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Leselupe.de > Humor und Satire
Boomtown 02/2000
Eingestellt am 16. 01. 2000 00:00


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Leovinus
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Boomtown ÔÇô Die Montagskolumne aus Berlin 02/2000

Ende der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts gab es eine Band namens "Boomtown Rats", deren Titel "I donÔÇÖt linke Mondays" auch jetzt noch h├Ąufig an diesem Wochentag zu h├Âren ist. Er handelt von einer Sch├╝lerin in San Diego, die am 29.1.1979 ihre Klassenkameraden erschoss und dies einzig mit jenem Satz begr├╝ndete. Um anderen Menschen ein ├Ąhnliches Schicksal zu ersparen, erscheint diese Kolumne jeden Montag in der Hoffnung auf zahlreiche Leser.

Sonntag

Der Sonntag ist die willkommene Gelegenheit, endlich einmal das zu tun, was man schon immer tun wollte: Nichts.
Gem├╝tlich flegelte er auf seiner Couch. Auf dem Boden die zerfledderte Stadtillustrierte, die ihm noch gestern abend gute Dienste geleistet hatte. Heute war sie sein Kopilot durch das Fernsehprogramm, um ihm die bekannte Mitteilung zu machen, dass nichts in der R├Âhre kam. Nichts macht nichts. Also bl├Ątterte er gedankenlos eine alte Computerzeitschrift durch, war aber durch keinen Artikel wirklich zu fesseln. Im Hintergrund lief das Radio, Live-Berichte von der "Gr├╝nen Woche", Musik, ein Herren-Duo versuchte redlich, ihn durch Wortakrobatik in Stimmung zu bringen. Aber die Sendung verbreitete eine ebenso graue Stimmung wie der Himmel, der seit dem Morgen bis jetzt, zum nahenden Sonnenuntergang, nicht recht hell geworden war. Er z├╝ndete sich eine Zigarette an und lauschte der Heizung. Schon dreimal hatte er sie in den vergangenen Wochen entl├╝ftet. Jedesmal pl├Ątscherte sie nach einer Stunde wie ein Zimmerspringbrunnen. Er ging auf die Toilette.
Kaum hatte er es sich auf der Couch wieder bequem gemacht, l├Ąutete der Nachbar. Seine Katze war verschwunden. Ein rot-wei├č geflecktes Ungeheuer, das es schon ├Âfter geschafft hatte, ├╝ber den Baum vor dem Haus auf seinen Balkon zu springen. Gemeinsam sahen sie nach, wobei es ihm ein wenig peinlich war, den Nachbarn durch das nicht ganz aufger├Ąumte Wohnzimmer zu f├╝hren. Keine Katze weit und breit ÔÇô der Nachbar ging wieder.
Er machte sich einen Kaffee und begab sich zur Couch. ├ťber ihm trappelten Kinderf├╝├če, die die Deckenlampe zum Vibrieren brachten. Nur kurz ├╝berlegte er, ob er zum wiederholten Male nach oben gehen sollte, um die Mitbewohner zum Tragen von Hausschuhen zu bewegen. Aber er beschloss, dass ihn das nur mehr aus der Ruhe bringen w├╝rde und blieb sitzen.
Das Telefon klingelte. Eine alte Freundin, die schon lang nichts mehr von sich hatte h├Âren lassen, lud ihn ins Kino ein. Er ├╝berschlug kurz, was das f├╝r ihn bedeutete: Den Platz auf dem Sofa zu r├Ąumen, rasieren, ausgehfertig machen, zur U-Bahn laufen ... Dankend lehnte er ab. Vielleicht ein anderes Mal. Also plauderten sie so eine Weile, ├╝ber ihren neuen Freund, dass sie nun endlich ihren Flur gestrichen hatte ÔÇô ein zartes Gr├╝n, damit man gleich freundlich gestimmt die Wohnung betritt - , was das Leben denn so bei ihm mache? Er dachte ├╝ber den gestrigen Abend nach, dar├╝ber, dass er zwar viel unterwegs gewesen war, aber nichts wirklich Interessantes erlebt hatte. Seine neue Freundin war nicht wirklich eine. Auch sie w├╝rde sich im Laufe der Zeit zu einer alten Bekannten entwickeln die irgendwann einmal an einem tr├╝ben Sonntagnachmittag anrufen und ihn ins Kino einladen w├╝rde. Aber davon sagte er nichts. Es geht mir gut, sagte er und fl├╝chtete sich in die Beschreibung dessen, was er gerade tat: Kaffee trinken, ├╝ber Nachbars Katze nachdenken, Kindergetrappel h├Âren, Radiomoderatoren ein Publikum bilden. Na, muss auch mal sein. Ich ruf dich wieder an.
Er legte den H├Ârer auf, nahm ein Buch zur Hand und begann das erste Kapitel zu lesen. Nach einer halben Stunde klang ein kl├Ągliches Miauen vom Balkon. Er holte Nachbars Katze und klingelte nebenan. Mit dem erneuten Versprechen, dass man in Zukunft besser auf Lucy aufpassen werde, wurde er verabschiedet. Einen sch├Ânen Sonntagabend noch.
Der Mann schlenderte wieder zu seiner Couch, rauchte noch eine Zigarette und lie├č den Rest des Abends ereignislos an sich vor├╝berziehen.
Eine sch├Âne Woche w├╝nscht Leovinus.

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Diese Kolumne erscheint regelm├Ą├čig im Forum von www.berlinerzimmer.de (seit Oktober 1999), im Satirebereich von www.leselupe.de (seit Januar 2000) und auf meiner Homepage.



(├ťbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
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