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Leselupe.de > Kurzprosa
Busfahrer. Alltag. Und der Abend schwieg.
Eingestellt am 12. 08. 2001 22:56


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Ingwer
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Alltag

Das reflektierte Licht brannte in seinen Augen.
Es war die siebte Runde heute, und es reichte ihm, definitiv. Er hatte zwischendurch zwar immer mal ein paar Minuten Zeit gehabt, aber nie hatte es f├╝r eine gem├╝tliche Zigarette gereicht. Schlie├člich musste der Mensch auch seine Notdurft verrichten, wenn ihm das Wasser fast bis zum Hals stand, oder sich ab und an mal ein belegtes Br├Âtchen am Kiosk kaufen.
Die Fahrg├Ąste grummelten vor sich hin, wenn er mal ein paar Minuten Versp├Ątung hatte. Termine hier. Zu sp├Ąt da. Unversch├Ąmtheit.
Mit der Zeit war er immer stumpfer geworden, genau wie sein langsam sch├╝tteres Haar. Die Falten gruben sich tiefer in seine Augenwinkel, und leider waren es nicht nur Lachfalten.
Er war m├╝de.

Ein rascher Blick auf seinen kleinen Kalender am Armaturenbrett- und ein L├Ącheln, das scheu ├╝ber sein Gesicht huschte.
An der n├Ąchsten Haltestelle w├╝rde sie einsteigen.
Wenn genug Platz war, sa├č setzte sie sich immer so, dass er sie im R├╝ckspiegel sehen konnte. Sie trug braunen Kunstpelz im Winter und wei├če oder blaue Kleider im Sommer. Die Haare immer offen- bis auf einmal. Da trug sie eine Hochsteckfrisur, die ihr ├╝berhaupt nicht stand. Irgendjemand musste sie darauf aufmerksam gemacht haben-
in der Woche danach sah sie aus wie sonst.
Sie war ihm vertraut geworden, diese Einmal-in-der-Woche-Geld-kassieren-und-im-R├╝ckspiegel-betrachten-Bekanntschaft.
Aber ansprechen w├╝rde er sie nicht, nein.
Er f├╝rchtete sich nur vor dem Mittwoch, an dem sie nicht mehr einsteigen w├╝rde.

Heute sah er sie von weitem leuchten, in einem neuen, gebl├╝mten Kleid, das sich im Wind aufbauschte, mit wirren Haaren und wirrem L├Ącheln, das nicht ihm galt.
Sie l├Ąchelte f├╝r den Mann, der bei ihr stand und sie umarmte.
Und sie verpasste das Einsteigen, weil sie den Mann k├╝sste.


Fahrpl├Ąne m├╝ssen eingehalten werden, und er fuhr weiter und fuhr und fuhr und fast ├╝ber eine rote Ampel und fuhr weiter und hielt und fuhr und hielt. Zuletzt am gro├čen Bushof, wo seine Schicht endete.
Er stieg aus und w├╝hlte in seiner Tasche nach Zigaretten.
Er wollte nach Hause.
Er ging zu Fu├č, stundenlang durch die kalte Stadt.
Es war weit- seine Frau wartete.

Der Abend schwieg.

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