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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Blick weg
Eingestellt am 23. 12. 2002 23:19


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Sebastian Dalkowski
AutorenanwÀrter
Registriert: Nov 2001

Werke: 33
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ErlÀuterung I

Hingekritzelt zur BekĂ€mpfung blöder Leere, vielleicht auf ein StĂŒck blaues Papier und vielleicht in einer Sprache, die ich verstehe.

Szene 1

Es ist 12 Uhr Mittag.
Es ist in der FußgĂ€ngerzone.
Das heißt:
Es ist hell.
Es ist die ganze Welt auf den Beinen.

Ein Mann jagt einen anderen Mann mit einem Messer. Menschen, deren Laufweg den der zwei MĂ€nner schneidet, weichen, gestört in ihrer Ruhe, verĂ€rgert aus. Irgendwann holt der Mann mit dem Messer den Mann ohne Messer ein. Der Mann schreit. Der andere drĂŒckt ihn auf eine Bank und ersticht ihn. Ein anderer Mann fĂŒhlt sich in seiner ZeitungslektĂŒre gestört und geht. Die ĂŒbrigen bleiben sitzen und tun irgendwas. Der tote Mann blutet farbig.
Eine Schulklasse kommt vorbei. Der Lehrer zeigt auf den Mann und fragt: „Warum ist das moralisch verwerflich? Verfasst darĂŒber einen Aufsatz und stellt eine Verbindung zu Camus‘ Vorstellung vom Existenzialismus her!“
Erst als der Mann mit dem Messer auf andere Passanten losstĂŒrmt, bricht Panik aus.

Ich schlĂŒrfe meinen Milchkaffee. Er ist ein wenig zu heiß. Vielleicht um 0,5 Grad Cel-sius. Außerdem schmeckt er leicht staubig.
Ich sitze in einem CafĂ© in der vierten Etage, der Mann befindet sich auf der anderen Seite des Flusses. Die nĂ€chste BrĂŒcke ist nur mit dem Bus zu erreichen. Im Fluss schwimmen hungrige Krokodile.
„Keller, noch einen Kaffee bitte und ein StĂŒck Stachelbeertorte.“

Der Mann tötet. Er tötet zwei Dutzend. Glaube ich.

Szene 2

Er sitzt neben mir und ich drehe mich kurz zur Seite, um nach einer Zeitung zu grei-fen. Als ich mich wieder zu ihm wende, ist er verschwunden. Ich suche in der ganzen Wohnung nach ihm. Auch auf dem Klo finde ich ihn nicht. Ich werfe einen Blick nach draußen. Sein Auto steht nicht mehr vor meiner HaustĂŒr. Ich wĂ€hle seine Handynummer. Niemand geht ran. Eine elektronische Frauenstimme verkĂŒndet mechanisch: „Der gewĂŒnschte GesprĂ€chspartner ist zur Zeit nicht erreichbar.“
Ich warte eine halbe Stunde (mache mir ein Sandwich mit Salat und KĂ€se) und rufe ihn zu Hause an. Niemand hebt ab. Ich setze mich in mein Auto und fahre zu ihm. Kein Gegenverkehr. Kein Auto hinter mir. Ich klingle dreimal. Er öffnet nicht. Auf der RĂŒckfahrt begegnet mir kein Auto. Ich versuche, meine Mutter zu erreichen. Vielleicht weiß sie, wo er ist. Sie nimmt nicht ab.
Bevor ich zu ihr fahre, sehe ich fern. Sie ist nicht da, obwohl ihr Auto vor der TĂŒr steht. Ich schelle bei den Nachbarn. Niemand öffnet. Drei Sekunden fĂŒhle ich mich ein wenig unwohl. Dann ist es wieder weg und ich rufe meine Freundin an, weil ich ihr Freund bin. Sie geht nicht dran. Ich esse Cornflakes und schneide Buchstaben aus der Zeitung aus, die ich zu einem Erpresserbrief zusammensetze. Dann zerreiße ich ihn wieder und grinse ein wenig.
Ich beschließe ins Kino zu gehen. Es hat geöffnet, aber niemand steht hinter der Kas-se. Ich gehe in den Kinosaal. Er ist leer. Der Film spricht mich an. Dann gehe ich tanzen. Niemand ist da. Ist mir doch egal. Endlich riecht es gut. Nicht so nach Zigaretten und Schweiß. Vielleicht rufe ich spĂ€ter noch mal meine Freundin an. Vielleicht hat sie ja auch einen Neuen. Na ja. Von mir aus.

ErlÀuterung II

Vollendet, wÀhrend ich gerade ein wenig in einer Illustrierten blÀtterte und mir den Bart rasierte.

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flammarion
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