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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Brief eines Verdammten
Eingestellt am 11. 03. 2005 15:30


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Olaf
Festzeitungsschreiber
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Brief eines Verdammten

ÔÇ×Wer in die K├╝che geht, wird gewiss nicht erschossen. Wer sie verl├Ąsst und seinen Dreck hinterl├Ąsst, muss schon eher damit rechnen.ÔÇť

Es dauerte eine Weile, bis ich die geschriebene Zeilen verstanden hatte. Dann erkannte ich, mit welch grauenvoller Repression sich die Menschen dieser K├╝che ihre Sauberkeit gew├Ąhrleisteten. Allerdings kamen mir auch bald daran Zweifel. War es wirklich Repression oder war es doch eine akzeptierte Regel. Das Geschrieben stand gro├č und deutlich ├╝ber dem Eingang. Jeder Mensch der die K├╝che betreten wollte musste es unweigerlich lesen. Akzeptierte man nicht beim Durchschreiten des Portals das Geschriebene? Niemand und nichts zwang einen diesen Schritt zu tun. In dem Moment aber, wo man in die K├╝che eintrat, trat man auch in den Codex ein und ratifizierte ihn gewisserma├čen mit der Handlung des Eintretens. Ich fragte mich, ob je ein Mensch diese Schwelle ├╝berschritten hatte, um sich dem hartherzigen Gesetz der dort Hausenden zu unterwerfen. Vielleicht gab es ja niemanden mehr, der die Regeln durchsetzen wollte oder konnte. Vielleicht stand alles seit Jahren leer. Vielleicht hatten sich die BenutzerInnen dieser K├╝che l├Ąngst selbst allesamt und gegenseitig ├╝ber den Jordan geschickt. Wie viele Leute mochten auf dieser Schwelle verendet sein? Wie viele hatten da, wo ich nun stand, vor den Pforten, ihren letzten Lebensatem ausgehaucht. War es nicht eine ├╝bertrieben grausame Wahl der Mittel und wer sollte ├╝berhaupt der Richter sein?
Fragen ├╝ber Fragen t├╝rmten sich in mir auf und doch wusste ich, dass ich ihrer Beantwortung nur durch den Eintritt in die K├╝che einen Schritt n├Ąher kommen konnte. Ich war unschl├╝ssig und trat von einem Fu├č auf den anderen, immer versucht die Schwelle zu ├╝bertreten und meine Neugier zu befriedigen und andererseits stetig zur├╝ckgehalten von der Angst beim Verlassen eine Kugel in den Hinterkopf zu erhalten, weil mir vielleicht ein kleines St├╝ck Papier zu Boden geglitten sein k├Ânnte.
Um sicher zu gehen wartete ich einige Minuten im Ger├╝mpelwald, der sich vor der T├╝r auft├╝rmte. Musste man denn die K├╝chenschweine wirklich erschie├čen? Ich selbst war eher ein Vertreter der radikalen Umerziehung durch Gruppendruck. Mir war auch klar, dass es niemand einfach hinnehmen konnte, dass alle anderen st├Ąndig von der Arbeit einiger Weniger lebten, nie etwas taten und ihres Zeichens Kinder der absoluten Konsummentalit├Ąt waren. Aber erschie├čen? Das erschien mir doch ein bisschen zu weit gegangen in der Wahl der Mittel. Sicher, ich ├Ąrgerte mich auch ├╝ber diejenigen, die in meiner Heimat nur in der K├╝che sa├čen, um Aschenbecher zu f├╝llen und leckeres Essen serviert zu bekommen, ├╝ber jene, die nie kochten und nie den Abwasch machten und ├╝ber die, die nicht wussten, wie man einen Besen h├Ąlt, aber erschie├čen lag mir fern.
Mein Warten war vergebens. Niemand verlie├č die K├╝che und es kam auch nie einer herein. Ich fasste allen Mut zusammen und stellte mich vor die Stufe und ├╝berschritt sie mit einem wackeren Schritt. Da stand ich nun in einer riesigen K├╝che. In den Ecken h├Ąuften sich M├╝llberge und an den Tischen sa├čen Menschen im Dreck. Es stank erb├Ąrmlich. Die meisten sahen krank aus und bleich, so als h├Ątten sie seit Jahren keinen Schritt in die Sonne getan.
Ich trat an einen der Tische heran und murmelte etwas, wie zum Gru├če. Viele Augenpaare sahen mich an, als erhofften sie sich etwas von mir, aber als ich nicht recht etwas zu sagen wusste, verschwand rapide das Interesse an mir. Ich versuchte das eine oder andere Gespr├Ąch anzufangen, aber die Sitzenden waren m├╝rrisch und ungespr├Ąchig. Schlie├člich gelang es mir doch einen ins Gespr├Ąch zu ziehen. Es war ein junger Mann, der im Gegensatz zu den anderen sehr gepflegt aussah, wenn auch er schon zu stinken begonnen hatte. Nachdem wir einige Belanglosigkeiten wie unsere Namen ausgetauscht hatten, fragte ich ihn direkt, was es mit dieser Ansammlung auf sich habe.
Er erz├Ąhlte mir, wie er vor einigen Wochen gekommen sei und das Schild ├╝ber der T├╝r gesehen hatte. Es hatte eine unb├Ąndige Neugier in ihm geweckt und andererseits eine gr├Ąssliche Furcht vor der Drohung. Er habe lange gez├Âgert, sagte er, und sei dann doch eingetreten, wo ihn alles so erwartet habe, wie es hier nun sei. Er habe versucht, mit Leuten zu reden, erkl├Ąrte er mir, aber es sei schwierig. Schlie├člich habe er aber begriffen, dass sie alle, so wie er, eines Tages gekommen waren und sich nun nicht mehr nach drau├čen trauten, weil der Gedanke erschossen zu werden sie ├Ąngstigte. Und da sei ihm klar geworden, wie gef├Ąhrlich es sei, die K├╝che zu verlassen. Er habe, so sagte er, versucht, einige zu ├╝berreden gleichzeitig zu fl├╝chten. Einige, so dachte er, w├╝rden es dann wohl schaffen. Aber keiner wollte ihm folgen, keiner traute sich auch nur in die N├Ąhe der Schwelle zu schreiten, und gewiss, irgendwelchen Dreck habe er sicher schon hier oder dort gelassen und nun bleibe er auch lieber hier. Ich fragte ihn, ob es denn keinen gebe der je diese K├╝che verlassen habe. ÔÇ×GewissÔÇť sagte er, ÔÇ×aber keiner von ihnen kam je zur├╝ck und niemand wei├č, was mit ihnen geschah.ÔÇť
Mir war gruselig zumute und ich wiederholte die Worte die ├╝ber der T├╝r standen in meinem Innern: ÔÇ×Wer in die K├╝che geht, wird gewiss nicht erschossen. Wer sie verl├Ąsst und seinen Dreck hinterl├Ąsst, muss schon eher damit rechnen. ÔÇťSchon eherÔÇť, dachte ich, ist eine schwammige Formulierung und wie ich so dar├╝ber nachdachte, fiel mir auf, dass ich die Zigarette, die bei meinem Eintritt noch gebrannt hatte, nur noch als Stummel in der Hand hielt. Panisch suchten meine Augen nach der herabgefallenen Asche, aber es war v├Âllig sinnlos in diesem heillosen Durcheinander irgendetwas zu finden. Ich sp├╝rte das Gef├╝hl von tiefer Verlorenheit in mir aufkommen. Ich versuchte mich gegen mein Schicksaal zu stemmen, versuchte mich aufzub├Ąumen und mir einzureden, dass ÔÇ×schon eher damit rechnenÔÇť keine Gewissheit bedeutete und doch vermochte ich keinen Schritt mehr in Richtung der T├╝rschwelle zu tun.
Bald war mir klar, dass auch ich verloren war, dass ich meine Freiheit verspielt hatte und nie wieder einen Fu├č in die weite Welt setzen k├Ânnen w├╝rde. Mir blieb nichts zu tun, als diese Erfahrungen auf einige unbeschriebene Bl├Ątter zu kritzeln und sie in der Hoffnung, dass sie jemand finden m├Âge durch die T├╝r zu werfen. Wer immer diese Worte lesen sollte, m├Âge drau├čen verweilen und sich nicht seiner Neugier hingeben. Und so bitte ich alle Wissenden in die Welt zu tragen, dass der Einsatz des eigenen Lebens ein zu hoher sei, um alles in Ordnung zu halten, und auch, dass es nicht funktioniere, sondern nur missmutig mache, und dass es ├Ąngstigend stimme, Ordnung durch Mord zu erzielen.
So schlie├če ich nun jene Aufzeichnungen ├╝ber mein letztg├╝ltiges Schicksal, das zu erfahren ich niemandem w├╝nsche, und eben darin mein letzter Dienst f├╝r die Menschheit bestehe. Ich werde mich aus den meinigen, selbst gew├Ąhlten Fesseln nicht mehr befreien k├Ânnen, da ich die Schwelle ├╝berschritten habe und nun unter dem Gesetz stehe, welches ich ├╝ber mich stellte.
So fahret Wohl und verrichtet die Dinge nach eurer Art und verstehet zuerst, was ein Andrer euch sagt, bevor ihr es billigt.
Der Verdammte: Die/der namenlose B├╝rgerIn

Zum letzen Ende will ich jedoch keinem die Wahrheit vorenthalten, welche die Meisten wohl l├Ąngst erraten haben werden: Der Richter, das waren alle, die schon drinnen sa├čen in der K├╝che und sie richteten erbarmungslos im rituellen Mord, wenn einer zu gehen suchte, da sie es nicht ertragen konnten, dass einer den Mut aufbrachte, die Schwelle ├╝bertreten zu wollen. Darauf angesprochen, schienen sie nichts von derlei Dingen zu wissen und beharrten auf der Behauptung, man wisse nicht, wohin die Gegangenen gelangt seien. Und auch ich muss gestehen, schon an diesen Taten meine Unschuld verloren zu haben, und so will ich dann den meinigen Namen im Dunklen belassen, damit sich meine Freunde meiner nicht sch├Ąmen.

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Olaf,
ich mag die sich langsam (zu langsam) abzeichnende
Absurdit├Ąt in deiner Geschichte. In dem Moment, in dem
du beschreibst, was f├╝r Gestalten dort sitzen, wird klar,
worauf es hinauslaufen soll.
Zum Text:
ÔÇ×Wer in die K├╝che geht, wird gewiss nicht erschossen. Wer sie verl├Ąsst und seinen Dreck hinterl├Ąsst, muss schon eher damit rechnen.ÔÇť
Das k├Ânntest du abgesetzt vom Rest des Texts setzen,
damit es besser herauskommt.

Der folgende Absatz bis "...nicht wussten, wie man einen Besen h├Ąlt, aber erschie├čen lag mir fern."
ist f├╝rchterlich langweilig geschrieben.
Unn├Âtig verschachtelte S├Ątze, ein Haufen rhetorischer
Fragen und schwer nachvollziehbarer ├ťberlegungen des
Protagonisten. Es wird schon klar, warum du diesen Stil
w├Ąhlst, aber er kommt nicht sicher genug daher. Jeder
Satz m├╝sste die Spannung unertr├Ąglicher machen, endlich
wissen zu wollen, worum es geht. Das gelingt dir in diesem
Absatz meiner Meinung nach nicht.

Der n├Ąchste Teil gef├Ąllt mir schon besser, weil er, wie
o.a., das Absurde der Situation sehr sch├Ân deutlich macht.
Um lebendiger zu schreiben und den Text aufzupeppen, w├Ąre
ein bisschen Dialog hilfreich und nicht der blo├če Hinweis
auf Unterhaltungen, die gef├╝hrt werden. Das macht den
Text sehr schwerg├Ąngig.

Der Schluss in seiner Doppelb├Âdigkeit gef├Ąllt mir
ebenfalls, obwohl auch hier die ein oder andere K├╝rzung
nicht schaden k├Ânnte. Das "P.S." als Ank├╝ndigung w├╝rde ich
mir sparen.

Viele Gr├╝├če,
Denschie

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Olaf
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2005

Werke: 1
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Hallo Denschie,
vielen Dank f├╝r deine Kritik und ich bin froh dar├╝ber, dass es Dir gelungen ist, Dich durch den ersten Absatz durchzuk├Ąmpfen. Bei "langweiligen Texten neigt man ja doch schnell dazu, aufzugeben. Mir gef├Ąllt jedoch der erste Teil nach wie vor ganz gut. Ich habe ihn nochmal gelesen und mir ist auf Anhieb erstmal nichts besseres eingefallen. Wahrscheinlich ist er aufgrund meines vor l├Ąngerer Zeit abgeschlossenem Philosophiestudiums zu theoretisch. Das Du ihn langweilig fandest, will ich damit nicht wegwischen, ich halte das f├╝r eine bedeutende Kritik, ├╝ber ddie ich auch nochmal etwas nachdenken werde...
die beiden Vorschl├Ąge, das "P.S." egzulassen und den ersten Absatz einzur├╝cken, habe ich umgesetzt.
Viele Gr├╝├če
Olaf

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Olaf,
du musst nat├╝rlich selbst entscheiden, was meine Hinweise
f├╝r dich bedeuten.
Es reizte mich schon, heraus zu finden, was es mit dieser
K├╝che und ihren Regeln auf sich hat. Die Idee war nicht
das, was mir aufstie├č. Blo├č die Formulierungen... ich
sagte es ja schon.
Falls du etwas ├Ąnderst, lass es mich doch bitte wissen,
ich w├Ąre sehr interessiert.
Viele Gr├╝├če,
Denschie

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sohalt
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

Werke: 49
Kommentare: 164
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Mir gef├Ąllt das auch.

Die umst├Ąndliche Sprache passt, das hier ist doch ein braver B├╝rger, der der Ordnung an sich schon recht viel abgewinnen kann, bissi konservativ vielleicht, der darf ruhig so reden.

Den letzten Absatz find ich gut, den Absatz mit dem "Ich bitte alle Wissenden.." nicht ganz so, obwohl dieses "├ťbrigens, f├╝r all die's noch nicht mitgekriegt haben: das mit dem ├ërschie├čen ist vielleicht keine so gute Idee" schon auch wieder was hat.

lg
sohalt

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