Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
230 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Blutroter Store
Eingestellt am 27. 04. 2001 15:57


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Karl Reichert
BlĂŒmchendichter
Registriert: Dec 2000

Werke: 37
Kommentare: 8
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Blutroter Store*
*Store: Die FensterflÀche in ganzer Breite bedeckender, durchscheinender Vorhang.


„Mama, Mama – blasen!“ Die Mutter legte die Gabeln auf die SpĂŒle, schwang das Trockentuch lĂ€ssig ĂŒber die Schulter, ging in die Knie und fĂŒhrte die, auf sie zeigende, Fingerspitze, ihrer kleinen Tochter, in Richtung Mund, spitzte die Lippen, blies kurz und sang mit warmer, melodischer Stimme: „Heile, heile, GĂ€nschen, s’ wird schon wieder gut, s‘ KĂ€tzchen hat ein SchwĂ€nzchen, s’ ist schon wieder gut, heile, heile Mausespeck, in hundert Jahr is‘ alles weg.“ Felicitas blickte dankbar zu ihrer Mutter auf, und, die noch feuchten Augen, drĂŒckten schon wieder diese unschuldige Freude aus, in das auch Erich, ihr Mann, so vernarrt war. Schon wollte die Mutter sich zur SpĂŒle drehen und ihre Arbeit fortsetzen, als ihr einfiel, dass sie heute Morgen ja den neuen Store abholen musste und drehte den Kopf in Richtung Uhr. – Mist, ist ja gleich 10 Uhr, wendete den Kopf abermals und rief, so laut sie konnte: „Feli, hörst Du, fertig machen, wir gehen gleich!“ Das restliche Geschirr vom FrĂŒhstĂŒck war schnell abgetrocknet und in die HĂ€ngeschrĂ€nke verstaut, dann nahm sie das Geschirrtuch und fuhr noch mal ĂŒber die SpĂŒle, da es schon Flecken aufwies und sowieso in die WĂ€sche musste. Die SchĂŒrze hĂ€ngte sie im seitlichen WandschrĂ€nkchen auf, ging anschließend zum Fenster rĂŒber, kippte das Fenster und verließ die KĂŒche.
Felicitas saß tatsĂ€chlich im Flur und versuchte sich an einer komplizierten Schlaufe fĂŒr ihre Schuhe. Nicht ganz einfach, fĂŒr ihre 6 Jahre, aber sie schaffte es. „Hey, von wem hast den das gelernt, von Papa etwa?“ lobte sie anerkennend, griff zum SchlĂŒsselbrett und eilte zur WohnungstĂŒr, musste Felicitas aber noch Mal ermuntern, sich zu beeilen. Widerstandslos klapperte Felicitas hinter ihrer Mutter die Treppe hinunter, und kaum hatte diese die HaustĂŒr geöffnet, fing ihre Tochter an zu rennen, links durch den Torbogen, an den seitlich angelegten Blumenrabatten des Fußweges entlang, dem Gartentor entgegen. Doch vor dem Gartentor schlug Felicitas einen Hasenhaken nach links, durch die ObstbĂ€ume, rĂŒber in Nachbars Garten. Zur gleichen Zeit hob die Mutter den Kopf und sah, das die Nachbarin schon in den Beeten war und nicht weit davon, Phillip, einer ihrer Söhne, friedlich unter einem Baum spielte.
„Morgen Gundel, so frĂŒh schon draußen?“ rief sie rĂŒber. Gundel reagierte zuerst gar nicht, doch dann hob sie den Kopf, nickte und antwortete: „Warum nicht, muss ja heute nicht einkaufen und kochen, Friedrich ist auf Montage, da hab ich Zeit fĂŒrs Unkraut“ und nach kurzer Unterbrechung: „Und Du?“ „Ich hol meinen Store ab.“ Zeigte aufs Handgelenk. Mit flinken Schritten lief sie durch die GartentĂŒr zur Straße vor und war schon auf dem Weg, da kam von hinten Felicitas angerannt und stammelte ganz aufgeregt: „Mama, ich mag nicht einkaufen, lieber mit Philipp spielen“ sie hatte ihren Unschuldsblick drauf, dem man nichts abschlagen konnte. Die Mutter lachte: „Du bist mir Eine“ und weiter zu Gundel gewendet, rief sie: Die Feli will mit Phillip spielen?“ Die Nachbarin nickte abermals, Feli machte auf dem Absatz kehrt und lief hopsend zurĂŒck und die Mutter ging endgĂŒltig los.

Nach einer guten halben Stunde war die Mutter wieder am Gartentor, doch die Drei waren nicht mehr da. Sie schloss das Tor und ging ĂŒber die quadratischen Steinplatten an der Hecke lang, hĂŒpfte ĂŒber das schmale Rosenbeet und ging zur HaustĂŒr der Nachbarin und klingelte. Die TĂŒr öffnete sich, und sie sah, das Gundel schon wieder im zurĂŒcklaufen, den Kopf drehte und sagte: „Komm rein, Edith, die Kinder hatten Hunger!“ Als sie dann in die KĂŒche kam, saßen die beiden HĂŒbschen auf dem Boden und tranken Limo. „Jetzt aber!“ Edith klatsche in die HĂ€nde. „Auf geht’s, Feli, ich will die Dinger heute noch aufhĂ€ngen! Und Felicitas hatte nichts dagegen, im Gegenteil, sie wollte ungedingt helfen. Stellte das Glas ab, sprang auf und rauschte an der Mutter und Gundel vorbei nach draußen. Edith griff Gundel an den Arm, zwinkerte Phillip zu und sagte: „Danke“, und rauschte los, schaute, dass sie hinter ihrem Wirbelwind hinterher kam.
Als Edith um die Hausecke bog, stieß sie fast mit Felicitas zusammen, die, nahe der Dachrinne, mit dem Kopf nach unten, gerade ihren Fuß gegen die Hausmauer schlug. Als sie die Mutter bemerkte, rief sie:“ Aufs, Klo!“ Und presst die Beine zusammen. Mit wenigen Schritten erreichte die Mutter die fĂŒnfstufige Treppe, holte den SchlĂŒssel aus der Hosentasche, lies die TĂŒr offen stehen und flitzte nach oben, hĂ€ngte den HausschlĂŒssel zurĂŒck ans Brett, schob die WohnzimmertĂŒr beiseite und legte den Store ĂŒber den Tisch.
Jetzt brauchte auch sie was zu trinken, also, ab in die KĂŒche. Edith stand gerade am Fenster, blickte auf die Straße hinunter und trank dabei in kurzen Schlucken ein Glas Fachinger, als sie ĂŒber das offene Badfenster wirres GetrĂ€ller hörte. Feli war also auch schon da. Sie stellte das Glas achtlos auf den Fenstersims und schnappte sich einen KĂŒchenstuhl und ging ins Wohnzimmer bis zum Fenster vor, stellte den Stuhl ab, bĂŒckte sich nach vorn, packte den Beistellwagen und schob in neben der Fernseher. Jetzt war Platz genug, um hantieren zu können. Im Vorbeigehen griff sie sich wieder den Stuhl und stellte ihn unter die freie Ecke, um die Sicherungsschraube der Schiene zu lösen, damit sie den alten, ausgeblichenen Store gegen den neuen austauschen konnte. Jetzt schob sie den Stuhl genau darunter, stieg drauf und fĂ€delte den alten Store mit flinken Bewegungen von der Gardinenschiene herunter, warf das alte Teil in eine Ecke und stieg wieder vom Stuhl herunter.
Gerade als sie wieder auf dem Stuhl stehend, den Store in den HĂ€nden hatte, um neu aufzufĂ€deln, sah sie zur TĂŒr und sah dort, wie Felicitas mit heruntergelassenen Hosen dastand und auf ihre bunte Unterhose zeigte und sagte: „Ist nass geworden.“ „Ach, ne - da musst Du eben warten, bis ich fertig bin!“ Entfuhr es Edith, ungewollt. Drehte sich aber sofort wieder um und machte weiter. Hinter ihrem RĂŒcken trippelte Felicitas leise nach vorne, ohne das es ihre Mutter merkte und stand, als sie gerade wieder vom Stuhl runter wollte direkt davor. Die Mutter verlor das Gewicht, weil sie nicht ausweichen konnte, streifte Felicitas so unglĂŒcklich dabei, das sie auch ins Schwanken geriet und Felicitas knallte mit dem Kopf gegen das Fensterbrett. Sofort war Edith bei ihr, doch Felicitas schlug wild um sich und flĂŒchtete unter den Wohnzimmertisch und schrie immer wieder: „Du Blöde, Blöde...!“ Edith lies sie in Ruhe, weil sie die Spielchen kannte, öffnete nur noch beide FlĂŒgelfenster und lies beim hinausgehen die WohnzimmertĂŒr offen, um ein wenig zu lĂŒften. DarĂŒber hinaus musste sie ja fĂŒr Erich noch was zu Essen machen, der kam immer pĂŒnktlich. Und schon war sie wieder in der KĂŒche verschwunden Felicitas nörgelte solange, bis es ihr langweilig war. Sie lugte unter dem Tisch hervor und sah, dass das Fenster offen stand. Als sie den Stuhl bemerkte, der direkt vor dem Fenster stand, schlich sie sich, wie eine Katze, auf dem flauschigen Teppich an, kletterte auf den Stuhl, stellte sich vors offene Fenster und genoss, mit sichtlicher Wohltat den samtigen Wind, der sich durch ihre Haare bewegte. Felicitas hatte einen wunderbaren Panoramablick ĂŒber den Garten, den sie so gut kannte. Dann hob sie den Kopf und blickte direkt in die Sonne, die um die Mittagszeit, gnadenlos brannte. Der Schweiß schoss ihr auf die Stirn, doch das störte sie ĂŒberhaupt nicht, im Gegenteil, sie genoss es in vollen ZĂŒgen und schloss dabei die Augen. Sofort sprangen lustige Farbkleckse durch die Gegend. Felicitas musste lachen und viel fast vom Stuhl, fing sich aber wieder und die Farben trieben ihr heiteres Spiel mit ihr. Sie steigert sich hinein, und fing an zu phantasieren: Sie sah, wie die Biene Maja angeflogen kam und sich auf das Ă€ußere Fensterbrett setzte und mit den bunten FĂŒhlern lustige SpĂ€ĂŸe trieb. Felicitas rief Maja zu, dass sie reinkommen solle, damit sie mit ihr spielen könne. Maja flog noch ein paar Loopings und raste mit Karacho auf Felicitas zu, blieb aber mit ihrem Kopf in den feinen Maschen des Stores hĂ€ngen und kam nicht mehr vor und zurĂŒck. Felicitas wollte Maja helfen, konnte sie aber nicht erreichen, so sehr sie sich auch anstrengte. Wieder schlugen die FlĂŒgel von Maja und dann... schoss plötzlich ein Blutstrahl aus Majas Hals und fĂ€rbte den ganzen Store rot. Felicitas riss ihren Mund auf, fiel nach hinten und schrie: „Maaaamma, Bluuuut!“
































Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

Werke: 64
Kommentare: 1400
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralph Ronneberger eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Karl,

mit dem Titel hast Du mich ja ganz schön reingelegt. Zwischen ihm und dem Ende legte sich somit ein imaginĂ€rer Spannungsbogen, der mich bis zum Schluß durchhalten lies. Leider.
GefĂ€llig geschrieben, gut erzĂ€hlt - aber der Inhalt? Bedarf es wirklich so vieler Belanglosigkeiten (kein Handgriff wird vergessen, das Geschirrtuch hat Flecken, der Mann von der Nachbarin ist auf Montage usw.), um zu d i e s e m Schluß zu kommen?

Gruß Ralph
__________________
Schreib ĂŒber das, was du kennst!

Bearbeiten/Löschen    


Karl Reichert
BlĂŒmchendichter
Registriert: Dec 2000

Werke: 37
Kommentare: 8
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Blutrote Store

Lieber Ralf!

Vielen Dank fĂŒr Deine Antwort, auch oder gerade weil es es eine kritische ist.

Wenn Du bis zuletzt gelesen hast, hat die Kurzgeschichte doch ihr Minimalziel erreicht - Aufmerksamkeit zu wecken!

Ich wollte eine Geschichte schreiben, die von den kleinen Dingen, die oft nicht gesehen werden, erzĂ€hlt. Deshalb habe ich, ĂŒbrigens ganz bewußt, eine ganz alltĂ€glich Situation beschrieben - da braucht man nichts von zu verstehen, das weiss jeder - um ein kleines Erlebnis (Metaerlebnis), die Phantasie des MĂ€dchens, mit einem alltĂ€glichen Erlebnis zu verbinden. Mir kam es, wenn Du so willst, auf die unterschiedlichen Erlebnisebenen an.

Apropos: Kritik solltest Du nicht persönlich formulieren, bleib bei der Sache, und es ist O.K. Die GeschmÀcker sind halt nun mal sehr unterschiedlich - Gottseidank!

Gruß, Karl

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
ja,

gut erzÀhlt, aber - wo kommt am ende das blut her? das is mir völlig unklar. lg
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Karl Reichert
BlĂŒmchendichter
Registriert: Dec 2000

Werke: 37
Kommentare: 8
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Blutrote Store

Liebe "Oldicke",

Vielen Dank fĂŒr die Blumen.

Aber jetzt zu Deiner VerstÀndnisfrage: "gut erzÀhlt, aber - wo kommt am ende das blut her? das is mir völlig unklar."

Das Blut ist nicht wirklich, es entspringt der Phantasie des MĂ€dchens (Felicitas) Phantasie: Die Biene stranguliert sich im Store.

Alles klar?

Lieben Gruß, Karl



Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
alles klar.

aba ich gloobs nich. auch ich hatte schon als kind eine reiche fantasie, aber daß ein tier blutet, wenn es stirbt, hĂ€tte ich mir nicht vorstellen können (oder wollen). außerdem hatte ich schon sehr jung - also schon mit zwei jahren - gesehen, daß so ganz kleine flĂŒgeltiere kein blut haben, bestenfalls saft. alles klar? lg
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!