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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Boston Jazz Bar
Eingestellt am 29. 03. 2008 17:49


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masterplan
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2001

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Kl├Ąnge des Jazz-Piano erf├╝llen die schummrige Atmosph├Ąre des Nachtclubs und umnebeln zusammen mit dem Tabakrauch die Gedanken der G├Ąste, meine eingeschlossen.
Ich lausche wie der Spieler sein n├Ąchstes St├╝ck ank├╝ndigt, ehe er wieder ruhig und gef├╝hlvoll die Tasten seines Instrumentes hinabdr├╝ckt.
Trauriger und langsamer Blues geht im Einklang mit der Stimmung, die hier, im Boston's Pearl unter all den Anwesenden herrscht. Und obwohl ich diesen Gem├╝tszustand durchaus teile, gilt meine Aufmerksamkeit zwei M├Ąnnern an einem Tisch in der N├Ąhe des Ausgangs.
Ruby Powell und Nat Breeves sitzen dort jeden Donnerstag. So auch heute. Doch heute hat deren Treffen neben der Traditionserhaltung noch einen weiteren Grund: Meine Anwesenheit.
Ich winke der Bedienung. Herbei kommt eine h├╝bsche, dunkelh├Ąutige Dame, mit schwarzem Angestellten- Outift und einer wei├čen Sch├╝rze.
Ich bestelle einen Gin Tonic, der mir ein paar Minuten sp├Ąter auch von ihr gebracht wird.
"Bringen Sie den beiden Herren am Ausgang bitte zwei Bourbon... und diesen Umschlag." Ich ziehe einen wei├čen Umschlag aus meiner Jackentasche und deute auf die M├Ąnner, am ersten Tisch des Lokals. "Auf meine Rechnung."
Die weibliche Bedienung nickt, nimmt den Umschlag entgegen und geht unauff├Ąllig zur├╝ck zur Bar. Es macht den Eindruck als h├Ątte sie solche Bitten schon mehrmals erf├╝llt.
Hinter dem gro├čen Barteil aus Holz stellt sie zwei Gl├Ąser auf ein Tablett, f├╝llt diese jeweils zu einem Drittel mit Whiskey und legt meinen Umschlag bei.
Sie begibt sich zu Powell und Breeves, stellt ihnen das Tablett auf den Tisch und deutet in meine Richtung.
Zu seinem n├Ąchsten Song, singt der Piano- Spieler:
"Under grey skies, I'll wait for you. No way, I'm so blue without you. You keep me waiting, I keep lovin'... you..."
Langsam setze ich mein Glas auf die Lippen und trinke einen Schluck von dem Gin Tonic.
Ich genie├če den Moment, weil mir bewusst wird, dass Powell und Breeves soeben den Inhalt meines Umschlages gez├Ąhlt haben m├╝ssen.
Zehntausend Dollar. Das Handgeld f├╝r einen Mord. F├╝r den Mord an mir.
Der Killer war so unvorsichtig, seinen Lohn f├╝r noch nicht getane Arbeit bei sich zu tragen, als ich ihm zuvorgekommen bin.
Der selbe Umschlag, mit dem selben Geldbetrag. Zus├Ątzlich lag ein kleiner Zettel mit meinem Namen und meiner Adresse bei. Dar├╝ber ein rotes Kreuz, was dem Beauftragten bedeuten soll, dass auf meine Wenigkeit ein Attentat ver├╝bt werden sollte.
Der Mann hat versagt, und liegt jetzt irgendwo am Grund der Docks. Mit zwei Schusswunden im Rumpf und einem Sack Steinen an seinem Bein.
Ich habe dem Umschlag mit dem Geld eine neue Notiz beigelegt. Auf dieser stehen die Namen der beiden M├Ąnner, die ihn in diesem Moment lesen.
Der ├Ąltere, Nat Breeves, erhebt sich von seinem Platz, zieht seine Jacke an und steckt den Umschlag in die Innentasche.
Ruby Powell folgt ihm, klemmt sich sein dunkelbraunes Jackett aber nur unter den Arm und wirft ein paar M├╝nzen auf den Tisch.
Ehe sie die Bar verlassen, trinken beide ihren Whiskey mit einem Schluck aus und fixieren mich dabei.
Nachdem sie den Ausgang benutzt haben, werfe ich einen Blick auf meine Kensington Armbanduhr und kann trotz meiner leichten Anspannung ein L├Ącheln nicht unterdr├╝cken.
Nixxon, mein Freund und Spezialist f├╝r Autobomben sollte bereits vor vier St├╝cken des begabten Blues- K├╝nstlers sein Werk vollbracht haben.
Breeves und Powells 1929er Plymouth m├╝sste inzwischen eine h├╝bsche Verkabelung vom Z├╝ndblock zu einer Bombe unter dem Motorteil haben.
Ich winke nochmals die h├╝bsche Bedienung herbei, w├Ąhrend der ebenfalls dunkelh├Ąutige Musiker am Piano gerade ein weiteres seiner Lieder ank├╝ndigt.
Als sie an meinen Tisch kommt, fragt sie mich, ob mir die Musik von Coco Williams gef├Ąllt.
Ich sage ihr dass ich Blues liebe und wegen ihm und auch wegen ihr gerne wiederkommen w├╝rde.
Nach einer kurzen ├ťberlegung, denke ich, dass es im Moment keine gute Idee w├Ąre, das Lokal weder ├╝ber den Haupteingang, noch ├╝ber den Hintereingang zu verlassen, weil mich dort unter Umst├Ąnden jemand mit einer Waffe begr├╝├čen k├Ânnte. Zumindest sollte ich so lange warten, ehe ein Wagen vor dem Lokal h├Ârbar in die Luft fliegt.
Ich sage der geschmeichelten Bedienung, dass ich wohl doch noch ein bisschen bleiben werde, und bestelle einen weiteren Gin Tonic, nachdem ich ihr ein paar Dollar f├╝r ihre M├╝hen ├╝ber den Tisch zugeschoben habe.
Coco Williams spielt gerade die letzten T├Âne seines Songs. Ein paar G├Ąste klatschen bereits, ehe das Lied zuende ist.
"I had love on my mind, but your soul was too blind..."
Alle Anwesenden applaudieren, mich eingeschlossen.
Und w├Ąhrend sich Williams an seinem Jazz-Piano grinsend bedankt, bet├Ątigt Ruby Powell drau├čen die Z├╝ndung des 1929er Plymouth.
__________________
Sch├Ân, dass wir einmal dar├╝ber sprechen konnten...

Version vom 29. 03. 2008 17:49

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