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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Bleibtreustr.12
Eingestellt am 25. 12. 2015 11:44


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Ji Rina
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Registriert: Apr 2015

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Es war an einem 31. Dezember, Silvester, und ich war auf dem Weg zu Verena. Ich lief durch breite Straßen, stapfte durch den Schnee unter dem blassen Licht der Laternen, und es kam mir vor wie in einem MĂ€rchen. Alles war still. Die Straßen wie eingebettet in Watte; nur in der Ferne hörte man die ersten Böller. Ich kannte keinen Schnee, denn ich war in einem Land aufgewachsen, in dem der Schnee höchstens mal ganz oben auf den Bergen lag. Aber hier, in dieser Stadt, hatte ich die KĂ€lte kennengelernt. Seit vier Wochen war ich jetzt in Berlin.
WĂ€hrend eines Musik-Workshops lernte ich Verena kennen. Wir waren uns gleich sympathisch, hatten in den Tagen viel miteinander geredet und uns angefreundet. Beide interessierten wir uns fĂŒr Musik. Sie spielte Klavier, ich Gitarre. Zwei, dreimal sind wir dann zusammen ausgegangen. Sie kannte einige Lokale, zeigte mir ein bisschen die Stadt. Dann sahen wir uns eine Zeit lang nicht. Über Verena wusste ich nicht viel, sie besuchte eine Schauspielschule und lebte in einer Wohngemeinschaft in der NĂ€he des Kudamms.
Als ich sie eine Woche zuvor in einem Café traf und sie fragte, was sie denn Silvester vorhabe, sagte sie:
»Wahrscheinlich mach’ ich eine kleine Party. Wenn Du Lust hast, dann komm doch einfach vorbei! Jeder ist willkommen!«
An diesem Silvesterabend konnte ich mich zu nichts entschließen. Ich saß in meiner Wohnung und spielte mit dem Gedanken, nirgends hinzugehen. Aus Silvester machte ich mir nicht viel und ich verspĂŒrte auch keine Lust, den Abend mit den mir bekannten Leuten zu verbringen. Plötzlich kam ich auf die Idee, Verena zu ĂŒberraschen. Die Vorstellung, ihr einen unerwarteten Besuch abzustatten und vielleicht ein paar neue Leute kennenzulernen, reizte mich. Vielleicht wĂŒrde es kein berauschender Abend werden. Vielleicht wĂŒrde ich auch nicht lange bleiben. Aber den Versuch wollte ich trotzdem unternehmen. Ich steckte mir den Zettel auf dem sie mir ihre Adresse notiert hatte in die Tasche, packte zwei Flaschen Sekt in meinen Rucksack und machte mich auf den Weg. Aber als ich wenig spĂ€ter in die Bleibtreustraße einbog und vor ihrem Wohnhaus stehen blieb, sah ich, dass alle Fenster des dritten Stockwerks dunkel waren. Vielleicht war sie gar nicht da. Eine Möglichkeit, mit der ich auch gerechnet hatte. Ich schnallte meinen Rucksack ab und sah mich um, wartete, bis eine Gruppe johlender Leute vorbeizog, und drĂŒckte zweimal kurz auf die Klingel. Irgendwo bellte ein Hund. Im Haus gegenĂŒber schlug jemand ein Fenster zu, und dann war es wieder still. Nichts geschah. Weit in der Ferne, hörte ich Musik, explodierende Böller und das Lachen kreischender Menschen. Ich wollte gerade wieder gehen, als plötzlich eine helle, klare Stimme aus der Sprechanlage erklang.
»Jaaa?«
»Verena?«, rief ich ĂŒberrascht.
Sie antwortete nicht.
»Verena?«, wiederholte ich, und hielt meine Hand auf der TĂŒrklinke.
Es kam keine Antwort. Dann hörte ich das Klicken der TĂŒr.

Ich trat ein und machte das Licht an. Auf der rechten Seite sah ich einen Fahrstuhl, einen dieser komplizierten FahrstĂŒhle mit doppelten TĂŒren, mit denen man mehr Zeit verschwendete, als wenn man die Treppe nahm. Es waren zwar drei Stockwerke, aber ich wollte lieber zu Fuß gehen. WĂ€hrend ich die Stufen emporstieg, blickte ich nach oben. Ich dachte, Verena wĂŒrde ĂŒber das TreppengelĂ€nder herunterschauen. Aber als ich oben ankam und die linke WohnungstĂŒr einen Spalt offenstehen sah, erblickte ich die Gestalt einer sehr alten Frau.
»Ja?«, sagte sie, sehr leise, und zog die TĂŒr weiter auf.
Hatte ich mich mit dem Stockwerk oder der TĂŒr geirrt?
»Wohnt hier Verena Schuster?« fragte ich verunsichert.
»Außer mir ist hier niemand.«
Ihre Stimme war klar und deutlich, leicht aufgeregt, so wie alte Menschen manchmal sprechen, wenn sie bemĂŒht sind, nichts Verkehrtes zu sagen.
»Wohnt sie hier?«, fragte ich, »kennen Sie Verena? Verena Schuster?«
Sie sah mich aus großen, aufmerksamen Augen an. Um ihren Mund ein weiches LĂ€cheln, ihre Augen wurden grĂ¶ĂŸer, und sie fixierte mich.
»NatĂŒrlich kenn’ ich Verena. Aber sie ist nicht da!«
»Ach so.«
Ich stand vor der offenen TĂŒr und war unschlĂŒssig. Wo waren ihre Mitbewohner? Sagte sie nicht, dass sie in einer WG wohne? Ich sah durch den Spalt der TĂŒr ins Innere der Wohnung. Eine schöne Altbauwohnung, wie ich sie in Berlin schon oft gesehen hatte, mit stilvollen Möbeln, ausgelegten Teppichen und hohen Decken. Ich sah ein Biedermeiersofa und große Bilder an den WĂ€nden.
Mir war klar, dass mein Plan fehlgeschlagen war, also wollte ich mich verabschieden und wieder gehen, aber die alte Frau sagte:
»Komm ’se doch rein, vielleicht kommt Verena ja gleich zurĂŒck.«
Ich war verwirrt. Wer war sie? Ihre Großmutter? Ich wollte fragen, wo Verena war, ich wollte sie fragen, wer sie war, stattdessen erwiderte ich ihren Blick und sagte:
»Mh 
 Ist kalt draußen.«
Sie musterte mich nachdenklich von Kopf bis Fuß. Ich trug einen knöchellangen Mantel und auf dem Kopf einen schwarzen Hut, der ein bisschen die Form eines Zylinders hatte und aus dem zwei rote lange Federn hingen. Es waren die Achtzigerjahre, die Zeit der Punks, die Zeit der rotgelbblauen Frisuren und der Musik der Toten Hosen. Aber auf den Straßen liefen noch verrĂŒcktere Exemplare rum, die sie anscheinend noch nie gesehen hatte.
»Na dann komm ’se doch in die KĂŒche, da ist der Ofen an!«
Ich trat ein und beobachtete, wie sie die TĂŒr schloss. Sie war sehr alt. Die Situation kam mir recht seltsam vor. Ich wusste auch nicht, was ich da wollte, aber ich beschloss, einfach eine halbe Stunde zu warten.
»Komm ’se, komm ’se«, sagte sie und ging voran.
Ich folgte ihr durch den Eingang, vorbei an dem Biedermeiersofa, dann nach rechts ĂŒber einen langen Flur bis in die KĂŒche. Die KĂŒche war ein großer Raum mit einem Esstisch und vier StĂŒhlen. Über dem Tisch hing eine Lampe. Die Fenster waren umrahmt von rotblauen VorhĂ€ngen aus einem dicken Stoff. In einer Ecke brannte ein Holzofen, auf dem ein großer Kessel Wasser stand. Die Einrichtung war altmodisch, aber es war warm und gemĂŒtlich. Die Alte blieb neben dem Tisch stehen und rieb sich die HĂ€nde. Sie schien amĂŒsiert, wartete wohl, dass ich etwas sagte, aber ich wusste nichts zu sagen.
»Entschuldigen Sie die Unordnung«, sagte sie, wĂ€hrend sie ihren Blick durch die KĂŒche schweifen ließ. Alles war aufgerĂ€umt, nichts stand auf dem Tisch, kein schmutziges Geschirr, kein unnötiger Krimskrams. Ich konnte nichts entdecken, was irgendwie im Wege stand.
»Möchten Sie einen Kakao?«
Kakao?
»Ich möchte Ihnen keinerlei MĂŒhe bereiten«, sagte ich.
Sie musterte mich und lÀchelte verlegen.
»Ziehn ’se mal den Mantel aus – und setzen ’se sich. Verena könnte jeden Augenblick kommen.«
»Wissen Sie denn, wo sie ist?« Ich zog meinen Mantel aus und legte ihn ĂŒber einen der StĂŒhle, den Hut obendrauf.
»Nein. Das weiß ich nicht. Vielleicht isse feiern, mit Freunden.«
»Ach so«, sagte ich trocken. Ach so. Und im selben Augenblick wurde mir klar, dass ich einen großen Fehler begangen hatte. Denn nun fragte ich mich, worauf ich jetzt ĂŒberhaupt noch warten sollte.

Die Alte öffnete den KĂŒhlschrank, holte eine Flasche Milch heraus und goss den Inhalt in einen kleinen Kochtopf. Sie machte tatsĂ€chlich einen Kakao. Ein GetrĂ€nk, fĂŒr das ich jetzt wirklich nicht in Stimmung war. Ich hĂ€tte gleich Nein sagen sollen, hĂ€tte mich an der TĂŒr verabschieden und gehen sollen. Aber jetzt war es zu spĂ€t. Es war meine Schuld. Die Alte konnte nichts dafĂŒr. Ich wĂŒrde den Kakao trinken und da bei ihr eine Weile sitzen bleiben mĂŒssen, um der Omi bloß nichts zu verderben. Aber dann wĂŒrde ich gehen, soviel war mir klar.
Ich setzte mich auf einen der StĂŒhle und beobachtete, wie sie den Topf Milch auf den Gasherd stellte. Sie war eine Omi wie aus dem Bilderbuch. Ihr schneeweißes, langes Haar war nach hinten gekĂ€mmt und mit Nadeln und Klammern am Hinterkopf befestigt. Ihr Gesicht war gezeichnet von Falten und hundert kleineren FĂ€ltchen, die verrieten, dass sie mindestens achtzig Jahre alt sein musste. Ihre Augen hatten einen offenen und aufmerksamen Ausdruck. Sie lief ein wenig nach vorn gebeugt, leicht schlurfend, aber ohne sichtbare Schwierigkeiten. Ihr Körper war stĂ€mmig, und sie war mindestens einen Kopf grĂ¶ĂŸer als ich. An den FĂŒĂŸen trug sie graubraune Pantoffeln und ihr Kleid, das eher wie ein Kittel aussah, war mit einem Band um ihre HĂŒften zugeknĂŒpft.
»Alle sind ’se weg«, sagte sie und rĂŒhrte im Kochtopf, »heute is’ ja Silvester!«
»Ja«, sagte ich, »Und Sie? Sie sind hier ganz allein?«
Sie lachte kurz auf, wobei ihr Oberkörper leicht nach vorn kippte, und begann zu kichern.
»Ganz allein«, sagte sie. »Alle sind ’se weg.«
Ich verstand nicht, was daran so lustig war.
Sie sagte: »Verena ist vor zwei Stunden weggegangen. Die Frau Schirmmeyer ist gestern Abend zu ihren Eltern gefahren und der Herr Sell ist wohl bei einer seiner Freundinnen.«
Bei dem letzten Satz musste sie wieder lachen, sie hielt sich die offene HandflĂ€che vor den Mund, um es zu unterdrĂŒcken, aber dann verwandelte sich das Lachen wieder in ein Kichern. Ich beobachtete sie und kam mir vor wie in einem Film. Ich hatte keine Ahnung, wer die Leute waren, die sie genannt hatte. Ich hatte nicht mal eine Ahnung, wer sie war, aber ich nahm an, dass sie die anderen Mitbewohner meinte.
»Kann ich Ihnen etwas helfen?«, fragte ich, als ich sah, dass sie in ein hohes Regal griff, in dem sich die Tassen befanden.
»Nee, bleib’n ’se mal sitzen, ist ja schon fertig. Wo komm ’se denn her? Ich hab Sie hier noch nie gesehen.«
»Ich komme aus Spanien«, sagte ich.
»Aus Spanien?« Sie drehte sich um und sah mich aus kugelrunden Augen an. »Spanien«, wiederholte sie leise, »Spanien.«
»Ich bin da aufgewachsen«, sagte ich.
»Aufgewachsen?«
Sie hielt einen Löffel in der Hand und blickte mich an. Ich wusste nicht, was sie so eigenartig daran fand. Ich dachte, dass die Milch ĂŒberkochen könnte, aber ich sagte nichts.
»Ich war noch nie in Spanien«, sagte sie, »ich komme aus dieser Wohnung ja nie raus.« Dann bĂŒckte sie sich, öffnete eine SchranktĂŒr und holte ein dunkles PĂ€ckchen heraus. Ich beobachtete, wie sie das PĂ€ckchen öffnete und zwei Löffel des Pulvers in jede Tasse gab. WĂ€hrend sie es tat, kicherte sie. Ich warf einen Blick auf meine Uhr und sah, dass es neun war. Ich spĂŒrte das BedĂŒrfnis, eine Zigarette anzuzĂŒnden. Aber an so etwas war wohl kaum zu denken. Also sah ich mich um und versuchte, mir Verena in dieser KĂŒche vorzustellen. FrĂŒhstĂŒckte sie morgens mit dieser Omi? Ich fragte mich, warum sie diese Omi nie erwĂ€hnt hatte und dann fragte ich mich, warum man solch eine alte Dame allein in einer Wohnung ließ, und das an einem Silvesterabend. Mit einem Menschen dieses Alters konnte doch allerhand passieren. Sie könnte stolpern, ohnmĂ€chtig werden – oder die Wohnung könnte abbrennen. So etwas passierte doch jeden Tag.
»Sind Sie eine Verwandte von Verena?«
Sie hatte mir den RĂŒcken zugewandt, aber ich konnte sehen, wie sie den Topf mit der Milch hochhob und trotz ihrer leicht zitternden HĂ€nde die FlĂŒssigkeit haarscharf und ohne zu kleckern in die Tassen goss.
»Nee. Verwandt?« Sie lachte und wiederholte das Wort ganz leise, so als ob es ihr völlig fremd wÀre. »Verwandt.«
Dann balancierte sie erst eine, dann die zweite Tasse auf den Tisch. Ihre HĂ€nde waren knochig und fleckig, die Finger lang und schmal. Ich wollte sie fragen, wie alt sie war, aber ich fragte es nicht.
»Ich hab’ doch keine Verwandten mehr«, sagte sie und setzte sich mir gegenĂŒber. »Die sind doch alle lĂ€ngst tot.«

Einen kurzen Augenblick herrschte Stille. Ich wich ihrem Blick aus, und sah an ihr vorbei auf ein kleines StĂŒck der kahlen Wand. Tolle AtmosphĂ€re. Es war Silvester, und ich hatte mir den Abend anders vorgestellt. Aber fĂŒr sie war es so anscheinend ganz annehmbar. Ich beobachtete, wie sie ihren kleinen Löffel in die Tasse tauchte, die Löffelschale gefĂŒllt mit FlĂŒssigkeit wieder heraushob, ihren Mund vorsichtig heranfĂŒhrte und dann pustete. Sie tat dies mehrmals hintereinander, und erzĂ€hlte wĂ€hrenddessen ĂŒber sich und die Wohnung. Sie sagte, dass sie dort als Untermieterin lebe, als Mitglied der Wohngemeinschaft. Und auf meine Fragen erklĂ€rte sie mir dann prĂ€ziser, wer die restlichen Leute der Wohngemeinschaft waren: Frau Schirmmeyer, eine Studentin aus Köln. Herr Sell, ein siebzigjĂ€hriger Rentner, dem die Wohnung gehörte und der, wie sie erzĂ€hlte, auch ihre Rente einkassierte, und schließlich Verena. Sie sagte, dass sie schon seit sieben Jahren in dieser Wohnung lebe, dass sich ihr Dasein nur noch zwischen diesen WĂ€nden abspiele. Sie sagte, dass das nicht viel sei, aber dass es ihr nichts ausmache. Dann war sie wieder still. Mein Kakao war fast leer und der GesprĂ€chsstoff zu Ende. Ich dachte an den RĂŒckzug und wartete jetzt auf einen geeigneten Augenblick, um einfach aufzustehen und mich zu verabschieden.
»Aber Sie! Sie kommen aus Spanien und haben viel mehr zu erzÀhlen! Leben Sie denn in der NÀhe des Meeres?«
»Oh ja«, sagte ich und wechselte meine Position auf dem Stuhl. Dann musste ich unversehens gĂ€hnen. Es war sehr warm und ich hatte mich viel zu dick angezogen. Ich trug zwei Pullover und zwei paar StrĂŒmpfe. Ich gĂ€hnte so unauffĂ€llig wie möglich, ein Gemisch aus einem Grinsen und einem GĂ€hnen. Ich wusste, dass mich bald die MĂŒdigkeit ĂŒbermannen und ich dort am Tisch irgendwann wahrscheinlich einschlafen wĂŒrde.
»Ach so«, sagte sie, und streckte mir langsam ihre knochige Hand entgegen. »Ich heiße ĂŒbrigens Liese. Lieselotte Pohl, und Sie?«
Ich nahm ihre knochige Hand entgegen, und sagte »Liza.«
»Liza«, wiederholte sie. »Na, dann heißen wir doch gleich, oder? Ist Liese und Liza nicht dasselbe?«
Ein erwartungsvolles Strahlen huschte ĂŒber ihr Gesicht. Ich sagte, dass ich das nicht glaube, ich sagte, dass Liza und Liese wohl zwei unterschiedliche Namen seien. Dass der eine Name von Elisabeth und der andere von Lieselotte stamme und dass das meines Erachtens nach wohl nicht das Gleiche sei. Ich sagte, dass ich es auch nicht so genau wĂŒsste, und gĂ€hnte noch einmal, diesmal sehr deutlich.
»Ich denke, dass Verena nicht mehr kommen wird«, sagte ich. »Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie jetzt, so spÀt, noch kommt«
»Das kann man nie wissen! Man kann nie wissen, ob sie noch kommt. Wollen wir ein bisschen den Fernseher anmachen?«
Den Fernseher? Ich war entsetzt. Was sollte das? Ihr Ausdruck war so erwartungsvoll, als habe sie mir einen Abend in der Scala von Mailand vorgeschlagen. Ich Ă€rgerte mich nicht ĂŒber sie, ich Ă€rgerte mich ĂŒber mich selbst 
 Tolles Silvester! Ich wĂŒrde es am nĂ€chsten Tag Robby und Uwe erzĂ€hlen mĂŒssen, mit einer fremden AchtzigjĂ€hrigen in einer fremden Wohnung mit ‘ner Tasse Kakao und ohne zu rauchen.
»Machen Sie ihn an«, sagte ich. »Machen Sie den Fernseher an, wo ist er denn?«
Sie schob ihre Tasse langsam beiseite, und strich sich mit der HandflĂ€che ĂŒber den Mund.
»Ach! Wenn das der Sell wĂŒsste! Dass ich heute Abend mit einer Spanierin in seinem Wohnzimmer vor seinem Fernseher sitze. Das darf ich doch nicht! Ich darf doch nicht seinen Fernseher anmachen!«
»Scheint wohl nicht der Netteste zu sein, dieser Sell, was?«, fragte ich, und beobachtete, wie sie ihr Gesicht in beide HandflÀchen legte. Erst als sie wieder hochblickte, sah ich, dass sie lachte und ihr Gesicht dadurch völlig verzerrt war. Es war ein sonderbares Lachen. Sie schien in ihrer eigenen Welt zu sein.
Ich griff in die Tasche meines Mantels, um mein Paket Tabak herauszuholen. Ich tat es ganz unauffÀllig und behielt das PÀckchen in der Hand unter dem Tisch, wo sie es nicht sehen konnte.
Sie hatte sich inzwischen etwas beruhigt, fixierte mich aber wieder aus ihren weit aufgerissenen Augen, beugte sich dann vor und sagte fast im FlĂŒsterton: »Ich darf hier gar nichts! Ich soll bloß immer nur in meinem Zimmer sitzen und am besten gar nicht herauskommen!«
Sie wartete auf keine Antwort, sondern sprang ruckartig mit einer Energie auf, die mich aufschrecken ließ, und sagte, dass ich einen Augenblick warten solle, weil sie mir etwas zeigen wollte. Ich drehte mich noch schnell nach ihr um, sah aber nur noch ihren Schatten.
Ich rief ihr noch hinterher: »Gibt es hier einen Balkon, wo ich mal kurz eine rauchen kann?«
»Rauchen Sie, rauchen Sie nur 
! Komm’ gleich wieder«, rief sie, und es kam mir fast vor wie ein Singen, wĂ€hrend ihre Stimme mit ihr im Flur verschwand.

Ich begann, mir eine Zigarette zu drehen, befeuchtete mit der Zunge das kleine BlĂ€ttchen und zwickte die Enden ab. Die Zeit verstrich und sie kam nicht zurĂŒck. Also stand ich auf und ging bis zur TĂŒr. Ich spĂ€hte in den Flur, konnte sie aber nicht sehen und nicht hören. Ich schĂŒttelte den Kopf, dann setzte ich mich wieder und zĂŒndete mir die Zigarette an. Draußen wurde das Knallen der Böller lauter. Durch das Fenster und ĂŒber die HĂ€user hinweg konnte ich die bunten Farben eines Feuerwerks sehen. Ich dachte, dass ich vielleicht doch mit Helge zu seiner Zaubererparty hĂ€tte gehen sollen. Eine Party, bei der sich lauter Zauberer treffen, hĂ€tte doch durchaus interessant werden können. Ich hatte Helge aber abgesagt, weil er mir zu anstrengend war. Bei ihm musste immer was laufen. Neue Leute, neue Lokale. Hier und da anrufen. Hier und da hingehen. Irgendwo noch schnell hinfahren, um jemanden abzuholen. Immer in Bewegung sein. Er hielt es nirgendwo lĂ€nger als eine Stunde aus. Vielleicht hĂ€tte ich mit Katrin und Karen und ihrer Clique gehen sollen. Aber das wĂ€re mir irgendwann auf die Nerven gegangen. Karen und Katrin waren stinklangweilig. Irgendwann wĂ€ren die GesprĂ€che doch wieder auf Marokko gekommen. Sie hĂ€tten den ganzen Abend nur noch ĂŒber Kalim und Buba geredet, ĂŒber den schönen Sommer in Agadir, und wie toll da alles war. Ich hĂ€tte mit einem heißen Tee und einem guten Buch in meiner Wohnung bleiben sollen!
»Ich habe was fĂŒr Sie!«
Die Alte Dame kam zurĂŒck und hielt einen mittelgroßen Karton unter dem Arm. Sie schob meine Tasse zur Seite und stellte den Karton auf den Tisch. Dann nahm sie den Deckel ab und warf mir einen triumphierenden Blick zu. Ich sah Fotos, Hunderte davon. Sie nahm die Oberen heraus und breitete sie stumm vor mir aus. Ich dachte mich trifft der Schlag.
»So sah ich mal aus«, sagte sie.
Ich beugte mich vor und blickte auf die Person neben ihrem Zeigefinger. Ich erkannte sie sofort, obwohl die Bilder schon uralt waren: Frau Pohl in einem bodenlangen Mantel mit einem Fellkragen neben drei anderen Personen auf einer leicht mit Schnee bedeckten Straße. Frau Pohl mit aufgelösten, blonden, schulterlangen Haaren, lachend, mit einem kleinen MĂ€dchen auf dem Arm. Frau Pohl sitzend unter einem Weihnachtsbaum, mit lauter PĂ€ckchen und Geschenken auf dem Schoß. Ich nahm das Bild in die Hand und hielt es ein wenig hoch.
»Das war Weihnachten«, sagte sie, »1966.«
Ich blickte abwechselnd zu ihr – und dann wieder auf das Foto. Die lebhaften Augen waren die Gleichen. Sie trug ein blaues Kleid aus Samt mit einem großen Kragen aus weißer Spitze.
»In diesem Haus hier machen die ja nichts mehr«, sagte sie, »nicht mal mehr einen Weihnachtsbaum!«
Ihre Stimme war leise, gedĂ€mpft. Dann sagten wir beide nichts. Ich nahm einige der Bilder aus dem Karton und sah sie mir an. Es waren ĂŒberwiegend Schwarz-Weiß-Bilder. Manche an den RĂ€ndern schon vergilbt, andere zum Teil beschĂ€digt, weil sie aus einem Album herausgerissen waren.
Sie lÀchelte, beobachtete mich und hatte zu jedem dritten Bild etwas zu sagen: »Das war damals am Timmendorfer Strand.«
»Hier fuhr ich gerade zur Kur.«
»Das hier ist am Bodensee, wÀhrend des Krieges, nachdem wir evakuiert wurden.«
»Und hier, das hier, war mein Mann«.
Ich blickte nÀher hin und sah einen gut aussehenden Mann mit schwarzem Haar und einem markanten Gesicht, der mit ernstem Ausdruck direkt in die Kamera blickte.
»Das war alles frĂŒher«, sagte sie, hob die HĂ€nde und öffnete ihre HandflĂ€chen, so wie kleine MĂ€dchen es manchmal tun, wenn sie gerade etwas erklĂ€ren. »Ist so lange her«, sagte sie etwas leiser. Dann war sie still.

Ich zĂŒndete mir die soeben gedrehte Zigarette an und nahm einen langen Zug.
»Kommen Sie denn hier nie raus? Ich meine, mal runter, auf den Kudamm?«
»Hihi.« Sie kicherte und presste die Hand gegen den Mund. »Kudamm? Wo ist der denn?«
»Sie tÀten es mal gern, was?«, fragte ich.
Ihre GesichtszĂŒge wurden wieder ernst, sie stellte einen winzigen Aschenbecher vor mich hin und setzte sich wieder auf den Stuhl.
»Och wissen Sie, das kann ich doch nicht mehr 
 auf den Kudamm. Na ja 
 WĂ€r schön. Ach! Du meine GĂŒte! Die ganzen GeschĂ€fte und CafĂ©s, das Kranzler 
 Da gab es immer diesen tollen KĂ€sekuchen!«
»Trinken Sie auch mal ein SchlĂŒckchen Sekt?«, fragte ich vorsichtig und grinste. »KĂ€sekuchen hab’ ich nicht, aber Sekt doch.«
»Sekt?« Sie beugte sich mit dem Oberkörper nach vorn, und ihre Augen leuchteten jetzt so munter, dass sie mir lebhafter als die eines jeden Teenagers vorkamen.
Okay, dachte ich, sie wĂŒrde es mir nicht zweimal sagen mĂŒssen, ich hatte verstanden. Ich war auf dem richtigen Weg, ohne jeden Zweifel mochte sie Sekt. WĂ€hrend ich mich noch beglĂŒckwĂŒnschte, gleichermaßen ein probates Mittel gefunden zu haben, um nicht den ganzen Abend lang zu gĂ€hnen oder womöglich irgendwann doch noch einzuschlafen, griff ich nach meinem Rucksack und holte eine Flasche heraus. Sie beobachtete mich aufmerksam.
»Du meine GĂŒte  «, rief sie, und schlug in die HĂ€nde. »Sekt!«
Dann drehte sie sich um, bĂŒckte sich und begann, mit flinken Bewegungen in einem Schrank zu suchen. Sie holte zwei SektglĂ€ser heraus und stellte sie auf den Tisch. Ich betrachtete sie: zwei hĂŒbsche, alte GlĂ€ser mit einem schmalen goldenen Rand, die bestimmt so alt waren wie sie. Mit gespanntem Ausdruck musterte sie mich, wie ich die Flasche öffnete. Ich löste den Korken, aber es gab keinen großen Knall. Es knallte nur ein bisschen. Es knallte genug fĂŒr uns beide. Ich fĂŒllte die GlĂ€ser und ließ die FlĂŒssigkeit ordentlich ĂŒberlaufen.
»Ooooh«, rief sie. »Ohhh.« Und dann lachte sie, wÀhrend sie das Glas nahm, das ich ihr entgegenhielt.
»Frau Pohl, auf Sie!«, sagte ich und stieß mit ihr an. »Auf uns.«
»Ja, auf uns!«, sagte sie, kicherte und trank erst einen, dann gleich darauf, den zweiten Schluck.
»Ahhh  « Sie schloss kurz die Augen und fuhr sich genussvoll mit der Zunge ĂŒber die Lippen. »Ist der aus Spanien?«
»Aus Italien«, sagte ich, »Spumante. Man nennt ihn Spumante.«
Ich dachte, dass es zu kompliziert sei, ihr zu erklĂ€ren, dass dies gar kein richtiger, echter Sekt war, und ließ es dabei bewenden.
»Italien? Oh, da war ich mal. In Italien 
 Warten Sie, ich glaube, es war 19 
 19 
 1968, Ja! An der Riviera.«

Und dann erzĂ€hlte sie von der Riviera. Von der langen Fahrt im Auto mit ihrem Mann ĂŒber Österreich und den Brenner bis nach Riccione. Sie erzĂ€hlte von ihrem ersten Teller Spaghetti in einem italienischen Restaurant und von den schönen StrĂ€nden und dem Meer 
 Ach! Das Meer, in dem sie jeden Tag schwamm, und aus dem sie nicht mehr herauswollte. Und zum Schluss fragte sie mich, ob sich da, an der Riviera, denn irgendetwas groß verĂ€ndert hĂ€tte....
Dann waren unsere GlĂ€ser leer, und ich fĂŒllte sie noch mal auf. Sie brachte die Tassen und den Topf zur SpĂŒle, und ich nutzte die Gelegenheit, wĂ€hrend sie mit dem RĂŒcken zu mir stand, mein Glas zweimal aufzufĂŒllen. Dann fragte ich sie, wo das Bad sei, und sie zeigte es mir. Sie machte das Licht an, entschuldigte sich wieder fĂŒr die Unordnung, obwohl im Bad alles ordentlich war, und fragte mich, ob ich ein frisches Handtuch wolle. Aber ich sagte Nein. Ich wolle mir nur kurz die HĂ€nde waschen, alles sei okay. Und als ich allein war, sah ich in den Spiegel, und plötzlich kam mir alles sehr seltsam vor: diese Wohnung, dieses Bad, dieser Spiegel, sogar ich selbst, mein Spiegelbild, kamen mir seltsam vor. Aber ich achtete nicht darauf. Ich ignorierte es und wusch mir die HĂ€nde. Ich befeuchtete ein wenig mein Gesicht, machte dann das Licht wieder aus und schloss die TĂŒr. Als ich in die KĂŒche kam, stand sie am Fenster und schaute hinaus.
»Liza! Kommen Sie!«, rief sie mit ihrem Glas in der Hand. »Feuerwerk!«
Sie war jetzt so richtig in Stimmung.
Ich nahm mein Glas, ging zu ihr ans Fenster und blickte auf einen großen Hinterhof, der ringsum mit HochhĂ€usern umstellt war. Hinter den HĂ€usern ragte eine hohe, hell erleuchtete Kuppel heraus. Ich hatte keine Ahnung, was das war. Vielleicht eine kleine Kirche? Der Hof war bedeckt von Schnee. Einzig das dunkle Gerippe eines mĂ€chtigen Baumes war zu erkennen. Hinter den Fenstern anderer Wohnungen und auf einigen Balkonen standen Leute. Man hörte Stimmen und lautes Lachen, das Knallen und Pfeifen von Feuerwerk, das hin und wieder auf die DĂ€cher regnete. Das Bild, das sich mir bot, war beeindruckend: die erleuchtete Kuppel, der verschneite Hof und der große Baum in seinem Winterschlaf. Ich blickte auf die Uhr und sah, dass es fast elf war. Wenn ich tatsĂ€chlich noch gehen wollte, dann mĂŒsste ich es jetzt tun und dĂŒrfte keine Minute lĂ€nger warten. Jetzt könnte ich noch gehen, aber nicht um fĂŒnf vor zwölf, nicht an einem Silvesterabend. Das konnte ich ihr nicht antun. Jetzt könnte die Alte Dame noch das tun, was die Mehrheit aller AchtzigjĂ€hrigen der Welt um diese Zeit taten – ins Bett gehen. Und auch ich wĂŒrde wohl bald ins Bett fallen. Unterhalb meiner Wohnung gab es eine Kneipe, in der mit Sicherheit was los war. Ich kannte den Wirt, und wenn ich dort auftauchen wĂŒrde, könnte ich noch das letzte Glas des Jahres trinken, ein bisschen Musik hören und dann gehen. Ins Bett, wohin sonst?

Aber all diese Gedanken fĂŒhrten mich nirgendwohin, denn Frau Pohl kam jetzt so richtig in Fahrt. Sie hatte das Fenster geöffnet und sich herausgelehnt. Aufgeregt fuchtelte sie mit ihrem Glas herum und winkte den Leuten zu, die ebenfalls an ihren Fenstern standen.
»Das Jahr geht zu Ende!«, rief sie, drehte sich zu mir um und hielt mir ihr Glas entgegen.
Ich sah sie an und musste lachen. Ich war angetrunken. Ich wollte ihr sagen, dass sie sich erkĂ€lten wĂŒrde, und dass sie das Fenster besser schließen sollte, aber ich ließ es sein. Ich ging an den KĂŒchentisch und drehte mir eine neue Zigarette. Ich konnte jetzt nicht gehen. Ich konnte das jetzt nicht tun. Ich hĂ€tte alles kaputtgemacht und ich fragte mich, wie ich ĂŒberhaupt auf diesen Gedanken gekommen war. Ich saß da, auf einem Stuhl, rauchte meine Zigarette und beobachtete sie. Sie hielt das Glas in der Hand, nippte daran und rief dauernd etwas nach unten zu den anderen Leuten. Was sie rief, konnte ich nicht verstehen, irgendetwas ĂŒber das neue Jahr, und dass sie ihnen GlĂŒck und Gesundheit wĂŒnschte.

Ich setzte mir meinen Hut auf den Kopf und holte die zweite Flasche aus dem Rucksack. Und wĂ€hrend ich das silberne Papier ĂŒber dem Korken abstreifte, gingen mir wieder ihre Bilder durch den Kopf, ihre Fotos und Erinnerungen: Frau Pohl am Strand von Riccione, Frau Pohl in einem italienischen Restaurant. Plötzlich stellte ich mir vor, sie nach Spanien mitzunehmen. Nicht mit dem Zug, das wĂ€re zu anstrengend, aber vielleicht im Porsche. Ich besaß einen ganz alten, einen 924er, den ich einige Jahre zuvor einem Freund fĂŒr wenig Geld abgekauft hatte. Der Porsche stand in Spanien bei mir zu Hause in der Garage. Ich stellte mir vor, mit ihr im Wagen nach Spanien zu fahren. Frankfurt, Straßburg, Lyon, Barcelona. Vier Etappen. Ein neues Foto fĂŒr ihre Sammlung: Frau Pohl im Porsche.
Dann dachte ich, dass ich den Porsche aber vorher abholen mĂŒsste, und schließlich dachte ich an meine Mutter und stellte mir ihren Gesichtsausdruck vor, wenn sie auf die Veranda trĂ€te und Frau Pohl aus dem Porsche steigen sĂ€he: lachend, braun gebrannt von der Sonne und mit einem großen Strohhut auf dem Kopf. Mir wurde bewusst, wie leicht es wĂ€re, dieser Frau eine kleine TĂŒr zu öffnen, eine kleine TĂŒr ins Unerwartete, etwas, mit dem sie nie mehr gerechnet hĂ€tte. Dann legte ich meinen Daumen und Zeigefinger um den Korken und dachte, dass ich verrĂŒckt sei. Und im selben Augenblick machte es einen ganz lauten Knall. Der Korken schoss gegen die Zimmerdecke und der Sekt schoss aus der Flasche, in das Glas und von da runter, auf den Tisch. Im selben Moment hörte ich Frau Pohl laut kreischen und das Fenster zuknallen.
»Ooh!«, rief sie. »Ooh! Noch eine Flasche!«
Dagegen hatte sie nichts einzuwenden, denn ihr Blick suchte schon ihr leeres Glas, und als sie es fand, hielt sie es mir sofort entgegen.
Ich fĂŒllte beide GlĂ€ser und sagte: »Das hier, Frau Pohl, ist dann aber das Letzte.«
Ich sagte es ernst und streng und sie erwiderte meinen Blick mit derselben Ernsthaftigkeit, murmelnd: »Ja, ja. Ja, ja.«

Aber als wir anstoßen wollten und unsere Blicke sich trafen, mussten wir beide lachen. Es dauerte keine paar Sekunden, und sie hatte schon die nĂ€chste Idee, nein, sie hatte gleich mehrere Ideen. Sie wollte mir die Wohnung zeigen und den Fernseher anmachen. Wir könnten aber auch Musik hören. Sie wollte schließlich von mir wissen, was ich denn lieber tĂ€te: Fernsehen oder Musik hören. Ich sagte, dass es mir egal sei, und nahm mein Glas und den Aschenbecher, um ihr zu folgen. Sie lief vor mir durch den halbdunklen Flur, um mich in den anderen Teil der Wohnung zu fĂŒhren. Ich merkte an ihren Schritten, wie aufgeregt sie war.
»Marianne Rosenberg«, sagte sie, »die mĂŒssen Sie mal hören, kenn ’se doch, oder?«
»Nein«, sagte ich. »Ich kenne sie nicht.«
Und im selben Augenblick blieb sie abrupt stehen und drehte sich nach mir um. Ich konnte nicht mehr rechtzeitig stoppen. Es gelang mir gerade noch, mein Glas in die Luft zu heben.
»Sie kennen die Rosenberg nicht?«
»Nein«, sagte ich verwirrt, das Glas in die Luft haltend. »Ich kenne sie nicht. Wer ist das denn, diese Rosenberg?«
Sie murmelte etwas, das ich nicht verstand, und ging weiter. Aber nach drei Schritten blieb sie wieder stehen und öffnete eine TĂŒr auf der linken Seite des Flurs.
Sie machte den Lichtschalter an und sagte: »Hier wohnt Verena.«
Ich sah sie an, schob meinen Kopf an ihrem vorbei und blickte in das Zimmer. Ich sah einen Schreibtisch mit einem Stuhl, ein gemachtes Bett und einen Kleiderschrank. Vor dem Fenster hingen gelbe Gardinen.
Ich sagte: »Ah ja«, und als sie die TĂŒr immer noch offenhielt, wiederholte ich es und sagte noch einmal: »Ah ja  «
Ich blickte auf einige BĂŒcher auf dem Schreibtisch und ein paar KleidungsstĂŒcke auf dem Stuhl. An der Wand hing ein Poster von Nina Hagen. Ein schönes PortrĂ€t, das ich schon öfter gesehen hatte und das auch das Cover einer ihrer Platten war. Es war ein nettes Zimmer. Aber ich sah nichts, was mich auch nur im Geringsten an Verena erinnerte. Ehrlich gesagt war auch Verena zu diesem Zeitpunkt aus meiner Erinnerung verschwunden. Neben dem Fenster, in einer Ecke gegen die Wand lehnend, entdeckte ich eine Gitarre.
Ich sagte: »Oh.«
»Können Sie spielen?«, fragte die Alte neugierig.
Ich antwortete nicht, schob mich an ihr vorbei und holte die Gitarre. Zum ersten Mal bemerkte ich, wie sehr mir der Sekt in den Kopf gestiegen war. Ich ließ meinen Blick durch das Zimmer schweifen, und mir wurde bewusst, dass ich Frau Pohl inzwischen weitaus besser kannte als Verena.
Ich klemmte mir die Gitarre unter den Arm und sagte: »Die nehmen wir mit.«
Dann schlossen wir leise die TĂŒr und gingen weiter – in den anderen Teil der Wohnung –, vorbei an dem Biedermeiersofa und durch einen Bogeneingang. Dort knipste sie das Licht an.

Mir fiel sofort auf, dass die Einrichtung hier gehobeneren Stils war. Ich blickte auf eine weinrote Couch, einen schönen Schreibtisch aus Eichenholz, feine schöne Teppiche und antike Lampen mit mattem Licht. Alles war aufgerÀumt und es roch nach gebeiztem Holz.
Wir waren in Herrn Sells Wohnbereich angelangt.
Auf einer Kommode sah ich mehrere kleine Bilderrahmen aus Messing. Ich legte die Gitarre auf die Couch und sah, wie Frau Pohl mich lÀchelnd beobachtete.
»Nichts anfassen!«, rief sie und hielt sich grinsend beide HÀnde vor den Mund. »Das darf ich nicht!«
Ich nickte, trank einen Schluck und sah, wie sie zu einem kleinen Ecktisch ging, auf dem ein Plattenspieler stand. Ich wollte mich irgendwo hinsetzen, traute mich aber nicht, legte also meinen Hut auf die Couch und ging zu den Bilderrahmen, um sie mir anzusehen.
»Das ist der Herr Sell mit seiner letzten Freundin!«, sagte sie im BĂŒcken, eine Platte suchend. »Ist die nicht hĂŒbsch? Eine Slawin!«
Das Licht war zu schwach, um die Bilder genau zu erkennen. Also ging ich noch nĂ€her heran. Auf dem Foto sah ich einen Mann, der so um die siebzig war, kurzer Haarschnitt, dunkelblaues Hemd, eine Krawatte. Er sah gepflegt aus und erinnerte mich ein wenig an Harald Juhnke. Neben ihm eine blonde Frau, bestimmt vierzig, vielleicht fĂŒnfzig Jahre jĂŒnger als er. Er hatte den Arm um sie gelegt und beide lĂ€chelten in die Kamera.
»Nach vier Wochen war ’se dann auf und davon«, sagte die Alte kichernd. »Hat sich aber vorher noch viertausend Mark von ihm geliehen!«
Sie hatte eine Platte auf den Teller gelegt und versuchte jetzt, die Nadel aufzusetzen, aber sie schaffte es nicht, weil sie so lachen musste. Ich beobachtete sie und fragte, ob ich ihr behilflich sein könnte.
»Viertausend Mark!«, wiederholte sie und lachte so sehr, dass ich dachte, sie könnte umkippen. Sie hielt sich an dem Ecktisch fest. Einen Augenblick lang sah ich sie schwanken. Die Nadel schrammte ein paar Mal am Rande der Platte entlang. Doch dann schaffte sie es, und die Musik erklang mit einer solchen LautstÀrke, dass ich zusammenzuckte.
Sie warf mir einen Blick zu, hob einen Finger in die Luft und rief sehr ernst: »Marianne Rosenberg!«
Dann ging sie zum Fernseher und machte ihn an. Ich beobachtete sie und fragte mich, wo sie nur diese Energie hernahm. Plötzlich ging mir durch den Kopf, dass Herr Sell jederzeit auftauchen könnte, und ich stellte mir vor, wie er in das Zimmer kÀme. Aber selbst dieser Gedanke war mir in dem Moment egal. Ich sah mich weiterhin im Zimmer um, bewegte den Kopf zum Rhythmus der Musik und versuchte, den Text zu verstehen.
Aber ich verstand nur einige Wörter, und ich wusste nicht, ob ich sie richtig verstand:
»  Er gehört zu mir, wie mein Name an der TĂŒr  «

Dieser Vergleich kam mir merkwĂŒrdig vor, so merkwĂŒrdig, dass ich mir sicher war, dass die SĂ€ngerin in Wirklichkeit etwas völlig anderes sang. Aber das Lied gefiel mir, und ich wunderte mich darĂŒber, dass eine AchtzigjĂ€hrige eine Platte gewĂ€hlt hatte, die mir gefallen wĂŒrde. Ich stand mehr auf Police, The Cure, schrĂ€gen Punk. Aber diese Rosenberg fand ich richtig gut.
Frau Pohl hatte den Fernseher angemacht und den Ton abgestellt. Auf dem Bildschirm sah ich eine breite Menschenmasse, die irgendwo in der KĂ€lte stand und mit strahlenden Augen auf einen großen Turm starrte. Die Masse hob Bierflaschen in die Luft und lachte mich an, in dem Turm befand sich eine Uhr. Auf der Uhr sah ich, wie spĂ€t es war, aber es war mir in dem Augenblick egal. Alles war mir in dem Augenblick egal. Ich fĂŒhlte mich einfach nur wohl.
Ich stand mit meinem Glas mitten in diesem Zimmer, und mir wurde bewusst, wie dieser Teil der Wohnung jetzt voller Leben war. Ich versuchte, den Text mitzusingen. Aber da ich ihn nicht kannte, sang ich irgendwelche Wörter, die mir gerade in den Sinn kamen. Dann bemerkte ich, dass mein Glas wieder leer war. Ich ging zurĂŒck in die KĂŒche und holte die angebrochene zweite Flasche.
Als ich zurĂŒckkam, stand Frau Pohl mitten im Zimmer, unbeweglich, auf ihrem Kopf – mein Hut mit den langen Federn. Sie stand einfach nur da, blickte mich aus kugelrunden Augen an wie eine Eule. Ich bat sie, einen Augenblick in der Pose zu verharren, und ging zurĂŒck in die KĂŒche, um meinen Fotoapparat zu holen. Dann machte ich einige Bilder von ihr, wĂ€hrend sie sich immer wieder in neue Posen warf. Aber nach einer Weile war es ihr schon wieder langweilig, und sie fragte mich, ob ich nicht etwas auf der Gitarre spielen könnte. Ich ignorierte ihre Frage und knipste einfach weiter. Ich verknipste fast den ganzen Film, ging immer wieder in die Hocke: mal von hier, mal von dort. Frau Pohl mit Hut, Frau Pohl mir einen Vogel zeigend, Frau Pohl vorgebeugt, sich krĂŒmmend vor Lachen.

Irgendwann war auch die zweite Flasche fast ausgetrunken, und ich war froh, dass ich keine Dritte dabeihatte. Durch die Bewegung waren wir ins Schwitzen gekommen und ich hatte mir einen meiner Pullover ausgezogen. Wir saßen beide auf der Couch. Den Fernseher sahen wir nicht. Ich war mir sicher, dass es kurz vor zwölf war.
Ich sagte: »Frau Pohl, wir werden jetzt etwas singen.«
Sie saß neben mir, den Hut noch immer auf ihrem Kopf, und sah mich aus ihren runden Augen an.
»Singen?«, sie platzte vor Lachen und beugte ihren Oberkörper nach vorn, sodass ihr der Hut vom Kopf fiel.
»Na hören Sie, ich bin sechs-und-achtzig Jahre alt und da soll ich noch singen?«
Ich sagte: »Ja und?«
Aber im selben Augenblick wurden mir ihre Worte bewusst, und ich dachte zuerst, es sei ein Scherz. Aber als ich dann beobachtete, wie sie völlig ernst den Hut aufhob und dabei ĂŒberlegte, ob sie sich zutrauen solle zu singen, da wusste ich, dass es keiner war. Sie war tatsĂ€chlich sechs-und-achtzig Jahre alt.

Ich griff nach der Gitarre und legte sie mir auf den Schoß.
Ich sagte: »Sie mĂŒssen gar nicht viel tun, is’ nix Kompliziertes  «
Sie sah auf die Gitarre, kicherte und nickte.
Ich sagte: »Eigentlich mĂŒssen Sie nur la la lalala singen 
 Das ist nicht schwer. Es ist ein bisschen wie ein Kinderlied, die Melodie ist ganz einfach. Hören Sie, Frau Pohl: la la la la la.« Ich machte es ihr vor, und spielte einen Akkord.

Sie horchte, wobei ihre Augen sich zu Schlitzen verengten. Dann nickte sie. Ich bemerkte ihr BemĂŒhen, jetzt ernst zu bleiben. Anscheinend wollte sie es wirklich versuchen.
Sie fragte: »Aber was ist denn das fĂŒr ein Lied? Wie heißt es denn?«
Ich nahm den letzten Schluck aus meinem Glas und sagte: »Pferd.«
»Wie?«
»Namenloses Pferd.«
Sie beugte sich vor, senkte ein wenig den Kopf und blickte zu mir auf. »Was?«
»Ein Pferd, das keinen Namen hat«, sagte ich und stellte mein Glas auf den Boden, wÀhrend sie sich mit beiden HÀnden an den Mund fuhr und fast umkippte vor Lachen.
»Ein Pferd?«
»Ohne Namen«, sagte ich und musste dabei selbst lachen. Ich sagte: »Frau Pohl, kommen Sie, wir wollen ’s mal versuchen. Hören Sie: La la lalalala 
 lala 
 la, das werden wir doch wohl noch hinkriegen, oder? Was meinen Sie? Wollen wir?«
»Und wer singt das?«
»Wer singt was?« Ich verstand die Frage nicht.
»Was fĂŒr eine SĂ€ngerin?«, fragte sie ungeduldig.
»America«, sagte ich und zupfte auf den Seiten der Gitarre. Ich hatte jetzt richtig Lust zu spielen. Ich war inspiriert.
Ich sagte: »Eine Band aus Amerika, die America heißt.«
Und wieder begann sie zu kichern.

Ich versuchte, sie nicht anzusehen, und blickte hinauf zur Decke. Ich spielte den ersten Akkord und im selben Augenblick begann ich auch laut zu singen. Der erste Ton war gut getroffen. Der Klang hatte den Raum erfĂŒllt. Die AtmosphĂ€re: perfekt. Ich war in Stimmung und ich wĂŒrde das Lied gut im Griff haben. Sie war jetzt ganz still, und ich konnte spielen. Hin und wieder begegneten sich unsere Blicke und sie sah mich vollkommen entgeistert aus ihren kugelrunden Augen an. Sie beobachtete meine HĂ€nde und sah dann völlig konzentriert auf meine Lippen, lauschend, wĂ€hrend sich ihre Augen zu schmalen Schlitzen formten. Aber ich ließ mich nicht mehr beirren. Ich wollte das Ding jetzt durchziehen. Also sang ich einfach weiter, bis der Refrain kam:

"""I’ve been thru the desert on a horse with no name
It felt good to be out of the rain 

In the desert you can remember your name
Cause there ain’t no one for to give you no pain"""


Und dann sah ich sie an, sehr ernst, hob die Augenbrauen und nickte. Ich gab ihr das Zeichen. Und tatsÀchlich, sie sprang im richtigen Moment ein und wir sangen zusammen: la la lalalala 
 lala la la la 
 la la lalalala 
 la la lalala 


Sie sang! Etwas zaghaft, aber sie sang. Ich kuckte schnell weg, um sie nicht in Verlegenheit zu bringen. Ich lÀchelte die Wand an. Unglaublich, wie blau ich war. Und als ich sie das zweite Mal anschaute, da sang sie aus vollem Halse, ihren Blick an mir vorbei auf irgendeinen Punkt des Zimmers gerichtet. Völlig konzentriert, so als habe sie ein ganz neues Hobby entdeckt oder sogar noch mehr als das, so, als habe sie ihre Berufung entdeckt. Und dann war mir klar, wie blau auch sie war. Aber es funktionierte. Es funktionierte perfekt. Wir hatten einen guten Rhythmus drauf. Einen guten Drive.
Plötzlich stand sie ruckartig auf, immer noch singend, immer noch konzentriert, und begann durch den Raum zu schweben. Sie hielt ihren Kittel links und rechts mit zwei Fingern fest, hob ihn ein bisschen hoch und begann zu tanzen!

Jawohl, sie tanzte 
! Sie tanzte singend durch Herrn Sells Wohnzimmer, als habe sie ihr Leben lang nie etwas anderes getan. Sie tanzte wie ein kleines MĂ€dchen in kleinen Kreisen durch den Raum, völlig gelöst und ohne jegliche Hemmung. Und ihre blauen Augen leuchteten auf wie ein wolkenloser Himmel.
Sie war frei.
An jenem Abend war sie glĂŒcklich.

__________________
Der Leser hatÂŽs gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
(Kurt Tucholsky)


Version vom 25. 12. 2015 11:44

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Hyazinthe
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Hallo Ji!

Erst jetzt komme ich dazu, deine Geschichte von der unverhofften Begegnung zweier sehr unterschiedlicher Frauen am Silversterabend zu lesen. BerĂŒhrendes Thema, schön dargelegt.

Leider machst du aber den Fehler, der mir auch so oft unterlĂ€uft: Du erzĂ€hlst zu ausfĂŒhrlich und zu detailverliebt.

Wenn du einmal ganz streng mit dir bist: Die gesamte Vorgeschichte bis zum Klingeln an der HaustĂŒr ließe sich gut in ein, zwei SĂ€tzen im folgenden Text unterbringen. Und ist wirklich jeder Handgriff beim Kakaozubereiten so wichtig? Muss das Haus, der Flur, die Wohnung und jedes Zimmer darin wirklich so genau beschrieben werden? Der lebendige Austausch zwischen den beiden so gegensĂ€tzlichen Menschen ist es doch, der den Leser interessiert und den du so treffend schilderst. Alles andere ist nur Beiwerk und lenkt vom Wesentlichen ab.

Ich weiß, es tut einem in der Seele weh, rigoros den Rotstift ansetzen zu mĂŒssen, aber ich wĂŒrde es bei dieser Geschichte doch einmal versuchen.

Gruß, Hyazinthe

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Gelbe HĂŒhner
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Hallo Ji,
es stimmt schon: detailversessene Beschreibungen sind Mittel aus dem literarischen Giftschrank. Allzu oft töten sie die ErzÀhlung. Bisweilen sind sie aber auch lebensnotwendig. Es kommt auf das Sujet an und auf die Dosierung.

Wie soll ein Stimmungswandel und das Entstehen menschlicher WÀrme beschrieben und (besser noch) gezeigt werden? Die Kakaozubereitung hat nicht mich als Leser gequÀlt, sondern die (zunÀchst) unfreiwillige Besucherin. Das ist es, was gezeigt wird. Und so geht es weiter mit dem direkten Zeigen und indirektem Beschreiben des Wandels.
Du kriegst das sehr gut hin. Ich weiß nicht, ob du den Stimmungswandel handwerklich bewusst so gestaltet hast oder ob dein Talent fĂŒr das ĂŒberzeugende Ergebnis sorgte. Ist auch egal. Deine Detailbeschreibungen sind nicht nur stimmig, meiner Meinung nach, sie sind wesentlich fĂŒr die ErzĂ€hlung.
Du hast eine im besten Sinne herzerwÀrmende, beinahe optimistische Geschichte erzÀhlt, obwohl (oder gerade weil) die empörenden LebensumstÀnde der alten Frau nicht verschwiegen werden.

"Die Alte" zum Ende hin hat mich auch gestört. "Frau Pohl" allerdings scheint mir angesichts des GefĂŒhlswandels zwischen den Frauen zu förmlich. Als Kontrast zu "Alte" wird dir bestimmt was Liebevolleres einfallen.

Ich kenne jetzt drei thematisch sehr unterschiedliche Texte von dir. Alle habe ich gern gelesen. In den nÀchsten Tagen werde ich mir ansehen, was du sonst noch so gemacht hast. Bin schon gespannt.
Viele GrĂŒĂŸe
Ein Gelbes Huhn
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Ji Rina
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Hallo Gelbes Huhn,

Nun hast Du diese Geschichte wieder hervorgekramt und findest sie anscheinend nicht so schlecht.
Hast gut erklÀrt, was ich nicht so gut erklÀren kann: Manchmal sind detaillierte ErklÀrungen tatsÀchlich nötig, um eine bestimmte Stimmung zu beschreiben.

quote:
Ich weiß nicht, ob du den Stimmungswandel handwerklich bewusst so gestaltet hast


Handwerklich kann ich (glaub ich) nichts...Ich kann nur schreiben und dann das Geschriebene lesen, um festzustellen, obs mir gefÀllt oder nicht. Wenns mir nicht gefÀllt, feile ich weiter dran rum.

quote:
"Die Alte" zum Ende hin hat mich auch gestört. "Frau Pohl" allerdings scheint mir angesichts des GefĂŒhlswandels zwischen den Frauen zu förmlich. Als Kontrast zu "Alte" wird dir bestimmt was Liebevolleres einfallen.

Vielleicht: "Die Omi" ??

quote:
Ich kenne jetzt drei thematisch sehr unterschiedliche Texte von dir. Alle habe ich gern gelesen. In den nÀchsten Tagen werde ich mir ansehen, was du sonst noch so gemacht hast. Bin schon gespannt.


Oha..Das ist ja eine Überraschung.
Auch ich werd gerne Deine Geschichte lesen und Dir auf Deine Kommentare Antwort geben.
Im Augenblick hat mich mein Internet (Zuhause) verlassen - aber ich glaubÂŽ die kriegen das bald wieder hin.

FĂŒr jetzt, herzlichen Dank fur Deine Zeit und EindrĂŒcke!
Mit Gruss,
Ji
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Gelbe HĂŒhner
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Hallo Ji,
"Omi" ist nicht ganz ungefĂ€hrlich. So richtig eigentlich nur erlaubt fĂŒr Enkel im Vorschulalter. Aus dem Mund einer fremden, erwachsenen Frau könnte es leicht despektierlich klingen.
Andererseits: im Mittelteil als Einleitung zum emotionalen Wandel könnte nach "die Alte" "die Omi" passen.
Wie wÀrs zum Schluss hin mit "alte Lady"?

Und von wegen kein Handwerk! Fishing for compliments?
Soll dir gelingen. Das Wichtige scheinst du zu können. Ob angelernt oder intuitiv ist egal.
Gute Besserung an dein Internet.
GH
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FrankK
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Nun, geschÀtzte Ji Rina
nach der erfolgreichen Re-Animation Deines StĂŒckes, muss auch ich noch einen kleines bischen Senf dazu abgeben.

Du erzĂ€hlst uns hier die Geschichte ĂŒber die Wandlung einer Person im Umgang mit einer anderen Person. Unterschwellig erkennt sie, dass die beiden wohl mehr Gemeinsamkeiten haben, als das, was sie trennt.
Hart an der Grenze, dicht dran, mit ganz leichten ÜberlĂ€ngen, zeichnest Du in gefĂŒhlvollen Bildern.

Der langsame, schleichende Übergang mit der enthemmenden Wirkung des Alkohols ist Dir genau so gut gelungen, wie die anfĂ€ngliche Skepsis, die sich bis zum schluß immer weiter wandelt und wandelt.

Nur ein einziges, aber eindringliches, Erbschen habe ich gefunden:

quote:
In the desert you can remember your name
Es heißt doch: "In der WĂŒste wirst du dich nicht [mehr] an deinen Namen erinnern."
Also: can`t

FĂŒr die restlichen Erbsen - nö, unbedeutend. Nur das Duett, das sollte schon passen. WĂ€re ja auch sonst abgedrehter Unsinn, was die beiden da singen ...


Erfreute GrĂŒĂŸe aus Westfalen
Frank
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Leben und leben lassen.

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