Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
371 Gäste und 10 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Bronxx Dresden
Eingestellt am 24. 06. 2002 23:00


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2266
Kommentare: 11049
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Bernd eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Bronxx Dresden

In dem Raum steht eine Kiste,
in dem rauchgefuellten Raum,
und ich fuehle auf der Kiste
mich fast wie im Traum.


Und mein Glas, das ist so leer,
leer, leer, leer,
ich schreibe mehr
ich schreibe mehr
Musik
der Fueller streikt,
mein Kopf ist hier allein,
die Welt ist so, wie sie sich zeigt,
allein der Wein, der sich verneigt,
ich trinke keinen mehr,
die Geige schwingt auf diesen Schemel,
die Augen schwingen um den Bauch,
das Streichholz zeigt den Weg durch Nebel,
der Geiger geigt, das Nashorn schweigt.
Die dumpfe Schuerze blickt so krumm,
ich biege meine Nase um.
Die Tinte fliesst auf das Papier.
(Ich kaeme weiter - ...)
Doch ich schweige still -
weil ich nicht will.
Das ist die allgemeine Verweigerung auf den Kisten, auf den Bierkisten ohne
geeignete Deckel, die Verweigerung vom Tabak umqualmt, und von der Zeit
gefangen, von der endlosen Zeit ohne Schlaf. Aber das Bett ist leer und hier
sitze ich und trotze der end-lassenen Zeit zwischen den Zeilen hier und
morgen. Aber auch da schweigt der droehnende Lautsprecher voller Musik. Die
Bilder verschwinden von der Wand und ich sehe die brennenden Streichhoelzer
im Wein. Da dringt durch den vergessenen Fussboden die blaue Hose, da dringt
durch den vergessenen Fussboden die Zeit. Da dringt durch den vergessenen
Fussboden ein Schuh, ein vergessener verlorener Schuh.
Kaffeehaus.
Kaffeehausduft.
Kaffeehausduft.
Ich versinke im Nebel.
Da breche ich schweigend das Schweigen nieder und schweige.
Da bruelle ich schweigend das Schweigen nieder und schweige.
Bronxx.
Da sitze ich halt auf der Kiste
und lausche schweigend der Musik und bruelle halt schweigend das Schweigen
nieder und bruelle schweigend sehr laut.
Und bruelle halt schweigend das Schweigen nieder und bruelle sehr laut.
Ich laufe ich laufe ich laufe.

(1990)


---

Nachtrag: Die Gastst├Ątte Bronxx in Dresden Neustadt wurde nach der Wende er├Âffnet und bereits kurze Zeit sp├Ąter von Randalierenden abgebrannt.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Torquato
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Sep 2000

Werke: 30
Kommentare: 16
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Torquato eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Dresden

sch├Ân, Bernd, dass ich dich hier ein zweites Mal finde, nach deinem tollen Hinweis auf Grimms DWB im Netz, - danke!
-
Ich (in kurzen Hosen) kannte Dresden noch vor dem grossen Feuer, fuhr nach Radebeul und lie├č mir im Karl-May-Haus die Feuerb├╝chse zeigen. Damals fuhr ich von Schellerhau per Ski nach Altenberg, um mir die Haare schneiden zu lassen. Im Jahre 2000 wunderte ich mich dann, in der Dresdner Neustadt Fisch bei "Nordsee" zu finden.
-
Deine Poesie, 12 Jahre abgehangen, - alle Achtung! Ich freue mich, dich bald wieder hier zu treffen. Chemnitz und Leipzig sahen mich als Lit-Begeisterten. Als Sch├Ânstes nahm ich dies von Wolfgang Hilbig mit:

in den wohnungen in denen wir hausen / bleibt das licht eingeschaltet / die revolution ist vor├╝ber die kalender / zeigen den vergangenen monat an / wir bauen ein chemiewerk / f├╝r die zehnte generation / der tag ist vor├╝ber die schrankt├╝ren offen / auf den betten sind wir im unterzeug / rauchen noch eine / frau das ist dann alles

Gruss! Torquato, Hier klicken
__________________
Der Mensch ist verloren, der keinen Zielhafen hat (aber viele sind auch schon im Hafen umgekommen)

Bearbeiten/Löschen    


Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2266
Kommentare: 11049
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Bernd eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Torquato,

danke f├╝r die freundlichen Bemerkungen zu dem Gedicht. In der Zeit seit 1990 hat sich einiges ver├Ąndert. In der Neustadt gibt es eine Kneipe neben der n├Ąchsten. In Dresden ist viel neu entstanden oder verschwunden.
Ich war nicht sicher, ob das Gedicht f├╝r die Leselupe geeignet sei, habe es auch mehrfach leicht ├╝berarbeitet (haupts├Ąchlich im ├Ąu├čeren Erscheinungsbild, dass die Zerrissenheit der Zeit mit darstellen soll, ebenso wie der Formbruch in der Mitte des Gedichtes.

Viele Gr├╝├če von Bernd,
zur├╝ck von der Urlaubsreise.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

Bearbeiten/Löschen    


Torquato
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Sep 2000

Werke: 30
Kommentare: 16
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Torquato eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Reisen

hallo Bernd, die l├Ąngste Reise ist ja die zu uns selbst! Ich freue mich, da├č du dich gemeldet hast. Ich habe den Eindruck, da├č du und ich ganz ├Ąhnliche Inseln im Strom bewohnen.
Zum Gl├╝ck geht je nichts "verloren". W├Ąre sch├Ân, wieder von dir zu h├Âren! An eine Internetfreundin mailte ich vorhin dieses. Es gibt Versuche, das Wort "Gl├╝ck" zu deuten, es aus Sprach-Wurzeln zu erkl├Ąren. Englisch "happy" l├Ą├čt ja an das griechische Haptische denken, wo es um das Ergreifen im Bef├╝hlen mit den H├Ąnden geht, mit geschlossenen Augen sozusagen.

Die Luke ist auf dem Schiff die Klappe, die fest schlie├čen mu├č. "Ge-lukken" als Verb w├Ąre = das ins Passende sich fest Einschmiegen.

Wenn etwas gl├╝ckt, wenn etwas klappt, bleibt kein Wunsch offen. Das Ergebnis ist fugendicht.

Das T├╝rschlo├č und der passende Schl├╝ssel stehen in einer Beziehung zueinander. Im T├╝rschlo├č warten die Riegel, die Metall-Leisten, Federn auf den adaequat zuges├Ągten Schl├╝sselbart. Dann hebt sich der Bolzen und gibt die T├╝r frei.

Gl├╝ck w├Ąre also, wenn zwei Dinge aufeinander zufallen, sich ineinander klinken. Je besser Schloss und Schl├╝ssel zueinander passen, um so leiser ├Âffnet sich der Riegel.

Wenn wir unser Gl├╝ck noch nicht gefunden haben, leben wir mit einer L├╝cke. Sie kann nur durch das Passende, durch das ihr Gem├Ą├če geschlossen werden.

Es ist wie mit der guten Frage und der guten Antwort. Beide tragen vom anderen etwas in sich.
-
Kam mir grad in den Sinn, dies f├╝r dich herzusetzen, Bernd. Hoffe, die Leselupe macht es mit.

Bearbeiten/Löschen    


Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2266
Kommentare: 11049
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Bernd eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ich denke, das ist alles verwoben und verflochten, auch mit dem Gedicht, das einen Mosaikstein darstellt aus den Reisen durch die Zeit.

Wenn eine L├╝cke geschlossen wird, ├Âffnet sich daf├╝r eine andere.


__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

Bearbeiten/Löschen    


Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2266
Kommentare: 11049
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Bernd eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hier kann man das Bild sehen, wie die Gastst├Ątte einst aussah. Coffee Shop Bronxx

Im Neustadt-Ticker neustadt-rundgang mit frau, brn-museum

brn=Bunte Republik Neustadt

Hier klicken

Ich selber hatte leider kein Bild.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

Bearbeiten/Löschen    


3 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Experimentelle Lyrik Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!