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Leselupe.de > Ungereimtes
Brückensturz
Eingestellt am 03. 07. 2006 10:47


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HFleiss
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Eingestürzt alle Brücken und verschüttet
die Wege, gesenkt die Nacken der Schuldlosen
vor den Richtern der verfluchten Nächte.
Gäbe es doch eine Straße der Rosenlüfte,
bruchlos, hin zu den Silberflüssen
unserer verdorrten Quellen, Dornenweg
zu den verheißenen Paradiesen. Eine Brücke
brach an jenem Tag, als mir das Trugbild
erschien, wider Willen, von den
aufgeputzten Rhododendrongärten am Fluss,
violett und fahl weiß, verlorenen Landschaften
der ewigen Wiedergeburt. Trostlos der
matte Wellenschlag des erstorbenen Flusses,
wuchernd von Geifer die Ufer und nachtschwarz von
zerfetztem Strandgut unserer gegeißelten,
ertrunkenen Sehnsüchte. Brücken nirgendwo. Wohin
gehen nun, wegelos, über den Wassern?

(2006)

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NewDawnK
???
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Hallo HFleiss,

ein düsteres Wortgemälde jenseits aller sichtbaren Hoffnungsschimmer. Psychologisch gesehen der beste Nährboden für Heils-Propheten jedweder Couleur - was sehr schön angedeutet wird in dem Fragezeichen zum Schluss.
Wenn ich Texte wie diese lese, denke ich mir immer, wie wichtig es ist, dass jeder Mensch - auch der intellektuelle - im Laufe seines Lebens lernt seine Emotionen zu bewältigen, bevor er sie unreflektiert in die Außenwelt projeziert. Die Wahrnehmung der Welt ist nicht zuletzt ein Spiegel der innere Befindlichkeiten - genau das wird m.E. in diesem Gedicht sehr deutlich.

Schöne Grüße, NDK

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HFleiss
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Brückensturz

Hallo, NewDawnK,

tja, da hast du das Gedicht halb oder gar nicht verstanden oder nur, was du verstehen wolltest, breitest das, was du als negativ empfindest (die "Düsternis", bei dir muss alles hell und freundlich sein) aus - und schon lehnst du ab. Mag sein, dass du dich momentan in einer optimistischen Phase befindest und dass es dich stört, wenn ein anderer nicht genauso optimistisch ist, wie du es bist. Es gibt eben Leute, die denken nun mal anders als NDK - dies nur nebenbei.

Dies Gedicht ist eine Klage, legitim nicht nur in der Lyrik. Dass Klagen nicht loben, leuchtet dir sicher ein. Sie sind auch nicht unbedingt aufbauend im optimistischen Sinne, das halte ich aber auch nicht für die Aufgabe der Lyrik. Dass du aber gegen die Emotion in der Lyrik sprichst, das verwundert mich dann doch. Lieber NDK, die Literatur und insbesondere die Lyrik leben von der Emotion, nicht unbedingt von der unbewältigten, aber auch das zu Hauf (ich könnte dir mehrere Gedichte mit unbewältigten Emotionen in der LL nennen), das ist richtig, aber Lyrik gänzlich ohne Emotion - gibt es das eigentlich? Ich projiziere (bitte nur so, nicht mit e) also meine unbewältigten Emotionen, schreibst du, in die Außenwelt (das ist übrigens ein Vorwurf, den man jedem Dichter gemacht hat, der das bestehende gesellschaftliche System kritisiert hat, um so seinem Vorwurf die Spitze zu nehmen, ihn unglaubwürdig zu machen). Des weiteren wird die Wahrnehmung der Welt als Spiegel der inneren Befindlichkeiten von dir kritisiert. O Simpel. Davon, lieber NDK, lebt die Literatur! Wenn du das kritisierst, hast du mit Literatur wahrlich nicht viel im Sinn, sondern würdest deine Texte lieber von einem Reimautomaten schreiben lassen. Das Fragezeichen am Schluss ist dir ein Beweis dafür, dass mein Gedicht ein "Nährboden für Heilspropheten jedweder Couleur" sein soll - lieber NDK, nichts ist gewisser als die Ungewissheit, in diesem Sinne liebe ich das Fragezeichen im Vers, das ist die ganze Erklärung. Nun kannst du mir ja auch vorwerfen, ich selbst habe mein eigenes Gedicht nicht verstanden - tust du nicht. Warum eigentlich nicht? Im übrigen kann man problemlos jeden literarischen Text so auslegen, dass ihn der Autor nicht mehr wiedererkennt (ich erinnere an Brecht).

Ich bin mir über das, was heute geschieht, viel zu gut im klaren. Und mein Gedicht drückt das aus. Das, was ich beklage, nämlich die menschliche Entfremdung von sich selbst und zum anderen Menschen, und darum geht es in diesem Gedicht, aber nicht nur, es hat zwei Ebenen (auch wenn ich das Wort nicht benutze, sondern von Brücken spreche, das halte ich für eine poetisch völlig korrekte Metapher) ist ein herausragendes Zeichen unserer Zeit - muss ich das dir erst erklären? Literarisch gesehen gibt es große Klagen in der Literatur, angefangen beim Gilgamesch-Epos, über die Griechen bis in die Neuzeit. Und du, der "moderne Mensch" stehst über solchen Dingen? Damit, obwohl du dich dessen wahrscheinlich nicht bewusst bist, bist du ein beredter Zeuge dafür, dass meine (literarische) Klage nicht nur angebracht ist, sondern sogar dass sie zutiefst gebraucht wird (sofern man von "brauchen" in der Literatur sprechen kann). Deine eigenen Worte, lieber NDK, widerlegen dich selbst.

Gruß
Hanna

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Waldemar Hammel
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Ich hab den Text als Klage erlebt,

auch, wenn mir zuviele Adjektive darin sind, zu dick aufgemalt an manchen Stellen.
Zartes Andeuten wirkt als Suggestion oft mehr, als der verbale Hinweis mit adjektivischen Zaunpfählen.
Euphemisierende Plurale würde ich auch vermeiden, falls machbar.

Eingestürzt alle Brücken und verschüttet

(warum "alle Brücken"?, der Plural hier erreicht eher das Gegenteil von dem, was er soll: er deutet eine Art von Beliebigkeit an/ übertrieben: dass die eingestürzten Brücken auch noch per Verschüttung unsichtbar werden müssen)

die Wege, gesenkt die Nacken der Schuldlosen
vor den Richtern der verfluchten Nächte.

(auch hier: nur Plural und damit "angetäuschte Beliebigkeiten"/ "Schuldlose"? Wer schuldlos ist, kann Steine werfen (und das tust Du hier), aber, wer ist das schon, woher/wozu dann auch die Richter?)

Gäbe es doch eine Straße der Rosenlüfte,
bruchlos, hin zu den Silberflüssen
unserer verdorrten Quellen, Dornenweg
zu den verheißenen Paradiesen.

("Rosenlüfte" und "Silberflüsse" lesen sich hier etwas zu dick aufgetragen, kippt dann um in Kitsch/ und "Dornenweg" und "Paradiese", na ja, das ist christlicher Schmökes. Wer's mag ...)

Eine Brücke
brach an jenem Tag, als mir das Trugbild
erschien, wider Willen, von den
aufgeputzten Rhododendrongärten am Fluss,
violett und fahl weiß, verlorenen Landschaften
der ewigen Wiedergeburt.

(Trugbilder erscheinen immer unbeabsichtigt = "wider Willen"/ Stangenbrote, kross gebacken, über einen Bach gelegt, können "brechen", aber Brücken als Bauwerke "stürzen ein"/ "violett + fahl-weiß" als Toten- und Kardinalsfarben/ "ewige Wiedergeburt" = christl.Symbolik in Umkehrung: "die ewige Wiedergeburt verlorener Landschaften". Absicht?)

Trostlos der
matte Wellenschlag des erstorbenen Flusses,
wuchernd von Geifer die Ufer und nachtschwarz von
zerfetztem Strandgut unserer gegeißelten,
ertrunkenen Sehnsüchte. Brücken nirgendwo. Wohin
gehen nun (weil hier ein Ende impliziert werden soll, gibt es kein "nun" mehr), wegelos (wo ein Wille, da immer ein Weg, deshalb hätt ich hier "hoffnungslos" geschrieben, denn ohne Hoffnung gibt es auch keinen Willen zu irgendwas mehr), über den Wassern?

(auch hier: zu dick adjektiviert: Übertrauer statt Trauer/ und ganz plastisch gesehen, ist das Endbild nicht plausibel, denn man kann Flüsse auch durchschwimmen oder als Junktoren erleben, statt hilflos Brücken zu suchen, oder messiasartig übers Wasser laufen zu wollen)

Der Text sagt mir etwas, berührt mich irgendwie, diffus und nicht genau angebbar, aber insgesamt -um ein esstechnisches Bild zu bringen- ist er mir doch ein zu mächtiges und grobschlächtiges Eisbein, irgendwie nicht bis zur finesse durchgegart.

Aber, ist nur mein subjektiver Eindruck ...

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HFleiss
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Brückensturz

Hallo, Waldemar - ich bin grad in der LL und kann dir gleich antworten.

Nimm als gegeben, mein LI ist Nichtschwimmer. Hab dran gedacht, vielleicht hätte ich dann sogar den Schluss alle Widersprüche zudeckend "hochgerissen", aber das lag überhaupt nicht in meiner Absicht.

Dir gefallen die Adjektive nicht?
Du berufst dich wie alle Adjektivhasser auf Mark Twain, der gefordert hat, alle Adjektive auszumerzen? Nun, der Mann hatte in einer Zeitungsredaktion gearbeitet (wenig Platz, prononcierte Schreibe) und saß nicht über einem Gedicht. Meine "adjektivischen Zaunpfähle" haben in diesem Gedicht eine Funktion, nämlich das Substantiv zu charakterisieren, und ich verzichte auf diese Funktion nicht ohne Not. Es ist doch ganz einfach: Adjektive würden nicht existieren, wenn man sie nicht brauchte. Streich in diesem Gedicht die Adjektive, und dir bleibt lediglich ein Gerüst, aber kein Gedicht.

Ich bestehe auf dem "nun" in der letzten Zeile, das ist eine wahrhaft philosophische Frage, nämlich die nach der Aussage. Denn das LI ist nicht am Ende der Geschichte (es soll durchaus kein "Ende" impliziert werden) angekommen, sondern es geht weiter - die Frage ist, wie? Und das ist auch die Aussage der letzten Zeile. Dass du "hoffnungslos" geschrieben hättest, ist dir unbenommen - schreib selbst ein Gedicht. Ich schreibe jedenfalls nicht das blasse "hoffnungslos". Dies würde auch konträr zur Aussage der letzten Zeile stehen.

Dass bei dir nur Baguettes brechen können - lieber Waldemar, dann hast du noch keine eingestürzte Brücke gesehen. Sie "bricht" wortwörtlich. Außerdem mag ich das Spiel mit "Brücke" - "brechen", das entspricht meinem Sprachverständnis, zumal im Vers.

Ich kann nicht auf alles eingehen, was du ansprichst, aber
auf eines noch, das ist die religiöse Symbolik: Dornenweg, Paradiese, Wiedergeburt. Obwohl ich zutiefst atheistisch (aber nicht feind dem Gläubigen) bin, gebrauche ich dennoch in meinen Gedichten mit Absicht christliche Symbolik, es sind in unserem Kulturkreis (übrigens nicht nur im christlichen) meiner Ansicht nach sehr bekannte, vor allem aber sehr poetische Wörter, ich würde sie auch gebrauchen, stammten sie z. B. aus der Jugendsprache. Dummerweise stammen sie nicht von mir, sondern existierten bereits vor diesem Gedicht. Das ist meiner Ansicht nach der einzige Vorwurf, den du mir deshalb machen kannst. Aber dummerweise habe ich auch die deutsche Sprache nicht erfunden. Ob sie kitschig gebraucht sind - wagst du dich, das einzuschätzen? Eines ist das Gedicht jedenfalls nicht: ein Gedicht zur Erhöhung des Religiösen.

Und jetzt zu Plural und Singular. Lies das mal im Singular:

Eingestürzt die Brücke und verschüttet der Weg,
gesenkt der Nacken des Schuldlosen
vor dem Richter der verfluchten Nacht.

Sprich es vor dich hin. Hörst du das, merkst du, dass es nicht geht? Ich bin gezwungen, hier den Plural zu benutzen, und zwar in allen Fällen. Mit Beliebigkeit hat das überhaupt nichts zu tun. Das ist auch so ein Vorwurf, den man glaubt mit nichts beweisen zu müssen, man muss ihn nur aussprechen.

Lieber Waldemar, ich bilde mir nicht ein, mit diesem Gedicht ein Glanzlicht der Lyrik geschaffen zu haben, vielleicht ist es sogar eines meiner wirklich schwachen Gedichte - ich kann es nicht einschätzen. Traust du dir zu, das zu entscheiden - mit Blick auf deine eigenen Gedichte?

Gruß
Hanna

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casy01
Guest
Registriert: Not Yet

Ich wage es nun dennoch....

Wort-gewaltig und ich gestehe es nun


Düster

erscheinen auch mir hier Inhalt der Worte

wobei ..

warum muss "Düster" hier als Kritik gewertet werden???

ich gehe davon aus, dass diese so gewollt..?!!!!!!!

und dann "gelungen"
währe

ein Autor kann seine Werke benoten??

ich schaffe -will- das nicht

ich kenne nur meine Vorlieben zu den
eigenen verfassten Zeilen.

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