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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Briefe an einen Reisenden
Eingestellt am 18. 08. 2009 14:54


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mori
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Registriert: Oct 2005

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Liebe Prosa- Kollegen,

ich, als Lyrikfreundin tummele mich (leider) eher selten in der Prosaecke. Ich kann also auch bisher nicht mit Kommentaren aufwarten. Ich w├╝rde mich aber trotzdem freuen, wenn ihr euer unbestechliches Auge auf die "Briefe" werfen w├╝rdet, die zum Teil v├Âllig sinnfrei und aus dem Spa├č heraus entstehen, in eine andere Identit├Ąt zu schl├╝pfen.
Lieben Gru├č und Dank
Annette

1.Brief

Sebastian! Verehrtester!

Wie ├╝beraus gro├čz├╝gig von Ihnen! Ein Buch ├╝ber D├╝fte! D├╝fte! D├╝fte!
Sie h├Ątten sehen sollen, wie and├Ąchtig meine Finger ├╝ber den Einband glitten.
├ťber William Godwars meisterhaftem Gem├Ąlde, das den Einband zu etwas Besonderem macht, aber auch ├╝ber das Neue, ├╝ber das Gl├Ąnzende, ├╝ber das Vielversprechende.

Der Postillon l├Ąutete schon fr├╝h, dem Anlass angemessen (es war wieder der rothaarige mit dem Fuchsblick). Ich erkannte nat├╝rlich sofort Ihre Schrift auf dem P├Ąckchen, erfreut aber auch verwundert.
Dieser Mensch, der immer so tut, als w├╝rden wir uns seit Ewigkeiten kennen, hielt mir also einen dicken Umschlag entgegen. Mit glasigem Blick und schwer atmend und machte auf dem Absatz kehrt, schwang sich auf sein Fahrrad und verschwand wie vom Teufel gehetzt um die n├Ąchste Ecke. Ohne mir auch nur einen l├╝sternden Fuchsblick zu g├Ânnen!
W├Ąhrend ich das P├Ąckchen in den Salon trug, ich habe mich sehr beeilt und bin fast gefallen, umwabberte mich eine Duftwolke, die ihresgleichen sucht! Alle D├╝fte des Orients str├Âmten mir entgegen.
Das war eine liebe Idee, Sebastian! So originell! Ich vermute, sie sind gro├čz├╝gig mit Ihrem teuren Rasierwasser umgegangen. Oder hat sich Schmittskatz schlecht benommen und wollte mir wieder einmal verdeutlichen, dass er mich nicht mag? Verehrtester, Sie sollten ihm eine Gef├Ąhrtin zur Seite stellen. Dann h├Ârt das endlich auf.
Aber, Sebastian, ich w├Ąhnte Sie auf Reisen! Weit fort von allem und auch von mir.
Ich antworte darum schnell, sofort! Damit mein Dank sie noch erreicht und Sie nicht ├╝ber den halben Erball verfolgen muss! Ich habe das Fr├╝hst├╝ck deshalb heute bei Frau von R├╝benstein-Gerstenkorn abgesagt.
Ihr von "unaufschiebaren Transaktionen" erz├Ąhlt. Sie meint dann immer, es geht um Geld und heuchelt Verst├Ąndnis. Unertr├Ąglich langweilig, diese Frau!

So, mein Freund, mein kurzer, aber von Herzen gemeinter Dank geht jetzt in die Welt. M├Âge er Sie noch erreichen! Ich mache mir, nein, zelebriere! jetzt eine Tasse Tee. Eine von dem guten, den Sie mir aus Ceylon
schickten. Sie erinnern sich? Die Bl├Ątter werden bei Vollmond von Jungfrauen geerntet.

Und was werde ich dann tun? Lesen, lesen, lesen!
Alle meine Guten W├╝nsche f├╝r Ihre gef├Ąhrlichen Unternehmungen begleiten Sie- das wissen Sie ja!
Nehmen Sie sich in Acht vor dunklen Gestalten, ├╝berm├Ą├čigem Tabakgenuss und leichten M├Ądchen und bleiben Sie mir weiter so verbunden.
Ein keuscher Kuss in die Ferne
Ihre Freundin Lisett

2.Brief

Sebastian! Verehrtester!

Ich hoffe, dass dieser Brief Sie noch erreicht, bevor Sie wieder in fragw├╝rdige Gefilde abtauchen.
Sebastian! Denken Sie an ihr Rheuma und an ihre Flatulenzneigung. Klimaver├Ąnderung und Nahrungsumstellungen sind nicht f├Ârderlich f├╝r derartige Leiden. Nein, ich werde es nicht wieder erw├Ąhnen.

Lieber Freund, ich brauche ihren Rat. Da gibt es eine Sache, dir mir seit Wochen schlaflose N├Ąchte bereitet.
Genau wie damals, als ich erfuhr, dass sie von diesem menschenfressenden Stamm im Dschungel von Borneo gefangen gehalten wurden. Sie haben so ein gro├čes Gl├╝ck gehabt, dass die Tochter des H├Ąuptlings unbedingt ein wei├čh├Ąutiges Kind wollte! Sebastian, sie haben sich quasi mit ihrem Samen freigekauft! Das klappt aber nicht immer. Vergessen Sie das nie und seien Sie blo├č vorsichtig! Es gruselt mich noch immer, wenn ich daran denke.

Mein Problem ist etwas anders gelagert und mehr optischer Natur. Ich will einfach keinen Fehler mehr machen. Fehler sind etwas f├╝r die ganz jungen Leute. Die lernen noch daraus.
Sebastian, sagen Sie es mir ganz offen heraus: Sollte ich wieder H├╝te tragen? Nein, nicht den, mit den Rosen, der sie immer so inspiriert hat.
Ich entdeckte vor einiger Zeit ein paar Stra├čen weiter Veronicas Atelier. Sie ist eine bezaubernde Modistin, die H├╝te kreiert, f├╝r die die Welt noch nicht reif ist, die mir aber sehr gut zu Gesicht stehen. Ich wollte, sie w├╝rden sie kennenlernen! Ihre Kunstwerke h├Ątten hervorragend zu Ihren beiden Modekollektionen gepasst.
Tokio hat ihnen zu F├╝├čen gelegen. Und Sie werfen ihr wunderbares Talent in den Kochtopf eines Kanibalen!

Ja, ich habe ihnen verziehen, dass ich die Modelle nicht vorf├╝hren durfte. Obwohl ich so viel kleiner als die Japanerinnen auch nicht bin! Sie waren damals sehr unsensibel mit ihrer Ablehnung. Ich habe Ihnen verziehen!
Ich schickte ja auch Schokolade. Ihre Bemerkung, dass Sie Nuss-Nougat nicht m├Âgen und ich das wohl genau w├╝sste, war einfach ├╝berfl├╝ssig. Ich finde, der gute Wille z├Ąhlt.

Wie sehen Sie denn nun die Sache mit den H├╝ten? Nehmen Sie sich Zeit, aber nicht so lang. Die Herbstmodelle sind schon in Arbeit.

Und Sie- h├╝ten Sie sich vor allem was sie nicht kennen
und bleiben Sie beh├╝tet!
Einen keuschen Kuss in die Ferne
Ihre Freundin Lisett

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