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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Brief an das Ich
Eingestellt am 31. 07. 2005 12:44


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Sebatsian Rahn
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2001

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Endlich in den Prosabereich verschoben wo es hingeh├Ârt.

Liebes Ich,

Ich f├╝hle mich bereits d├╝mmer als sonst, dir dies hier zu schreiben. Nicht weil ich damit etwas Perplexes tue, oder gar gegen die allgemeine Norm versto├če mal wieder mit sich selbst zu sprechen. Vielmehr geht es mir hierbei mich ein wenig zu sammeln, deine Teile zusammenzusuchen und zu einem Bild zusammenzuf├╝gen. Dich kennen zulernen, sozusagen.
Ich tue das in vollem Risiko mich von deinem Antlitz wegzudrehen, sollte mich das unerwartete Gl├╝ck ereilen bevor ich selbst es tue. Tats├Ąchlich ist meine Geschichte wohl in seiner Form nicht weniger tragisch als das Anderer. Ich wurde durch die Gesellschaft gesto├čen, verunsichert, ver├Ąngstigt. Alles was man sich vorstellen konnte. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich noch nie verpr├╝gelt wurde.
Jedenfalls nicht zu einem Punkt wo ein Menschenrechtler eingreifen w├╝rde. Das Schlimmste war wohl immer ich selbst gewesen. Nicht die Furcht die dich trieb sondern mein eigener Wille, mein Fehler. Dabei scheint Fehler ein wichtiges Wort unseres allt├Ąglichen Lebens zu sein. Zumindest wird es damit am meisten in Verbindung gebracht. Ja, ich wei├č, dass das jetzt ├╝berheblich kling.
Ich, der vorgibt zu wissen wie alles um mich herum aussieht, wie du aussiehst. Bestimmt ist es wieder nur die ├╝bliche Ansammlung verworrener Gedanken, die weder Wahrheit noch Logik kennen, doch sollte ich sie brauchen um das hier zu erkl├Ąren, dann soll es so sein. Sie haben mich schlie├člich auch dazu getrieben dies hier zu schreiben und hei├čt es nicht immer noch irgendwo, dass die Feder m├Ąchtiger ist als das Schwert? Indem wir uns mit diesen elektrischen Entladungen besch├Ąftigen die Tag f├╝r Tag durch unseren Kopf kreisen werden wir gelegentlich gewahr was wir sein k├Ânnten und entwickeln so etwas f├╝r uns sehr wichtiges: ein Individuum.
Bestimmt sagst du nun wie t├Âricht es ist. Schlie├člich hast du dich selbst erschaffen, aus dem Dreck gezogen, nackt und mit Schlamm verkrustetem K├Ârper. Doch wer oder besser was war es letztendlich was dich ├╝berhaupt aus dem Dreck trieb, kanntest du doch zuvor nichts anderes? Wer sagte, dass es besser sein w├╝rde, dass es dort Licht gab und ob dort die Hoffnung existierte die dir nie gegeben wurde? Suche die Antwort und du wirst erfolglos zur├╝ckkehren. Waren es nicht die Gedanken, dass es etwas anderes sein w├╝rde als der Schmutz der dich umgab, etwas was man erstreben konnte? Bestimmt hattest du Vorstellungen, die von dem was du hier gesehen hast entt├Ąuscht wurden. Es wurde schwerer und teilweise unerbittlich. ├ťberall liefst du in Gefahr wieder in dem n├Ąchsten Schlammloch zu verschwinden, gelegentlich sogar aus freiem St├╝cken. Vielleicht bist du auch wieder dort und ich schreibe dies vergebens. Aber auch falls nicht, wird das was ich schreibe daf├╝r bei mir seinen Preis fordern. Ich habe Angst davor. Du kannst dir nicht vorstellen in welche Panik mich jeder einzelne kurze Lichtblick versetzt. Wie du werde ich geblendet. Schmerzen zucken durch meinen K├Ârper vor allem durch meinen Kopf.
F├╝r einem Moment w├╝nsche ich mir alles w├Ąre vorbei. Ich k├Ânnte mich wieder in einem Zustand der Nichtigkeit davon treiben lassen auf dem sanften Wellen des Vergessens.
Doch tief im Herzen sp├╝re ich, dass es nichts weiter als ein weiteres Schlammloch aus, dass ich dich mit mir in eine weitere, unerbittliche Welt zerre. Warum sollten wir sonst so vor all dem f├╝rchten, was uns Schaden zuf├╝gen kann? Was uns schier l├Ąhmt und uns dazu verleitet sich gegenseitig den Sch├Ądel einzuschlagen.
Ist das alles? Die Furcht vor einer weiteren Pr├╝fung? Und was dann? Erneut die Angst vor einem Schicksal voller Elend, immerfortw├Ąhrend in einem Teufelskreis der Qual? Nein, liebes Ich. Ich glaube an das Licht am Ende des Tunnels. Daran, dass es irgendwo einem Ort gibt an dem uns zumindest eine Rast geboten wird und wir Zeit haben uns gemeinsam neu zu formen. Der Glaube eines Blau├Ąugigen, ich wei├č. Und falls nicht das, dann zumindest der Glaube eines geisteskranken Lyrikers der verzweifelt versucht in dem Chaos seiner st├╝mperhaften Worte eine f├╝r ihn akzeptable Antwort zu finden. Wie ich bereits schrieb, es war eine verr├╝ckte Idee.
Doch will ich sie noch auskosten so weit wie nur eben m├Âglich ist. Bitte verzeih mir.
Denk doch einmal dar├╝ber nach was du ├╝ber uns schon alles wei├čt? Ich meine damit nicht dich sondern noch allgemeiner. Wir sind in den B├╝chern der Wissenschaft offiziell als Homo Sapiens aufgelistet. Unsere Lebensspanne betr├Ągt 0 bis ca. 120 Jahre. Allesfresser mit dem besonderen Talent durch H├Ąnde und Verstand Dinge zu formen, die uns in der Geschichte der Evolution so ausgezeichnet haben.
Ironisch daran zu denken, dass das meiste davon eigentlich nicht einmal im Ansatz mit einer Evolution in Verbindung stand. Ich will hier nicht das verschm├Ąhen was wir waren oder das was wir nun sind. Ist es am Ende doch nur wieder ein hohler Protest der nichts ver├Ąndern kann. Wir verm├Âgen vieles am Beispiel zu Lernen. Dich zu finden w├Ąhrend du orientierungslos durch die Lande schreitest ist jedoch eine Aufgabe, die uns niemand erleichtern oder gar abnehmen kann.
Vielleicht verm├Âgen Worte oder Taten uns in die richtige Richtung zu sto├čen. Der Rest ist aber vollkommen den Ratlosen ├╝berlassen wie es so oft der Fall war. Viele unserer Schritte werden die sein, die wir bereuen werden. Ich mache keinen Hehl daraus. Und noch schlimmer als das ist die Einbildung dich gefunden zu haben. Doch macht uns dieser Glaube nicht etwa st├Ąrker. Er wird zu unserer gr├Â├čten Schw├Ąche. Ein verzerrtes Bild des Daseins, das des ├ľfteren wie ein Kartenh├Ąuschen in sich zusammenbricht nur um wieder und wieder aufgebaut zu werden. Grausame Bilder tun sich immer wieder vor meinem Auge auf. Ich sehe mich in einem kleinen viereckigen Raum mit nichts anderem als einer T├╝r direkt vor mir. Doch wenn ich durch diese T├╝r schreite, stehe ich wieder dort wo ich vorher stand, wieder derselbe Raum mit derselben T├╝r. Ein Horrorszenario ohne Ausweg. Doch das schlimmste dabei ist immer die Gewissheit es mir selbst erbaut zu haben. Mein Wille ist mein Fehler. Aber was soll ich nun tun um dich zu finden? Ich schreie in die Welt hinaus ohne ├╝ber einen Mund zu verf├╝gen und meine dich mit verbundenen Augen zu sehen. Was bleibt mir ├╝brig? Ich habe dich ├╝berall gesucht in mir und in der Welt da drau├čen.
Und hier war dieser bizarre Kurzschluss der sich in meinem Kopf abspielte. Vielleicht hatte ich dich nie gefunden weil ich nicht wusste wie du aussiehst? ├ähneln wir uns ├╝berhaupt? H├Ârst du auch RockÔÇÖnÔÇÖroll so gerne wie ich? Schlie├člich habe ich mich dazu durchgerungen, dass wir uns doch in irgend einer Form ├Ąhneln m├╝ssen oder etwa nicht? Zumindest ist das die plausibelste Antwort, die ich h├Ątte. Falls das wirklich die Antwort sein sollte bin ich mir nicht ganz so sicher ob ich dich wirklich finden will, denn ich halte mich, ohne dabei auszuschweifen, als unangenehme Pers├Ânlichkeit. Ich habe gelogen, betrogen und Menschen die mir nahe standen so schmerzlich wehgetan, dass ich es fast selbst gesp├╝rt habe.
Was sollte es bringen, einem schlechten Menschen ein ebenso schlechtes Ich zu verpassen? Sei bitte jetzt nicht b├Âse, dass ich dich wie ein Gegenstand handhabe, ich bin schlicht verzweifelt. Aber was soll es nun? Geld? Macht? Erfreut zumindest den inneren Frieden gefunden zu haben, w├Ąhrend man seinem sch├Ąndlichen Handwerk nachgeht, vielleicht sogar mordet? Kann ich dich wirklich so einsch├Ątzen?
Wieder dieses optimistische Str├Ąuben aber dieses mal ein wenig schw├Ącher als zuvor. Vielleicht ist es ja auch meine Aufgabe dich loszuwerden oder vor dir wegzulaufen.
Ich merke schon, dass das nicht den n├Ąhernden Effekt hatte wie ich ihn eigentlich habe einfliesen lassen wollen. Tats├Ąchlich f├╝rchte ich neben dem Tod, Schmerzen, meinen Mitmenschen, BSE, AIDS und anderen diversen Sachen die das Leben so lebenswert machen, dich am meisten.
Was wirst du sein oder bist du bereits jetzt geformt? Gepr├Ągt wie man es bei den P├Ądagogen so sch├Ân umschrieben wird. Es w├╝rde f├╝r uns bedeuten, dass alles bereits vorbei ist bevor es begonnen hat. Denn solange mein K├Ârper atmet werde ich dich suchen. Auch falls das was ich finde nicht weiteres ist als ein wahnsinnig grinsendes Ungeheuer. All diese g├Âttlichen M├Ąchte stehen uns bei wenn so etwas kommen sollte.
Meine Hoffnungen bestehen nun darin dich entweder hiermit zu erreichen oder dich f├╝r immer zu vergessen und zu begraben. Denk bei dem was du nun tust immer daran, was an unserer Zusammenkunft so wichtig sein k├Ânnte. Wenn du nicht das Ziehen sp├╝rst welches mich immer wieder schmerzhaft aus meiner Realit├Ąt rei├čt und mich zu solchen Taten verleitet wie dieses Schriftst├╝ck hier, dann kannst du gehen. Finde einen der dich nicht absto├čen wird oder bleibe einsam wie ich es wohl immer sein werde. Falls du nun doch zu mir finden solltest freue ich mich schon auf eine gute Zusammenarbeit. Egal, wie es nun f├╝r uns beide ausgeht, entsende ich hier meine w├Ąrmsten Gr├╝├če und w├╝nsche dir eine gute Reise. Tut mir leid, dass das hier nicht so aufbauend geworden ist, wie ich gehofft hatte.

Auf Wiedersehen

Der Absender

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

eine wunderbare idee: der brief an das ich.
in der mitte zieht es sich allerdings. du suhlst etwas
zuviel im morast des (subjektiven) seelenlebens.
aber fantastische gedanken zwischendurch und nicht
unbedingt ├╝bel geschrieben. da l├Ą├čt sich was draus machen.

bon.

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Sebatsian Rahn
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2001

Werke: 10
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Hallo bonanza

Na ja, das mit den Ausschweifungen muss ich wirklich entschuldigen. Der Brief leidet vor allem stark darunter, dass er eigentlich am Anfang als blo├če Finger├╝bung gedacht war, um mich ein bisschen mehr mit der Perspektive des Ich-Erz├Ąhlers vertraut zu machen. Demzufolge war es mir vor allem wichtig m├Âglich viel Text zu verfassen, der gleichzeitig auf einem Thema aufbaut ohne dabei eine 'echte' Geschichte zu erz├Ąhlen.
Also entschied ich mich durch gepflegten Briefkontakt mit dem Ich die f├╝r den Text n├Âtige analytische Distanz zu finden als auch mir selbst die erz├Ąhlerische Souver├Ąnit├Ąt zu sichern.
Indem ich den Verfasser noch einmal von seinem eigenen Bewusstsein zu trennen versuchte und ihn als neuen Ma├čstab aller Dinge (oder zumindest als deren Betrachter) benutze, wurden eigentlich schon zwangsl├Ąufig Fragen ├╝ber die Existenz und den Wert von Individualismus zu Tage gebracht, die viel ├Ąlter sind als ich selbst. Genug Materie also um ein, zwei Seiten zu f├╝llen.
Was wohl leider den Text im Morast versinken l├Ąsst, ist meine Entscheidung den Absender als Pessimisten auftreten zu lassen (denn meiner Erfahrung nach sind es im Schnitt immer die so genannten 'negativ Denkenden', die die gr├Â├čeren Textmassen produzieren ), der sich hier dreist als Optimist tarnt. Also verliert es sich an vielen Stellen in Selbstbeweihr├Ąucherung und Langatmigkeit.
Da gebe ich dir vollkommen Recht. Au├čerdem denk ich merkt man ziemlich schnell, dass sich das Ganze in recht kurzer Zeit und sehr unkoordiniert entwickelt hat.
Trotzdem hoffe ich, dass dieses Experiment nicht g├Ąnzlich daran gescheitert ist.

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