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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Blind (neue Fassung)
Eingestellt am 28. 11. 2001 11:24


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Kyra
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Mar 2001

Werke: 64
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Blind
Ich schreibe dies ganz sicher nicht f√ľr die Nachwelt, was f√ľr ein dummes Wort, als w√ľrde sich die Welt um einen Tod scheren, dieses ‚Äěnach‚Äú sch√ľttelt sie ab, wie ein Hund einen Floh. Da ich keine Kinder habe, werden sich auch keine Nachkommen hierf√ľr interessieren. Wahrscheinlich mache ich diese Aufzeichnungen, weil es mich an manchen Tagen am√ľsiert, wie sich scheinbar Luft zu Worten und S√§tzen verdichtet. Obwohl, wenn ich es recht bedenke, nein, dies ist so nicht wahr, auch wenn ich es gerne so s√§he. Ich schreibe, damit zumindest etwas von mir sichtbar wird ‚Äď f√ľr mich sichtbar wird.
Die einzige meiner Ausscheidungen, deren Anblick mir Freude bereitet.
Lisa, meine Frau - meine Frau, die mich schon vor drei Jahren verlie√ü, w√ľrde sicher eine ihrer altj√ľngferlich-ranzigen Bemerkungen dazu √§u√üern, wie:
‚Ķdu bist blind f√ľr andere Menschen‚Ķ, wenn du statt zu urteilen nachdenken w√ľrdest‚Ķ, du bist ein Ignorant der nur nach N√ľtzlichkeiten Ausschau h√§lt‚Ķ. So ungef√§hr w√ľrde ihre Beurteilung aussehen, m√∂glicherweise nicht ganz falsch, aber weit entfernt von richtig.
Ja, Lisa. Als ich ihr das erste Mal begegnete, h√∂rte ich jemanden ihren Namen sagen, Lisa‚Ķ, ich hatte mich bereits in sie verliebt, bevor ich mich umdrehte und ihr Madonnengesicht sah - eine Madonna, die mit Sommersprossen √ľbers√§ht war, umkr√§nzt von einem rotlockigst√∂rrischen Haarschopf. Sie wirkte sanft aber leidenschaftlich auf mich. Ich umwarb Lisa, sie fand Gefallen an mir und wir heirateten nach kurzer Zeit. Ihre Sanftmut war leider hilfsbed√ľrftigeren Gesch√∂pfen vorbehalten, als ich es damals war. Ihre Leidenschaft haben wir in langen Analysen bei Kerzenlicht und Wein zu Grabe getragen.
Als sie mich verlie√ü, fragte ich sie, was ihr bei unserer ersten Begegnung am besten an mir gefallen habe. Ihre Entgegnung trifft mich heute mit einem scharfen Schmerz, den ich damals nat√ľrlich nicht versp√ľrte. Sie sagte, mir sind als erstes deine H√§nde aufgefallen, sie sahen klug aus. Ja, ihr fielen zuerst meine H√§nde auf ‚Äď und mir scheint, die vermisse ich heute auch am meisten von meinem K√∂rper.
Vielleicht sollte ich hier einf√ľgen, dass ich Neurologe bin. Meine finanziellen Verh√§ltnisse gestatten es mir aber, mein Leben frei zu gestalten - ich dachte immer dies sei ein gl√ľcklicher Umstand.
Heute bin ich mir dar√ľber nicht mehr so sicher. Nichts zwingt mich, das Haus zu verlassen, meine abgetragene Kleidung passt zum verwilderten Garten. Auch mein Denken scheint die Schienen seiner wissenschaftlichen Schulung verlassen zu haben, wirr kommt es mir bisweilen vor, die Gedankenstrudel eines ungebildeten Wilden.
Manchmal f√ľhle ich mich einsam, aber kein anderer Mensch k√∂nnte diese Sehnsucht stillen und die Leere meines Spiegels f√ľllen.

Es begann, wie so viele einschneidende Dinge im Leben, ganz harmlos und beil√§ufig. Als ich zum ersten Mal bemerkte, dass ich meine Fingerkuppen nicht mehr sehen konnte, hielt ich es f√ľr eine wetterbedingte Sehst√∂rung. Damals glaubte ich, meine Trauer √ľber Lisas Auszug gerade √ľberwunden zu haben. Ich f√ľhlte mich sogar wieder stark genug, anderen Frauen hinterher zu sehen. Noch war ich nicht soweit, sie zu begehren, aber ich stand kurz davor. Als einige Tage sp√§ter meine Finger begannen immer durchscheinender zu werden, fing ich an, in meinen alten Lehrb√ľchern zu st√∂bern. F√ľr mich als Neurologen gab es unz√§hlige Diagnosem√∂glichkeiten, das Gehirn ist nicht nur zu kaum erkl√§rbaren Gedankenleistungen in der Lage, auch die Ausf√§lle k√∂nnen einzigartig und bizarr sein.
So bl√§tterte ich mit meinen Geisterfingern durch die Seiten, ich konnte die Stichworte durch meinen abw√§rts wandernden Zeigefinger lesen. Da nur noch meine Handr√ľcken sichtbar waren, mit kaum wahrnehmbaren Fingerans√§tzen, fiel es mir schwer mich, auf die Texte zu konzentrieren. Wie plump sahen sie doch aus, keine Menschenh√§nde, eher eine Art Pfote, deren Geschick beim Bl√§ttern nicht zu erkl√§ren war. Amputierte hatten Phantomschmerzen, aber mein K√∂rper schien v√∂llig gleichg√ľltig auf diesen Verlust zu reagieren. Mein Interesses an meiner √§u√üeren Erscheinung hatte in den letzten beiden Jahren sehr nachgelassen, so bemerkte ich erst Tage sp√§ter, bei einem zuf√§lligen Blick in den Badezimmerspiegel, wie erschreckend diese fingerlose Person aussah, deren Mittelhand ebenfalls langsam vom Nichts zersetzt wurde. Die Lepra der Unsichtbarkeit fra√ü mich langsam auf.
Jeden Mittwoch kam die Zugehfrau, eine junge stille Person, die in den f√ľnf Stunden ihrer Anwesenheit versuchte, den Belag der Einsamkeit vom Boden aufzunehmen und ihren s√§uerlichen Geruch mit energischem Salmiakgeist zu √ľbert√∂nen.
Mehrere Wochen hielt ich mich bei ihrem Eintreffen versteckt, rief ihr √ľber die Treppe zu, mir sei nicht wohl, dann zog ich mich in mein Schlafzimmer zur√ľck, bis ich an der zaudernden Endg√ľltigkeit des Zuklappens der Haust√ľr merkte, dass ich wieder alleine war. Ich kannte sie, hatte es fr√ľher oft beobachtet, wie sie, bevor sich das Haus verlie√ü, einen Augenblick z√∂gerte, auf etwas zu lauschen sie, bevor sie die T√ľr mit einem befriedigten Knall schloss. Was hatte ich zu bef√ľrchten? Mir war nichts anzusehen, dies war alleine in mir entstanden, dessen war ich sicher. Trotzdem hatte ich immer wieder die unangenehme Vorstellung, ich w√ľrde wirklich unsichtbar. L√§cherlich f√ľr einen Arzt, aber ich tr√§umte davon, wachte des Nachts weinend auf, wie ein verlorenes Kind auf dem Rummelplatz. Mir war v√∂llig klar, sollte ein anderer Mensch diese Ver√§nderungen an mir sehen k√∂nnen, w√ľrde mein Geist sich sofort in die Sicherheit des Wahnsinns zur√ľckziehen.
Aber einmal kam die Putzfrau meiner Flucht zuvor. Ich hatte an diesem Tage zu lange geschlafen, als ich gerade mein Fr√ľhst√ľck hastig hinunterschlang, stand sie pl√∂tzlich in der K√ľche. Die Kaffeetasse am Mund, starrte ich sie best√ľrzt an. Sie erwiderte meinen Blick etwas verwundert, dann gr√ľ√üte sie mich, l√§chelte mich nachsichtig an und begab sich an ihre Arbeit. Da zu diesem Zeitpunkt meine H√§nde ganz verschwunden waren, nur noch St√ľmpfe lugten aus den √Ąrmeln meines Morgenmantels, h√§tte ihr dies aufgefallen sein m√ľssen, vor allem da ich eine Tasse in der Hand hielt. Am liebsten w√§re ich so schnell wie m√∂glich wieder in meinem Zimmer verschwunden, nur um Gewissheit zu haben, zwang ich mich zu bleiben. Mit √§ngstlicher H√∂flichkeit bat ich sie, mir ein Glas Wasser zu geben. Dies tat sie ohne zu z√∂gern und reichte es an die Stelle, wo sie offenbar meine ausgestreckte Hand sehen konnte. Ehrfurchtsvoll hielt ich das Gef√§√ü, sah durch meine Hand, durch die Glaswand, jenseits des Wassers die verzerrte Gestalt meiner Bedienerin und das Fenster mit dem grauen Himmel in ihrem R√ľcken.
Sie drehte sich um, ich bedankte mich und stellte das Glas achtlos auf den Tisch.
Kurze Zeit zog ich es in Erw√§gung, mit den wenigen Freunden, die ich hatte, dar√ľber zu sprechen, aber ich wollte die verwunderten Blicke nicht sehen, die besorgten Nachfragen nicht h√∂ren, so behielt ich es f√ľr mich, beobachtete weiter mein allm√§hliches Schwinden, die schmerzlose Aufl√∂sung meiner Person. Da auch schon vorher meine Kontakte zur Welt au√üerhalb meines Hauses sp√§rlich waren, fiel mein weiterer R√ľckzug niemandem auf. Ich begann wieder, meine Eink√§ufe zu machen, erleichtert nicht mehr von Pizza und chinesischen Gerichten leben zu m√ľssen, die ein Bote vor die T√ľr abstellte, wo ich zuvor das Geld deponiert hatte. Wenn ich einen Bekannten auf der Stra√üe traf, sagte mancher, ich h√§tte mich irgendwie ver√§ndert, nichts bestimmtes, die Frisur, oder der Gesichtsausdruck.
Anfangs fiel mir das sichere Zugreifen schwer und ich stolperte bisweilen, wenn ich barfuss ging. Der Aufl√∂sungsprozess dauerte Wochen, manchmal waren die Beine st√§rker betroffen, an anderen Tagen verschwanden Teile meines Kopfes, erst die Haare, dann wurde mein Kinn immer k√ľrzer, was mir ein debiles Aussehen gab. Ich muss gestehen, obwohl ich mich inzwischen daran gew√∂hnt zu haben glaubte, wurde mir sehr √ľbel, als mein linkes Auge, samt dahinter liegendem Kopf, eines Morgens verschwunden war. √úbrig war ein Loch, gef√ľllt mit reinem Nichts, es schien mir durchscheinender zu sein als Luft, von einer Reinheit, die sich jeglichem Besitz entzog. Ich beschloss mir eine Glatze zu rasieren. Auf meine Haare war ich immer sehr stolz gewesen, dunkel, dicht mit leichten Wellen und grauen Schl√§fen - m√§nnlich. Jetzt, wo sie nicht mehr sehen konnte, missg√∂nnte ich auf kindische Weise anderen ihren Anblick.
Nach fast drei Monaten war die Schwindsucht abgeschlossen, ich konnte nichts mehr von mir sehen. Am l√§ngsten hatten sich Z√§hne und der Darm gehalten, merkw√ľrdig, aber in dieser Situation erfreute ich mich auch deren Anblick.
Solange ich angezogen bin, fehlen mir nur die Hände, mein Gesicht gaukle ich mir durch eine breitrahmige Brille vor. Das einzige was mir von meiner sichtbaren Existenz blieb, ist mein Schatten.
Oh, wie habe ich n√§chtelang gegr√ľbelt, was wohl die Ursache sein k√∂nne‚Ķ.
Obwohl ich nicht viel von Psychologie halte, habe ich mich auch dieser M√∂glichkeit gestellt, die Diagnose w√§re hier Hysterie gewesen. Da ich aber bisher noch nie in meinem Leben eine Veranlagung dazu festgestellt habe, konnte ich dies fast mit Sicherheit ausschlie√üen. Nicht einmal Lisa hatte mir jemals so etwas vorgeworfen. Ich begann immer h√§ufiger an sie zu denken, nicht an ihre Z√§rtlichkeit oder Liebe, sondern daran, wie laut ihre Schritte durch das Haus klangen, wie sie die Tischdecke mit den Kr√ľmeln vom Fr√ľhst√ľck am Fenster aussch√ľttelte, f√ľr die V√∂gel. Solche Dinge gingen mir durch den Kopf, ihre immer leicht angeschwollenen Fu√ükn√∂chel, die Borstigkeit ihres Haares und ihre ewige Kr√§nklichkeit. Ich vermisste sie wieder, fast so, wie vor drei Jahren. Noch nie war mir ein Mensch so nah gekommen, unbehaglich dicht und unausweichlich lebte sie neben mir. Ich habe sie trotzdem geliebt.
Mein Leben ging fast genauso weiter, wie bisher, ich las, schlief viel und unternahm bisweilen Spaziergänge im nahe gelegenen Park.
Sicherlich h√§tte ich zu einem Kollegen gehen k√∂nnen, aber ich glaubte genug zu wissen, was sollte er mir neues erz√§hlen? Er w√ľrde mich immer wieder zu sich bestellen, verschiedene Tests machen, um dann alles schlie√ülich in einer Fachzeitschrift zu ver√∂ffentlichen. Manchmal √ľbernehmen andere Gehirnteile die Aufgaben einer ausgefallenen Region, aber das w√ľrde mir nur die Zeit zeigen.
Ich verlegte mich eine Zeit lang auf √úbungen, versuchte nackt neben meinem Schatten stehend, meinen K√∂rper wieder zu erfinden. Versuchte, die Augen an das zu erinnern, was sie so viele Jahre ohne besondere Beachtung wahrgenommen hatten. Ich schloss die Augen, um sie dann pl√∂tzlich zu √∂ffnen, als k√∂nnte ich meinen Leib f√ľr einen Augenblick vor seinem Verschwinden √ľberraschen.
Inzwischen ist √ľber ein Jahr vergangen, die Frage nach dem Grund schwimmt wie ein Fettauge auf meiner Gedankensuppe, immer vorhanden aber nicht mehr beherrschend.
Es gab da was, vor fast zwei Jahren‚Ķ, es kommt mir immer wieder in den Sinn, dennoch will es mir als Ausl√∂ser nicht m√∂glich erscheinen. Ich vermute, es ist nur die Blindheit, die Blindheit eines anderen Menschen, die mich zu diesem Erlebnis zur√ľckzieht.
Es war eine kleine Romanze, nichts besonderes, au√üer der Erblindung des M√§dchens. Ich hatte sie schon lange beobachtet, sie wohnt hier in der Stra√üe, so traf ich sie bisweilen beim Einkaufen und an der Bushaltestelle. Sie trug keine dunkle Brille, ihre Augen sahen v√∂llig gesund aus, aber ihre Bewegungen verrieten sie. Wohl aus Eitelkeit verzichtete sie auf einen Blindenstock, aber ich hatte sie schnell durchschaut, die Drehung des Kopfes bei einem unerwarteten Ger√§usch, wie ein scheues Tier. Sie war nicht h√ľbsch, eigentlich sogar eher h√§sslich. Was mich anzog war ihre Behinderung ‚Äď nein ich bin nicht pervers, keiner von denen, die auf Amputierte oder missgebildete Frauen stehen. Dies war etwas anderes. Ich wollte f√ľhlen, wie eine Frau mich ber√ľhrt, mich liebkost und begehrt, die mich nicht sehen kann. Es war nicht allzu schwer, sie zu erobern, eigentlich h√§tte ich von einer blinden Frau mehr Misstrauen erwartet. Als ich sie ansprach, sah sie l√§chelnd zu mir auf, bem√ľhte sich in meine Augen zu blicken.
Die kurze Zeit unserer Beziehung habe ich sehr genossen, tats√§chlich erf√ľhlte sie meinen K√∂rper so zart, so intensiv, wie ich es noch nie erlebt hatte. Nachdem wir uns geliebt hatten, wusste ich nichts mit ihr zu Sprechen. Eigentlich habe ich es auch nie versucht, f√ľhlte ich doch die √úberlegenheit, die fast jeder Mensch einem Behinderten gegen√ľber heimlich empfindet. Ich dachte, sie sei dumm, zutraulich und arglos. Ich schmunzelte, als sie mir sagte, wie sch√∂n sie mich f√§nde, wie genau sie mein Gesicht kenne ‚Äď unter tausenden w√ľrde sie es sofort erkennen, mit den weichen Kuppen ihrer Finger. Mir sagte damals ihr plumper Leib weniger zu, auch st√∂rte es mich nach kurzer Zeit, von ihr nicht gesehen zu werden, ihr in die toten Augen zu blicken. So beendete ich diese Liebelei nach wenigen Wochen. Hella, so hie√ü sie, hatte sich leider etwas zu sehr hereingesteigert, wie ein geblendeter Vogel wollte sie sich nicht von mir befreien. Ich war gezwungen, deutlicher zu werden, als es meine Art ist. Nach einem Streit sagte ich in einem Anfall von Wut einen Satz, der mir heute oft in den Sinn kommt. Ich wollte diesen engen Umarmungen, dieser klebrigen Anh√§nglichkeit entfliehen. Ich schrie sie an,
‚Äěsieh doch in den Spiegel, dann wei√üt du warum‚Ķ‚Äú
In diesem Moment hatte ich ihre Blindheit vergessen, wollte sie nur loswerden ‚Äď und das ist mir auch gelungen. Hella sah mich an, ich wei√ü, sie war blind, aber ich hatte tats√§chlich das Gef√ľhl, sie w√ľrde mich ansehen, dann meinte sie, dies w√ľrde mir noch einmal sehr leid tun. Dann ging sie. Es klang nicht drohend oder wirklich b√∂se, eher wie eine Feststellung. Ich sehe sie noch manchmal auf der Strasse, gehe ihr aber aus dem Weg. W√§re mein eigenes Verschwinden nicht gewesen, ich h√§tte nicht mehr daran gedacht. Heute beneide ich sie um die Klugheit ihrer H√§nde, w√ľrde so gerne von ihr lernen. Sie ist der einzige Mensch der mich so erleben k√∂nnte, wie ich mich selber empfinde. Ihr w√ľrde es reichen, sie k√∂nnte mich lehren mich f√ľhlen zu k√∂nnen, ohne meinen Anblick zu vermissen.
Aber diese T√ľr habe ich mir damals endg√ľltig verschlossen.
Nach meiner Aufl√∂sung hatte ich nur einmal ein Erlebnis mit einer Frau. Ich war verunsichert und bedr√ľckt, um mir selber Mut zu machen habe ich den einfachsten Weg f√ľr einen Mann gew√§hlt, ich bin in ein Puff gegangen.
Dort habe ich mir ein wirklich h√ľbsches junges M√§dchen ausgesucht. Ich war auch wirklich geil, als ich ihr auf das kleine Zimmer folgte, das wenig mehr als ein Waschbecken und ein Bett mit einem gro√üen Spiegel dar√ľber enthielt. Ein alter Teddyb√§r sa√ü auf einem der Kopfkissen. Liebevoll setzte sie ihn neben das Bett, bevor sie sich auszog. Ich versuchte, mich nicht an dem leisen Schmatzen zu st√∂ren, mit dem sie ihr Kaugummi im Mund herumrollte. Aber als ich auf ihr lag und ihre Br√ľste ber√ľhrte, sah ich nur die h√§sslichen Deformationen, die meine gierigen H√§nde auf ihrem K√∂rper verursachten. Da ich mich nicht sehen konnte, war mein Blick frei auf eine Frau, die sich wie, in einer billigen Pornoshow mit schlecht gespielter Lust, vor dem m√§nnlichen Publikum w√§lzt. Nur einmal wagte ich den Blick in den Deckenspiegel, der Anblick war l√§cherlich, sie tat mir Leid. Sicher war sie es gewohnt sich nackt zu zeigen, aber sonst wurde sie zumindest noch von einem M√§nnerk√∂rper bedeckt oder umfangen. So war sie auf eine h√§ssliche und dem√ľtigende Weise entbl√∂√üt. Fast, als w√ľrde sie vergewaltigt. Fr√ľher hatte ich mich an dem Anblick von zwei Leibern erregen k√∂nnen, die sich umeinander winden, sich umschlingen und einsaugen ‚Äď damit war es nun vorbei.
Es hat wenig Sinn weinerlich zu werden, vielleicht tauche ich ja pl√∂tzlich wieder auf, entstehe neu, werde wieder sichtbar. Derweil behelfe ich mich an manchen Tagen mit einem gro√üen Topf Wandfarbe, die sch√ľtte ich in die Wanne, verd√ľnne sie etwas mit Wasser und lasse mich als wei√ües Gespenst wieder Auferstehen. So laufe ich dann nackt durch das Haus und genie√üe den Blick auf meinen K√∂rper.
Wenn mich ab und an die gro√üe Trauer √ľberkommt, schalte ich eine starke Lampe an und liebkose meinen Schatten. Wie sehr sehne ich mich nach mir.

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