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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Bronxx Dresden
Eingestellt am 24. 06. 2002 23:00


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Bernd
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Bronxx Dresden

In dem Raum steht eine Kiste,
in dem rauchgefuellten Raum,
und ich fuehle auf der Kiste
mich fast wie im Traum.


Und mein Glas, das ist so leer,
leer, leer, leer,
ich schreibe mehr
ich schreibe mehr
Musik
der Fueller streikt,
mein Kopf ist hier allein,
die Welt ist so, wie sie sich zeigt,
allein der Wein, der sich verneigt,
ich trinke keinen mehr,
die Geige schwingt auf diesen Schemel,
die Augen schwingen um den Bauch,
das Streichholz zeigt den Weg durch Nebel,
der Geiger geigt, das Nashorn schweigt.
Die dumpfe Schuerze blickt so krumm,
ich biege meine Nase um.
Die Tinte fliesst auf das Papier.
(Ich kaeme weiter - ...)
Doch ich schweige still -
weil ich nicht will.
Das ist die allgemeine Verweigerung auf den Kisten, auf den Bierkisten ohne
geeignete Deckel, die Verweigerung vom Tabak umqualmt, und von der Zeit
gefangen, von der endlosen Zeit ohne Schlaf. Aber das Bett ist leer und hier
sitze ich und trotze der end-lassenen Zeit zwischen den Zeilen hier und
morgen. Aber auch da schweigt der droehnende Lautsprecher voller Musik. Die
Bilder verschwinden von der Wand und ich sehe die brennenden Streichhoelzer
im Wein. Da dringt durch den vergessenen Fussboden die blaue Hose, da dringt
durch den vergessenen Fussboden die Zeit. Da dringt durch den vergessenen
Fussboden ein Schuh, ein vergessener verlorener Schuh.
Kaffeehaus.
Kaffeehausduft.
Kaffeehausduft.
Ich versinke im Nebel.
Da breche ich schweigend das Schweigen nieder und schweige.
Da bruelle ich schweigend das Schweigen nieder und schweige.
Bronxx.
Da sitze ich halt auf der Kiste
und lausche schweigend der Musik und bruelle halt schweigend das Schweigen
nieder und bruelle schweigend sehr laut.
Und bruelle halt schweigend das Schweigen nieder und bruelle sehr laut.
Ich laufe ich laufe ich laufe.

(1990)


---

Nachtrag: Die GaststÀtte Bronxx in Dresden Neustadt wurde nach der Wende eröffnet und bereits kurze Zeit spÀter von Randalierenden abgebrannt.
__________________
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Torquato
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Dresden

schön, Bernd, dass ich dich hier ein zweites Mal finde, nach deinem tollen Hinweis auf Grimms DWB im Netz, - danke!
-
Ich (in kurzen Hosen) kannte Dresden noch vor dem grossen Feuer, fuhr nach Radebeul und ließ mir im Karl-May-Haus die FeuerbĂŒchse zeigen. Damals fuhr ich von Schellerhau per Ski nach Altenberg, um mir die Haare schneiden zu lassen. Im Jahre 2000 wunderte ich mich dann, in der Dresdner Neustadt Fisch bei "Nordsee" zu finden.
-
Deine Poesie, 12 Jahre abgehangen, - alle Achtung! Ich freue mich, dich bald wieder hier zu treffen. Chemnitz und Leipzig sahen mich als Lit-Begeisterten. Als Schönstes nahm ich dies von Wolfgang Hilbig mit:

in den wohnungen in denen wir hausen / bleibt das licht eingeschaltet / die revolution ist vorĂŒber die kalender / zeigen den vergangenen monat an / wir bauen ein chemiewerk / fĂŒr die zehnte generation / der tag ist vorĂŒber die schranktĂŒren offen / auf den betten sind wir im unterzeug / rauchen noch eine / frau das ist dann alles

Gruss! Torquato, Hier klicken
__________________
Der Mensch ist verloren, der keinen Zielhafen hat (aber viele sind auch schon im Hafen umgekommen)

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Bernd
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Lieber Torquato,

danke fĂŒr die freundlichen Bemerkungen zu dem Gedicht. In der Zeit seit 1990 hat sich einiges verĂ€ndert. In der Neustadt gibt es eine Kneipe neben der nĂ€chsten. In Dresden ist viel neu entstanden oder verschwunden.
Ich war nicht sicher, ob das Gedicht fĂŒr die Leselupe geeignet sei, habe es auch mehrfach leicht ĂŒberarbeitet (hauptsĂ€chlich im Ă€ußeren Erscheinungsbild, dass die Zerrissenheit der Zeit mit darstellen soll, ebenso wie der Formbruch in der Mitte des Gedichtes.

Viele GrĂŒĂŸe von Bernd,
zurĂŒck von der Urlaubsreise.
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Torquato
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hallo Bernd, die lĂ€ngste Reise ist ja die zu uns selbst! Ich freue mich, daß du dich gemeldet hast. Ich habe den Eindruck, daß du und ich ganz Ă€hnliche Inseln im Strom bewohnen.
Zum GlĂŒck geht je nichts "verloren". WĂ€re schön, wieder von dir zu hören! An eine Internetfreundin mailte ich vorhin dieses. Es gibt Versuche, das Wort "GlĂŒck" zu deuten, es aus Sprach-Wurzeln zu erklĂ€ren. Englisch "happy" lĂ€ĂŸt ja an das griechische Haptische denken, wo es um das Ergreifen im BefĂŒhlen mit den HĂ€nden geht, mit geschlossenen Augen sozusagen.

Die Luke ist auf dem Schiff die Klappe, die fest schließen muß. "Ge-lukken" als Verb wĂ€re = das ins Passende sich fest Einschmiegen.

Wenn etwas glĂŒckt, wenn etwas klappt, bleibt kein Wunsch offen. Das Ergebnis ist fugendicht.

Das TĂŒrschloß und der passende SchlĂŒssel stehen in einer Beziehung zueinander. Im TĂŒrschloß warten die Riegel, die Metall-Leisten, Federn auf den adaequat zugesĂ€gten SchlĂŒsselbart. Dann hebt sich der Bolzen und gibt die TĂŒr frei.

GlĂŒck wĂ€re also, wenn zwei Dinge aufeinander zufallen, sich ineinander klinken. Je besser Schloss und SchlĂŒssel zueinander passen, um so leiser öffnet sich der Riegel.

Wenn wir unser GlĂŒck noch nicht gefunden haben, leben wir mit einer LĂŒcke. Sie kann nur durch das Passende, durch das ihr GemĂ€ĂŸe geschlossen werden.

Es ist wie mit der guten Frage und der guten Antwort. Beide tragen vom anderen etwas in sich.
-
Kam mir grad in den Sinn, dies fĂŒr dich herzusetzen, Bernd. Hoffe, die Leselupe macht es mit.

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Bernd
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Ich denke, das ist alles verwoben und verflochten, auch mit dem Gedicht, das einen Mosaikstein darstellt aus den Reisen durch die Zeit.

Wenn eine LĂŒcke geschlossen wird, öffnet sich dafĂŒr eine andere.


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Bernd
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Hier kann man das Bild sehen, wie die GaststÀtte einst aussah. Coffee Shop Bronxx

Im Neustadt-Ticker neustadt-rundgang mit frau, brn-museum

brn=Bunte Republik Neustadt

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Ich selber hatte leider kein Bild.
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