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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Busstopp
Eingestellt am 12. 03. 2002 18:38


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MaxiWolf
Schriftsteller-Lehrling
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Busstopp






Ich recke mich und starte meinen Bus. Meine Hände fassen das Lenkrad und ich stöhne laut. Dieser Tag wird sicher genauso öde wie jeder Tag.
Aus dem Funk ertönt: „Bewaffneter Raubüberfall mit Geiseln. Wir brauchen Verstärkung.“ - Kurze Pause. – „Gott!“, schreit der Polizist in den Funk. „Der Irre ballert da drinnen wild in der Gegend rum. Ich höre von drinnen nur Schreie!“
Herrlich, denk ich, da fängt er doch lustig an. Ich trete aufs Gas und fahre zu der Bank, so schnell diese alte Mühle fährt. Das ist doch sicher wieder ein toller Anblick. Die vielen Toden, durchsiebt und der Boden mit Blut getränkt. Während der Bus über die Landstraße in die Stadt hinein rast sehe ich das Spektakel schon vor mir.
Ich sehe, wie der Bankräuber drinnen alle abknallt und dann von der Polizei durchlöchert wird.
Und als ich dort ankomme, waren alle noch in ihren Startlöschern. Der Bankräuber hält drinnen seine Geiseln gefangen und eine ganze Menge Polizisten hocken draußen. Sie suchen hinter der Tür ihrer Polizeiwagen Schutz und zielen auf die Tür, aus der jeden Moment der böse, böse Bankräuber kommen könnte.
Ich öffne meine Tür und ein kaltes Lüftchen bläst in meinen Bus. Es ist erfrischen, jetzt, wo es so brütend heiß ist. Draußen die Bullen schwitzten alle.
Die armen Schweine, müssen da draußen in der Hitze hocken und warten, was sich tut, geht es mir durch den Kopf und ich muss lachen. Obwohl ich selbst auch nicht besser dran bin. Ich muss in meinem Bus hocken und schwitzen. Die Hitze ist fast unerträglich. Gott sei Dank weht wenigstens ein bisschen Wind.
Ein dicker Bulle mit üblen Schweißflecken kommt an meinen Bus vorbei und sieht mich scheinbar verwundert an. Was hat der? Hat er etwa seinen nahen Tod gesehen? frage ich mich. Ich gebe ihm nur noch fünf Wochen. Seine Sucht nach allem Essbaren wird ihm zum Verhängnis werden. Seine Pumpe macht das einfach nicht mehr lange mit.
Ein Schuss ertönt und unterbricht die Stille.
„Ui, jetzt geht’s los!“, rufe ich freudig und klatsche in meine Hände.
Und wer tritt jetzt auf die Bildfläche? Genau, der Räuber. In seinen Armen hält er ein zitterndes und wimmerndes Wesen, das seine Geisel ist. „Bitte, bitte lassen sie mich“, bat sie und schluchzte. Ich verdrehte die Augen. Wieder so ne Heulsuse. Na ja, dass werden sie alle, wenn ihnen der Tod im Nacken hockt. Da sind mir diese Schläfer lieber, die für ihren Glauben in den Tod gehen und vor dem Tod keine Angst haben. Sie sterben so schön ohne meckern und zetern. Dem Räuber hier, flattert ganz schön das Hemd. Er betet, dass sie ihn laufen lassen. Aber die Bullen haben das nicht vor.
Er drückt die Pistole mehr an ihre Schläfe, sein Herz schlägt schneller.
Und … Und? frage ich mich. Wann knallt ihr endlich diesen Saftsack ab. Männer, ich macht schon, der ist doch nur ein kleiner Fisch. Kein großer gefährlicher Hai, der euch alle killen kann.
Ne nix. Gott, was sind das nur alles fĂĽr Flaschen. Ich will Blut sehn, schnallt ihrs nicht. Tod und Blut, das ist fĂĽr mich die einzig wahre Befriedigung, die ich noch habe. OK, ne gute Nutte ist auch ganz nett.
Dann endlich. Durch sein Zittern und seine Panik beim Anblick der einundzwanzig Waffen, die auf sein kleines Hirn gerichtet sind, betätigt der Bankräuber aus versehen den Abzug.
Das betteln und anbieten von Geld des 20-jährigen Mädchens in seinen Armen verstummten. Nummer eins willkommen im Reich der Toden und Beginn eines schönen Blutbades. Alle Bullen feuern auf einmal und die Kugeln verfehlen alle nicht ihr Ziel. Ach ist das schön. Der kleine Räuber, wird wegen nicht mal 2.000 Euro durchsiebt. Ich sehe, wie er auf die Knie sinkt und dann, als die Munition der Polizisten alle ist, nach vorne kippt. Aber nicht ohne noch einen mit ins Grab zu nehmen.
Als die tote Hand des Bankräubers die Erde erreicht betätigt der Schlag noch einmal den Abzug und ein blinder Schuss trifft einen Bullen in der Schläfe. Er hatte sich in dem Moment gerade aufgestellt um zu schauen, was da los war. Er war noch nicht sehr lange dabei und kam gerade von der Schule. Dies war der erste und letzte, dem er eine Kugel verpasste. Er war 21 Jahre alt und ein gutaussehender Junge, der sicher mit seinem Tod einige Frauen unglücklich machte. Na ja, die würde ich ja gerne trösten, aber wie ich aussehe, wollen die sicher nicht mit mir ins Bett.
Der Bankräuber war Mitte 30 und kein so guter Herzensbrecher. Er trug eine Brille, die unter seiner Sturmhaube hervorschaute, hatte eine Fahne vom Bier, womit er sich Mut angetrunken hatte und seine Absichten mit dem Mädchen waren nicht sehr lobhaft. Das hätte ich schon gerne mit angesehen. Aber …
Die kleine war aber auch ein Miststück. Mit ihren 21 Jahren hatte sie sich schon für einige alte Männer nackig gemacht. Und das Geld musste gestimmt haben. In ihrem Portemonnaie waren insgesamt 5.000 Euro. Sie hätte dem Bankräuber doch gleich sagen können, er könnte sie und die 5.000 haben, wenn er sie dann gehen lassen würde.
Ich mach noch einige Fotos. Die machen sich sicher gut auf meiner Homepage und Zeitungen zahlen sicher auch ein paar Mücken dafür. Dann rücke ich mein Basekap zurecht und sage zu dem Bullen mit coolem Ton: „Wir sehen uns noch, mein Dicker.“ Er blickt starr in meine Richtung. Ich schließe die Türen meines Busses und fahre gemütlich los. Pfeife das Liedchen nach, das gerade im Radio kommt. Ich kenn weder den Titel noch den Namen der Sängerin aber es klingt gut.
Ich fahr eine Weile einfach so in der Gegend rum. Mal auf der Seit, mal auf der anderen Seite. Die anderen stört das irgendwie nicht. Ich lache, während ich auf sie zufahre. Aber so ein Spaß wie beim 1. Mal, als ich auf einen LKW zufuhr machte es mir einfach nicht.
Ich stöhne. Mein Job ist ja so langweilig an manchen Tagen. Obwohl … Eben das war schon lustig. Wie die den Typen durchsiebt haben.
Ich lache und während meines Lachens hör ich im Funk: Unfall mit Schwerverletzten und Toden. Wieder ein Unfall und ich bin nicht der Verursacher, fluche ich. Na ja, mal schauen, was da los ist. Ich drücke aufs Gaspedal und fahre mit Höchstgeschwindigkeit los. Dann plötzlich vor mir, ein Auto. Schleicht mit lausigen 30 durch die Stadt. Ich drücke auf die Hupe. Nix. Der Typ muss taub sein. Kann man überhaupt? frag ich mich. Ist auch egal.
Ich fahre auf den Bürgersteig - leider sind keine Passanten unterwegs – und überhole diese Schnecke. Welch Überraschung, sie ist wirklich eine süße Schnecke. Es werden ihr von meiner Seite Küsschen entgegen geworfen. Dann fahr ich wieder auf die Straße und düse ab zum Unfallort.
Wow. Sieben Autos sind zusammengeschrotet. Ich knipse einige Fotos. Der Unfallverhurschacher hat wie immer überlebt. Aber schwer verletzt und gerade am abkratzen. Ich halte vor ihm und öffne meine Tür. 9 Schwerverletzte und 3 Tode. Das ist aber nur die aktuelle Zahl. Zwei werden den nächsten Tag nicht überleben und der vor mir stirbt jeden Moment. Knips, Foto gemacht und beim Krepieren zuschauen.
„Komm“, ruf ich. „Ich will dich sterben sehen.“ Aber solche Leute wollen gewöhnlich nicht sterben und Krankenpfleger wollen die Leute gewöhnlich nicht sterben lassen. Auch wenn der Typ sturzbesoffen ist und das beatmen eine einzige Qual bei der Fahne. Wenn ihn nicht der Unfall umgebracht hätte, dann der letzte Schluck Alkohol, der noch in seiner Wodkaflasche war.
Die Krankenpfleger tun was sie können.
„Mensch Leute, der ist tot, lasst den quatsch“, rufe ich. Einer schaut in meine Richtung. „Ich sag ja nur die Wahrheit.“ Aber sie sehen es nie ein.
Dann, als der alte schon daran war Licht zu sehen, jagen die ihm etliche Volt in die Brust und es gelingt ihnen sogar. Er reist die Augen auf und beginnt wieder zu atmen. Sein Blick richtet sich starr zu mir.
Ich sehe in meinen Spiegel und muss mich beschweren. So übel sehe ich nun wirklich nicht aus. Na ja, hier und da könnte es schon besser sein. Aber sonst bin ich kein schlechter Anblick.
„Oder Leute?“ Meine Frage richtet sich an die, die schon bei mir eingestiegen sind. Sie nicken mit lächelndem Gesicht. Ich bin zufrieden. Und die Fahrgäste scheinbar auch. Ich schließe meine Tür und werfe dem Besoffenen noch einen Blick zu.
Ein Monat und er stürzt mit seiner Frau und seiner zweijährigen Tochter einen Abhang hinunter. Die Krankenpfleger hätten ihn abkratzen lassen sollen. Der Spruch „Jedes Leben zählt“ trifft auf den nun echt nicht zu. Denn sein Leben zählt nur noch einen ordentlichen Schlag ins Gesicht.
Die anderen 3 Leichen sind ein Pfarrer einer katholischen Jungenschule, der sich eingehend mit den kleinen Buben im stillen Kämmerchen befasst. Dann eine als Nonne verkleidete Stripperin, die einige ihrer Kolleginnen verprügelt hat. Schlimmes Mädchen die. Und dann einer, der es irgendwie aus dem Knast geschafft hatte, aber dessen Fahrt ins Freie mit dem Tod endete. Eine wirklich tolle Gesellschaft heute.
Ich fahre wieder los und freu mich schon auf den nächsten lahmen Funkspruch. Vielleicht mal wieder eine Oma, die abgekratzt ist. Oder ein dummer Haushaltsunfall, bei dem der verhasste Ehemann ein Messer abbekommen hat. Morde sind einfach immer was Schönes. Besonders die von Frauen. Die sind immer so schön fies und hinterhältig.
Dann komme ich an einer Bushaltestelle vorbei. Nun ich fahre einen Bus und entschlieĂźe mich dort anzuhalten. Immerhin ist das ja einen Bus. Und ein Bus muss an einer Bushaltestelle halten. Meine Logik heute wieder.
An der Bushaltestelle steht eine Frau mit ihrer 6-jährigen Tochter und eine 89-jährige alte Damen.
Ich öffne höflich meine Tür und die Reaktion erschüttert mich zutiefst. Das kleine Mädchen schreit, als ich ihr entgegenlächele. Man vermag es nicht zu glauben aber ich liebe kleine Kinder. Ich hätte sehr gerne eins, aber der Zufall wollte es einfach nicht so gut mit mir.
Die Mutter drückt ihr zitterndes, weinendes Kind an sich und sieht mich angewidert an. Also mal ehrlich, ich bin doch ein schmucker Kerl. Die alte Dame dagegen grüßt mich nett mit: „Guten Tag“. Sie steigt in meinen Bus, legt mir einen Euro hin. Ich stecke ihn freudig in meine Brusttasche.
Die Frau streckt ihre Hand zur alten Dame und sagt geschockt: „Aber …“
Aber was? frage ich mich. Was hatte die denn. Ich bin doch ein lieber Kerl.
Sie sieht ein, dass das nix bringt und geht mit ihrer Tochter davon. Ich wende mich zur alten Dame und frage: „Wohin wollen Sie?“ Sie sitzt drei Reihen direkt hinter mir.
„Luisenstraße 5“, sagt sie lächelnd. „Ich will ins Krankenhaus zu meiner Enkelin. Sie hat vor einem Tag ihr 1. Kind bekommen.“
Das ist doch eine freudige Sache, so ein kleiner Stinker, der gerade erst auf die Welt gekommen ist. Ich beschließe die alte Dame so schnell wie möglich ins Krankenhaus zu fahren, damit sie sich ihre 1. Urenkelin betrachten wird. Solange sie och dazu im Stande sein wird, diese alte Mumie. Aber diese Dame wird noch ihrem 10. und 11. Urenkel begegnen. Erst in einigen Jahren wird sie glücklich im Kreise ihrer Kinder, Kindes Kinder und wiederum deren Kinder in ihrer Wohnung friedlich einschlafen.
„Wird gemacht!“, rufe ich und trete aufs Gaspedal. Der Bus rast die Straße entlang und nach 3 Minuten holpert er die Auffahrt zum Krankenhaus entlang. Die Straße ist mit Pflastersteinen gepflastert und im Bus werden alle ziemlich durchgeschüttelt. Alle haben Angst um ihr „Leben“. Die alte Dame dagegen sitzt gemütlich im Sitz und lässt sich von der schnellen Geschwindigkeit und der unebenen Straße nicht stören.
Dann sind wir am Eingang angelangt und ich öffne die Tür. Ich helfe der alten Dame beim Aussteigen. Die Leute, die gerade aus dem Krankenhaus herauskommen und hinein wollen halten sofort in ihrem Tun inne. Sie sehen mich und die alte Dame verwirrt an. „Danke junger Herr“, sagt sie und macht sich daran in das Krankenhaus zu gehen.
„Was glotzt ihr so?“, frage ich in die Masse und alle entfernen sich schleunigst von mir. Die Menschheit von heute, ist mein Fluchen.
Ich steige wieder in meinen Bus ein und schließe die Tür. Dann bemerke ich, das kleine Geschenk in meiner Brusttasche. Die alte Dame hatte mir 10 Euro in meine Brusttasche gesteckt. Ich wink ihr fröhlich zu, während sie von drei Jungen und einem Mädchen freudig begrüßt wurde. Ich lächle bei dem Anblick.
Oh ja, Kinder sind was tolles.
Der Funk geht an: Suizid … Brücke. Das ist das einzige was ich höre. Man ist das ein Rauschen. Na ich fahr mal hin und schau was Sache ist. Suizid, ist das gerade mal dritt langweiligste nach dem natürlichen Tod und Kindsmord.
Aber ich fahre hin. Wenn die unten ankommt, das muss doch ein toller Anblick sein.
Mein Fuß betätigt das Gas und mein Bus setzt sich wieder in Bewegung. Ich fahre so schnell wie möglich hin, bevor die unten ankommt. Und Tatsache. Ich steh unter der Brücke und sie steht noch oben. Etliche nette Menschen sprechen ihr Mut zu.
Sie steht da oben. Fein gemacht für ihren letzen Gang – als ob sie dafür schön aussehne müsste, wenn man ihre Leiche vom Asphalt abkratzte. Sie ist 19 und schwanger. Schwanger von einem Hund, der sie brutal vergewaltigt hatte. Niemand gibt ihr Trost, keine Schulter an die sie sich anlehnen kann.
Eine nette alte Frau meint, nix kann so schlimm sein, um dafĂĽr zu sterben. Die wurde aber auch noch nie vergewaltigt.
Ich warte und warte. Sie hält sich an einem Pfosten der Brücke fest und schaut in die Tiefe. Dann stehe ich auf. Seh durch mein Fenster hinaus. Meine Tür ist wieder geöffnet.
„Komm schon Mädel, spring“, fordere ich sie auf. Ich hüpfe vorne auf und ab. „Spring endlich.“ Nichts. Sie sieht auf meine Bus und hat Angst. „Komm, es tut nur mal kurz weh und mehr nicht.“ Ich werde fast wahnsinnig. „Spring schon!“ Ich stell mich gerade hin, breite meine Arme so weit es geht in meinem Bus aus und sage: „Lass mich nicht warten, Baby, ich will deine Leiche sehen.“
Sie lässt sich nach vorne fallen und spürt den Wind in ihrem Gesicht, als sie sich und ihr ungeborenes Baby in den Tod stürzt. Und wie hab ich versprochen? Es ist kurz und schmerzlos.
Knips, knips und dann schließe ich meine Tür und fluche. Selbstmörder. Die wollen es immer spannend machen.
Dann geht es wieder auf lange Tour. Einfach blind in der Gegend rum fahren. Was kann man sonst nicht so langweiliges machen.
Dann plötzlich. Etwas ganz wichtiges. Etwas, was einfach getan werden muss. Das einfach nicht aufzuhalten ist.
Ich bringe meinen Bus zum stehen. Meine Fahrgäste schauen verwundert auf mich. Ich öffne meine Tür und springe schnell heraus. Ein Baum vor mir und mein Strahl der ihn tränkt. Das tat gut. Erleichtert begebe ich mich wieder auf meinen Platz und fahre weiter.
Als ich mich gerade wieder an die langweilige Fahrt gewöhnt habe kommt die Topmitteilung überhaupt: Haiangriff!!!
Strand, Weiber und Weiber mit kaum etwas an.
Die totale Fleischbeschau. Ich kann den Hai vollkommen verstehen, dass er da sein Unwesen treibt und kleine Häschen frisst. Würde ich auch gerne tun, aber ich hock nun mal in diesem dämlichen Bus.
Ich trete das Gaspedal voll durch. Meine Räder müssen ja schon glühen, so ein Tempo hab ich drauf. Umso schneller, umso besser und umso kürzer brauch ich zu den Strandhasen.
Knackige Pos, blanke Busen. Alles richtig für einen Hobbyvoyeur wie mich. Hinten die Fahrgäste scheinen um ihr Leben zu bangen. Ich beginne sofort aus vollem Hals zu lachen, während ich zum Strand düse, mit allem, was der Bus herausrückt. Aber für mich ist das immer noch nicht genug.
Dann endlich nach langen 10 Minuten bin ich am Strand. Ich stoppte den Bus und öffne meine Tür. Genau vor meinem Stopp liegen zwei süße Häschen, die sich mit nacktem Oberkörper sonnen. Zu meiner linken skatet eine 19-jährige Blondine an mir vorbei. Ich pfeif ihr hinterher und wende mich dann wieder den beiden Schönheiten vor mir zu.
Eine 25- jährige, die schon 3 Brust-OPs hatte und eine 22-jährige, die von Natur aus sehr gut bestückt ist.
Ich schau kurz rĂĽber, was der Hai dort macht. Er hat einen Surfer geschnappt, besser gesagt sein Brett samt Bein. Keine Toten, aber das ist auch vollkommen egal.
Meine Hände leg ich über das Lenkrad und lege meinen Kopf darauf. Ich beobachte die beiden hübschen, wie sieh ihre nackten Busen großzügig mit Sonnencreme eincremen.
Sie brauchen Hilfe, beim RĂĽcken.
Aber da ist schon ein Muskelpaket da. Voll gestopft mit Steroide, der Typ. Das Vorurteil, dass Bodybuilder einen ganz kleine haben stimmt bei dem voll und ganz. Er versteckt die 2 Zentimeter gekonnt in seinem Tanga. Die beiden Frauen scheinen das aber nicht zu sehen und flirten heftig mit ihm.
Ich setze mich wieder hin, wisch den SchweiĂź von meiner Stirn, schlieĂźe die TĂĽren meines Busses und fahre weiter.
Die Sonne beginnt schon unterzugehen. Die letzte Meldung trifft ein. Schlaganfall. Ein alter Herr ist abgekratzt. Wie öde.
Mit strahlendem Lächeln am Gedanken an die beiden Häschen fahre ich hin.
Da fällt mir glatt ein, dass ich was vergessen habe.
Ich reise das Lenkrad herum und düse zurück. Aber pleite. Beide haben den Strand verlassen und sind mit dem Bodybuilder abgezogen. Ich lasse mich stöhnend auf das Lenkrad sinken. Neben mir baumelt meine Kamera. Das wären super Schnappschüsse geworden.
Ich setzte meinen Bus in Bewegung und fahre zu dem alten Sack. Die Polizisten haben schon seine Leiche in einen Leichensack gepackt und wollen ihn ins Leichenschauhaus bringen. Das wären keine tollen Fotos. Nix spektakuläres. Ich stöhne und öffne meine Tür, um etwas frische Luft hinein zulassen. Mittlerweile ist es dunkel. Da wären die Fotos eh nix geworden.
Nach einer kleinen Verschnaufpause schlieĂźe ich die TĂĽren und setze meinen Bus wieder in Bewegung. Ich mache mich auf den Heimweg. Langsam und gemĂĽtlich. Heute Abend ist nichts mehr los und ich habe Feierabend.
Mein Bus fährt gemächlich im Schneckentempo die Straße entlang und bleibt auf einer Brücke stehen. Neben dem Bus steht ein kleines Mädchen, das verloren in die Nacht schaut. Die Straßenlaterne beleuchtet ihr hübsches Gesicht, über das ein Faden aus Blut rinnt. Ihr Hinterkopf ist zerschmettert. Wieso hatte mir niemand gesagt, das hier ein Autounfall war?
Ich sehe mich hektisch nach den Wracks um, entdecke aber keine. Nicht mal irgend ein Anzeichen von einem Unfall. Scherben oder so. Nichts. MerkwĂĽrdig.
Ich öffne meine Tür und sehe, dass das Mädchen weint. Sie zittert. „Geh weg!“, schreit sie. „Monster, geh weg!“ Auf ihrem Rücken ist ein Rucksack, sie muss wohl auf dem Weg von oder zur Schule gewesen sein, als es passierte.
„Kleine, keine Angst, ich tu dir nichts“, rede ich ihr freundlich lächelnd zu.
Sie wendet sich von mir ab und macht sich daran die Brücke zu verlassen. Aber aus eigener Kraft kann sie es nicht. „Ich will zu meiner Mami“, weint sie. Ihre Tränen benässen die Brücke und verdunsten sofort in der Hitze.
„Komm her, ich bring dich hier weg“, verspreche ich. Mein Blick ist auf das kleine Wesen gerichtet, das verzweifelt versucht zu fliehen, aber sie ist an diesem Ort gefangen. Verlassen von allen und …
Ich sehe auf das Kreuz. … und vergessen. Das Datum zeigte den 03.02. wir haben den 15.06. Ich hab sie vergessen. Vor fast einem halben Jahr war der Unfall und ich beachtete ihn nicht, weil ein flotter Strandhase gerade am ertrinken war. Über ihre flotten Kurven vergas ich den Unfall und die Kleine abzuholen vollkommen.
„Keine Angst, Spätzchen, ich bring dich hier weg.“ Diesmal wird mein versprechen erhört.
Sie wischt sich die Tränen Weg und fragt freudig: „Bringst du mich zu meiner Mammi?“
„Nein, aber ich bring dich an einen schönen Ort, wo du glücklich sein wirst“, ist mein Versprechen. Auf ihrem Gesicht bildet sich ein Lächeln. „Wie heißt du mein Engel?“, will ich wissen.
„Maria“, ist die Antwort.
„Gut, Maria, dann komm in meinen Bus und ich bring dich hier weg.“
Ihr Lächeln verschwindet und Skepsis bildet sich darauf. Sie geht einige Schritte auf den Bus zu, dann bleibt sie stehen.
„Aber meine Mutti hat gesagt, ich soll nicht mit Fremden mitgehen“, sagt sie. Jetzt hindert sie der Wille ihrer Mutter zu gehorchen am Mitkommen.
Ich schĂĽttle den Kopf. Das wird schwerer, als ich erwartet habe.
Ein Einfall.
„Wie fändest du es, wenn wir zu deiner Mutter fahren und sie fragen, ob du mitkommen darfst?“, schlage ich vor.
„Aber meine Mutter sagte, sie wolle mich abholen“, sagt sie.
Ich stehe auf und gehe zur Tür. Ich hocke mich oben hin und lächle. „Deine Mutter hat aber gesagt, ich soll dich abholen.“ Misstrauen. Aber dann steigt sie mit etwas Angst ein. Ihr Blick schweift übermeine Fahrgäste. Die Nutte versucht den Pfarrer zur weiblichen Seite zu bekehren. Der Sträfling, der dem feigen Bankräuber die Waffe weggenommen hat, macht einen auf Big-Boss. Und die zerschmetterte Selbstmörderin hat ihr blutiges Baby in den Armen liegen. Dieses arme Mädchen erwartet genauso ein öder Job wie ich habe.
Maria zittert und macht sich an den Rückzug. Ich trete hinter sie und rede ihr Mut zu. „Keine Angst, die beißen nicht. Stimmt’s nicht?“ Der letzte Satz ist laut an die Masse gerichtet. Der Knasti ist sofort kleinlaut. „Ja Boss!“, ruft er und die anderen tun es ihm gleich.
Ich lächele Maria an und sie lässt sich gleich auf den 1. Platz neben der Tür plumpsen. Dann setzte ich mich wieder schließe die Tür und fahre zu der Wohnung ihrer Eltern. Ich nehme etwas Rücksicht auf meine junge Begleitung. Deswegen dauert die Fahrt auch 15 Minuten. Und nicht wie gewohnt 3.
Dort angekommen steht Maria sofort an der Tür und will rausstürmen. Ich dreh sie zu mir und schnipp mit dem Finger. Eine kleine Spielerei, die mein Chef Petrus erlaubt. Ich und Maria stehen nun im Schlafzimmer ihrer Eltern. Maria stürmt sofort zu ihrer Mutter. „Nicht so hastig“, flüstere ich, aber es ist zu spät. Verschlafen macht die Mutter die Augen auf und sieht auf ihre kleine Tochter.
„Maria“, kommt es von ihr unfassend. „Aber du bist doch tot?“
Ich trete zu der geschockten Frau. Wenn ich auftrete steigt Nebel empor, das ist noch eine Spielerei, die ich als Gabe mit auf meinen Weg bekommen habe.
„Ich bin nicht tot“, ruft Maria und will ihre Mutter umarmen, aber diese weißt ihr Kind ab. Maria kann das nicht verstehen und betrachtet mich verwundert.
„Das ist ein schlimmer Traum“, sagt sie und hält sich die Hände vors Gesicht.
„Aber …“, kommt es verwirrt von Maria.
„Ich bin Anton“, stelle ich mich vor. „Ich hab Ihnen Ihre Tochter gebracht, dass sie sich von ihr verabschieden können.“
„Das ist ein Traum … das ist ein Traum“, redet sie sich immer und immer wieder ein. Es hat keinen Sinn. In Marias Augen bilden sich Tränen. Sie stürzt zu mir und weint sich aus. Ich verlasse mit ihr das Haus.
Im Bus setzt sie sich ohne irgendein Wort und ich fahre weiter nach Hause.
Dann nach etlichen verstrichenen Minuten, bricht sie ihr Schweigen „Bin ich wirklich tot?“, will sie wissen?
Ich ruf sie zu mir und setze sie auf meinen SchoĂź. Ich Zeige ihr ihr Spiegelbild und sie erschrickt. Dann setze ich mein Basekap ab und betrachte mich selbst.
Ich habe blutverschmiertes Braunes Haar und braune Augen. Am Ansatz meiner Haare steckt ein Hand großes Stück Glas in meiner Stirn. „Wir sind alle Tod“, antworte ich.
„Komm ich in den Himmel?“ Sie sieht mich direkt an und ich antworte ja.
Vor mir öffnet sich der Boden und mein Bus fährt in die Tiefen der Hölle. Mein erster Stopp auf den Weg nach Hause. Der Bus wird plötzlich fast leer. Nur der alte Mann, Maria und das ungeboren Baby, dass seine Mutter mit in den Tod nahm, müssen hier noch nicht aussteigen. Aber es ist nicht sehr einfach die Mutter zum gehen zu bewegen. Aber ich habe darin Übung. Dann fährt mein Bus in den Himmel.
Vor den groĂźen Himmelstoren halte ich meinen Bus an. Davor steht Petrus und Harkt ab. Das ungeboren Baby krabbelt zum Ausgang und plumpst die Stufen hinab. Dann krabbelt es in den Himmel. Der alte Mann folgt. Nun ist Maria dran.
Sie steigt aus und tritt vor Petrus.
Er bittet sie herein aber Maria bleibt vor ihm. Ihr Blick liegt auf mir. Dann tut sie etwas ziemlich unerwartetes. „Herr Petrus“, sagt sie entschieden.
Petrus sieht zu ihr auf. Sein Schneeweißer langer Bart fällt über das Pult auf den Boden. „Ja.“
„Darf ich Anton helfen?“ Die Frage überrascht und erfreut mich. Ich bete, das Petrus zustimmt. Aber er stimmt fast keiner Bitte zu.

Ich recke mich und starte meinen Bus. Die Sonne sticht mir in die Augen. Es ist der Beginn eines beschissenen Tages, der wie jeder beschissene Tag beginnt.
Ein Gähnen kommt von meiner rechten. Dort auf zwei Sitzen liegt Maria, die sich streckt.
„Bist du startklar“, frage ich.
Sie setzt sich auf und Antwortet: „Klar Boss.“ Sie rückt ihr Basekap zurecht und setzt sich eine Sonnenbrille auf. Ich tu es ihr gleich und setze meinen Bus in Bewegung.

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gladiator
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Hmmmhmhmmhmmm....

Beim Lesen dieser Geschichte habe ich lange Zeit ĂĽberlegt, ob ich mich bei den Moderatoren beschweren soll, weil ich die Story als primitiv und gewaltverherrlichend empfunden habe.
Doch die Pointe hat mir letztlich gar nicht schlecht gefallen, deshalb gebe ich hier jetzt auch meinen Kommentar ab.

Wenn Du den "Tod", um den es ja letztlich geht, weniger gewaltverliebt und sardonisch beschriebest, gewänne die Geschichte in meinen Augen sogar noch. Auch die vielen Gewaltelemente sind in dieser Form gar nicht notwendig. Weniger ist manchmal mehr.
Ein Bus fahrender Tod, der mehr oder weniger distanziert und eher lakonisch seine Meinung zum Geschehen abgibt, fände ich viel interessanter. Denn im Grunde ist er ja gar nicht so schlecht, wie es vor allem zu Anfang erscheint, führe er sonst mit dem Mädchen zu seiner Mutter, damit sie sich voneinander verabschieden können?
Manche Elemente (Hinweise auf Petrus, Nebel beim Erscheinen, Himmelstore etc.) erscheinen einfach kitschig. Vielleicht hattest Du einen Film von David Lynch dabei vor Augen, aber das ist halt Film und das hier ist ein Text.
Der Text hat einige Tempusfehler (Imperfekt statt Präsens) und Schreibfehler, außerdem wechselst Du oft von der Ich-Form in die auktoriale Erzählhaltung. Das macht zwar im Nachhinein einen gewissen Sinn, weil ein Busfahrer über seine Gäste gar nicht all das, was er erzählt, wissen kann, ein vielleicht "allwissender Tod" hingegen sehr wohl. Weil das aber lange Zeit nicht klar ist, wirkt es handwerklich eher ungeschickt.

GruĂź
Gladiator
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MaxiWolf
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Hi Gladiator!

Wow, du bist der 1. von dem ich so ne lange Kritik bekomm. Danke. :-)

Frage: Was heißt eigentlich primitiv? :-“ Aber danke, dass du dich nicht beschwert hast.

Zum Thema gewaltverherrlichend: Wollt einfach mal was schreiben, dass en bissel brutalere Zeilen hat. AuĂźerdem wollt ich die Szenen en bissel darstellen.

Kitschig und ungeschickt: Na ja, ich schreib erst seit 2001 und sich verbessern kann man eh nur durch Kritik und Hinweis was verbessert werden sollte, find ich. Und das ist hier etwas selten zu finden.

Tempusfehler: Bäh Grammatik. ;-)

Rechtschreibfehler: Bis zur Perfektheit ist es noch ein laaaaaaaaaaaanger und beschwerlicher Weg bei mir.

Im eigentlichen wollt ich die Geschichte etwas humorvoll gestalten. Versuche eben. Und am Anfang und bei der Idee zu der Geschichte war nur der Busfahrer und das kleine Mädchen. Bin eh noch am überlegen, wie ich die Bestandteile in ne etwas nettere Geschichte einbinden könnte.

GruĂź M@xi

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