Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92193
Momentan online:
65 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Brief an meine Mutter
Eingestellt am 19. 09. 2008 15:26


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Mondfrau
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2006

Werke: 11
Kommentare: 13
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mondfrau eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Brief an meine Mutter


Ich werde tanzen gehen. Mit meinem Mann hei├če Liebesn├Ąchte erleben, jede Nacht. Leider werde ich mich nicht um dich k├╝mmern k├Ânnen, da ich arbeite. Das kann man ja auch nicht erwarten. Was dir bleibt, ist das Altersheim. Deine Schwiegermutter konnte ja auch nicht von dir aufgenommen werden, da du gearbeitet hast. Deshalb hast du sicher Verst├Ąndnis.

Wir werden einen regelm├Ą├čigen Besuchstermin vereinbaren. Alle vier Wochen ein Sonntag. Du wirst dich den ganzen Monat darauf freuen, jeden Tag auf deinem Kalender abstreichen, bis zu dem ersehnten Tag. Am Morgen des besagten Tages werde ich dich anrufen, um dir mitzuteilen, dass mein Mann und ich gestern gefeiert und einen gewaltigen Kater haben. Du hast nat├╝rlich Verst├Ąndnis. Dann eben in vier Wochen. Leider feiern mein Mann und ich jedes Wochenende, so dass sich der Besuch auf einmal pro Halbjahr beschr├Ąnkt.

Wenn wir es dann doch einmal hinbekommen, dich zu uns nach Hause zu holen, wird mein Mann furchtbar genervt sein und es dich sp├╝ren lassen, dass du nicht willkommen bist. Tapfer wirst du die Dem├╝tigungen ertragen, weil du doch auf die Liebe deiner Tochter angewiesen bist. Jedes Mal schw├Ârst du dir, nicht wiederzukommen, aber die Sehnsucht ist zu gro├č!

Meine Leidenschaft ist nun mal mein gutes Aussehen. Ich brauche jeden Tag zwei Stunden, um mich vor dem Spiegel zurecht zu machen. Da habe ich nat├╝rlich keine Zeit, mich um andere zu k├╝mmern. Ich muss schlie├člich sch├Ân sein, um die Welt zu beeindrucken. Mein Mann besteht ebenfalls darauf, weil er mit mir angeben will. Er macht zu gerne Witze ├╝ber Menschen, die nicht gut aussehen oder behindert sind. Glaube mir, ich lache mich jedes Mal kaputt, wenn er ÔÇ×Kr├╝ppelÔÇť imitiert.

JaÔÇŽ, selbstverst├Ąndlich. Manchmal wirst du jammern, weil dich die Pfleger im Heim nicht gut behandeln. Vielleicht schlagen sie dich auch ab und zu oder geben dir nichts zu essen. Aber das muss ich leider verdr├Ąngen, weil meine Priorit├Ąten woanders liegen.

Das Wichtigste in meinem Leben ist nun mal mein Mann, meine Sch├Ânheit und mein Vergn├╝gen. Mein Mann verlangt au├čerdem Zweidrittel meines Einkommens, weil er ja schlie├člich die Kosten f├╝r das Haus, die Versicherungen, sein Auto und viele andere Sachen zu tragen hat. Du siehst selbst, ich habe gar kein Geld, um mich um dich zu k├╝mmern. Schlie├člich brauche ich auch ein wenig Taschengeld f├╝r meine Zigaretten, meine abendliche Flasche Wein, sowie meine Kosmetik und Kleidung.

Mein Mann ist die Liebe meines Lebens. Ab und zu betr├╝gt er mich zwar, und wenn ich ihn dann zur Rede stelle, schl├Ągt er mich. Aber er gibt immer alle seine Fehler zu, deshalb kann man ihm einfach nicht b├Âse sein.

Wie du siehst, habe ich ├╝berhaupt keine Schuld daran, wenn es dir nicht gut geht. Ich habe dir ja nun meine Gr├╝nde erl├Ąutert und genauso erz├Ąhle ich es allen, die es h├Âren wollen.






__________________
Mondfrau

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!