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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Bob der Schneckenmann
Eingestellt am 18. 06. 2005 15:22


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seagull
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2005

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Bob, der Schneckenmann

Bob war eine ausgewachsene Riesenschnecke und lebte in einem sehr gro├čen Wald mit m├Ąchtigen B├Ąumen, die wie es ihm schien, bis in den Himmel ragten.

Bob war nicht nur sehr schwer, sondern trug auch ein riesiges Haus auf seinem R├╝cken. Er hatte so schwer zu tragen, f├╝hlte sich unwohl mit diesem Gewicht und beklagte sich bei seinen Kameraden, dass er so viel zu langsam sei und nicht vorw├Ąrts kam. Er beneidete die vierf├╝├čigen Waldtiere, die unglaublich schnell an ihm vor├╝ber liefen. Ein Freund riet ihm, sich doch mal an den Schneckengott zu wenden und um Hilfe zu bitten. So fragte er den Gott der Schnecken, ob er nicht auch ein Vierf├╝├čler werden k├Ânne. Der Schneckengott best├Ątigte dies und bat nur um Angabe der gew├╝nschten Art. Bob war ├╝berrascht, aber auch sehr erfreut, dass der Schneckengott seinem Wunsche entsprechen w├╝rde und gab an gerne ein Fuchs zu werden. Kaum sprach er diese Worte aus, fand er sich auch schon auf vier Beinen wieder. Erfreut lief er durch den Wald und staunte ├╝ber seine Geschwindigkeit. Ein neues Bewusstsein durchflutete ihn. Er war jetzt sehr schlau und genoss das dadurch entstandene hohe Ansehen bei den anderen Tieren, die ihn alle um Rat fragten. Doch bevor der Tag zur Neige ging, hatte er schon im Geh├Âft, das nahe dem Wald lag, eine Gans gerissen. Das gefiel ihm, er war schnell, schlau und m├Ąchtig. Doch nach einigen Tagen lie├čen sich die Bauern das Verhalten des Fuchses nicht mehr gefallen und jagten ihn quer durch den Wald. Bob, dem Fuchs wurde es Angst und bange und nach einem ganzen Tag des gejagt werden, hatten sie ihn auf einer kleinen Lichtung gestellt. V├Âllig ersch├Âpft, verzweifelt und mit h├Ąngendem Kopf schaute er in die Runde. Die Jagdhunde fletschten schon die Z├Ąhne und bellten laut und drohend. Gleich w├╝rden die J├Ąger sie auf ihn loslassen. Da flehte er seinen Fuchsgott an, ob er ihn nicht befreien und zu einem Vogel werden k├Ânne, damit er den J├Ągern und Hunden davonfliegen k├Ânne.

Kaum hatte er seinen Wunsch ausgesprochen, fand er sich als Vogel wieder, z├Âgerte nicht lange, breitete seine Fl├╝gel aus und flog davon. Er war gl├╝cklich, nicht nur dar├╝ber, dass er den J├Ągern entkommen war, sonder auch ├╝ber sein neues Dasein. Er schwang sich hoch empor bis in die Wipfel der h├Âchsten B├Ąume. Er genoss seine Freiheit sehr, denn er konnte hinfliegen wohin er wollte und kannte keine Grenzen mehr. Auch hatte er die Gabe wundersch├Âne Lieder tr├Ąllern zu k├Ânnen und bald hatte er im Tierreich eine gro├če Anzahl von Zuh├Ârern, die ihn bewunderten. Das genoss er sehr, doch wenn sein Konzert endete, verschwanden alle anderen Tiere wieder, niemand blieb, er f├╝hlte sich sehr einsam. Eines Tages entdeckte er hoch in einem Baumwipfel eine Vogelfrau, die in einem halb zerfallenem Nest hockte. Sie konnte nicht mehr fliegen, da bei einem Zusammenprall mit einem Baumstamm ihr linker Fl├╝gel brach und nicht mehr heilte. Sie freundeten sich an und er reparierte ihr Nest und teilte Zeit und Nahrung mit ihr. Seine Gesellschaft tat ihr gut und bald spazierten sie gemeinsam lachend ├╝ber die ├äste des hohen Baumes, wobei sie gar keine Angst vor dem tiefen Abgrund hatte, der sich unter ihnen auftat. Eines sp├Ąten Nachmittags, als sie gerade wieder einen Ast entlang spazierten, st├╝rzte sich ein Bussard auf die Beiden. Bob wurde klar, dass sie keine Chance hatten. Sie konnte nicht wegfliegen und er konnte es nicht mit einem Raubvogel aufnehmen. Er befragte den Vogelgott, ob er sie nicht beide verwandeln k├Ânnte. Dieser antwortete, dass nur er verwandelt werden k├Ânne. Wolle er ├╝berleben, m├╝sse er jetzt eine Entscheidung treffen. Da kam Bob eine Idee. Er spreizte seine Fl├╝gel, hob ab, tat aber so, als ob sein rechter Fl├╝gel verletzt sei. Sein Flug sah so aus, als ob er gleich abst├╝rzen w├╝rde. Damit lenkte er die Aufmerksamkeit des Raubvogels auf sich, der dachte ein vermeintlich leichtes Opfer gefunden zu haben. W├Ąhrend er hinter dem in die Tiefe st├╝rzenden Bob herjagte, brachte sich die Vogelfrau schnell im dichten Laub des Baumes in Sicherheit. Bob konnte schon die Krallen des Verfolgers an seinem Gefieder f├╝hlen, doch kurz bevor er auf dem Boden aufschlug, lies er sich in einen L├Âwen verwandeln. Er schwenkte seinen Kopf nach oben und br├╝llte aus Leibeskr├Ąften. Der Bussard wusste nicht wie ihm geschah und suchte schnell das Weite.

Bob war froh, dass er sich und die Vogelfrau hatte retten k├Ânnen. Trotzdem trauerte er um seine Freundin, denn er w├╝rde sie nie mehr wieder sehen k├Ânnen, da er sich nur einmal in ein bestimmtes Tier verwandeln konnte und sie ihren Baum nicht verlassen konnte. Missgelaunt streifte er durch den Wald, wobei er durch sein Knurren einige andere Tiere sehr erschreckte. Was sollte er jetzt anfangen, denn er wusste, dass er als L├Âwe fr├╝her oder sp├Ąter andere Tiere w├╝rde rei├čen m├╝ssen. Er wollte aber niemand anderes verletzen, da er ein friedfertiges Wesen und aus seinem Verhalten als Fuchs gelernt hatte. Als er so durch den Wald streifte, kreuzte pl├Âtzlich ein Hase seinen Weg. Dieser erstarrte bei seinem Anblick vor Angst und bat ihn ihm nichts zu tun, da er ja auch viel zu klein f├╝r seinen Hunger sei. Bob fand den Hasen s├╝├č, beruhigte ihn erstmal und teilte ihm mit, dass er nur auf der Suche sei. Der Hase war erleichtert und sagte Bob, dass er Suchenden immer riet die gro├če Lichtung in der Mitte des Waldes aufzusuchen. Bob war erfreut ├╝ber seinen Rat, verabschiedete sich h├Âflich und machte sich auf den Weg. Pl├Âtzlich nahm er einen bisher ungekannten Geruch war, dann h├Ârte er auch Stimmen. Ihm wurde mulmig, was ihn denn erwarten w├╝rde, doch die Neugier siegte. Vorsichtig streckte er seinen Kopf durch das Geb├╝sch und schaute in das Rund. Da erblickte er ein Menschenpaar, das auf der Lichtung picknickte. Er bemerkte die ausdrucksstarken, fr├Âhlichen Augen, das Gel├Ąchter der Beiden, die ausgelassene Stimmung und schlie├člich wurde er Zeuge wie sie sich k├╝ssten und liebten. Da sprach er zu seinem L├Âwengott, ob er nicht auch ein Mensch sein k├Ânne. Doch der Gott sch├╝ttelte verneinend den Kopf. Er sei zwar Gott der Tiere, k├Ânne aber nicht ein Tier in einen Menschen verzaubern, sondern nur Tier zu Tier. Seinem Wunsche k├Ânne er leider nicht entsprechen, dazu fehle ihm die Macht.

Bob war bitterlich entt├Ąuscht, hatte er doch herausgefunden, was er wirklich sein wollte. Als er noch ├╝berlegte, was er jetzt tun sollte, h├Ârte er wie sich die Stimmung auf der Lichtung ├Ąnderte. Er schaute noch mal hin und bemerkte, dass sich die beiden Menschen stritten, dann sogar schlugen und sich gegenseitig mit dem Inhalt des Picknickkorbs bewarfen. Das gab ihm doch stark zu denken und Bob beschloss, sich wieder in eine Schnecke verwandeln zu lassen, da kannte er sich aus. Seine Freunde begr├╝├čten ihn fr├Âhlich und baten darum unbedingt ├╝ber seine Erfahrungen zu berichten. Bob der Schneckenmann l├Ąchelte und sagte, dass sie als Schnecken das sch├Ânste und ruhigste Leben f├╝hren w├╝rden.

┬ę Seagull

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