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Leselupe.de > Gereimtes
Blind
Eingestellt am 01. 10. 2001 01:26


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Mr.Soap
Hobbydichter
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Blind

Warum? Warum hat sie das getan? Warum hab ich das getan? So dumm kann ein Mensch alleine doch gar nicht sein. Aber irgendwie hat sich das Ganze so ergeben, ich konnte mich einfach nicht dagegen wehren. Und ich wollte es auch nicht. Trotzdem: Ich hatte meine Prinzipien und es war absolut d├Ąmlich, sie zu brechen. Verliebe dich niemals in die beste Freundin. Fang nie was mit ihr an. Hat sie es nicht auch provoziert? Ging es nicht von beiden Seiten aus? Ich bin mir fast sicher, da├č es auch von ihr ausging. Andererseits war ich auch monatelang blind. Vielleicht hab ich mir das nur eingeredet. Aber ich war verliebt, da ist das doch eigentlich normal. Sie meint, es w├Ąre eine gute Freundschaft. Nat├╝rlich ist es eine gute Freundschaft gewesen.

Aber es wurde mehr. Zumindest von meiner Seite aus. Sie wu├čte es. Sie wu├čte es von Anfang an. Seit ich mehr f├╝r sie empfinde. Sie hat es l├Ąnger geahnt, mehrfach nachgefragt. Und eines Tages war es mir einfach vollkommen egal. Es war ein beschissener Tag, so siehtÔÇÖs aus. Geldprobleme, Semesteranfang, Bullen... meine erste Vorladung. Ich war vollkommen deprimiert und dachte mir, ich k├Ânnte es mir auch noch eben mit meiner besten Freundin verscherzen. Was kann ich daf├╝r, da├č ich nach so langer Zeit mehr f├╝r sie empfinde als reine Freundschaft? Ich hab ihr alles erz├Ąhlt, mit einem Korb gerechnet. Oder damit, da├č sie den Kontakt zu mir einstellt. Das h├Ątte mir an diesem Tag nicht mal viel ausgemacht, der war eh im Eimer. So war es der wechselhafteste Tag meines Lebens. Mittags die Vorladung, abends S├Ątze wie ÔÇ×womit hab ich jemanden wie dich verdient?ÔÇť und K├╝sse von der sch├Ânsten und faszinierendsten Frau, die ich jemals getroffen habe. Ich wei├č immer noch nicht, wie ich den Tag einordnen soll. Letztendlich war es irgendwie der sch├Ânste Schei├čtag meines Lebens.

Ich wu├čte ganz genau, da├č es nicht einfach wird. Daf├╝r kannte ich sie zu lange und zu gut. Sie war immer kompliziert, aber irgendwie hab ich immer das Gef├╝hl gehabt, sie verstehen zu k├Ânnen. Das erste Mal in meinem Leben, da├č ich das Hirngespinst hatte, eine Frau zu verstehen. Mittlerweile wei├č ich es leider besser. Es war falsch. Aber es mu├čte einfach raus. H├Ątte ich meine Gef├╝hle nie erw├Ąhnt, w├Ąre auch nur das Chaos ausgebrochen. Au├čerdem h├Ątte ich viele verdammt sch├Âne Tage verpa├čt und mich durchweg selber belogen. Das kann keine Basis f├╝r eine Freundschaft sein. Wir waren immer offen zueinander, von daher war es wohl doch nicht ganz so falsch. Diese Unsicherheit... irgendwie mu├č man Ordnung in die Gedanken bringen k├Ânnen. Aber es war mir schlicht und ergreifend nicht m├Âglich. Es ging einfach nicht. Je l├Ąnger ich dar├╝ber nachdachte, desto schwachsinniger wurde alles. Aber sie sagte, es w├Ąre richtig gewesen, das zu sagen. Und ihr Wort war mein Gesetz. Sie sagte etwas, ich fand es richtig. Fr├╝her habe ich Leute verachtet, die sich so verhielten. Ich fand es das Selbstverst├Ąndlichste auf der ganzen Welt. Auch sp├Ąter noch. Ich h├Ątte sie direkt vergessen sollen, eigentlich w├Ąre es das einzig logische gewesen. Wer w├╝rde das nicht tun?

Einen Tag nach meinen kitschromanverd├Ąchtigen Liebeserkl├Ąrungen meinte sie, sie w├╝rde f├╝r jemand anders mehr empfinden, als sie dachte. Prima Timing. Und wieder war ich ganz weit unten. Aber die Hoffnung blieb, denn ich wu├čte, was der Typ eigentlich f├╝r ein Depp ist. Sie wu├čte es eigentlich auch. Ich hab es ihr oft genug gesagt und ich war nicht der einzige. Wir vereinbarten vorher sogar eine Wette. Damals lief gar nichts zwischen uns. Es ging darum, da├č sie seinen Namen und seine Adresse bekommt, denn mit diesen Daten war er immer mehr als vorsichtig und ich wu├čte niemanden, der das jemals aus ihm herausgekitzelt hat. Es wollte auch niemand wirklich, denn ihn mochte ja so gut wie niemand. Frauen schon gar nicht. Trotzdem brauchte sie verdammt lange, um endg├╝ltig herauszufinden, wie dumm er ist. Klischee. Im Netz der harte Mann, am Telefon ein versch├╝chtertes Weichei. Sie fand es faszinierend. Es zog sich mehrere Wochen. Sie besuchte ihn... nie hatte ich derart das Verlangen, mich zu betrinken, bis ich nichts mehr sp├╝re. Bis ich sie verdr├Ąnge. Aber ich habe diesem Verlangen widerstanden. Fr├╝her h├Ątte ich genau das gemacht, die Sache w├Ąre erledigt gewesen. Aber nicht dieses Mal. Ich hatte mich ge├Ąndert. Sie hatte mich ge├Ąndert. Und das war gut so. Denn ihr Besuch bei dem Deppen verlief irgendwie f├╝r sie so beschissen, wie es f├╝r mich eine Genugtuung war. Sie kam zur├╝ck. Sie kam zur├╝ck zu mir. Das dachte ich damals zumindest. Mein Gott, was sollte ich auch sonst denken? Sie wu├čte genau, was ich f├╝r sie empfand. Da verh├Ąlt man sich nicht so wie sie nach ihrer R├╝ckkehr, wenn man nicht ├Ąhnliches f├╝hlt. Da sagt man dem anderen nicht, da├č man ihn liebt, wenn man es nicht tut. Da verbringt man nicht mehrere Stunden auf dem Scho├č des anderen oder in seinen Armen.

Aber ich war wieder gl├╝cklich. Gl├╝cklicher als vorher. Und l├Ąnger als einen Tag. Leider nicht l├Ąnger als einen Monat. Dann kam der n├Ąchste. Wieder ein Typ aus dem Internet. Aber den kannte ich diesmal nicht. Auf den letzten konnte ich nicht mal richtig eifers├╝chtig werden. Mir war viel zu klar, da├č er ein Idiot war. Der andere schien ganz nett zu sein. Ich nahm Kontakt zu ihm auf. Irgendwas negatives mu├čte doch bei ihm zu finden sein. Ich fand nichts. Verdammt. Er war wirklich nett. Es war meine Idee, da├č sie eine Beziehung mit ihm vort├Ąuschte. Es w├╝rde den Deppen von vorher ├Ąrgern, also w├Ąre es f├╝r alle spa├čig. Es war eine sehr dumme Idee, aber aus diesem Spa├č auch ernst zu machen, war ihre Idee. Er war Bayer, aber selbst das hat sie gro├čz├╝gig ├╝bersehen. Ist eigentlich nicht ihre Art gewesen. Bayern, ├ľsterreicher... niemals jemand aus dem S├╝den. Sagte sie mal. Aber Frauen wechseln ihre Stimmungen und Einstellungen manchmal wie andere ihre Unterw├Ąsche. Na ja, so kenne ich sie schon immer, da konnte mich nicht mal das verwundern.

Und so viel Einflu├č auf die Sache zwischen uns hatte er auch nicht. Ich war eifers├╝chtig, klar. Aber sobald es mir schlechter ging, hat sie mich getr├Âstet. Und irgendwann kam die Zeit, da├č der Bayer ihr auf die Nerven ging. Er nahm ja alles so ernst. Mein Gott, als h├Ątte sie sich so mi├čverst├Ąndlich ausgedr├╝ckt... man mu├čte es einfach ernst nehmen, was sie ihm erz├Ąhlte. Sie haben sich nie getroffen. Bis heute nicht. Aber sie haben telefoniert. Und wie bei dem Deppen vorher bezeichnete sie es auch beim Bayern bereits als Beziehung, eh sie den Partner auch nur einmal gesehen h├Ątte. Und jetzt war es falsch, da├č er Erwartungen wie in einer Beziehung stellte. Okay, die Erwartungen waren ├╝berzogen, aber auch irgendwie teilweise nachvollziehbar. Es war ja nichts unm├Âgliches. Trotzdem f├╝hlte sie sich davon bedr├Ąngt. Wie auch immer, mir warÔÇÖs vollkommen recht. Ich hab ihn f├╝r sie abgeschossen. Via Internet. Geschmacklos, aber es hat Spa├č gemacht. ÔÇ×Finger weg, meins!ÔÇť Ich hab daran geglaubt, er nicht wirklich. Er sah mich immer als ihren gro├čen Bruder. Als guten Freund, niemals mehr. Aber insgesamt hat es gereicht, damit er sein Interesse an ihr verliert.

Dann fing sie mit einem alten Thema an. Heiraten. Ich wollte nie heiraten. Zumindest niemals wirklich. Aber diesmal war ich mir sicher. Ich wollte heiraten. Und zwar sie. Nur sie und niemand anders. Sie war die Frau meines Lebens. Gut, sie hat mich bis dahin schon irgendwie seltsam behandelt, aber das war halt ihre Art, die mich so faszinierte. Ich wollte es. Ich will es. Also war die Hochzeit schnell beschlossene Sache. Fr├╝her, als wir ÔÇ×nurÔÇť Freunde waren, haben wir schon unsere Sp├Ą├če gemacht. Eigentlich kam der erste derartige Spa├č schon am ersten Tag. Aber damals war es halt reiner Spa├č. Und mittlerweile war es von meiner Seite aus keiner mehr. Ich wollte mit dieser Frau mein Leben verbringen. Ich fragte sie, ob sie das wirklich ernst meinen w├╝rde, denn dann w├╝rde ich wirklich anfangen, f├╝r eine Hochzeit und eine Wohnung zu sparen. Sie meinte es sehr ernst, sagte sie. Sie sagte das ├Âfters, ich habe immer wieder nachgefragt, weil ich es einfach nicht glauben konnte. Ich war so gl├╝cklich. Verflucht gl├╝cklich. So gl├╝cklich wie nie zuvor. Meistens zumindest. Aber ich konnte noch nicht wirklich dran glauben. Dann bekam sie Urlaub, sie zog sozusagen bei mir ein, verbrachte mehrere Wochen hier. Wir taten nicht viel. Wir redeten, verbrachten viel Zeit mit so gew├Âhnlichen Dingen wie dem Internet. An sich keine Besch├Ąftigung f├╝r mehrere Wochen, aber es hat Spa├č gemacht. Es machte verdammt viel Spa├č, denn ich war mit ihr zusammen. Ich tat alles f├╝r sie, was irgendwie in meiner Macht stand. Ich kaufte ein, ich versorgte sie, so gut ich konnte, ich kochte f├╝r sie, ich brachte ihr das Essen ans Bett. Ich hab mir den Arsch f├╝r sie aufgerissen. Und sie erz├Ąhlte meinen Freunden, da├č wir heiraten werden. Wie selbstverst├Ąndlich. Das war der Moment, an dem ich ihr alles glaubte. Sie liebte mich. Nat├╝rlich liebte sie mich, warum sonst sollte man so was erz├Ąhlen? Und schlie├člich wu├čte sie doch genau, da├č ich sie liebe. Da hat man doch den Anstand, dem besten Freund zu sagen, wenn man nicht das gleiche empfindet. Und mittlerweile fuhr sie selber zu mir. Ich mu├čte sie nicht mal abholen. Ich mu├čte nicht nachfragen, ob sie mich besucht, sie tat es. War nicht ihre Art, so kannte ich sie nicht. Wir sprachen ├╝ber Dinge, an die ich nie gedacht hatte. ├ťber Familienplanung, ├╝ber die Zukunft. Sie begann sogar, meine Musik zu h├Âren. Musikalisch waren wir uns nie wirklich einig, ich mochte zumindest ein bi├čchen von dem, was sie h├Ârte. Nicht alles, aber immerhin. Irgendwas fand sich immer. Aber sie lehnte meine Musik kategorisch ab. Jetzt nicht mehr. Sie h├Ârte es sich an, sie meinte, es w├╝rde ihr sogar teilweise gefallen. Und sie w├╝rde mich nie bel├╝gen. Ich war gl├╝cklich.

Wir verbrachten mehrere Wochen auf engstem Raum. Es war einfach zu sch├Ân, um auch mal andere Leute zu sehen. Ich hab es auch nicht vermi├čt. Fr├╝her habe ich meine Freunde mehrfach in der Woche gesehen, jetzt wollte ich das nicht mal mehr. Ich war zufrieden, wenn ich sie bei mir hatte. Sie machte auch nie den Eindruck, als w├╝rde sie Wert darauf legen, mehrere meiner Freunde kennenzulernen. Zwei davon kannte sie. Aber mehr durch Zufall und auf mein Dr├Ąngen hin. Rief jemand anders an, blockte ich ab. Sie machte immer den Eindruck, als wolle sie mit mir allein sein. Das mu├čte ja auch Gr├╝nde haben, also fand ich es in Ordnung. Ich h├Ątte nie etwas getan, was sie nicht wollte. Ich wollte, da├č sie gl├╝cklich ist. Mehr nicht. Meine W├╝nsche waren zweitrangig. Ich hatte eigentlich nicht mal mehr W├╝nsche. Ich war gl├╝cklich, wenn sie es war. Und ich war noch immer verliebt wie am ersten Tag. An diesem sch├Ânen Schei├čtag.

Ihr Urlaub war fast vorbei. Schade, aber es war auch mal wieder Zeit, sich ein paar Tage nicht direkt auf dem Pelz zu h├Ąngen. Zuletzt gab es mal kleinere Streitereien. Nichts ernstes, nichts, was sich nicht leicht wieder aus der Welt schaffen lie├č. Aber es reichte mir. Ich ha├čte es, mit ihr zu streiten. Es ging auch einfach nicht. Daf├╝r war sie viel zu zickig. Sie schnappte so verdammt schnell ein... da vermeide ich den Streit doch lieber. Dann ist sie gl├╝cklich, dann bin ich es auch. Es machte mir doch nichts aus, auch mal ein wenig zur├╝ckzustecken. Es hatte sich ja gelohnt. F├╝r die Frau seines Lebens mu├čte man doch auch mal Abstriche machen. Das war doch gar keine Frage.

Wir haben uns wieder vertragen. War gar kein Thema. Wir sprachen ein wenig dr├╝ber, alles war schnell vergessen. Sie nervte mich nicht, aber sie meinte, sie w├╝rde mich nerven. Frauen... irgendwie verstehen sie eh alles falsch. Aber sie nervte wirklich nicht. Jeder andere h├Ątte mich mit diesem Verhalten zum Wahnsinn gebracht, sie nicht. Es machte mir nichts aus, ihr auch nachts noch was zu kochen, wenn ich 20 Stunden auf den Beinen bin. Es machte mir nichts aus, ihr nachts um vier den R├╝cken zu massieren. Ich habe es gerne getan, obwohl ich vielleicht todm├╝de war. Aber es machte sie gl├╝cklich und es war nichts Unm├Âgliches. Also tat ichÔÇÖs. Immer. Und ich bot ihr immer irgend etwas an. Aus H├Âflichkeit und weil ich es gern tat. Sie f├╝hlte sich davon bedr├Ąngt. Vorher w├Ąre sie beleidigt gewesen, wenn ich es nicht so gemacht h├Ątte. Das hab ich nicht verstanden, aber ich habe es akzeptiert, kein Problem.

Am letzten Wochenende ihres Urlaubs erwarteten wir Besuch. Vier Leute. Sie waren Hobbyautoren, wie sie. Ich kannte sie nicht, aber wollte sie kennenlernen. Schlie├člich interessiert es mich auch, was sie tut. Ich wu├čte auch, da├č sie einen der vier schon lange sehr faszinierend fand. Sein Schreibstil war so ungew├Âhnlich. Er war immer so nett in den E-Mails. Aber er war ├ľsterreicher. Und als er hier war, war er ruhig. Zu ruhig. Den ganzen Tag. Er sagte fast kein Wort. Und wenn doch, verstand man ihn nicht. Damit hatte sich das Thema wohl erledigt. Er mochte ein guter Autor sein, aber ansonsten schien nicht er nicht viel zu haben.

Sie sah das anders. Er hatte eben doch was. Sie war hin und weg. Aber sie sah auch, da├č es keinen Sinn hatte. Sie wollte es einfach ignorieren, das w├╝rde schon klappen. Wie sollte es auch was werden, wenn er 1200 Kilometer weg wohnt und nicht mal die gleiche Sprache spricht? Sie schwieg ihn mir gegen├╝ber tot. Zumindest versuchte sie es und wollte es. Sie meinte, das w├Ąre kein Problem und ich sollte es vergessen. Ich wurde sehr unsicher, was sie betraf. Ich fand heraus, da├č sie ihm einen Brief geschrieben hat, in dem sie offenbarte, was sie f├╝r ihn empfand. Da├č er sie so faszinierte, da├č sie mehr von ihm will. Mir erz├Ąhlte sie nichts von dem Brief, aber durch einen dummen Zufall bekam ich es mit. Wir kamen auf die Idee, uns beide bei der gleichen Person auszuheulen. Es war der Bayer, ihre Beinahe-Beziehung. Er ahnte noch immer nicht, da├č zwischen ihr und mir mehr war als Freundschaft, also erz├Ąhlte er mir von dem Brief. Schei├čtag. Wieder mal einfach ein Schei├čtag. Das konnte sie mir doch nicht antun. Sie erz├Ąhlte mir doch alles. Ich habe doch immer alles verstanden. Ich habe ihr immer zugeh├Ârt. Ich liebte sie. Der Bayer machte sich Sorgen um mich. Er erz├Ąhlte ihr das beim n├Ąchsten Gespr├Ąch. Das war nicht eingeplant. Ich wollte nat├╝rlich auch mit ihr dar├╝ber sprechen, aber nicht so schnell. Abwarten, bis sich die Sache gelegt haben w├╝rde. Konnte ja nicht so lange dauern. So mu├čte das Gespr├Ąch fr├╝her folgen. Sie meinte, ich h├Ątte nicht den Eindruck gemacht, als w├╝rde ich dar├╝ber reden wollen. Sie meinte, sie nerve mich damit. Nat├╝rlich wollte ich dar├╝ber reden, immerhin machte es mich langsam, aber sicher absolut kaputt. Aber es war ihre Idee, die Sache zu ignorieren, dann habe ich es nat├╝rlich nicht angesprochen. Ich wollte sie nicht ver├Ąrgern, R├╝cksicht nehmen. Verst├Ąndnis zeigen.

Ich machte mir aber mittlerweile Gedanken, wie ernst sie die Sache mit mir ├╝berhaupt nahm. Ich kam mir vor wie ein L├╝ckenf├╝ller, der eben da war, wenn sie gerade nichts besseres greifbar hatte. Ein Arsch, der bl├Âd genug ist, sie zu versorgen, bis sie jemand anders gefunden hatte. Der ihr alles glaubt, was sie erz├Ąhlt. Der sie versteht und ihr zuh├Ârt. Aber letztendlich doch nur ein Idiot ist. Ich meinte zu ihr, ich h├Ątte einiges in der letzten Zeit wohl ernster genommen als sie. Sie verstand nicht, was ich meinte. Ich sagte, da├č ich sie wirklich heiraten m├Âchte und mit ihr eine gemeinsame Wohnung beziehen will, sobald es finanziell irgendwie m├Âglich ist. Sie sah es genauso. Sie wollte mich auch heiraten. Nat├╝rlich wollte sie das. Gar keine Frage.

Kaum eine Woche war vergangen, da war ihr Interesse an dem ├ľsterreicher schon wieder weg. Er hatte sich nicht gemeldet. Und sie hat gemerkt, da├č sie das nicht mal st├Ârt. War wohl doch nur ein Strohfeuer. Aber eins, das mir sehr weh tat. Ich begann zu zweifeln. An allem. An mir, an ihr, an uns. Ich lag stundenlang einfach nur herum und starrte an die Decke. Ich schrieb lange Briefe. Nicht das erste Mal. Ich hatte fr├╝her schon lange Briefe geschrieben, die ich nie abgeschickt habe. Nur einmal, da hat der Brief mehr zerst├Ârt als repariert. Aber es mu├čte schon wieder sein. Ich traute mich wieder nicht, den Brief abzuschicken. Elende Feigheit. Irgendwann mu├čte aber mal einiges gekl├Ąrt werden, das war mir absolut klar. So war das doch keine L├Âsung. Zusammenziehen und heiraten, aber zwischendurch immer wieder andere Freunde oder Beinahe-Freunde? Das konnte doch nicht gutgehen. Das war auch nie mein Ziel. Ich wollte sie. Nur sie. Ich traute mich immerhin, ihr am Telefon zu sagen, da├č ich einen langen Brief geschrieben habe und da├č sie sich aussuchen k├Ânne, ob sie ihn haben m├Âchte oder nicht. Ich warnte sie vor, da├č sie einiges falsch verstehen k├Ânnte. Ich sollte den Brief m├╝ndlich wiedergeben. Es war schwierig. Verdammt schwierig. Es waren so viele Fragen, die ich hatte. Dinge, die ich nicht verstand. Ich war mir nie klar dar├╝ber, da├č es so viel war. Das meiste waren Kleinigkeiten, klar. Aber es summierte sich. Ich schrieb alles auf, ich versuchte, sie zumindest fast alles auch wirklich zu fragen. Vor allem interessierte mich nat├╝rlich, wie sie die Sache zwischen uns sah. Ich fragte sie und bekam nach der Antwort kaum noch einen Ton raus. Nat├╝rlich meinte sie es ernst, was sie sagte. Nat├╝rlich wollte sie mich noch immer heiraten. Nat├╝rlich wollte sie eine gemeinsame Wohnung. Nat├╝rlich konnte man sich sagen, da├č man sich liebt. Nat├╝rlich bezeichnete sie sich nach wie vor als Single. Nat├╝rlich w├╝rde sie irgendwann einen anderen Freund haben. Nat├╝rlich ist reine Freundschaft eine viel bessere Basis f├╝r eine Ehe als eine ÔÇ×echteÔÇť Beziehung. Sie war verwundert, da├č ich doch das eine oder andere in den Monaten zuvor anders aufgefa├čt habe. Nat├╝rlich hatte sie mir nicht gesagt, da├č sie ihrerseits nie an mehr als Freundschaft interessiert war. Schlie├člich hatte ich ja nie danach gefragt. Und sie meinte es ernst, mich heiraten zu wollen. Nach wie vor. Ernsthaft.

Jetzt bin ich wieder an dem Punkt, wo ich k├╝rzlich schon mal war. Extremer, ersch├╝tterter, zweifelnder, verzweifelter. Das kann sie doch nicht ernst meinen. Niemand heiratet aus purer Freundschaft. Das hab ich doch noch nie geh├Ârt. Das hat wahrscheinlich noch nie jemand geh├Ârt. Aber sie meint es so. Und sie ist ├╝berzeugt davon. Sie war es angeblich immer. Es ist nun mal nicht mehr als Freundschaft und das ist die beste Basis, die sie sich vorstellen kann. Basis wof├╝r? F├╝r ihre Suche nach dem Richtigen? Wie stellt sie sich das vor? Ich bin da, um sie zu versorgen, mich um sie zu k├╝mmern, sie aufzurichten, wenn sie mal wieder irgendein Herz gebrochen hat und den Typen dann doch nicht will? Bin ich nicht selber einer von diesen Typen? Von vorne bis hinten verarscht worden? Oder h├Ątte ich es nicht von Anfang an ahnen m├╝ssen? Eigentlich schon, ich kannte sie lange und gut genug. Warum hat sie mir das alles nicht direkt gesagt? Wir waren nun mal beste Freunde, ich habe mit einer Abfuhr gerechnet. Sie wu├čte es, weil ich es ihr sagte. Ich habe doch ein Recht darauf, so wichtige Sachen fr├╝h genug zu erfahren. Verdammt, ich habe mein Leben verplant. Ich habe Prinzipien gebrochen, die ich mein Leben lang hatte. Ich wollte sie heiraten. Ich habe sie ├╝ber alles andere gestellt, sie verg├Âttert. Ihr alles geglaubt. Ich habe Freunde vernachl├Ąssigt. Ich hatte Streit mit der Familie. Ich habe Leute immer verachtet, die so handelten wie ich. Aber ich hatte immer den Eindruck, da├č es bei mir anders war. Das war es nicht. Nie. Ich dachte immer, sie w├Ąre es wert, so zu handeln. Ich war davon fest ├╝berzeugt. Ich habe all ihre Aktionen verteidigt, ich war immer auf ihrer Seite. Es kam mir alles irgendwie schl├╝ssig vor, was sie tat. Ich meinte, sie zu verstehen. Ich dachte immer, ich w├Ąre anders als die Typen, die sie vor mir abgeschossen hatte. Jetzt wei├č ich es oder zumindest meine ich, es zu wissen. Ich bin wirklich anders. Mich hat sie nicht mal abgeschossen. Sie hat es nie als Beziehung betrachtet. Sie versteht nicht mal, da├č ich mir von der Hochzeit mehr versprochen habe als Freundschaft. Sie hat mich auch nicht behandelt, als w├Ąre da kein Deut mehr als Freundschaft. Mit einer guten Freundin rede ich nicht ├╝ber eine gemeinsame Zukunft, Hochzeit, gemeinsame Wohnung, Kinder. Ich verbringe nicht jedes Kr├╝melchen Zeit, das ich abzwacken kann, mit einer guten Freundin, lasse jederzeit alles f├╝r sie stehen und liegen, egal wann. Ich wohne nicht wochenlang bei einer guten Freundin, schlafe im gleichen Bett, verbringe Abende so wie wir manchmal. Ich k├╝sse eine gute Freundin nicht. Zumindest nicht so wie sie. Das dachte ich zumindest immer. Sie sieht es offenbar anders. Angeblich sah sie es auch immer so. Aber ich kann es einfach nicht glauben. Ich m├╝├čte stinksauer auf sie sein, jedweden Kontakt zu ihr abbrechen. Aber das kann ich nicht. Nicht mal das. Ich bin eher sauer auf mich als auf sie. Ich verstehe gar nichts mehr. Ich schaffe es tats├Ąchlich, das Ganze noch immer so zu verdrehen, da├č die Schuld auf mir liegt. Und ich habe noch eine Menge zu verdauen und frage mich, wie es jetzt weitergehen soll. Die Sache w├Ąre verdammt noch mal viel einfacher, wenn wir nicht fast nebenbei nach wie vor wirklich beste Freunde w├Ąren. Ich will zumindest diese Freundschaft erhalten, den Kontakt nicht abbrechen. Aber ich wei├č nicht, ob ich das schaffe. Vielleicht war die Zeit zu lang, in der ich mich so in ihr get├Ąuscht habe, in der sie mich von vorne bis hinten verarscht hat. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, da├č sie das wollte. Ich kann nicht dran glauben, da├č ich einfach nur ein weiteres ÔÇ×OpferÔÇť von ihr bin, da├č alles so geplant war. Es macht irgendwie den Eindruck, aber irgendwie ist es auch zu absurd. Ich bin gespannt, was die Zeit bringt. Ich wei├č nur eins:

Ich bin blind. Immer noch.

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Sansibar
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Blind

Guten Morgen Mr. Soap,
zun├Ąchst einmal: Willkommen auf der Lupe. Ich bin meistens ein h├ÂflicherMensch und begr├╝├če daher jeden Neuen.
DieserText von dir las sich f├╝r mich sehr fl├╝├čig( obwohl ich lieber k├╝rzere Texte bevorzuge) Doch es ist Mittwochmorgen, Feiertag und dann lese ich viele Beitr├Ąge der Lupis. Du kommst dir also richtig verarscht vor. Du hast keinen Durchblick bei den Frauen, nie wei├čt du w i r k l i c h was sie denken und f├╝hlen und ob das was sie sagen, sie auch meinen. M├Ąnner sind meist unkomplizierter! Aus diesem "Spiel" des nichtververstehen, besteht doch der ganze Reiz zwischen den Geschlechtern. Sie sind der ewige Anla├č zu Streit, Kriegen, Vers├Âhnungen, Verh├Âhnungen. Traurig nur, das derjenige der wirklich liebt sich "verarscht" f├╝hlt. In eine neue Beziehung geht er dann vielleicht nicht mehr mit so viel Ehrlichkeit und darum ist es wirklilch schade. Aber man reift auch, wird kl├╝ger und kann das ein Schaden sein.? Aus den Verletzungen kann gro├če Kreativit├Ąt entstehen( was viele K├╝nstler beweisen).
Meine G├╝te, ich komme mir vor wie ein "Lebensberater", na ja, schadet wohl auch dir nicht. Ich m├Âchte dir nur Mut machen, schreibe weiter.
Gru├č
Sansibar aus Sansibar

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Mr.Soap
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Re: Blind

>>zun├Ąchst einmal: Willkommen auf der Lupe. Ich bin meistens ein h├ÂflicherMensch und begr├╝├če daher jeden Neuen.

Vielen Dank. Vielleicht bin ich aber auch kein "neuer", sondern traue mich nur nicht, unter richtigem Namen zu ver├Âffentlichen... Mir kam es nur irgendwie vor wie ein Drehbuch f├╝r eine Soap-Opera, daher der komische Name, unter dem ich's ver├Âffentlicht habe.

>>DieserText von dir las sich f├╝r mich sehr fl├╝├čig( obwohl ich lieber k├╝rzere Texte bevorzuge)

Ich habe diesen Text eigentlich nicht geschrieben, um ihn irgendwann mal zu ver├Âffentlichen, sondern viel mehr, um meine Gedanken und Gef├╝hle, die ich damals hatte, zu ordnen. Auf die Idee, alles zu ver├Âffentlichen, brachte mich erst ein Freund, der es las. Ehrlich gesagt hatte ich mich damals einfach hingesetzt und den kompletten Text in weniger als 2 Stunden runtergetippt. Sch├Ân, da├č man wohl trotzdem noch einiges verstehen kann. *freu*

>>Doch es ist Mittwochmorgen, Feiertag und dann lese ich viele Beitr├Ąge der Lupis. Du kommst dir also richtig verarscht vor. Du hast keinen Durchblick bei den Frauen, nie wei├čt du w i r k l i c h was sie denken und f├╝hlen und ob das was sie sagen, sie auch meinen. M├Ąnner sind meist unkomplizierter!

Genau so kommt es mir vor, ja.

>>Aus diesem "Spiel" des nichtververstehen, besteht doch der ganze Reiz zwischen den Geschlechtern. Sie sind der ewige Anla├č zu Streit, Kriegen, Vers├Âhnungen, Verh├Âhnungen.

Klar. Das ist schon ein Reiz... das ist ├╝berhaupt keine Frage. Nur: Irgendwann ist auch das Ma├č voll. Da wird aus diesem Reiz halt Frust. Und genau so ging es mir da. Es sind vielleicht nicht mal nur die "gro├čen" Sachen, aber wenn immer mehr kleinere zusammenkommen, wird es auch ein gro├čer Haufen Mist, um es mal etwas platt auszudr├╝cken.

>>Traurig nur, das derjenige der wirklich liebt sich "verarscht" f├╝hlt. In eine neue Beziehung geht er dann vielleicht nicht mehr mit so viel Ehrlichkeit und darum ist es wirklilch schade. Aber man reift auch, wird kl├╝ger und kann das ein Schaden sein.?

So gesehen hast Du nat├╝rlich recht. Das kann kein Schaden sein. Nur: Wenn man nicht kl├╝ger wird und weiter klammert, entsteht schnell ein gro├čer Schaden. Da wei├č ich, wovon ich spreche. Der Text ist auch nicht gerade erst entstanden, sondern schon ein wenig ├Ąlter.

>>Aus den Verletzungen kann gro├če Kreativit├Ąt entstehen( was viele K├╝nstler beweisen).
Meine G├╝te, ich komme mir vor wie ein "Lebensberater", na ja, schadet wohl auch dir nicht. Ich m├Âchte dir nur Mut machen, schreibe weiter.

Danke auf jeden Fall.

Gru├č,
Mr.Soap

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Sansibar
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Blind

Dear Mr Soap,
bin ich heute besonders sensibel? Ich "h├Âre" ein Knurren.
Warum du nicht unter eigenem Namen schreibst ist mir letzlich egal. Ich verwende ja auch nicht meinen echten Namen.
Ich habe dir mit meiner Anwort etwas geschenkt - und zwar Aufmerksamkeit f├╝r deinen Text. Es scheint mir jedoch so zu sein, das es dich nicht interessiert. So jedenfalls kommt deine Anwort bei mir an.
ein heute bosnders aufmerksamer
Sansibar aus Sansibar

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Mr.Soap
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Re: Blind

Hallo,

>>bin ich heute besonders sensibel? Ich "h├Âre" ein Knurren.

wirklich? War aber absolut nicht so beabsichtigt. Ich habe mich wirklich dr├╝ber gefreut, da├č jemand diesen Text wirklich und komplett gelesen hat. Ich wollte garantiert nicht pampig wirken. Sorry, falls es so r├╝bergekommen ist.

>>Warum du nicht unter eigenem Namen schreibst ist mir letzlich egal. Ich verwende ja auch nicht meinen echten Namen.

Ok, da sind wir uns einig.

>>Ich habe dir mit meiner Anwort etwas geschenkt - und zwar Aufmerksamkeit f├╝r deinen Text. Es scheint mir jedoch so zu sein, das es dich nicht interessiert. So jedenfalls kommt deine Anwort bei mir an.

Tut mir wirklich leid. So war es keinesfalls gemeint. Vielleicht sollte ich mir demn├Ąchst f├╝r meine Antworten etwas mehr Zeit nehmen. Ich war heute morgen ziemlich in Eile... tut mir echt leid!

Gru├č,
Mr.Soap

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