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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Blutsbruderschaft
Eingestellt am 26. 12. 2005 22:45


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Aceta
???
Registriert: Apr 2002

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Ich kenne Dich nicht,
ahnte nicht einmal, dass es Dich gäbe,
- ich mich so sehr in Dich verliebend!

Unsterblich und ewiglich –
wirst Du mein Schicksal,
Bestimmung meines Lebens!




__________________________



Kap. 11) Blutsbruderschaft


In einem fremden, kargen Land unter sengender Sonne, in einer so fremdartigen Welt, daß er selbst mitten unter Menschen einsam ist, in einer Zeit, da Gräben aufgerissen werden, Schluchten zwischen Völkern und Religionsgemeinschaften, da träumt er von den leuchtenden Augen einer fremden Frau.

Er spürt den Blick auf sich ruhend, Wärme, Freundlichkeit und Sehnsucht in diesen Augen – einer Sehnsucht, deren Erfüllung er wäre? Er fragt sich noch im Traum, ob er diese Augen je gesehen habe, ob er sie je sehen wird - und wird von einer Woge von Gefühlen überspült, die ihn verwirren, verwundern und verändern.
Nie mehr – nach diesem Traum – wird er sein, wie vorher!
Nie mehr wird er der sein, der er früher gewesen!

Hätte man dem jungen Mann je prophezeit, er werde einer Frau verfallen – er hätte gelacht und es weit von sich gewiesen: Er verfalle den Frauen nicht, er suche sie sich aus! – So hätte er selbstbewußt konstatiert.

Wäre ihm vorhergesagt worden, er werde von seinen Gefühlen bestimmt, er werde bereit sein, jedes Opfer zu bringen – bis hin zur völligen Selbstaufgabe – er hätte es mit schallendem Gelächter quittiert.
Er würde sich in Lebensgefahr begeben, wider jede Vernunft, werde sich der Gefahr von Folter und Qualen und Hinrichtung aussetzen – einer Frau wegen?
All diese Vorhersagen hätte er belächelt, kopfschüttelnd abgetan und für irrwitzig gehalten.

Er werde sich Fesseln anlegen lassen von einer Frau – sich entmachten lassen – physisch, psychisch, emotional und sexuell – gar und ganz!
- Er hätte es ausgeschlossen. - Unbedingt und absolut!

_________________________________

dies ist Kap. 11
aus dem Roman "Männerfreundschaft",

mehr Infos zum Roman und
den Kap. in der LL am Ende des Textes!

_____________________________________







Doch diesen Traum träumt er dreimal.
In drei aufeinanderfolgenden unruhigen Nächten.
Anders als andere Träume vergißt er diesen Traum nicht.
- Kein Detail.
Es wird daraus geradezu eine mystische Prophezeiung in seinem Leben, deren Erfüllung er zu erwarten beginnt.
- Jedesmal, nachdem er diesen Traum hat, wacht er auf, fühlt grenzenlose Begeisterung, empfindet dieses großartige Gefühl – ahnt einen Hauch von ganz großer Liebe?

***

Sudan 1988. - Drei Jahre nach dem Sturz von Dschafar An Numeri im Aufstand von Khartum hat die Regierung eine Koalition unter Einfluß der radikalislamistischen Moslembrüder übernommen. Unter der Landbevölkerung herrscht Armut und Hunger, die Analphabetenquote liegt über 50 Prozent.
Bereits der gestürzte Diktator hatte die Einführung des islamischen Rechtes – vielleicht in einem Anflug senilen religiösen Eiferertums - betrieben. Es sollten zwar noch drei Jahre vergehen bis zur offiziellen Einführung der Scharia – des islamischen Rechtes im Sudan. - Doch die Vorbeben waren längst deutlich zu spüren.
Hellhäutige arabische Eiferer begannen bereits zu dieser Zeit, die noch in ihren afrikanischen Naturreligionen verhafteten dunkelhäutigen Stammesangehörigen zu drangsalieren, zu schickanieren – und machten auch vor roher Gewalt nicht halt.
Mit ihren schnellen Kamelen tauchten die Horden vor den Dörfern auf, brandschatzten und mordeten, quälten und verschleppten Frauen und Kinder und verschwanden wieder in den Weiten der Wüste.

***

Entbehrungsreich und aufreibend, immer wieder auch bedroht durch politische Unruhen – das war Alltag der Entwicklungshelfer. Ein kleines Team, angetreten, die Menschen zu motivieren, ihnen zu helfen „das eigene Leben selbst zu gestalten“. - Sie wollten die Infrastruktur verbessern, wollten Brunnen bauen, wollten Hygiene aufzeigen, wollten ... wollten einen kleinen humanitären Beitrag leisten. Das war die persönliche Motivation der Helfer in einem fremden Land!

Sie selbst: junge Menschen – voller Ideale, voller Ideen, voller Zuversicht ...

- Politische Intention der Entwicklungshilfe: Menschen niemals völlig fallen zu lassen – wenigstens einen Strohhalm der Hoffnung zu lassen?! – Das rechtfertigte die Entsendung der Helfer, deren persönliches Risiko und Anteilnahme an Krankheit, Elend und Not.

- Unvorstellbare Armut, unglaubliches Leiden – der Alltag: vor Ort.
Zwei junge Entwicklungshelfer, denen nur miteinander die Erinnerung an eine andere Welt geblieben war, tagtäglich konfrontiert mit den Opfern eines aus der Historie des Landes Selbstzweck gewordenen Bürgerkrieges, mit sinnloser Zerstörung der verbliebenen Infrastruktur, mit unvorstellbarer Not und Angst.
Ohnmächtig, die Strukturen zu bewegen – ohne Chance.

„Dabei möchte ich Deine Schultern packen – sie rütteln und schütteln“ - wach werden aus diesem Alptraum Sudan. „Ich möchte dir zeigen, dass es ein anderes Leben gibt!“
Menschlichkeit wieder finden in der Begegnung?
Doch es bleibt die Erkenntnis, dass niemand in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. So bleiben am Ende nur Ideologie, Hass und Verbohrtheit.
Es bleibt das frustrierende Erlebnis großer Ohnmacht ...

- Aus dem gesicherten Leben in einer anderen Welt hierher gekommen, sortierten die jungen Männer Werte des Lebens neu, wurden vertraut – miteinander, einander, entwickeln neues Verständnis für menschliches Leid, für Träume, Hoffnungen und Enttäuschung.

***

Als Roald nach einigen Monaten krank wurde, sollte ihn sein Freund mit einem Geländefahrzeug der Hilfsorganisation nach Port Sudan bringen – in das dortige internationale Hospital. - Doch Meilen vor dem Ziel wurde das Fahrzeug von Wegelagerern gestoppt. Sie prügelten den jungen Fahrer aus dem Auto und warfen den kranken Beifahrer nur wenige hundert Meter weiter einfach in die Wüste.

- War es Malaria? - War es Ruhr? - Etwa Lhassa oder Ebolafieber? - War es ansteckend und tödlich?

Er zögerte nicht, den kranken Kameraden auf die Schultern zu nehmen und der Piste zu folgen.
Ohne Wasser – in sengender Sonne.
Wie Jesus unter dem Kreuz war er mehrfach zusammengebrochen. Aber immer wieder hatte er sich aufgerappelt, immer weiter geschleppt, bis er tatsächlich die Nähe der Stadt erreichte.

Sie wurden gefunden.
Sie wurden hier in ein kleines Hospital gebracht.
Sie wurden gerettet.
Allerdings wurden sie nicht offiziell mit den Papieren der Hilfsorganisation im internationalen Hospital von Port Sudan – sondern in einem kleinen arabischen Krankenhaus aufgenommen. Über dem Dach wehte die Fahne der Hilfsorganisation „Roter Halbmond“.

***

„Du bist ein Held!“ sagt sie in arabischer Sprache. Ihre Stimme mädchenhaft und klar, die Worte melodiös – aber er versteht sie nicht.
„Hey?“ fragt er und fühlt die Wärme der Augen, die ihn ansehen.
Sie flüsterte – offenbar versuchsweise einige Worte in russischer Sprache. Er schüttelte den Kopf, aber sie sprach weiter.
„Ich verstehe nicht!“ flüstert er – mehr zu sich selbst als zu ihr.
Dann plötzlich – mit einem seltsamen Akzent sagt sie:
„Deutsch?“
„Ja!“ sagt er – überrascht.
„Ohh!“ sie lächelt.
Ihre Augen strahlen plötzlich so hell wie die Sterne am Himmel des Orients.
„Ich erinnere von Deutschland!“
„Echt?“ staunt er.
„Ja!“ sagt sie leise.

Was alles an Erinnerung, an Sehnsucht und Träumen in den Augen dieser jungen Frau?
Ihre Haut ist schwarz wie die Nacht. Ihr Körper, sogar ihr Gesicht bedeckt vom Stoff eines weit fallenden, weißen Gewand. Sie ist verdeckt, verhüllt, verschleiert und verborgen, sie ist unbekannt und so geheimnisvoll!

„Von Wadi bis hier durch das Wüste gelaufen?“
„Wir hatten ein Auto!“
„Sie fanden in Wüste!“
„Banditen ...“, sagte er leise. „Sie haben das Auto gestohlen.“
„Ohh.“
„Ja!“

War sie nur neugierig?
Oder wollte sie spionieren?

„Wer ihr ?“
„Entwicklungshelfer aus Deutschland.“
„Ohh – Deutschland!“ flüsterte sie.
„Kennst du Deutschland?“
„Ich im Deutsche Demokratische Republik lernen.“
„Ärztin?“
„Nein.“ Sie zögerte kurz, „ich Krankenschwester.“

„Dein Freund Malaria.“
„Ja?“
„... und viel Blut verloren mit Wunde.“
„Welche Wunde?“
„Broken Arm macht Arterie verletzt, daraus viel bluten.“
„Er hat einen gebrochenen Arm?“
„Ja.“
Wieso hatte Roald einen gebrochenen Arm? – Ob er sich diese Verletzung zugezogen hatte, als die Banditen ihn aus dem Fahrzeug geworfen hatten? Er hatte das – ihn durch die Wüste schleppend - gar nicht bemerkt!

Plötzlich hörten sie Stimmen, Schritte. Die Krankenschwester setzte ihre Arbeit fort und arbeitete an Roalds Verbänden. Sie sagte nichts mehr und sah auch nicht auf.
Drei Männer betraten das Krankenzimmer, zwei von ihnen in hellgrauen Gewändern, einer in weiß. Alle trugen Kopfbedeckung aus verschlungenem Stoff.
Die Männer sprachen arabisch miteinander. Zunächst nahmen sie weder Notiz von den Patienten noch von der Krankenschwester.
Dann blickte einer der Grauen sich kurz um, erkannte wohl, daß der fiebernde Roald nicht ansprechbar war und drehte sich zu dem Patienten im Bett daneben.
Zunächst versuchte er französisch, erkannte aber schnell, dass er damit nicht verstanden wurde.
„Who are You?“ versuchte er – mit Akzent und einem seltsam rollendem „rrr“ zwar, aber doch gut verständlich.
„We’re from Germany, working at a water-project.“
„Germany - German Demokratic Republic?“




„No – we’re from Western Germany!“
Die Antwort schien dem Grauen nicht zu gefallen. Er sagte einige Worte auf arabisch.
Dann drehte er sich sehr entschlossen herum, ah ihm mit stechendem Blick in die Augen und verkündete unheilvoll:
„You are not welcome!“
Sagte es, drehte sich herum uns stapfte davon. Der andere Graue folgte ihm wortlos.
„Falsche Antwort!“ sagte völlig überraschend in deutscher Sprache der Weißgekleidete, schüttelte den Kopf, runzelte die Stirn und folgte den beiden anderen.

Es war heiß und trocken. Dennoch brach ihm jetzt der Schweiß aus.
„Imperialisten?“ sagte in das beklemmende Schweigen hinein die Krankenschwester, ohne aufzusehen.
Seine Gedanken schlugen Kapriolen.
„Quatsch!“ flüsterte er und versuchte die aufkommende Angst zu unterdrücken.

***

Die deutsche Botschaft in Khartum wurde über die beiden jungen Entwicklungshelfer informiert. Aber Port Sudan war so weit weg. Der west-deutsche Honorarkonsul in Port Sudan hatte bereits 1984 das Land verlassen. Die Stelle war nicht neu besetzt worden in diesem armen Land.
Es gab noch einen französischen Handelsattachee in Port Sudan, und es gab dort eine offizielle Vertretung der kriselnden DDR.
Wegen einer „rein humanitären Angelegenheit“ entschloß sich – auch in Anbetracht der politischen Entwicklung in der Heimat – der Botschafter West-Deutschlands, Kontakt zu den Kollegen der Ost-Dependance in Khartum zu suchen.

Zwei Flug-Tickets nach Kairo, diskrete Verlegung der Patienten ... es sollte keine Probleme geben. Die diplomatischen Aktivitäten verliefen professionell unauffällig und effektiv. Helfer vor Ort wurden informiert, Beschwichtigung des Mufti, alles „rein humanitär“.

Doch es sollte noch ungeahnte Schwierigkeiten geben ...

***

„Hey – wir machen hier technischen Entwickungsdienst!“ will er schreien. Aber er schreit nicht.
„Wir sind hier, weil wir deinen Leuten helfen wollen!“ er flüstert nur hilflos, stammelt beinahe – wird das jemand verstehen?
„Wir haben eine Alternative zum Militärdienst in unserer Heimat gesucht – wir sind wahrlich keine Imperialisten!“
Er möchte kotzen – so elend fühlt er sich.

Falscher Ort, falsche Zeit, falsche Ideale ?
Zweiundzwanzig Jahre jung – geschlagen, getreten, ausgeraubt und enttäuscht.
Hemmungslos heult er – unverstanden, missgedeutet und zu Unrecht verdächtigt ...

„Ich glaube dir!“ sagt sie plötzlich leise und legt ihre Hand auf seine Hand.
Ihre Stimme ist wie die Stimme eines Engels. Ihre Berührung entfesselt eine Schockwelle, die seinen ganzen Körper erschüttert.
Fassungslos starrt er sie an.
„Du Held – Freund retten getan!“ sagt sie aufmunternd.
„Ich fühle, du guten Mensch!“
Der Schleier verdeckt ihre Haare, ihre Stirn, sogar ihren Mund – aber nicht ihre Augen. Die senden eine Botschaft, die er empfindet: sie bewundert ihn heimlich ein wenig, sie schätzt sein Engagement, sie bewertet sein Dasein anders als diese Politaufseher.

Sie ist menschlich, sie ist nahe – sie ist freundlich.
Sie ist außerdem – oh wie nebensächlich, wie unglücklich und unpassend – aber wie emotional: auch noch eine Frau! –
In diesem Moment voller Not, Angst und Drangsal möchte er ihr etwas freundliches sagen. Er sucht Nähe zu ihr, dem einzigen Menschen, mit dem er reden kann, da sein Freund immer noch in Fieber und Ohnmacht liegt. Er spricht aus, was er empfindet:
„Ich möchte dein Gesicht sehen!“
Eigentlich hatte er ihr sagen wollen, sie annehmen zu wollen, sie menschlich nahe zu empfinden.
Aber er hat etwas gesagt, das in diesem Land ist, so als habe er einer Westeuropäerin unter den Rock gegriffen ...

„Nein!“ schockiert zieht sie sich zurück.
Sie ist erschreckt, als habe er sie wahrhaftig sexuell attackiert! –
- Tat er es nicht tatsächlich auch mit seinem Ansinnen, sie zu entblößen? -

***

Der Weiße ist scheinbar ein herrschender Arzt in diesem Krankenhaus.
Auch er hat offenbar einmal in der DDR studiert, denn er spricht ein verstehbares Deutsch.
Er war zurückgekommen und entschied.

„Er“, dabei deutete er auf Roald, „hat Malaria. Behandlung hat schon angefangen. Aber weil seine Verletzung hat viel Blut verloren.“ Er schüttelte wie bedauernd den Kopf.
„Wird nicht überleben.“

Tja – das passierte im Sudan. Das war in solchen armen Ländern „normal“ ...
Die Worte waren leidenschaftslos.
„InShallah“ – der Wille Allahs eben, das Schicksal.
Es war wie ein Schlag vor den Kopf:
Aufgeben, einen Menschen abschreiben, der noch lebt?
„Aber es gibt doch Blutransfusion?“ – es gab doch medizinische Hilfe! „Es gibt doch Hoffnung und Möglichkeiten?“
Der Arzt richtete seinen stechenden Blick auf den jungen Patienten. Dann sagte mit gesetzesgleicher Bestimmtheit:
„Kein Moslemblut für Ungläubige!“

***

Es gibt Gesetze und Traditionen.
Es gibt Regeln, die das Zusammenleben in Zivilisationen ordnen.
Es gibt Abgrenzungen nach außen, das innere Regelwerk zu schützen.

Staaten leiten Rechte für sich her, andere zu bedrohen, zu ächten, oder gar mit Krieg zu überziehen.
Menschen wenden Regeln an, die ihnen von der Ordnung aufgegeben ist.

Über alledem schwebt der Gedanke von Gerechtigkeit, von Menschlichkeit, von Wahrheit, von Ehre, von Freiheit und von Gnade –
doch manchmal, scheint so: da schwebt all dies sehr, sehr hoch – sehr weit weg ...

***

„Er ist mein Freund!“
„Allah ist groß, mächtig und weise!“
„Wir sind in diesem Land, um den Menschen zu helfen!“
„Nein!“ erwiderte der Weißgekleidete und wandte sich – eigentlich schon im Gehen – dem jungen Entwicklungshelfer nochmals zu..
„Wir bauen Brunnen und zeigen, wie sie gepflegt und genutzt werden können!“ flüsterte dieser tonlos.
„Aber warum?“
„Weil wir wollen, daß die Menschen in diesem Land es irgendwann selbst können!“
Doch der Arzt sah ihn nur tadelnd an.
„Du glaubst wohl an deinen Brunnen?“
„Ja!“

„Aber ich glaube nicht daran!“ – er sagte es hart und bestimmt.
„Unsere Brunnen funktionieren alle !“
„Mechanical!“ er schüttelte den Kopf. „Ich beginne sogar zu denken, dass du selbst wahrhaftig überzeugt bist!“
„Ja!“ war fast unhörbar die Antwort.
Beschwörend hob der Arzt die Hand und die Stimme: „Die Imperialisten bauen uns Brunnen. Wir sollen ihnen dankbar sein! Wir sollen ihnen gestatten, Öl zu suchen, Gold und andere Schätze.“
„Entwickungshilfe verlangt keine Kompensation!“ mochte er entgegnen, was er gelernt hatte.
„Ich bin überzeugt, engagiert gute Arbeit zu leisten. - Ich habe doch keinen „leichten Weg“ gewählt, hierher gekommen zu sein! – Ich bin hier aus persönlicher Überzeugung!“
Da lächelte der Arzt plötzlich – erstmals mit einer Spur von Wohlwollen.
„Ihr seid offenbar genauso verkauft wie wir!“
Er zögerte kurz und betrachtet die beiden jungen Männer.
„Es gibt vielleicht noch eine Chance!“
„Welche Chance ?!“
„Dein Blut für ihn.“

***

Die Grauen waren wieder da.
„Why did You come ?“ Ihre Worte sind hart im Klang und schwer zu verstehen.
Ob sie die Dienstverpflichtung junger Männer verstehen konnten? – Er versuchte es:
“There is a choice in Germany:“
„What choice?“
„Military duty is the usual option. Social service in our own country is a second chance.
Engagement in world-wide aid-organisations is a less used third alternative!“
Er zögerte einen Moment – überlegte, ob sie ihn verstünden. In den dunklen Gesichtern konnte er nicht lesen.
- „We took that choice – the last one, the third alternative!“ sagte er leise.
„Why did You?“
„I yeald getting free of military engagement! – I believe, force is not convincing at least, but personal engagement, howsoever. I was inspired by the idea of engagement in humanity!“
Einen Moment zögerten sie, dann fielen die vernichtenden Worte:
„Great vocabulary – be ashamed using these terms to cover imperialistic activity!“
„We ´re working to clear fountains, we´re digging in the desert!“
„Searching oil, searching gold ? – Shut up!“
„Water – only water for Your people!“
“Shut up!” zischte er nur noch.
Der Graue senkte seinen stechenden Blick in die Augen des jungen Entwicklungshelfers. Dann wiederholte er, was er schon früher gesagt hatte:
„You‘re not welcome!“

***

Er erinnert sich nur an ihre Augen, er hört ihre Stimme. Er sieht ihre Lippen nicht oder ihren Hals, nicht ihren Körper – nichts!
Der Traum, den er zuvor geträumt kommt ihm wieder und wieder in den Sinn: waren es nicht Augen gewesen wie die ihren, die er da gesehen ?

Er empfindet ihr Interesse – aber keinesfalls sexuelle Gedanken, keinerlei Anzüglichkeit.
„Held“ hatte sie ihn genannt. Seine Ideale, sein Engagement verstanden. Ihre Hand auf seiner Hand – und ihre Blicke, die sich in ihn gebrannt hatten ...
Sie ist eigentlich nur freundlich, nur warmherzig.

Er aber denkt in Erinnerung an die Träume, die ihn verfolgt hatten auch daran:
- sanfte Umarmung?
- zärtlichen Kuß?
- milden Druck eines warmen, anschmiegsamen Körpers.
- gefühlt und tief empfunden: etwas wie Liebe !?

Wunsch-Gedanken und Sehnsucht brechen auf, keimen wie Pflanzen in fruchtbarem Boden und wachsen ...
Verzehrende Hoffnung, leidenschaftliche Gefühle – in der Not geboren? Oder aus jedem Traum geboren, den er wieder und wieder geträumt wie die Vorahnung eines Schicksals?

***

Sie betreut den schwerkranken Patienten, wechselt die Tücher, beobachtet ihn, macht irgendwelche Eintragungen ...
Sie vermeidet jeden weiteren offenen Blick zu dessen wartendem, schmachtenden Freund. – Hat sie längst gespürt, welche Gefühle sie entfesselte?

Nein, die Scharia war noch nicht Gesetz im Sudan des Jahres 1988. Das mittelalterliche islamische Recht noch nicht offiziell. Aber das Feld war bestellt, und in den Köpfen der Eiferer, in den Indoktrinationen der Einpeitscher und im Bewußtsein der ungebildeten Masse, die nie gelernt hatte, sich zu emanzipieren, ging längst die Saat auf, deren Nährboden Armut und Elend, deren Dünger Hoffnungslosigkeit und religiöser Fanatismus sind.

***

„Deine Blutgruppe?“ fragte der Arzt.
„Null positiv.“
„Und seine?“
„Keine Ahnung!“ doch bei diesen Worten erinnerte er sich, dass sie einmal darüber gesprochen hatten. Sie hatten lachend festgestellt, beide „positive Typen“ zu sein.
Er sprach es aus: „Positiv – hat er einmal gesagt. Mehr weiß ich nicht.“
Der Arzt sah ihn an und schien das Ergebnis seiner Überlegungen zu begrüßen.
„Gut!“ sagte er leise ... „Das kann gut sein!“

- So also sollten sie „Blutsbrüder“ werden ...

... denn seine Blutgruppe war geeignet, vielen anderen Menschen zu helfen. Es mochte noch Probleme geben. Es mochte Gründe geben, solch eine Blutübertragung in Deutschland niemals zu vollziehen. Aber hier war es die letzte Chance!
Sein Blut sollte die Rettung für den Freund sein!

***

Eigentlich war es ein großer Raum, eigentlich lagen beinahe vierzig Kranke in diesem Raum. Abgetrennt waren die einzelnen Kranken allenfalls durch meist schlecht positionierte Vorhänge. Es gab nicht wirklich eine räumliche Trennung. Es gab keine persönliche oder private Sphäre.

Doch wegen der deutschen Sprache, derer sie sich in diesem afrikanischen Krankenhaus bedienten, gab es eine besondere, eine eigenartige Privatheit.
Jedenfalls wusste sie, dass kein anderer der Patienten sie verstehen konnte, wenn sie mit diesen deutschen Männern redete.

Das Leben hatte sie eingeholt, die Zustände im Sudan waren gnadenlos. Sie hatte keine Wahl, keine Freiheit, keine Chance.
Deutschland war die Hölle gewesen, als die da war – die Wirklichkeit hier in Afrika aber war unbarmherziger, war bestimmender.
Gnade ihr Marx und Engels – Goethe und Schiller sowieso ...

„Du mich nicht ansehen!“ flüstert sie.
„Warum?“
„Ich Moslem – du fremden Mann!“
„Aber du warst doch in Deutschland?“
Wollte ihr sagen – sie kenne doch eine Freiheit der Gedanken, der Gefühle und der persönlichen Chancen ...
„Ja.“
„Hat dich niemals jemand angesehen?“
Sie zaudert, sie erschauert.
- Das war ihr Problem gewesen: Moslemische Gesetze hatten nach ihrer Kindheit, nach der Zerschlagung ihrer Stammeskultur eine neue Welt für sie geschaffen. Bedingungslos und absolut bestimmend.
Nach Deutschland geschickt, hatte sie den neuerlichen Kulturschock nicht bewältigen können, nicht ertragen – und war gescheitert. Die Wahrheiten des Lebens in ihr hatten sich erdbebenartig bewegt und verändert.
Geblieben waren nur Trümmer, religiös, menschlich, gesellschaftlich – verlorene innere Heimat!

„Ich - nein“, sie zögert und sieht weg.
„Deshalb?“ er spürt ihr Suchen -
- Weil sie den Schleier nicht abgelegt? – Weil sie ihren Traditionen nicht untreu hatte werden können? Einer islamischen Tradition, in der sich nicht einmal verhaftet, sondern nur gefangen war?
„Ja,“ flüstert sie

Eine Weile schweigen sie. Dann sagt er plötzlich:
„Aber wenn ich dich liebe?“

„Liebe?“
Sie schüttelt den Kopf als rege sich in ihr eine Abwehr gegen diesen Gedanken. Aber sie bleibt und hört weiter zu.
„Ich habe geträumt, einer ganz besonderen Frau zu begegnen.“ er spricht leise, langsam, damit sie in der ihr fremden Sprache verstehen möge, was er sagt.
„Ich habe geträumt – und Du wärest mein Traum!“

„Ich schwarze Frau – und Du liebest eine Muslim?“
... Sie denkt es nur, seine Worte hörend. Sie sagt es nicht laut. Sie möchte lachen – oder doch weinen?
Sie wird berührt – mitten in Ihrer Wirklichkeit – erschüttert in ihrer Wahrheit!

Verboten, todes-bestraft mit Steinigung und ungehörig, unsittlich sowieso!
Eine moslemische Frau darf keinen „Ungläubigen“ lieben!

Seine Antwort hingegen ist eindeutig.

„Ja“.
Keine Bedingung.
„Ich liebe Dich!“

- Haben Menschen Seelen, empfindsam und fragil, haben sie Willen, Entscheidungsbereitschaft und Urteilskraft?
- Wie zaubervoll wären sie?
„Der Traum ließ mich nicht fragen, ließ mich nur Zauber spüren – und mein Herz klopfen!“

Ihre Augen sprühen Blitze, sind trocken und feucht zugleich, spiegeln alle Emotionen – so frei, so offen, so positiv im Denken, so realistisch negierend und so letztlich frustran ...
Von den Funken der Hoffnung darin geradezu bezaubert!

***

In einer Kreuzprobe hatte sich die Verträglichkeit der Bluttransfusion bestätigt.
„Ich werde etwa einen und einen halben Liter Blut übertragen. Das ist viel mehr, als gewöhnlich genommen wird.“
„Egal -“ er nickte, wie es sich selbst und dem anderen gleichermaßen zu bestätigen. „Wenn mein Freund damit gerettet werden kann!“
„Du wirst dich schwach und elend fühlen, kraftlos und schwindelig.“
„Es wird vorbeigehen, oder!?“
Der Arzt besprühte die Haut mit Alkohol, dann bohrte er die Nadel unter die Haut, beobachtete, wie das Blut durch den Schlauch zu fließen begann, durch eine Tropfenkammer in ein weiteres Stück Schlauch floß. Als der Schlauch fast komplett gefüllt war, knickte er ihn ab und verband ihn mit der Kanüle, die zuvor bereits in Roald´s Arm gelegt war.
„Dreißigtausend Tropfen!“ lächelte er, schaute auf die Uhr, zählte die Tropfen eine halbe Minute lang und ergänzte: „etwa acht Stunden.“
Er ging zur Türe, drehte sich nochmals um und lächelte, als sei er zufrieden mit den Dingen.
„Du wirst Hammelfleisch bekommen und Kamelstutenmilch.“
- Das war ein großes Zugeständnis ...

Roald war unruhig. Schließlich umwickelte die Krankenschwester den Arm, an dem die Transfusion erfolgte mit einem Tuch, in das sie ein Holzstück legte, so sollte verhindert werden, daß der Kranke den Arm anwinkelte und den Fluß des Lebenselexiers in seinen Körper unterbrach.
Weiterhin sah sie den anderen nicht an. Sie brachte Fleisch und Milch, er aß, wurde müde und schlief nach einiger Zeit ein.

***

Die Scharia verbietet einer moslemischen Frau den Umgang mit Ungläubigen. Sexuelle Beziehungen werden mit dem Tod bestraft – mit dem Tod durch Steinigung. War er sich der Gefahr bewußt, in die er sich und die dunkelhäutige Krankenschwester gleichermaßen brachte?

Spürte er im Schlaf ihre Blicke – spürte er den Zwiespalt ihrer Gefühle, den Zauber, den seine deutsche Sprache in ihr aufgeweckt hatte – Erinnerung an eine Zeit des Orientierungsverlustes in ihrem Leben, die aber dennoch ihr gesamtes Denken und Fühlen für immer verändert hatte?
Religiöse Indoktrination war nicht mehr ihr ausschließlicher Maßstab, wenngleich diese tief verwurzelten Bestimmungen sie niemals frei geben würden.
Seine Worte klangen in ihren Ohren:
„Wenn es Liebe wäre?“
– der Gedanke berührte sie seltsam. In Ost-Berlin hatte sie sich immer weiter verschlossen, war sie schließlich in Ausbildung und Politunterricht gleichermaßen gescheitert, weil sie die Berührung des Fremden in ihrem Geist nicht zugelassen hatte.
Jetzt war diese Herausforderung wieder da. Nicht in einem fremden, kalten Land, nicht in einer Umgebung, die sie beargwöhnte und sozialisationsübfähig in einem neuen Kulturkreis schließlich ausschloß und zurückgeschickt hatte.
Spürte er im Schlaf ihre heimlichen Blicke, Gedanken, Sehnsüchte – die sie gleichermaßen faszinierten wie erschreckten, lockten wie innerlich Abscheu hervorriefen?

Spürte sie, wie weit er träumend in ein fernes, fremdes Land und in eine bessere Zeit gelangte?
Eine blühende Oase in der Wüste, ein See mit klarem Wasser, am Ufer Liebende ohne Angst und Scheu, nicht bedroht von Verboten, von Vorurteilen und Gesetzen, die sie glauben machen wollten, wegen verschiedener Hautfarbe seien sie verschiedene Arten Menschen, wegen ihres Herkunftslandes seien der eine der anderen Wolf, wegen ihres verschiedenen Glaubens seien sie gottgegeben befeindet ...

Ohne Schleier ihr Gesicht anschauen und die Aura von Mitfühlsamkeit, von Zuneigung und suchender Freundlichkeit empfinden, das Blitzen ihrer weißen Zähne beim Lachen der vollen Lippen ansehen, den Duft ihrer dunklen Haut einsaugend sie zärtlich umarmen -–und angenommen werden, von ihr, die sich in diese Umarmung kuschelt, sich anschmiegt und behaglich wie eine zahme Wildkatze schnurrt ...

„Fremder Mann!“ sagt sie leise, den Schlafenden beobachtend. „In meiner Welt „Schleier wegnehmen“, ist ein Ansinnen, wie in deiner Welt die Brüste einer Frau zu entblößen.“
Er bewegt sich im Schlaf, aber er erwacht nicht.
„Ich zeige mich deinen schlafenden Augen!“ flüstert sie, öffnet den Schleier und beugt sich über ihn.
„Sieh her – sie mich an!“
Eine Weile verharrt sie.
Gedanken und Gefühle durchströmen sie, verwirren und verwundern, ängstigen sie und locken mit einer schwer zu ertragenden Süße.
Schließlich fragt sie leise und in ihrer eigenen Sprache:
„Gäbe es eine Liebe für uns?“


____

der Roman ist weiter gewachsen.

frühere Kapitel in der LL:

Bisherige Kapitel

1. „Männerfreundschaft“
2. „bittersüßer Sex“
3. „Midlife“
4. „Entjungferung“
5. „Hexenkraft“
6. „Mogelpo“
7. „Panta rhei“
8. "Lockender sündiger Traum"
9. "teuflische Versuchung"
10. "Grenzgängerin"

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__________________
mit dem Herzen sehen ... (der kleine Prinz)

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