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Leselupe.de > Horror und Psycho
Bruderliebe
Eingestellt am 09. 12. 2004 22:41


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Isa
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2004

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Bruderliebe

Bruderliebe

Oft wird sie gefragt, warum sie so nachlÀssig mit ihrem Erscheinungsbild umgeht. Den Grund wegen ihres vernachlÀssigtem, verlottertem Aussehens kennt nur sie. Es scheidet ihr jedes Mal tief ins Herz, doch lÀsst sie dies niemanden erkennen. Sie bleibt mit ihrem Schmerz allein.
Als sie jĂŒnger war, hatte sie ihre Schönheit gezeigt. Sie war stolz darauf gewesen. Ebenso ihre Eltern und ihr Ă€lterer Bruder Jan. Doch er war zu stolz auf ihre Schönheit. Zu oft hatte er sie mit diesem lĂŒsternen Blick gestreift. Zu oft war er ihr hinterher geschlichen, wenn sie ins Bad ging. Er hatte sie immer beobachtet, auch unter der Dusche und in der Badewanne.
Zu Beginn hatte es ihr gefallen, auch die bewundernden Blicke ihres Bruders, selbst wenn sie ihr manchmal aufdringlich vorgekommen waren. Sie hatte ihren Bruder Jan sehr gern gehabt. Mit der Zeit aber hatte sie gemerkt, dass etwas nicht richtig sein konnte. Die Weise, wie er sie beobachtete, dass er sie ĂŒberhaupt beobachtete, seine BerĂŒhrungen und ihre GesprĂ€che, sie waren nicht normal. Und es begann ihr Angst zu machen. Ihre Eltern lĂ€chelten gutmĂŒtig, wenn sie davon erzĂ€hlte. Es sei eben Bruderliebe und Jan sei nur um sie besorgt.
Eines Nachts passierte es dann. Er kam in ihr Zimmer. Es war Sommer und sie schlief in einem kurzen T-Shirt.
Seine HĂ€nde waren rau und grob, als er sie packte und ihr den Mund zuhielt. Sie hörte nur seine leise Stimme, die im Dunkeln flĂŒsterte: „Meine Schwester!“
Sie wehrte sich, strampelte, kratzte, biss und schrie, soweit es ihr durch die sie festhaltenden HĂ€nde möglich war. Doch mit der Zeit, als ihr bewusst wurde, dass keine Hilfe kommen wĂŒrde, gab sie auf und fĂŒgte sich ins Unvermeidliche. Sie verdrĂ€ngte, die HĂ€nde auf ihrer nackten Haut, die in Gebiete vorstießen, in denen sie nichts zu suchen hatten. Sie war zu geschockt, als dass sie sich hĂ€tte wehren können. Er hatte immer nur einen Satz auf den Lippen: „Meine Schwester!“. Nach einem nicht kurzen aber starken Schmerz war es dann vorbei.
Nachdem er fertig war, rollte er sich zusammen und schlief ein. Sie saß zitternd neben der schlafenden Gestalt. TrĂ€nen liefen ihr ĂŒber die Wangen und sie fĂŒhlte sich, als bestehe sie aus einem einzigen tiefen Schmerz, doch traute sie sich nicht, diesen laut zu Ă€ußern. Zu groß war der Schock, zu tief saß die Angst, zu gering war ihre StĂ€rke.
SpÀter, als der Morgen schon dÀmmerte, stand sie vorsichtig auf und ging in das Zimmer ihrer Eltern. Warum hatten sie ihr nicht geholfen?
Das Zimmer war nicht beleuchtet, aber DĂ€mmerlicht schien durch die Fenster herein und sie erkannte, wie ihr Bruder verhindert hatte, dass ihre Eltern ihr halfen.
Das blutige Messer fand sie sorgfÀltig abgelegt auf dem Nachttisch ihrer Mutter. Hier endet ihre Erinnerung und setzt erst in einem Blitzlichtgewitter wieder ein. Vor Gericht schweigt sie. Es gibt nichts zu erzÀhlen.
Ein letztes Mal kehrt sie in das Haus zurĂŒck. Sie geht durch alle RĂ€ume. Sie ist auf der Suche.
Das Feuer in ihrem Garten lodert hell. In ihm brennt ihre Schönheit. Sie will den Schmerz vergessen und einfach nur wieder leben können, ohne diese schreckliche Erinnerung. Ein letztes Photo segelt in die gierigen Flammen. Mit ihm sieht sie ein letztes Mal das Gesicht ihres Bruders. Er kann ihr nun nichts mehr antun, doch hat er ihr Leben und Hoffnung zerstört.
„Meine Schwester! Ich liebe dich!“

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MarleneGeselle
???
Registriert: Feb 2003

Werke: 15
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Hallo Isa,

zuerst einmal meinen GlĂŒckwunsch, dass du dich ĂŒberhaupt an so ein heißes Thema gewagt hast; findet man nicht oft.
Du schreibst flĂŒssig, die Handlung ist gut strukturiert.
Mir fĂ€llt jedoch auf, dass du Redewendungen verwendest wie "bedeutungsschwangeren Blick", "fĂŒgte sich ins Unvermeidliche", "heiße TrĂ€nen liefen ihr ĂŒber die Wangen", "nicht enden wollenden Schmerz", "zu gering war ihre StĂ€rke", "Ein letztes Foto segelt in die gierigen Flammen" usw.
Solche Redewendungen kenne ich aus Liebesromanen. In einer Geschichte wie dieser verwendet, kommt die Protagonistin in Verdacht, dass sie den Missbrauch in in ihrem tiefsten Innern geduldet, wenn nicht gar gut geheißen hat. Ich wĂŒrde da viel klarer Stellung beziehen. Ein geiler Blick ist nun einmal ein geiler Blick - besonders, wenn er vom falschen Mann kommt!
Ansonsten sind mir noch ein paar Kleinigkeiten aufgefallen, die ich jeweils daneben geschrieben habe.
Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen.

GrĂŒĂŸe
Marlene



Bruderliebe

Oft wird sie gefragt, warum sie so hĂ€sslich sei. (Besser: warum sie sich so gehen lĂ€sst.) Es scheidet ihr jedes Mal tief ins Herz, doch lĂ€sst sie dies niemanden erkennen. Sie bleibt mit ihrem Schmerz allein. Den Grund wegen ihres vernachlĂ€ssigtem, verlottertem Aussehens kennt nur sie. (Bei den letzten beiden SĂ€tzen wĂŒrde ich die Reihenfolge vertauschen.)
Als sie jĂŒnger war, hatte sie ihre Schönheit gezeigt. Sie war stolz darauf gewesen. Ebenso ihre Eltern und ihr Ă€lterer Bruder Jan. Doch er war zu stolz auf ihre Schönheit. Zu oft hatte er sie mit diesem bedeutungsschwangeren Blick gestreift. Zu oft war er ihr hinterher geschlichen, wenn sie ins Bad ging. Er hatte sie immer beobachtet, auch unter der Dusche und in der Badewanne.
Zu Beginn hatte es ihr gefallen. (Vorsicht! Hier unterstellst du der Prot., dass sie die Übergriffe provoziert.) Sie hatte ihren Bruder Jan sehr gern gehabt. Mit der Zeit aber hatte sie gemerkt, dass etwas nicht richtig sein konnte. Die Weise, wie er sie beobachtete, dass er sie ĂŒberhaupt beobachtete, seine BerĂŒhrungen und ihre GesprĂ€che, sie waren nicht normal. Und es begann ihr Angst zu machen. Ihre Eltern lĂ€chelten, wenn sie davon erzĂ€hlte. (LĂ€cheln die Eltern verstĂ€ndnislos, wissend-billigend?) Es sei eben Bruderliebe und Jan sei nur um sie besorgt.
Eines Nachts passierte es dann. Er kam in ihr Zimmer. Es war Sommer und sie schlief in einem kurzen T-Shirt.
Seine HĂ€nde waren rau und grob, als er sie packte und ihr den Mund zuhielt. Sie hörte nur seine leise Stimme, die im Dunkeln flĂŒsterte: "Meine Schwester!"
Sie wehrte sich, strampelte, kratzte, biss und schrie, soweit es ihr durch die sie festhaltenden HĂ€nde möglich war. Doch mit der Zeit, als ihr bewusst wurde, dass keine Hilfe kommen wĂŒrde, gab sie auf und fĂŒgte sich ins Unvermeidliche. Sie verdrĂ€ngte, die HĂ€nde auf ihrer nackten Haut, die in Gebiete vorstießen, in denen sie nichts zu suchen hatten. (VerdrĂ€ngte die Frau, dass sie von den HĂ€nden des Bruders berĂŒhrt wurde? Versuchte sie, die HĂ€nde des Bruders abzuwehren?) Er hatte immer nur einen Satz auf den Lippen: "Meine Schwester!". Nach einem nicht enden wollenden Schmerz war es dann vorbei.
Nachdem er fertig war, rollte er sich zusammen und schlief ein. Sie saß zitternd neben der schlafenden Gestalt. Heiße TrĂ€nen liefen ihr ĂŒber die Wangen und sie fĂŒhlte sich, als bestehe sie aus einem einzigen glĂŒhenden Schmerz, doch traute sie sich nicht, diesen laut zu Ă€ußern. Zu groß war der Schock, zu tief saß die Angst, zu gering war ihre StĂ€rke.
SpÀter, als der Morgen schon dÀmmerte, stand sie vorsichtig auf und ging in das Zimmer ihrer Eltern. Warum hatten sie ihr nicht geholfen?
Das Zimmer war nicht beleuchtet, aber DĂ€mmerlicht schien durch die Fenster herein und sie erkannte, wie ihr Bruder verhindert hatte, dass sich die Eltern einmischten. (Die Eltern kamen nicht zu Hilfe. Das ist etwas anderes als eine Einmischung.)
Das blutige Messer fand sie sorgfÀltig abgelegt auf dem Nachttisch ihrer Mutter. Hier endet ihre Erinnerung und setzt erst in einem Blitzlichtgewitter wieder ein. Vor Gericht schweigt sie. Es gibt nichts zu erzÀhlen.
Ein letztes Mal kehrt sie in das Haus zurĂŒck. Sie geht durch alle RĂ€ume. Sie ist auf der Suche.
Das Feuer in ihrem Garten lodert hell. In ihm brennt ihre Schönheit. Sie will den Schmerz vergessen und einfach nur wieder leben können, ohne diese schreckliche Erinnerung. Ein letztes Photo segelt in die gierigen Flammen. Mit ihm sieht sie ein letztes Mal das Gesicht ihres Bruders. Er kann ihr (jetzt) nichts mehr antun, doch hatte er alles zerstör, was wertvoll gewesen war. (Er hat nicht alles zerstört, was wertvoll war - er hat ihre Seele kaputt gemacht.)
"Meine Schwester! Ich liebe dich!"

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