Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92228
Momentan online:
411 Gäste und 19 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Krimis und Thriller
Blutsommer
Eingestellt am 04. 05. 2002 14:56


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Rub.
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2002

Werke: 8
Kommentare: 12
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Meine Eltern trennten sich, als wir, ich und mein Bruder Stephan, noch klein waren. Bis zu diesem Zeitpunkt lebten wir in Emden, direkt am Meer. Doch mein Vater bekam das Sorgerecht f├╝r mich und wir zogen zu seiner Schwester nach M├╝nster. F├╝r meine Verh├Ąltnisse eine Gro├čstadt.
Da der Kontakt zu meinem Bruder und zu meiner Heimat abzubrechen drohte, schlossen meine Eltern einen Kompromi├č. Wir Kinder sollten die Sommerferien von diesem Zeitpunkt an gemeinsam bei meinen Gro├čeltern in der Heimat verbringen.
So fuhren wir also am ersten Wochenende der Sommerferien zu den Elternhaus meiner Mutter.
Es war ein kleines, freistehendes Haus direkt am Damm. Mein Gro├čvater war Fischer, meine Gro├čmutter Altenpflegerin, und das H├Ąuschen entsprechend bescheiden.
Ich erinnere mich genau, wie wir, Stephan und ich, auf dem Damm sa├čen und den Fischern zusahen, den Geruch des Meeres einsaugten und die M├Âwen mit altem Brot f├╝tterten, die sich kreischend um jeden Brocken stritten. Und wenn die untergehende, rote Sonne den Horizont ber├╝hrte, und meine Gro├čmutter uns zur├╝ck ins Haus rief, duftete die Stube nach hei├čem Tee. Meine Gro├čmutter bereitete das Abendbrot und danach f├╝tterte Sie Ihre unz├Ąhligen Katzen, von denen manche so alt waren, das sie schon lange vor meiner Geburt durch die G├Ąrten der Nachbarschaft streiften. Ich war damals sieben, mein Bruder vier Jahre alt.
Und so verbrachten wir die Ferien, wie sie Kinder eben verbringen. Jeden Sommer von diesem Zeitpunkt an.
Bis zu jenem Sommer, der alles ver├Ąndern sollte.
Das war der Sommer 1984.
Und wenn man die Menschen in dem Dorf heute nach diesem Sommer fragt, so sagen sie:" Blutsommer"
Es war der Blutsommer.
1984

Wir waren in diesem Jahr schon ein paar Tage bei meinen Gro├čeltern. Ich hatte das Gl├╝ck, meinen zehnten Geburtstag dort feiern zu d├╝rfen. Das war einer der seltenen Gelegenheiten, meine Mutter zu sehen. Und selbst meine Vater blieb den Tag. Auch wenn die Stimmung zwischen meinen Eltern eisig war, bem├╝hten Sie sich um H├Âflichkeit und Respekt.
Es gab an diesem Tag Kuchen, Tee und viel Saft.
Einige Kinder aus der Nachbarschaft waren zu diesem Anla├č mit Ihren Eltern gekommen. Sie bleiben bis zum sp├Ąten Abend und die Erwachsenen tranken und lachten viel.
Mein Gro├čvater erkrankte in diesem Jahr an Krebs, und er trank, als w├Ąre es das letzte Jahr seines Lebens. Obschon er noch viele Jahre leben sollte.
Als sp├Ąt in der Nacht auch die letzten G├Ąste das Haus verlie├čen, und ich meine Gro├čmutter in der K├╝che das Geschirr zusammen stellen h├Ârte, lag ich schon in meinem Bett auf dem Dachboden.
Doch an Schlaf war nicht zu denken.
Wie k├Ânnte ich auch. Ich hatte Geburtstag, war aufgedreht und der viele Zucker an diesem Tag tat sein ├╝briges dazu. Und w├Ąhrend ich den regelm├Ą├čigen Atemz├╝gen meines Bruders lauschte, h├Ârte ich es zum ersten mal.
Nicht wirklich zum ersten Mal, denn ich kannte die Rufe der rolligen Katzen in der Nachtbarschaft, wenn sie nach den Katern riefen.
Sie klangen wie schreiende Kinder.
Es war ein schreckliches Ger├Ąusch und drang durch Mark und Bein.
Doch was ich in dieser Nacht h├Ârte, war schlimmer als alles , was ich je von den Katzen vernommen hatten.
Es klang so fern. .und dennoch war es so laut, als ob es direkt unter meinem Fenster passierte. Meine Ohren brannten und meine Haut wollte sich beinahe von meinem K├Ârper sch├Ąlen, weil eine G├Ąnsehaut nicht auszudr├╝cken vermag, welche Angst ich entfand.
Wie das kreischen einer sterbenden Frau drang es durch das ge├Âffnete Fenster zu mir. Ich wollte die Decke ├╝ber meinen Kopf ziehen, tat es aber nicht.
Ich wei├č nicht wieso, aber ich stand auf und lief nach unten in die K├╝che, wo meine Gro├čmutter am der Terrassent├╝r stand und in die Nacht starrte. Ich stellte mich zu Ihr und umklammerte Ihren Rock.
Ich wei├č noch, sie strich mit Ihrer Hand ├╝ber meinen Kopf und sagte mir, das sei die sp├Ąte Balz. Und wir standen an der offenen T├╝r und sahen nach drau├čen.
In dem Hof meiner Gro├čeltern stand ein alter Schuppen, beinahe so gro├č wie das Haus selbst, und mein Gro├čvater bewahrte dort alles auf, was nicht mehr in das Haus zu passen schien. Hinter dem Schuppen endete f├╝r mich als Kind die Welt.
Ein Schlot, so nennt man in Friesland einen kleinen , schlammigen Flu├č, lief hinter dem Schuppen her. An ihm lag eine Weide mit Schafen und dahinter erstreckte sich ein winziges W├Ąldchen.
Nun lag der Schuppen, in dem wir so gerne spielten, obwohl es verboten war, in einem d├╝sterem D├Ąmmerlicht der Sommernacht. Er hob sich beinahe schwarz aus der Szenerie und war Herberge f├╝r die Katzen in der Nacht.
Die glaslosen Fenster starrten uns an wie Augen, so wie wir den Schuppen anstarrten. Und das Schreien dieser Katze drang aus diesem Schuppen zu uns hinaus.
Nach einer Ewigkeit schlo├č meine Gro├čmutter die Terrassent├╝r und setzte einen Kessel Wasser auf.
Ich aber konnte meinen Blick nicht von den Augen des Schuppens wenden.
Und als mich meine Gro├čmutter an der Schulter ber├╝hrte um mich zur├╝ck in mein Bett zu schicken, da h├Ârte es auf, ganz pl├Âtzlich das Schreien.
Und wie ich verwundert in die Nacht schaue, und in die Augen des Schuppens, da sah ich den Schatten.
Wie er am Fenster stand und zu uns r├╝berschaute. Der Schatten einer menschlichen Gestalt.
Und von diesem Moment an war die Nacht still, nicht einmal die Grillen zirpten. Und als ich in meinem Bett lag und der Schlaf mich ├╝bermannte, sah ich den Schatten wieder, in meinen Tr├Ąumen.

Am n├Ąchsten Morgen fand ich meine Gro├čmutter weinend in der K├╝che sitzend.
Mein Gro├čvater war fr├╝h schon im Schuppen gewesen, um f├╝r die morgendliche Fahrt mit dem Boot Netze aus dem Schuppen zu holen.
Doch als Er zur├╝ck in das Haus kam, brachte er statt dessen eine tote Katze mit.
Er fand sie auf dem Schober im Schuppen. Er sagte, sie m├╝sse sich verletzt haben, denn ├╝berall habe Blut gelegen, und nun w├╝├čte man ja auch, wieso das arme Tier so geschrien habe.
Doch ich wu├čte es besser.
Ich sah den Schatten.

Die Katze meiner Gro├čmutter blieb nicht das einzige tote Tier in der n├Ąchsten Zeit. ├ťberall aus der Nachbarschaft klagten die Leute ├╝ber die Verluste Ihrer Tiere.
Die Tiermorde waren immer geheimnisvoll. Niemand schien je etwas bemerkt zu haben. Es gab massenhaft tote Katzen, tote Hunde und selbst ein paar tote Schafe waren zu vermelden.
Also wurde die Polizei eingeschaltet. Die Menschen riefen Ihre Tiere bei Einbruch der Dunkelheit in die H├Ąuser. Und es wurden Versammlungen abgehalten, da man sich auch Sorgen um die B├╝rger machte.
Die Stra├čen waren Abends leer, und obschon es Sommer war, spielten die Kinder nicht mehr drau├čen.
Die Polizei versuchte die Menschen zu beruhigen, war aber nicht in der Lage, Licht in die Angelegenheit zu bringen.
Und ich dachte immer an den Schatten.
Immer.

Als am 4.Wochenende nach Beginn der Sommerferien eine Freundin, Nadine, bei mir ├╝bernachten durfte, redeten wir die halbe Nacht dar├╝ber, und so kam es, das auch Sie zugab, jemanden vor dem Tot Ihres Hundes Scooter gesehen zu haben.
Ich hatte noch niemanden von dem Schatten erz├Ąhlt, aber jetzt wollte ich mir Luft machen.
ich erz├Ąhlte die ganze Geschichte.
Von dem Schreien der Katze bis hin zu dem Schatten am Fenster.
Und je mehr ich redete, desto aufgeregter wurde ich.
Ich wu├čte, Nadine hing ganz besonders an Ihrem Hund. Nach dem Tot Ihres Vaters war er beinahe alles was Ihr von Ihm geblieben war.
Ich wei├č nicht, wie wir dazu kamen, ich kann heute noch nicht nachvollziehen, was f├╝r ein Teufel uns geritten hat in dieser Nacht, doch wir beschlossen, der Sache auf dem Grund zu gehe. Mit einer Zuversicht, die nur Kinder zu eigen ist, waren wir entschlossen, den T├Ąter zu entlarven. Kinder denken nie an den Tot.
F├╝r ein Kind scheint das Leben ewig zu w├Ąhren.
Und so fasten wir den verh├Ąngnisvollen Plan f├╝r die n├Ąchste Nacht.
Die Nacht sollte mein Leben ver├Ąndern und von da an sollte ich erfahren, das ein Kind nicht ewig lebt.
Wir schliefen gl├╝cklich ein.
Denn von nun an hatten wir das Gef├╝hl, etwas tun zu k├Ânnen.
Der n├Ąchste Tag begann wie alle anderen Tage davor.
Ich fr├╝hst├╝ckte mit meinen Gro├čeltern, stritt mich mit meinem Bruder ├╝ber das Fernsehprogramm und f├╝tterte mit meiner Gro├čmutter die Katzen.
Gegen Mittag traf ich mich mit Nadine um alle Vorbereitungen zu treffen, die f├╝r die Nacht notwendig waren.
Von Ihrer Mutter "borgten" wir uns Taschenlampen.
Von meinem Gro├čvater wollten wir uns Netze "borgen".
Ich war seit der Nacht nie wieder im Schuppen, und als wir nun davor standen, und die Sonne uns den Nacken fast verbrannte, war mein K├Ârper ein Stein.
Ich schwitze in meinen kurzen Hosen und mein T-Shirt klebte an meiner Brust.
Ich nahm allen Mut zusammen und streckte die Hand nach dem rostigem T├╝rknauf aus.

Der Schuppen war k├╝hl, das war er immer. Es war nicht wichtig, wie hei├č der Sommer war, denn dort drin war immer
Schatten.

Schatten
spielten an den mit Spinnweben verhangenen W├Ąnden
Schatten
verdunkelten die Ecken und
Schatten
tanzten unter den glaslosen Fenstern.

Ich rannte hinein, mein Herz drohte meine Brust zu sprengen und mein Atem brannte.
Ich lief ohne nach links oder rechts zu schauen zu der alten Holskiste, in der mein Gro├čvater seine Netze aufbewahrte.
Ich ├Âffnete Sie und griff hinein, ohne auch nur einen Blick zu verschwenden und nahm, was ich f├╝hlte.
Zu meinem Gl├╝ck was es tats├Ąchlich eines seiner Netze.
Als ich mich umdrehte um wieder hinaus zu laufen, sah ich Nadine im Sonnenschein stehen und beneidete Sie.
Obwohl ich nur noch raus wollte, zu Ihr in den Sonnenschein, wanderte mein Blick nach oben zu dem staubigem Schober.
Dort, wo vor ├╝ber vierzig Jahren einmal Fisch ger├Ąuchert wurde, und wo es noch immer nach Fisch roch, dort oben, da war ich mich sicher, lebte der Schatten.
Um mich herum, gab es keine Zeit mehr, als ich es bemerkte, das, was mich schon st├Ârte, als ich in den Schuppen rannte.
Etwas das anders war, etwas, das falsch war.
Wo war die Leiter??
So lange ich denken konnte, stand immer eine alte, morsche Leiter am Rand des Schobers.
Bei Gott, ├╝ber diese Leiter kamen wir immer dort oben rauf!
Die Leiter, die meinem Bruder im letztem Sommer beinahe das Leben gekostet hatte, weil eine Sprosse brach und er drohte zu fallen.
Die Leiter, die mein Gro├čvater immer, immer ersetzten wollte, und es doch nie tat.
Ich konnte Ihre Spuren noch auf dem staubigem Boden sehen.
Die zwei Abdr├╝cke, dort wo sie stand.
Ich ging weiter in den Raum rein, um besser nach oben schauen zu k├Ânnen.
Wie aus weiter Ferne h├Ârte ich Nadine meinen Namen rufen.
Ich streckte meinen Hals...und nun roch ich es auch.
Ein Geruch, den ich nicht kannte.
es roch s├╝├č, aber nicht sch├Ân s├╝├č.
Der s├╝├čliche Geruch kam von dort oben.
Wenn ich auf einer bestimmten Stelle stand, quoll er aus den oberen Balken zu mir herunter.
Er war direkt ├╝ber mir.
Die Erkenntnis traf mich wie ein Fausthieb.
ES war direkt ├╝ber mir.
Meine H├Ąnde ballten sich zu F├Ąusten.
Denn ich konnte ES h├Âren.
Bewegungen, Rascheln.
Wie ich aus dem Schuppen raus kam, wei├č ich nicht mehr.
Ich wei├č nur noch, das Nadine mich sch├╝ttelte und mir ins Gesicht schrie.
Als ich wieder klar wurde, stand ich mit Ihr im Sonnenschein und mein Nacken wurde wieder hei├č.
Ich schaute auf meine H├Ąnde, denn sie schmerzten.
Ich hatte meine N├Ągel tief in meine Handfl├Ąchen gegraben, und auf vier, kleinen, sichelf├Ârmigen Wunden quoll Blut.

An diesem Nachmittag baten wir Nadines Mutter ein weiteres Mal, ob Ihre Tochter nicht bei uns schlafen d├╝rfte.
Sie sagte zu, und als wir bei Sonnenuntergang zur├╝ck zu meinen Gro├čeltern gingen, hatten wir Angst.
Wie sahen ein bi├čchen Fern, a├čen ohne Appetit und sprachen kaum.
Als der Sp├Ątfilm begann, schickte uns meine Gro├čmutter ins Bett.
Und wir gingen ohne ein Wiederwort.

Unser Zimmer lag direkt unter dem Dach. Es hatte zwei Fenster.
Das Fenster, das vorne raus ging bot ein Blick auf die Stra├če und auf den Damm.
Das Fenster, das nach hinten auf den Hof raus ging, schlo├č sich an eine kleines Vordach, ├╝ber das wir zu klettern gedachten. Von diesem Fenster aus konnte man den Schuppen sehen, und den Schlot. Und wenn es windstill war, konnte man des Schlot auch riechen. Das schlammige Wasser hatte eben seine eigene Duftnote.
Als wir sicher waren, das meine Gro├čeltern schliefen, verwirklichten wir unseren tollk├╝hnen Plan. Die alte Uhr an der Wand meines Zimmers zeigte schon nach Mitternacht. leise, ohne auch nur einen Laut von uns zu geben, zogen wir uns an und
mit allergr├Â├čter Vorsicht schlichen Nadine und ich uns aus dem Fenster.
Mein Bruder schlief selig.
Wir zogen das Netz hinter uns auf das Vordach und blieben still sitzen.
Wir beobachteten lange, lange Zeit.

Und tats├Ąchlich...obwohl sich eine scheinbare Ewigkeit gar nichts tat, leuchtete pl├Âtzlich ein Licht hinter den Fenstern des Schuppen.
Wir konnten sehen, wie es hin und her schwang.
Ich hatte einen Klos im Hals und versuchte zu sprechen.. aber statt dessen nahm ich Nadines Hand und hielt sie.
Das Licht im Schuppen erlosch und die T├╝r zum Schuppen wurde ge├Âffnet.
Der Schatten trat heraus.
Doch es war kein Schatten.
Es war ein junger Mann.
Ich dachte an einen Penner, oder an einem entlaufenem H├Ąftling.
Ich dachte an einem M├Ârder und mich verlie├č der Mut.
Er blickte sich um, dann verschwand er hinter dem Schuppen und wir sahen ihn ├╝ber den Schlot spingen.
Wahrscheinlich ging er Richtung W├Ąldchen.
Das war unser Stichwort. Ohne ein Wort zu sagen, kletterten wir vom Vordach und zogen das Netz hinter uns her. Wir erschraken, als es mit einem lauten "Plumps" zu Boden viel.
Ich konnte meinen Puls sp├╝ren.
Nadine sammelte das Netz auf und schlang es sich um die Taille, wie wir es ge├╝bt hatten.
Wir waren uns dar├╝ber im klaren das wir uns schnell und ungehindert bewegen mu├čten.
Ich nahm die Taschenlampen und wir machten uns auf den Weg in den Schuppen.

Es war stockfinster hier drin. Es roch staubig und alt.
Ich leuchtete mit einer der beiden Taschenlampen in die Dunkelheit.
Und ich war nicht ├╝berrascht, die Leiter wieder zu sehen.
Wer auch immer zog sie hinter sich auf den Schober, damit man Ihm nicht folgen konnte.
Ich folgte der Leiter mit dem Stahl der Lampe um nach oben zu schauen.
Nadine stand hinter mir und ich f├╝hlte Ihren Atem in meinem Nacken. Hei├č und feucht.
Ich ging auf die Leiter zu und stellte meinen Fu├č auf die erste Sprosse....meinen Blick immer nach oben gerichtet.....Und lie├č fast die Taschenlampe fallen, als ich seine Stimme h├Ârte.
"Was tut Ihr hier?"
Ich wagte nicht mich um zu drehen.
Tat es aber trotzdem.
Was ich sah, lie├č mich schreien wollen, aber ich konnte nicht.
Ich konnte Ihn nur anstarren. Er hatte Nadine.
Er hatte sie mit einer Hand in den Nacken gepackt und hielt sie ohne M├╝he einen halben Meter ├╝ber den Boden. Sie strampelte mit den Beinen, aber er hielt Sie.
Sein Gesicht betrachtete mich mit einen Ausdruck von Neugierde und w├╝tender Erwartung. Seine Haut war wie Seide, eben und wei├č, doch seine Augen brannten wie Feuerb├Ąlle.
Seine Lippen war voll und rot, und sie l├Ąchelten mich beinahe freundlich an.
Ich wollte etwas sagen, mu├čte, irgendwas. .aber ich konnte nicht.
Der Schein der Taschenlampe klebte an seinem Gesicht.
Und seine Augen reflektierten das Licht.
Es hatte nichts menschliches an sich.
"Hab ich Dir nicht gerade eine Frage gestellt?"
Fragte er freundlich mit einer Stimme aus Samt.
Nadine zappelte nun nicht mehr.
Ihre Arme hingen schlaff an Ihren K├Ârper herunter. Ihr Kopf lag auf seinem Arm und ich konnte sie zischend die Luft einatmen h├Âren.
Er sah Ihr in Ihre Augen und schmi├č sie eineinhalb Meter aus dem Schuppen raus, wo sie reglos liegen blieb.
Er sah Sie noch einige Sekunden an, dann l├Ąchelte er mich an.
"Kannst du nicht sprechen?"
Er trat einen Schritt auf mich zu und das lie├č mich aus meiner Starre erwachen.
Ich schrie, schrie wie ich noch nie geschrien hatte. Ich schrie lauter als die Katzen.
Und ich h├Ârte erst wieder auf, als ein Knall die Nacht durchschnitt.
Das Ding vor mir betrachtete mich fragend und sah zu seinem Bauch.
Blut quoll aus einer tellergro├čen Wunde unter seinem Hemd . Einen Augenblick starrten wir beide darauf als ob das alle Fragen dieser Welt beantworten k├Ânne.
Dann h├Ârte ich die Stimme meines Gro├čvaters, die nach mir rief.
Das Ding vor mir drehte sich mit einer rasenden Geschwindigkeit um und rannte auf meinen Gro├čvater zu.
Auf seinem R├╝cken sah ich mehr Blut. .und andere Dinge, sie kamen aus seinem R├╝cken.
Ich h├Ârte wieder einen Knall, dann noch einen.
Und das Ding fiel.
Erst jetzt sah ich die Schrotflinte meines Gro├čvaters in seinen H├Ąnden.
Das Ding lag auf dem Rasen meiner Gro├čeltern.
Es bewegte sich nicht mehr.
Ich sah meine Gro├čmutter, wie sie ├╝ber Nadine beugte und auf Ihre Brust dr├╝ckte.
sie tat das immer wieder und pustete in Ihren Mund.
Dr├╝ckte,
pustete,
dr├╝ckte,
pustet...
Ich konnte nicht aufh├Âren, das anzusehen.
Menschen versammelten sich und starrten.
Unsere Nachbarn , da, der alte Mann, der seit zw├Âlf Jahren nicht mehr trank.
Als die Polizei und die Krankenwagen kamen, ging die Sonne auf.
Das Ding wurde in einen Krankenwagen gebracht, auch Nadine.

Am Tag holte die Polizei vom Schober unseres Schuppens einen toten Mann und eine tote Frau, die niemand kannte.

Zwei Tage sp├Ąter verbrannte mein Gro├čvater den Schuppen und mein Bruder und ich beobachteten die Flammen, die weit in den Himmel ragten und als Nadine drei Tage sp├Ąter auf dem ├ľrtlichen Friedhof begraben wurde, stand in der Zeitung, das ein kleines M├Ądchen von einem Obdachlosen ermordet wurde.
Mein Vater holte mich vor der Zeit, und wir sprachen auf den ganzen Heimweg kaum ein Wort miteinander.
Ich war seit dem drei Jahre lang nicht bei meinen Gro├čeltern.
Als ich 13 war starb mein Gro├čvater und wir gingen zu der Beerdigung.
Wo eins der Schuppen stand, war nun ein Beet mit M├Âhren und Kohlrabi.
Wir sprachen nie wieder ├╝ber jene Nacht.

Das alles geschah im Sommer 1984.
Und wenn man die Menschen heute danach fragt, dann sagen sie:

"Blutsommer"

Blutsommer 1984.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Nightflier
Hobbydichter
Registriert: May 2002

Werke: 4
Kommentare: 26
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Hallo ...

Ich weise Dich darauf hin ich bin hier neu
habe heut abend nur mal, ne kurzgeschichte gelesen

da ich sehr shcnell schreibe lese ich keinerlei korrektur
und daher ist die rechtschreibung absolut nebens├Ąchlich

ich hab deinen text gelesen, einige stellen darin erscheinen mehr als spannend, aber andere wiederum lassen
mich aus der spannung sofort herausfallen, und st├Âren sich
an formalfehlern

alles in allem ist deine geschichte gut gelungen
nur frage ich mich warum du das ding am ende offen l├Ąsst

im gro├čem ganzem scheint es sich dabei um einen vampir
zu habdeln, so zumindest mutet die beschreibung an

andererseits, wiederspricht dem die taschenlampe

wenn Du gern mal ne meinung haben m├Âchtest welche formalfehler mich unter anderem st├Âren , ich helfe gern weiter

der nachtflieger
__________________
.. Du hast ein Leben lang nach mir gesucht ..
in den Leichenhallen
auf den Friedh├Âfen

Bearbeiten/Löschen    


Phantom
Guest
Registriert: Not Yet

Ich muss zugeben, dass mir diese Geschichte gut gefallen hat. Irgendwie ein bischen mit Melancholie angehaucht, aber trotzdem spannend. Auch die Erz├Ąhlperspektive ist mal anders, nicht personal (allwissender Erz├Ąhler, der Mann geht so und so, die Frau dachte...) sondern auktorial (Ich-Erz├Ąhler), die ist schwieriger und wird von den wenigsten Krimiautoren gew├Ąhlt. Dennoch h├Ątte ich zwei Verst├Ąndnisfragen:

1. Du schriebst am Anfang der Geschichte:"Hinter dem Schuppen endete f├╝r mich als Kind die Welt", wie kann das sein, da die beiden Jungen ab und zu auf dem Damm sitzen, und die Fischer beobachten, das ist doch die nat├╝rliche Barriere, also das Ende der Welt f├╝r das Kind.

2. Du hast den M├Ârder zwar detailliert beschrieben, doch trotzdem kommt nicht raus warum er das getan hat. War er jetzt ein Obdachloser, oder vielleicht doch eher aus einer Irrenanstalt geflohen? An dem Motiv solltest du noch ein wenig arbeiten, f├╝r den Leser bleibt es unklar warum er das getan hat.

Ich freue mich schon auf deine n├Ąchste Geschichte.
Gru├č Phantom

Bearbeiten/Löschen    


Rub.
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2002

Werke: 8
Kommentare: 12
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Danke Phantom,

um gleich auf deine Fragen einzugehen.

Was das End der Welt angeht.
Der Damm war beinahe direkt vor dem Haus, allerdings durften wir Kinder hinter dem Haus nie weiter als zum Schuppen laufen.
Es ging dabei nicht darum, das wir verlohren zu gehen drohten, denn dort war ja noch eine gro├če Weide, sondern darum, das dort der stinkene Schlot mit den vielen ratten war.
F├╝r uns las Kinder ein absolutes Tabu.
Was nun den M├Ârder angeht.
Ich habe ganz bewu├čt keine Motive oder n├Ąheres zu den Gedankeng├Ąngen das M├Ârders beigesteuert, da die Geschichte aus der Sicht eines Kindes beschrieben wird.
Dieses Kind wei├č von alle dem nichts. Es ist lediglich mit dem von ihm aufgefasten Tatsachen konfrontiert.
Ich habe es aus diesem Grund ganz vermieden, Spekulationen anzustellen.

liebe Gr├╝├če,
und danke f├╝r deine Kritik

Rub.

Bearbeiten/Löschen    


GKL
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 4
Kommentare: 20
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hey Rub.,
eine tolle Geschichte, hat mir wirklich sehr gefallen: unheimliche Atmosph├Ąre, spannend, rasante Erz├Ąhlweise. Vor allem aber ist die Geschichte glaubw├╝rdig, d.h. man hat das Gef├╝hl, als w├Ąre alles wirklich so geschehen. An der Story wirkt nichts gek├╝nstelt, dein Schreibstil ist locker und anschaulich. Daf├╝r kann ich dir nur mein Kompliment aussprechen.

Zwei Sachen noch:
- Hei├čt es nicht "Deich" statt "Damm"? Oder ist "Damm" auch solch typisch friesischer Ausdruck wie "Schlot"?
- Du schreibst "...Tot ihres Hundes", "...Tot ihres Vaters", "...Kinder denken nie an den Tot". Wahrscheinlich hilft dir die Word Rechtschreibhilfe hier auch nicht weiter, denn in diesen F├Ąllen ist die richtige Schreibweise "Tod".

Gru├č

G├╝nter

Bearbeiten/Löschen    


Marc Mx
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2000

Werke: 3
Kommentare: 66
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Kommentar zu Blutsommer

Die Geschichte ist ja eigentlich durchaus interessant...

Der Anfang ist aber nicht nur zu lang, sondern auch langweilig. Die Details h├Ąttest Du wenn ├╝berhaupt irgendwo im Text einflie├čen lassen k├Ânnen...
An der Stelle ÔÇ×Das war der Sommer 1984ÔÇť geht es eigentlich erst los. Leider kommt danach wieder nur ein uninteressanter Einschub...
Der Kommentar: ÔÇ×Obschon er noch viele Jahre lebteÔÇť ist ├╝berfl├╝ssig.
Das mit dem Balzgeschrei der Katze macht sehr neugierig und die Reaktion des Jungen ist sehr nachvollziehbar...
Gut ist der Text an den Stellen, wo detailliert Ereignisse und Zust├Ąnde beschrieben werden. Da zieht der Text und macht neugierig.
Sprachlich ist der Text an vielen ÔÇô zu vielen Stellen problematisch bis mi├člungen.
ÔÇ×Ein Schlot lief hinter dem Schuppen herÔÇť klingt sehr witzig, ist aber sicher nicht das, was ausgedr├╝ckt werden sollte.
ÔÇ×Ich aber konnte meinen Blick nicht von den Augen des Schuppens wenden.ÔÇť ÔÇô Der Schuppen hat Augen? Doch wohl eher die Katze in dem Schuppen, oder?
ÔÇ×Kinder denken nie an den Tot (Tod!). F├╝r ein Kind scheint das Leben ewig zu w├Ąhren.ÔÇť ÔÇô Wozu steht das da? Es ist ├╝berfl├╝ssig!
ÔÇ×Die Nacht sollte mein Leben ver├Ąndern und von da an sollte ich erfahren, das ein Kind nicht ewig lebt.ÔÇť ÔÇô Ebenfalls ein uns├Ąglicher Einschub, der nichts mit der Geschichte zu tun hat, sondern ein Kommentar des Autors ist...
ÔÇ×Schatten spielten an den ... Ich rannte hinein, mein Herz drohte meine Brust zu sprengen und mein Atem brannte.ÔÇť ÔÇô Pathetischer ging es wohl nicht.
ÔÇ×ES war direkt ├╝ber mir.ÔÇť ÔÇô Ist ein bi├čchen sehr platt. Erinnert zu sehr an Stephen King!
Au├čerdem ist die Stelle etwas unglaubw├╝rdig, weil der Junge nicht weiter nachforscht bzw. es wird nicht nachvollziehbart erkl├Ąrt, warum er jetzt nicht weiter nachforschen will.
Das Ende finde ich auch nicht so gelungen. Es ist zu offen.

Aus dem Text l├Ą├čt sich Deine Behauptung, sie sei aus der Sicht eines Kindes geschrieben nicht erkennen.

Insgesamt hat der Text sehr gute Ans├Ątze muss aber mMn nach noch sehr deutlich ├╝berarbeitet werden.

Und noch eins: Dieser Text ist kein Krimi!

Gru├č

Marc

Bearbeiten/Löschen    


Rub.
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2002

Werke: 8
Kommentare: 12
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
hallo Marc

Guten Morgen Marc,
ich habe mich sehr ├╝ber diese ausf├╝hrliche Kritik gewundert. Das hatte ich hier noch nie.
Allerdings m├Âchte ich noch auf einige Punkte eingehen, die du angef├╝hrt hast.

Zitat
_____

Der Anfang ist aber nicht nur zu lang, sondern auch langweilig. Die Details h├Ąttest Du wenn ├╝berhaupt irgendwo im Text einflie├čen lassen k├Ânnen...

____

Im Grunde genommen hast du schon recht, sicherlich h├Ątte ich diese Begebenheiten irgendwo einflie├čen lassen k├Ânnen, nur w├Ąre ich ja dann in pl├Âtzliche Geschenisse hineingeplatzt, die schon ein Vorspiel bed├╝rfen.


Zitat

___________-

Sprachlich ist der Text an vielen ÔÇô zu vielen Stellen problematisch bis mi├člungen.
ÔÇ×Ein Schlot lief hinter dem Schuppen herÔÇť klingt sehr witzig, ist aber sicher nicht das, was ausgedr├╝ckt werden sollte

__

Das war genau das, was ich sagen wollte. Ein Schlot ist ein kleiner, meist zeimlich verdreckter Flu├člauf, der, zumindest in diesem Fall, eine Menge Ratten beherbergte.

Zitat
__________

ÔÇ×Ich aber konnte meinen Blick nicht von den Augen des Schuppens wenden.ÔÇť ÔÇô Der Schuppen hat Augen? Doch wohl eher die Katze in dem Schuppen, oder?
__________

Die Fenster sind die Augen des Schuppens. Das ist eine Metapher;-)
Es geht nicht um Katzen, die dort im Schuppen sitzten.


Zitat

______________

ÔÇ×Kinder denken nie an den Tot (Tod!). F├╝r ein Kind scheint das Leben ewig zu w├Ąhren.ÔÇť ÔÇô Wozu steht das da? Es ist ├╝berfl├╝ssig!
_______________

Es steht dazu da, um zu verdeutlichen, das selbst Kinder in der Lage sind diese Tatsache zu lernen und auch zu akzeptieren.
Nennen wir es einfach, die Moral von der Geschicht:-)

Zitat
_________________
ÔÇ×Die Nacht sollte mein Leben ver├Ąndern und von da an sollte ich erfahren, das ein Kind nicht ewig lebt.ÔÇť ÔÇô Ebenfalls ein uns├Ąglicher Einschub, der nichts mit der Geschichte zu tun hat, sondern ein Kommentar des Autors ist...
_________________

nat├╝rlich hat es etwas mit der geschichte zu tun, denn diese ist ja aus der Sicht des Autors geschreiben, und nicht aus der Sicht des Kindes, wie du es sp├Ąter einmal erw├Ąhnst.
Der Autor erinnert sich an diese Begebenheiten und schreibt sie nieder..oder erz├Ąhlt sie auch. Das bleibt ganz dem Leser ├╝berlassen.


Zitat
____________

ÔÇ×Schatten spielten an den ... Ich rannte hinein, mein Herz drohte meine Brust zu sprengen und mein Atem brannte.ÔÇť ÔÇô Pathetischer ging es wohl nicht.
____________

Die Dramatik des Augenblickes mu├č auch als solches dargestellt werden.
Wenn man diese Situation nicht treffend beschreibt, denke ich, ist das "Talent" verschwendet ;-)

Zu guter Letzt noch, habe ich das gef├╝hlt, das du eine Geschichte wie aus dem Lehrbuch hier erwartest.
Stilistische Ausschweifungen d├╝rfen nicht sein, metaphern werden nicht verwendet ect.

Das stimmt mich schon ein wenig traurig, denn man mu├č die versteckten Dinge auch erkennen.
Nicht nur das was man liest.
Zum Beispiel die Augen des Schuppens.
Aber ich habe mich sehr ├╝ber deine Kritik gefreut.
Eigendlich sollte die Geschichte auch nicht nach krimi, als ich sie gepostet habe, was schon eine Weile her ist, da stand da noch...:Krimi/Horror

Hm, und nachdem das ge├Ąndert wurde, ist sie bestimmt da nur reingerutscht.
Eine kleine Sache noch
Die Protagonistin ist ein M├Ądchen ;-)
Viele Liebe gr├╝├če
Rub.






Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Krimis und Thriller Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!