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Leselupe.de > Kurzprosa
Brennende Sichel
Eingestellt am 21. 01. 2002 15:27


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masterplan
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2001

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Mit einer Splittergranate in der Hand, trat ein junger Mann auf die Stra├če, schrie ÔÇ×haut ab, ich sprenge mich jetzt wegÔÇť und wartete, ehe alle Menschen aus seiner Reichweite geflohen waren.
Dann zog er den Stift der Waffe heraus, hielt letztere in die Luft und wartete auf seinen Abschied.
Boom!
Au├čer dem jungen Mann war keiner zu Schaden gekommen. Er war allerdings ziemlich hin├╝ber, was der erste Arzt vor Ort best├Ątigte.
Ein anderer Mann in der N├Ąhe hatte diese Akt des Selbstmordes, ebenso wie viele sonstige Fu├čg├Ąnger, beobachtet. Er, nennen wir ihn Erwin, fragte sich danach, aus welchem Grund ein Mensch solch eine Tat begehen kann.
Also ging Erwin nach seiner Mittagspause p├╝nktlich zur├╝ck an seinen Arbeitsplatz. Dort wartete sein Vorgesetzter mit einer dicken Ladung zu erledigender Papiere und drohte bei einer m├Âglichen Nichterledigung vorher schon einmal mit einer Abmahnung. So setzte sich Erwin also an seinen kleinen, miefigen Arbeitsplatz und sah seufzend aus dem Fenster. Dort sah er nur eine dreckige Stra├če, mit einem noch dreckigeren Geb├Ąude gegen├╝ber. Seine Mitarbeiterin, am Tisch daneben, machte wie jeden Tag Anstalten, er solle gef├Ąlligst mit seiner Arbeit beginnen, schlie├člich arbeite sie ja schlie├člich auch so hart, um den Umsatz der Abteilung hochzuhalten. Nach dieser spitzz├╝ngigen Bemerkung stand sie auf und ging mit gez├╝ckter Zigarettenschachtel in die Kantine und kam eine halbe Stunde sp├Ąter mit einer Tasse Kaffee zur├╝ck.
Als Erwin gerade so richtig in seine banale Arbeit vertieft war, wurde er von seinem Kollegen Joseph mal wieder von der Seite angesto├čen. Die folgende, beleidigende Bemerkung bezog sich zu diesem Zeitpunkt auf Erwins ÔÇ×bescheuerteÔÇť Brillenfassung und den Streit mit seiner Vermieterin, die ihm drohte den Mietvertrag zu k├╝ndigen. Woher Joseph diese Information hatte, wu├čte er selbst nicht genau. Jedenfalls lachten alle Kolleginnen und Kollegen sp├Âttisch, als sie diesen h├Ąmischen Angriff auf ihn h├Ârten und machten sich noch vereinzelt ├╝ber seine Unf├Ąhigkeit lustig.
Als die elfte Arbeitsstunde anbrach, war Erwin mit seinem Papierkram erledigt und konnte nun endlich, nach allen anderen, nach Hause gehen.
Nach etlicher Warterei, in dem von Autostaus ├╝berf├╝llten Gro├čstadtdschungel, kam er nach einer Stunde endlich Zuhause, in seiner kleinen aber teuren Mietwohnung an, wurde aber noch vor deren Betreten von der Hausvermieterin aufgehalten und musste sich einen langen, zerm├╝rbenden Vortrag ├╝ber Mietrecht und Anstand von ihr anh├Âren. Als er das hinter sich hatte, spielte er, bevor er sich die neun Uhr Nachrichten ansehen w├╝rde, den einen eingegangenen Anruf auf seinem Anrufbeantworter ab. Es war die nette, weibliche Bekanntschaft, die er gestern getroffen hatte. Nach ihrer Nachricht zufolge, hatte sie aber kein weiteres Interesse an Erwin, sondern hielt als Ausrede, ihre R├╝ckkehr zu ihrem ehemaligen Freund f├╝r sinnvoller.
Die Nachrichten hatten wieder einmal wenig neue Informationen zu bieten, Erwin sah sie sich aber dennoch ├╝berzeugt an. Schlie├člich waren sie das Einzige, was ihn von seinem Leben ablenkte. Diesmal war ein kurzer Bericht ├╝ber die gewaltigen V├Âlkermorde in Afrika im Programm, dann kam eine gro├če und lange Reportage ├╝ber die USA und ihren Rachefeldzug gegen die Terroristen, nach dem Motto: ÔÇ×Welche Waffe t├Âtet einen Araber am brutalsten?ÔÇť Danach folgte ein kleiner, unbedeutender Bericht ├╝ber die Entf├╝hrung, den Mi├čbrauch und die Mi├čhandlung eines Kindes und anschlie├čend ein knapper Kommentar zu dem Mord zweier Eltern an ihrem Z├Âgling.
Nach den Nachrichten stand Erwin auf und holte sich eine kalte Cola aus dem K├╝hlschrank in seiner K├╝che. Als er wieder vor dem Fernseher Platz nahm, lief gerade eine Talkshow. Das Thema lautete: ÔÇ×Mein Auto is viel besser getuned, darum krieg ich alle Weiber ab!ÔÇť Vielmehr ging es aber darum, seinem Diskussionspartner klarzumachen wie ÔÇ×doofÔÇť und ÔÇ×bl├ÂdeÔÇť der ist und um gleichzeitig l├Ąssig zu wirken, seine ÔÇ×AlteÔÇť mit Worten wie ÔÇ×FotzeÔÇť und ÔÇ×SchlampeÔÇť abzuspeisen. Um dem noch einen draufzusetzen rief der - alles andere als neutrale (was er eigentlich als Diskussionsf├╝hrer sein sollte) - Moderator eine Dame herein, die sich als ÔÇ×hei├če RockerbrautÔÇť verstand und ihrer Aussage nach am liebsten mit allen Tuning- Freaks in die Kiste h├╝pfen w├╝rde. Und zwar gleichzeitig.
Danach folgte eine Late-Night- Verkaufssendung, die Erwin mit einem Staubsauger, ÔÇ×der in alle Ecken kommtÔÇť beinahe den Hirntot beschert h├Ątte. Zu seinem Gl├╝ck ist er rechtzeitig vor dem Fernseher eingeschlafen.
Als er am n├Ąchsten Morgen wieder die Augen ├Âffnete, bemerkte er an Zeitanzeige auf dem Teletext, der sich ├╝ber Nacht offensichtlich verselbstst├Ąndigt hatte, dass er um ganze f├╝nfzig Minuten zu sp├Ąt wach geworden war.
Auf dem Weg zur Arbeit machte sich Erwin schwerlich Gedanken dar├╝ber, was er seinem Arbeitgeber zu diesem Vorfall an Versp├Ątung sagen sollte. Schlie├člich waren auch noch alle Stra├čen bis obenhin mit Autos gef├╝llt, was das Vorankommen nicht gerade f├Ârderte. Die anderen Fahrer hupten und riefen oft nach ihm. Das alles fr├╝h am Morgen.
Angekommen in der Firma, stiefelte nat├╝rlich zuerst sein Chef mit ernstem Gesicht auf ihn zu und stauchte ihn erst mal als Begr├╝├čung, vor allen anderen Mitarbeitern zusammen. Der Rest des Vormittags lief wie immer. An seinem Platz lag schon ein riesiger Stapel mit undurchsichtigen Akten und sonstigem endlosen Papierkram, das sonst keiner erledigen wollte. Seine Kollegen nervten und erniedrigten ihn, nahmen ihn hoch, zum Teil auch wegen des zu sp├Ąten, morgendlichen Auftretens und der K├╝ndigungsdrohung des Arbeitgebers.
Kurz vor der Mittagspause hatte Erwin dann doch noch einmal Hoffnung auf Besserung seines Lebens. Eine seiner Arbeitskolleginnen brachte ihm einen Kaffee aus der Kantine mit. Aber als er aus dem Plastikbecher trinken wollte, sah er ein totes Insekt in der dampfenden, braunen Fl├╝ssigkeit treiben. Eine zermatschte Fliege. Und alle lachten freudig.
Diese Mittagspause lief anders als sonst. Normalerweise zog sich Erwin in das Cafe von nebenan oder in seinen Wagen zur├╝ck, doch dieses mal war das nicht so.
Er ging in einen omin├Âsen Laden, in dem er zuvor nie gewesen war. Und als er nach ein paar Minuten wieder hinaus trat, hatte er einen schwarzen Revolver in der Hand und hielt ihn sich auf offener Stra├če an die Stirn.
ÔÇ×Achtung, bitte in Deckung gehen. Ich schie├če mir jetzt in den Kopf.ÔÇť
Die Passanten waren bereits aus seiner N├Ąhe geflohen, da ert├Ânte der Schu├č.
Bang!
Au├čer Erwin hatte zum Gl├╝ck niemand Schaden genommen. Er war allerdings ziemlich tot, was der erste Arzt, der ihn begutachtete, schnell best├Ątigte.
Ein anderer junger Mann in der N├Ąhe, hatte den Selbstmord auch beobachtet. Er, nennen wir ihn Youare Thenext, fragte sich danach, aus welchem Grund ein Mensch sich so etwas antun k├Ânnte und zuckte mit den Schultern.
Also ging Youare Thenext zur├╝ck an seinen schlecht klimatisierten Arbeitsplatz...
__________________
Sch├Ân, dass wir einmal dar├╝ber sprechen konnten...

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