zimmermann
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Danke

Es ist zwar schwierig zu tippen, mit den Tr├Ąnen der R├╝hrung in den Augen, aber ich m├Âchte Dir trotzdem recht herzlich f├╝r Dein dickes Lob danken!
Es freut mich vor allem, da├č Du meine Geschichte gelesen hast, obwohl sie ja schon so weit hinten stand und deshalb schon leicht abgeschlagen schien...
__________________
fz

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