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Leselupe.de > Humor und Satire
Boomtown - Die Montagskomlumne aus Berlin 03/2000
Eingestellt am 23. 01. 2000 00:00


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Leovinus
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Boomtown – Die Montagskolumne aus Berlin 03/2000

Ende der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts gab es eine Band namens "Boomtown Rats", deren Titel "I don’t linke Mondays" auch jetzt noch häufig an diesem Wochentag zu hören ist. Er handelt von einer Schülerin in San Diego, die am 29.1.1979 ihre Klassenkameraden erschoss und dies einzig mit jenem Satz begründete. Um anderen Menschen ein ähnliches Schicksal zu ersparen, erscheint diese Kolumne jeden Montag in der Hoffnung auf zahlreiche Leser.


Was die Maus will – Ein Stück ohne Moral

Personen:
Adalbert – der alte Mäusekönig
Allabessa – seine Tochter
Antarias – sein Sohn
Bellenotius – der neue Mäusekönig
Brabans – sein Bruder
Ein Bote
Das Volk der Mäuse


1. Akt

Das Volk:
(marschiert mit Transparenten über die Bühne, ruft Adalbert muss weg! Mehr Käse für alle! Wir wollen Bellenotius!

(Im Hintergrund sinkt Adalbert seiner Tochter weinend in die Arme, während Bellenotius und Brabans vor Freude im Kreis springen. Das Volk stellt sich an die Seite und beobachtet alles Folgende.)

Adalbert:
Oh, Tochter, was haben wir nur falsch gemacht, dass unser Volk uns nicht mehr liebt?

Allabessa:
Ich glaube, wir haben nichts falsch gemacht. Sie wollten einfach einen neuen König.

(Währenddessen beginnen Bellenotius und Brabans aus Bauklötzen Türme zu bauen. Dabei geraten sie sich mehr und mehr in die Haare, sodass die Türme immer wieder umfallen.)

Adalbert:
Aber war ich ihnen denn kein guter König?

Allabessa:
Doch, das warst du, aber von Zeit zu Zeit brauchen die Mäuse Veränderungen. Warte nur ab, eines Tages bin ich Königin. Dann wirst du stolz auf mich sein.

(Wieder stĂĽrzt ein Turm ein.)

- Black -

2. Akt.

(Szenerie wie am Ende des 1. Aktes. Brabans wirft Bellenotius einen Bauklotz an den Kopf.)

Bellenotius:
Aua! Das hat weh getan!

Brabans:
Selber schuld! Warum baust du den Turm auch nicht so, wie ich es sage!

(Bellenotius tritt Brabans auf den Schwanz. Der schreit auf. Eine wĂĽste PrĂĽgelei entsteht. Das Volk holt neue Transparente hervor: "PrĂĽgeleien nein! Baut lieber TĂĽrme fein!"
Es marschiert einmal über die Bühne, während Brabans hinten mit schmerzverzerrtem Gesicht die Bühne verlässt.
Allabessa reibt sich die Hände.
Von nun an versucht Bellenotius allein TĂĽrme zu bauen, was ihm mal mehr, mal weniger gut gelingt.)

Allabessa:
Siehst du, Vater. So schnell geht das. Warte nur ab, dann will das Volk nichts mehr von ihnen wissen.

(Ein Bote kommt hereingerannt.)

Bote:
Prinzessin Allabessa, ich muss Ihnen eine furchtbare Mitteilung machen!

Allabessa:
Was hast du? Sprich!

Bote:
Sie mĂĽssen sehr tapfer sein, die Nachricht betrifft Ihre gesamte Familie, ja sogar das ganze Volk!

Allabessa:
Nun rede schon! Ist etwas mit meiner Mutter?

Bote:
Nein, nicht mit Ihrer Mutter, sondern mit Ihrem Vater. Ich muss Ihnen mitteilen, dass Ihr Vater in den letzten Jahren heimlich riesige Mengen Käse gehortet hat.

Allabessa:
(an ihrem Vater gewandt) Vater! Was hast Du getan? Wo ist der Käse geblieben?

(Das Volk holt Transparente hervor: "Käsediebe weg!" Auf den Transparenten sind durchgekreuzte Bilder von Adalbert, Allabessa und Antarias zu sehen.)

Adalbert:
Ach was redet ihr denn da? Gar nichts hab ich getan.

(Antarias, Allabessas Bruder, kommt hereingerannt.)

Antarias:
Vater! Was muss ich hören? Sagt mir die Wahrheit!

Bote:
Ja! Die Wahrheit! Was habt Ihr mit dem Käse gemacht? Wer gab ihn Euch?

Antarias:
Ruhe, Bote. Jetzt rede ich! Also, Vater, sprecht!

Adalbert:
Warum regt ihr euch auf? Der Käse kam von ganz honorigen Bürgern unseres Landes. Und ich habe ihn nur zum Wohle aller verteilt.

Allabessa:
Aber ihr hättet darüber nicht allein bestimmen dürfen!

Antarias:
Ihr hättet die Gesetze einhalten müssen!!!

Bote:
Na, na, Antarias. Ihr solltet besser schweigen. Über Euch weiß ich nämlich auch so einiges.

(Antarias schweigt betroffen. Er kriecht von dannen.
Das Volk wedelt mit den Transparenten und geht bedrohlich auf Adalbert zu, welcher nicht zurückweicht. Kurz vor dem alten König machen sie Halt Einige der Bilder zeigen auch Bellenotius mit Glorienschein. Dieser baut derweil weiter an seinen Türmchen. Der Bote wendet sich an ihn.)

Bote:
Und Ihr, Bellenotius, was haltet Ihr von den Betrügereien Eures Vorgängers?

Bellenotius:
Lasst mich in Frieden. Das ist deren Angelegenheit. Ich baue weiter meine Türme. Mit solch schwarzem Käse habe ich nichts am Hut.

Volk:
Oh! (Es packt stumm die Transparente weg und bastelt an neuen.)

(Adalbert verliert das Bewusstsein und fällt in einen von Bellenotius Türmen.)

- Black -

3. Akt

(Im Bühnenhintergrund hängt ein Bild von Adalbert, das mit schwarzem Trauerrand versehen ist. Auf der ganze Bühne verteilt sind gerade und krumme, komplizierte und schlichte Türme aus Bauklötzen aufgebaut. Im Vordergrund kniet Bellenotius und bastelt gerade an einem weiteren. Allabessa sieht ihm belustigt zu, während das Volk die Szenerie ebenfalls aufmerksam beobachtet. Während des folgenden Gesprächs kommt der Turmbau nicht voran, während Bellenotius mehr und mehr verzweifelt.)

Allabessa:
Nun, Bellenotius? Schwierige Angelegenheit, das TĂĽrmebauen, wie?

Bellenotius:
Lasst mich in Frieden. Ich mach das schlieĂźlich erst seit vier Jahren. Ihr hattet zuvor sechzehn Jahre Zeit zum Ăśben!

Allabessa:
Hättet Ihr uns dabei besser beobachtet, wärt Ihr nun geschickter. Darf ich Euch einen Rat geben?

Bellenotius:
Ich brauche Euren Rat nicht. Mit den Türmen werde ich allein fertig. Schaut nur dort! (Er weist auf einen weit hinten stehenden besonders gelungenen Turm.) Ein solch schönes Gebäude habt Ihr nie gebaut!

Allabessa:
Puh, schön, mag es ja sein, aber ist es auch nützlich? Es hat viel zu viel gekostet!

Das Volk:
Genau!

(Bellenotius schaut verwirrt auf und reiĂźt dabei ein StĂĽck seines Turms ein.)

Bellenotius:
Dennoch, eines Tages werden es mir die Mäuse danken.

Allabessa:
(lacht) Eines Tages!!! Ihr habt auch nichts verstanden! Die Mäuse wollen nicht bis morgen warten!

Das Volk:
(ruft Wir wollen Käse! Wir wollen Käse! (Sie schwingen Transparente mit Käsebildern.)

(Bellenotius steht auf. Dabei stürzt sein neuestes Gebäude vollends ein.)

Allabessa:
Seht Ihr. Ihr könnt nicht einmal Euer eigenes Werk beschützen!

Bellenotius:
Daran seid nur Ihr schuld! Hättet Ihr mich nicht abgelenkt!

Allabessa:
Hört auf zu schreien. Wisst Ihr, was Ihr falsch gemacht habt? (Sie wendet sich an das Volk.) Wollt Ihr es alle wissen?

(Das Volk hält inne und lässt die Käsetransparente sinken.)

Bellenotius:
Na, jetzt bin ich aber gespannt.

Allabessa:
Eure Türme sind zwar schön, aber sie sind zu kompliziert. (Sie geht zum Volk und nimmt sich aus der vorderen Reihe ein Transparent.) Was das Volk will ... (Sie hält das Transparent in die Höhe.) ... ist KÄSE!!!!

(Das Volk schwingt begeistert erneut die Transparente. Mit Allabessa an der Spitze geht es auf Bellenotius zu. Und ruft immer wieder "Käse! Käse!" Darunter mischen sich auch mehr und mehr Stimmen, die Allabessas Namen rufen. Sie kommen Bellenotius gefährlich nahe, bis dieser die Flucht durch seine Türme ergreift. Das Volk läuft ihm hinterher und rennt dabei die übrigen Bauwerke um. Es hinterlässt auf der Bühne eine Spur der Verwüstung.)


Epilog

(Allabessa steht allein im TrĂĽmmerfeld und spricht mit dem Bildnis ihres Vaters.)

Allabessa:
Siehst du, Papa, hab ich’s dir nicht gesagt? Eines Tages wirst du stolz auf mich sein. Ach, und das wegen damals ... tut mir leid, aber das musste sein. Wie hätte das Volk mir sonst soviel Vertrauen geschenkt?

- Ende -

Eine schöne Woche wünscht Leovinus.

---
Diese Kolumne erscheint regelmäßig im Forum von www.berlinerzimmer.de (seit Oktober 1999), im Satirebereich von www.leselupe.de (seit Januar 2000) und auf meiner Homepage.

(Ăśbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
Kommentare und Aufrufzähler beginnen wieder mit NULL.)

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