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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Blumenkauf
Eingestellt am 19. 05. 2002 19:30


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Chris
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

Werke: 11
Kommentare: 1
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Warum ist es fĂŒr uns MĂ€nner eigentlich so kompliziert, seiner Frau zum Hochzeitstag Blumen zu schenken?
Rasierwasser oder Rasierklingen kauft man ja auch je nach Bedarf, man weiß genau, in welchem GeschĂ€ft wo welcher Artikel zu finden ist, man greift nach dem benötigten Artikel, bezahlt ihn an der Kasse und geht mit der tiefen Überzeugung, sein Geld genau fĂŒr das Richtige ausgegeben zu haben wieder heim.
Aber da gibt es noch ein bis zwei wichtige Termine im Zusammenleben mit einer Frau, Termine, die einen Mann ganz schön ins Schwitzen bringen und eine gewisse Unruhe in den sonst so organisierten Tagesablauf bringen können.
Die Rede ist vom Kauf eines Blumenstraußes zum Hochzeitstag.
ZunÀchst stellt sich einmal die Frage, in welches BlumengeschÀft man gehen soll.
Es gibt sehr viele solcher GeschĂ€fte aber ich vermisse einen Hinweis im Werbefernsehen, welches jetzt das beste und das mit der grĂ¶ĂŸten Auswahl ist, dass vor allem fĂŒr Gelegenheits-BlumenkĂ€ufer, wie ich einer bin, den maximalen Erfolg verspricht.
So mache ich mich auf in das nÀchstbeste BlumengeschÀft.
Ich hatte mir den Einkauf eigentlich so vorgestellt, dass eine Reihe von BlumenstrĂ€ußen bereits fertig daliegen und ich mir den aussuche, der mir am besten GefĂ€llt.
Das einzig Aufwendige wÀre dann die Preisverhandlung gewesen.
Aber dem war nicht so.
Nachdem ich mich durch ein Meer von mannshohen Farnen und bizarren Orchideen durchgekĂ€mpft habe, stehe ich einer jungen, freundlichen VerkĂ€uferin gegenĂŒber.
„Was kann ich fĂŒr Sie tun?“ fragt sie mit einem charmanten LĂ€cheln.
„Ich Ă€h..“ beginne ich stockend, „...eigentlich hĂ€tte ich gerne...“ und suche im Dschungel um mich herum nach einer mir namentlich bekannten Pflanze,“... also wissen Sie,...hĂ€tten sie nicht etwas Frisches?“.
„Ja, ich verstehe. Da haben wir selbstverstĂ€ndlich etwas da, ich könnte Ihnen beispielsweise einen Strauss binden aus diesen...“.
An mein Ohr dringt ein absolut unverstÀndlicher Klang, bei dem es sich auch um einen Auszug aus den nepalesischen gelben Seiten handeln könnte.
Ich stimme enthusiastisch zu.
Jetzt nur keine SchwÀche zeigen.
„Und was darf es kosten?“
„So an die fĂŒnfundzwanzig Mark“, entgegne ich nach kurzem Überlegen und mein GegenĂŒber verschwindet mit einigen BlĂŒhenden und nichtblĂŒhender Pflanzen in einem kleinen weißgekachelten Nebenraum.
FĂŒr die nĂ€chsten Minuten ist aus diesem Raum nur Knacken und Knistern zu hören.
Ich dagegen sehe mich im GeschÀft um und warte gespannt.
Ein sanftes „Ist das recht so?“ ruft mich an den Tresen zurĂŒck.
Kundige FloristinnenhĂ€nde haben aus zwei oder drei schwindsĂŒchtigen Blumen, trockenen Zweigen und etwas GrĂŒnzeug etwas geschaffen, bei dem es sich nur um ein Kunstwerk handeln kann.
Eindrucksvoll.
Ich muss schlucken und kann meine GesichtszĂŒge nur mit einiger MĂŒhe unter Kontrolle halten: Manchmal liegt Freundlichkeit hart an der Grenze zur Heuchelei.
„Wunderbar!“ ist alles, was ich herausbekomme.
Nach dem Bezahlen nehme ich den Strauss an mich und trete mit dem festen Vorsatz den Heimweg an: NĂ€chstes Jahr werde ich meiner Frau 50 Mark geben, damit sie sich selbst einen Blumenstrauß zusammenstellen kann. Ich tue mir das nicht mehr an.
*** ***

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Deminien
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2001

Werke: 5
Kommentare: 51
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Hallo Chris,


die Zeiten der DM sind eigentlich vorbei...

Mit gefÀllt die Pointe. Interessanter wÀre vielleicht noch die Reaktion der beschenkten gewesen...


Gruß
Deminien

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