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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Brigitte und ich
Eingestellt am 19. 09. 2005 15:59


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petrasmiles
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Nun ist es dreißig Jahre her, da stand ich in einer Metzgerei und verlangte eine Kalbsbratwurst.
Ich erinnere mich nicht an die verst√§ndnislosen Blicke der Verk√§uferinnen im tiefen NRW, wo es keine Kalbsbratw√ľrste zu geben schien, aber daran, dass damit das fr√ľhe Ende meiner Di√§tbem√ľhungen eingeleitet worden war.

16 Jahre jung, in Besitz des grasgr√ľngl√§nzend gebundenen Brigitte-Di√§t-Buchs; das dann noch zwei Jahrzehnte lang immer wieder bei Umz√ľgen mich keck angl√§nzte, aber dann doch irgendwann entsorgt wurde.

Vor einigen Jahren betrachtete ich einmal Fotos aus dieser Zeit und wurde recht traurig dar√ľber, dass ich mich nie als der h√ľbsche Teenager empfunden hatte, der ich tats√§chlich war.
Was hatte man mit mir gemacht, dass ich glaubte, die hormonell bedingte Einlagerung von K√∂rperfett an Brustkorb, Po, H√ľften und Schenkeln sei ein Kennzeichen von Unattraktivit√§t, Charakterschw√§che oder √úblerem, auf jeden Fall auszumerzen?
Nein, es folgte keine Diatwahnära oder eine Bulimie-Krankengeschichte, einfach nur eine Frauenlebengrundmelodie von nicht wirklich schön zu sein, weil ...

Es hat lange gedauert, bis ich meine Eigenart akzeptieren lernte, nicht versuchte, zu sein, die ich nicht bin.
Auch zu meinen 'schlanksten' Zeiten - immerhin Idealgewicht - hatte ich diese Rundungen, und meistens zu meinem und meines Partners Vergn√ľgen; und daran hat sich im Wesentlichen auch nichts ge√§ndert.
Ich fand die Welt da drau√üen n√§mlich immer viel zu spannend, um mich auf meinen K√∂rper reduzieren zu lassen; hatte also auch ein 'fettes' Ego, das mir erfolgreich einredete, dass es am wichtigsten ist, wie ich mich in mir f√ľhle.
Und ich fand es auch immer in Ordnung, wenn mein Körper in Einklang mit meiner seelischen Situation war.
Wäre es mir wirklich besser gegangen, wenn ich mir eingeredet hätte, kein Problem könne so schlimm sein, dass es nicht durch Schlankheit gelöst oder gemildert werden könnte?
Gibt es wirklich Frauen, die sich das einreden lassen?
Oder tut man so als ob, weil der gesellschaftliche Konsens so gro√ü ist, dass man sich nicht √∂ffentlich wohlf√ľhlen darf in seiner Haut, wenn man gut gepolstert ist?

Und dann schau ich mal wieder rein, in diese 'Freundin' Brigitte, und fass' es nicht: Das Drama hat nie aufgeh√∂rt, auch wenn ich ihm entwachsen bin. Da sitzen vier nicht wirklich √ľbergewichtige, aber runde Frauen aus vier Lebensaltern vor dem Fotografen, und werden dazu ermutigt, sich unsch√∂n zu f√ľhlen, weil sie schlanker sein oder zumindest aussehen k√∂nnten.
Da werden √Ąrzte und Ern√§hrungsberater bem√ľht und die L√∂sung kommt frei Haus, nat√ľrlich: eine Brigitte-Di√§t. Aber dieses Mal nicht mehr das Buch, nein: Fertiggerichte sind der moderne Weg zum Gl√ľck.

Na, das ist doch fast so hilfreich, wie der promovierte Beauty-Berater, der mich in einer Internet-Kontaktbörse anmailte, er könne mir bei meinen Figurproblemen helfen ... aber das ist eine andere Geschichte von falschen Freunden.
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jon
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"Ich erinnere mich nicht an die verständnislosen Blicke der Verkäuferin im tiefen NRW, …"
…eeeh… aber sie waren da, diese Blicke? Da bist du dir sicher?

Was hat das Ganze mit e-Bay zu tun, dass du "vor e-Bay" (, was ja f√ľr jeden ein anderer Zeitpunkt ist) als Markstein f√ľr die Entsorgung des Di√§t-Buches anf√ľhrst?



F√ľr mich bringt das Ganze nicht den allergeringsten ‚ÄěAha!"- (oder wenigstens "Genau!"-)Effekt, den ich von einem journalistischen Text eigentlich erwarte (auch von Kolumen √ľbrigens). Auch weil in mir der Gedanke sehr schnell sehr m√§chtig wurde: ‚ÄěJa, gut, aber das ist kein ‚ÄėBrigitte‚Äė-Problem ‚Ķ‚Äú

Es gibt allerdings einen Satz, der das Potential f√ľr einen guten (nicht "‚Ķ und noch mal das selbe in Lindgr√ľn") journalistischen Text birgt: ‚ÄěNein, es folgte keine Diatwahnaera {{was immer das sein soll, meinst du Di√§twahn√§ra"?}} oder eine Bulimie-Krankengeschichte, einfach nur eine Frauenlebengrundmelodie von nicht wirklich sch√∂n zu sein, weil ..."

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petrasmiles
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Hallo Jon,
dankesch√∂n f√ľr Deine Kritik.
'Ebay' war ein verzichtbarer Schlenker, den ich ausgemerzt habe ;-)
Was aber die 'aha'-Effekte anbelangt, so halte ich die f√ľr nicht steuerbar. Mein 'aha'-Effekt war, dass auch nach drei√üig Jahren der Konsumterror bl√ľht und immer wieder auch reife Menschen in seine F√§nge geraten. Ein vernachl√§ssigtes Emanzipationsthema, will ich meinen. Immerhin ein Industriezweig, der auf dem mangelnden Selbstwertgef√ľhl von Frauen aufsetzt, das 'Printfreundinnen' f√∂rdern.
Ach - und noch zur Kalbsbratwurst - das war schludrig; es fehlt hier wohl die Informatioin, dass ich sie nirgendwo bekommen habe. Das muss eine regionale 'Spezialität' gewesen sein ;-)
Danke nochmals.
LG Petra

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jon
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…wenn das die "Um Himmels Willen!"-Botschaft sein soll, solltest du darauf auch vom Textumfang her das Hauptaugenmerk legen. Im Moment sind nur ca. 17 % der Zeilen (sorry, ich habe heute einen Rechen-Tag ) diesem Aspekt geschuldet.

Das mit den "nicht erinnern an" muss ich noch mal aufgreifen: Man muss ‚Äď nicht nur in journalistischen Texten ‚Äď ‚ÄěFakten‚Äú von "Vermutungen" trennen. Wenn man sich nicht erinnert, muss man sagen, woher man "wei√ü", dass es so war. Hier k√∂nnte das so aussehen (nur mal, um zu zeigen, was ich meine):

Nun ist es drei√üig Jahre her, da stand ich in einer Metzgerei und verlangte eine Kalbsbratwurst. Vermutlich erntete ich nur verst√§ndnislose Blicke, denn damals gab es sowas in ganz NRW nicht. Woran ich mich jedoch genau erinnere, ist die Tatsache, dass damit meine Di√§tbem√ľhungen ein fr√ľhes Ende fanden.
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